Veltheim an der Weser

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1937 genehmigt – 1965 eingeweiht: Die Sprengelweg-Brücke

Am 7.12.1065 war es endlich soweit, die neue Brücke über die Autobahn A2, die den unterbrochenen Sprengelweg wieder vereinte, wurde eingeweiht. Damit wurde ein Bauvorhaben abgeschlossen, das schon 1937 von den zuständigen Stellen genehmigt war, aber infolge der Kriegswirren in Vergessenheit geraten war.

Jahrhunderte war der Sprengelweg eine alte Heerstraße von Minden in das Lipperland. Diese Straße war nur notdürftig ausgebaut und wurde 1936/37 beim Bau der Autobahn unterbrochen.

Die Gemeinde Veltheim hatte damals sofort entsprechende Anträge für eine Brückenverbindung gestellt, und die Planung dafür begann auch sofort.

Ein Jahr später gab es einen neuen Plan, und da war keine Brücke mehr vorgesehen. Dagegen legt die Gemeinde Veltheim sofort Einspruch ein. In den Kriegswirren geriet das Vorhaben in Vergessenheit und erst 1956 gab es ein neues Planfeststellungsverfahren, wo die Brücke wieder nicht vorgesehen war. Dagegen legten die Gemeinde und 45 Veltheimer Bürger Einspruch ein, kam aber damit nicht weiter.

Nachdem die Gemeinde Veltheim eine Klage beim Verwaltungsgericht eingereicht hatte, ging es dann sehr schnell. 1963 wurden Vergleichsverhandlungen mit dem Land NRW geführt, die Klage zurück genommen und am 1.4.1965 war Baubeginn.

Kostenaufteilung: Bund 160.000.- DM; Land NRW 100.000.- DM und Gemeinde Veltheim, sowie Kreis Minden je 50.000.- DM.

Die 100 Meter lange und fünf Meter breite Brücke hat eine Tragfähigkeit von 16 Tonnen und ist ein Verbundbau zwischen Stahl und Beton.

Und besonders zu vermerken: Der Brückenbau blieb 20.000.- DM unter den veranschlagten Kosten.

Das wurde besonders lobend bei der Frei- und Übergabe des neuen Bauwerkes erwähnt. Besonders die Veltheimer Land-und Forstwirte waren glücklich über die wieder hergestellte Verbindung. Der erste offizielle Nutzer nach Eröffnung war daher auch ein Veltheimer Landwirt, nämlich Korffs Fritz mit seinem Trecker.

In 2016 erfolgte eine Komplettrenovierung des Brückenbauwerks.


Ritter in Veltheim

In den letzten Tagen berichteten wir auf der Veltheim-Seite von Veltheimer Sportlern, die aktuell herausragende Leistungen in ihren jeweiligen Sportarten vollbrachten. In dieser Hinsicht hatte Veltheim auch schon in früheren Jahren Sportler und Funktionäre, die besondere Leistungen vollbrachten und damit überregional Bedeutung erlangten und Veltheim damit bekannt machten.

 In lockerer Folge soll darüber auf dieser Veltheim-Seite in der nächsten Zeit berichtet werden. Den Anfang macht Horst Günther, der heute nicht mehr in Veltheim wohnhaft ist.

Horst Günther, Handballspieler des SuS Veltheim, hatte mit Kollegen gewettet, dass er, bekleidet mit einer Ritterrüstung, von Petershagen nach Veltheim laufen würde. Der Wette zufolge sollte er diese rund 25 km lange Strecke in maximal 12 Stunden zurücklegen. Es ging um rund 350,– DM. Schon nach etwa 3 Stunden hatte der Sportkamerad, mit der circa 24 kg schweren Rüstung bekleidet, die Mindener Innenstadt erreicht und es gab die ersten Menschenaufläufe. Gefolgt von seinen Kameraden in „Überwachungs- und Verpflegungsfahrzeugen“ und einer immer länger werdenden Autoschlange der „Neugierigen“ erreichte „Recke Horst“ das Ziel in Veltheim, das Gasthaus Buschmann. Hier hatte sich bereits eine große Menschenmenge zur Begrüßung eingefunden, die dem Ritter einen großen Applaus zollte.

Die heimische Presse schrieb: „Nach den von einer jungen Dame überreichten Blumen und Küssen, die der erschöpfte, aber glückliche Wettsieger strahlend entgegennahm, folgte die Gratulationscour der fairen Verlierer. Ob in Veltheim noch gefeiert wurde?“

Zeitzeugen bestätigten: Es folgte eine lange „rauschige“ Nacht“! Der Wetteinsatz wurde in Bier umgesetzt. Sogar der „Bild-Zeitung“ war diese Aktion eine Berichterstattung wert.


Das Unglück in Veltheim am 31. März 1925

 Von Reinhold Kölling (Ortsheimatpfleger Veltheim)

Bei einer Übung der Reichswehr ertranken am 31. März 1925 80 Soldaten der Reichswehr und 1 Zivilist bei einer Übung in der "Weser. Die Nachrichten über das Veltheimer Fährunglück gingen damals durch die gesamte deutsche Presse und erregten darüber hinaus auch in der Weltpresse großes Aufsehen. Noch Jahrzehnte später wurde ich, wenn ich zufällig meinen Geburtsort Veltheim erwähnte, auch von Fremden immer wieder gefragt: "Ist das das Veltheim, wo sich das große Fährunglück ereignete?" Der vier Wochen nach dem Unglück in Minden geführte Strafprozess, der den Hergang des Unglücks und die Schuld an der Katastrophe klären sollte, fand ebenfalls in ganz Deutschland und auch im Ausland große Beachtung.

 Ich habe nach einem Bericht des Redakteurs Georg Strutz (erschienen in der Freien Presse, Minden, am 26.3.,29.3., 30.3., 31.3., 1.4. und 2.4.1955) die wichtigsten Tatsachen über das Unglück zusammengestellt. Der Redakteur Strutz kam etwa zwei Stunden nach dem Unglück als Zeitungsberichterstatter an die Unglücksstelle und hat mit vielen Augenzeugen des Unglücks gesprochen.

 "Im Bereich der 6.Reichswehrdivision war in der Gegend des Weserbogens. und der Porta 'Westfalica eine Standortübung angesetzt worden, an der die Ausbildungsbataillone der Reichwehrregimenter 16 (Osnabrück), 18 (Detmold), zwei weitere Infanteriebataillone, Artillerie und Kavallerie aus Hameln und Paderborn, Pioniere und Kraftfahrformationen aus Minden und Münster teilnahmen. Die Aufgabe war, dem aus Richtung Steinhuder Meer - Minden vordringenden "Gegner" (Rot) den Weg abzuschneiden und südlich der Porta die Eisenbahn zu zerstören.

Die "blaue“ aus Südwesten kommende Truppe sollte nach Nordosten vordringen und dabei mit Fähren die Weser überqueren. Das Ausbildungsbataillon Inf.-Regt.18 aus Detmold traf dabei mit Verspätung ein, so dass nun in aller Eile die Verladung auf die bereitstehende "Fliegende Brücke" begonnen werden musste.

Es wurde dabei eine so genannte "Gierfähre" benutzt, die aus vier (je zwei und zwei hintereinander liegenden und durch Bohlenbelag miteinander verkoppelten) Pontons bestand. Das Gefährt war über ein weiter stromauf liegendes Ponton hinweg mit einem Seil im Oberstrom verankert. Durch Schrägstellung wie bei einer regulären Fähre konnte es mit dem Druck der Strömung von einem Ufer zum anderen gependelt werden. Alles schien tadellos und entsprechend der Dienstvorschrift zu funktionieren.

Nun aber wurden erstmalig Menschen verfrachtet, feldmarschmäßig bepackt, mit Tornister, Stahlhelm und Gewehr. Eine ganze Kompanie stand, dicht aneinandergepresst, noch halb außer Atem durch die Hetze der verspäteten Ankunft, auf den ungewohnten Planken. Dann ging die Fahrt los - die Todesfahrt. In Sekundenschnelle eilte man das jenseitige Ufer zu. Alles schien gut zu gehen, das Gefährt war bereits über die Mitte des Stromes hinweg, als plötzlich eine leichte Bewegung in die Mannschaft kam. Die Mitte der Gierfähre neigte sich ins Wasser, Soldaten rutschten ab, andere stürzten hinterdrein. In bleichem Entsetzen hockte die restliche Mannschaft auf dem hinteren Teil der sinkenden Fähre, die, nach dem Kappen des Halteseils, stromab trieb, und starrte auf das vom Oberstrom heran nahenden Rettungsponton. Als es dicht am Unglücksfahrzeug war, brach eine Panik aus. Soldaten sprangen über, andere mit der Fähre Versinkende klammerten sich an die Breitseite des Pontons, so dass es schwerfällig umschlug. Verschiedene erstickte Aufschreie, ein leichter Strudel, dann war auch dies zweite Unglück vorüber.

Den Zuschauern am Ufer stockte der Atem. Sie sahen Fährmann Huck mit seinem Boot ankommen, das er vor seiner eigenen Fähre losgemacht hatte und alle wunderten sich, wie er so schnell hatte herankommen können.

Mit Staken und den Händen entrissen die Insassen manchen schon fast Verlorenen den Fluten. Auch sonst am Ufer regten sich rettende Kräfte.

Aber alles geschah in wenigen Minuten - kaum dass die Menschen am Ufer sich richtig aus der Erstarrung lösten. Mit den aus den Nachbarorten heranströmenden Menschen, die von dem furchtbaren Unglück gehört hatten, schwollen auch die Gerüchte.

Was war daran? Ich hörte von einem jungen Pionier, der neben anderen tapferen Rettern wahre Wundertaten vollbracht haben sollte. Immer wieder sei er in die Strömung hinaus geschwommen und habe einen nach dem anderen der meist des Schwimmens unkundigen Infanteristen herausgeholt.

Acht bis zehn Mann, so erzählte man sich, habe er unter größter Lebensgefahr gerettet, ehe er schließlich erschöpft am Ufer zusammengebrochen sei. Diesen Pionier suchte ich; sicherlich würde er mir manches berichten können - falls er überhaupt vernehmungsfähig war. Meine Vermutung, dass er in irgendeinem der Privathäuser untergebracht war, deren Bewohner hilfsbereit die den Fluten entrissenen Soldaten aufgenommen und betreut hatten, bestätigte sich bald.

Es handelte sich um den aus Minden stammenden Pionier Gerhard Pape, der später im 2. Weltkrieg gefallen ist. Pape berichtete: "Das Dollste war ja, dass sie meist alle noch den Tornister auf dem Rücken hatten und kaum einer die Knarre losließ.

Hatten sich daran festgeklammert wie an dem berühmten Strohhalm. Wenn sie aber losließen, musste ich mich vorsehen, dass ich nicht Strohhalm wurde. Am schlimmsten war es mit den Dreien, die sich wie eine Traube umklammerten. Einer davon war Schwimmer und quälte sich fürchterlich.

Die wären bestimmt alle drei abgesackt. So aber - wenn du willst: mit meiner Hilfe - kamen sie, wenn auch nass, doch noch ans Land."

Schon am Abend des Unglückstages, als die Strompolizei mit einem Motorboot und großen Fangnetzen stromauf kam, irrten Angehörige der Vermissten mit verquollenen Augen durch die Menschen an den dicht besetzten Uferrändern und suchten, suchten, suchten. Vielleicht, dass gerade ihr Sohn, ihr Liebster durch Zufall doch noch gerettet und irgendwo in den Häusern bis nach Rinteln hin untergebracht war?

Einen weißhaarigen Mann, von zwei jüngeren Menschen gestützt, werde ich nie vergessen. Mit zusammengepresstem Mund und leeren Augen ließ er sich immer weiter führen, obwohl die Erschöpfung ihm bereits die Beine lähmte. Und eine bäuerlich gekleidete Mutter sah ich, die mit rot verweintem Gesicht immer wieder den einen oder anderen anbettelte: "Nun helft mir doch suchen, helft mir doch suchen! Ihr und den vielen anderen Betroffenen konnte niemand helfen. Alle Hoffnung war dahin.

 Irgendwo versunken in der Strömung trieb vielleicht ein lebloser Körper, hing in einem der Weserkolke einer der Frühvollendeten fest.

Vom lippischen Landtag, der gerade tagte und in einer Trauersitzung der Opfer dieser furchtbaren Katastrophe gedacht hatte, kamen Landespräsident Heinrich Drake und der Präsident des Landtags Wilhelm Meier herbeigeeilt. Auch sie konnten sich nur notdürftig unterrichten über den Umfang der Katastrophe. Sie ordneten daraufhin Landestrauer an für den gesamten Freistaat Lippe. Und als die Menschen dann am 3.April zu einer Trauerfeier im Kasernenblock des Detmolder Ausbildungsbatallions zusammenströmten, da gab es in Detmold kein Haus ohne Trauerflor, Fahnen und Flaggen. Die Straßen und Gassen mit ihrem düsteren Aussehen. an diesem schwarzem Freitag wurden nur noch überschattet von den trauernden Herzen der Einwohner dieser Stadt. Viele offizielle Vertreter; darunter Reichswehrminister Dr. Geßler und General von Seeckt, hatten sich neben den Angehörigen der Toten in dem zur Kapelle umgewandelten Exerzierhaus eingefunden. "

 Bergung

Die Bergungsarbeiten waren dem Oberstleutnant Lindemann unterstellt worden. Er hatte eine Kompanie Pioniere aus Minden, den Reichswasserschutz und Technische Nothilfe eingesetzt, die gemeinsam fieberhaft bestrebt waren, die Weser nach Opfern abzufischen. Die Weserufer waren aufgewühlt von den Rädern der Motorfahrzeuge. Taucher wurden eingesetzt. Hunderte von Menschen schauten jeweils zu.

Ein Kinooperateur kurbelte die traurige Szene. Lange hielt die Weser ihre Opfer fest. Tornister, Koppel und Ausrüstungsgegenstände waren das erste, was unterhalb von Veltheim, etwa in der Höhe von Erder, angeschwemmt wurde. Dort war auch das Wrack der Fähre angetrieben worden, das die "Teno" sogleich zerlegte.

Noch weiter unterhalb, etwa bei Vlotho, trieb das umgeschlagene Rettungsponton an, das somit 10 km weit fortgeschwemmt worden war. Tag für Tag arbeiteten die Bergungsmannschaften. Alle Kolke wurden systematisch abgesucht, immer wieder Taucher eingesetzt. In den ersten acht Tagen wurden 21 Leichen an Land gebracht, die meist bei Erder gefunden worden waren. Manchmal hatten sie sich in der Todesnot wie Trauben aneinander geklammert - so fand man sie in den Kolken. Und jedes Mal, wenn ein Motorschiff stromauf kam und bei Veltheim an Land legte, wusste man: wieder einer!

In der Dorfkirche und im Konfirmandensaal lagen sie aufgebahrt, einer neben dem anderen, jeder ein Blumensträußchen in den längst erkalteten Händen haltend.

Nach zehn Tagen waren 51 Tote geborgen. Die letzten Vermissten wurden nach Porta, Petershagen und Windheim fort getragen. Am 23.April, 24 Tage nach dem Unglück, gab die Weser ihr letztes Opfer frei.





Opfer

81 junge Menschen hatten den Tod in der Weser gefunden. Nach den amtlichen Mitteilungen handelte es sich dabei um 33 Soldaten der 14. Kompanie Infanterie Regiment 18 Detmold, 5 Soldaten der 16. Kompanie Infanterie Regiment 18 Detmold, ein Offizier der Kraftfahrabteilung Münster, ein Soldat des Pionier-Bataillons 6 Minden, ein Zivilist (Kaufmann Wilhelm Brand aus Varenholz).  Dieser hatte die reguläre Fähre nicht benutzen können, da sie wegen der Übung stillgelegt worden war. Mit der Bitte, mit nach "drüben" genommen zu werden, erfüllte sich sein tragisches Schicksal.

 






Schuld und Ursache

Die Untersuchung über Schuld und Ursache des Unglücks wurde inzwischen fortgesetzt. Der als Beauftragter des Reichswehrministeriums nach Minden entsandte Inspekteur des Pionierwesens, Generalmajor Ludwig, kam dabei zunächst zu folgenden Ergebnissen: Die bei der Truppenübersetzung gebaute Fähre entsprach den Vorschriften. Sie war nicht überbelastet. Durch die Stromgeschwindigkeit von 1,50 Meter in der Sekunde schlugen Wellenköpfe in eines der tragenden Pontons. Der im Boot befindliche Pionier meldete das pflichtgemäß dem die Überfahrt leitenden Oberleutnant Jordan, obwohl sich keine nennenswerten Wassermengen im Ponton befanden. Der Oberleutnant befahl eine geringere Gier Stellung (Schrägstellung der Fähre zur Strömung); das war richtig. Die Mannschaft hatte den Ruf: „Wasser im Ponton!“ vernommen, drängte daraufhin nach der landeinwärts gelegenen Seite und überlastete die Fähre nach der Mitte zu. Oberleutnant Jordan befahl in dieser Situation, das Ankertau zu kappen. Auch das war richtig, weil sonst der Wasserdruck die Fähre schnell unter Wasser gedrückt haben würde.

Der Befehl des Leutnants Heidkämper an die Restbesatzung, Gepäck und Gewehre ins Wasser zu werfen, wurde aus missverstandenem Pflichtgefühl nicht befolgt. Oberleutnant Jordan beorderte den Rettungsponton, der oberhalb am Ufer bereitlag, an die Unglücksstelle.

Leutnant Heidkämper wollte nur die von ihm bestimmten Männer ins Boot lassen. Seine Anordnung wurde in der Panikstimmung jedoch nicht befolgt. Zuerst sprang ein Mann mit vier umgehängten Gewehren ins Boot, dann die gesamte Besatzung. Und da sich der Rest von der sinkenden Fähre aus an die Breitseiten des Pontons klammerte, schlug das Boot um und begrub alles unter sich.

 Prozess

Unabhängig von allem hatte die Oberstaatsanwaltschaft Bielefeld ihre Ermittlungen angestellt. Über hundert Zeugen wurden von ihr vernommen. Vier Wochen nach dem Unglück stand der Pionieroberleutnant Jordan dann unter der Anklage der fahrlässigen Tötung. Obwohl gestimmte Vorschriften über die Belastung einer „fliegenden Fähre" nicht beständen, so hieß es in der Klageschrift, sei eine Überlastung wahrscheinlich gewesen. Geäußerte Bedenken habe Jordan abgewiesen mit dem Hinweis auf seine Verantwortlichkeit, die er nach der Dienstvorschrift auf sich nehme. Nachdem er nach dem Unglück und seiner Rettung aus der Weser zunächst zusammen gebrochen war, habe sich Jordan am 9. April geweigert, auf einer rekonstruierten Fähre eine Probefahrt mitzumachen unter dem Hinweis, diese Fähre liege tiefer im Wasser als das damals gebaute Fahrzeug.

Die Überfahrt am 11.April mit 149 feldmarschmäßig ausgerüsteten Infanteristen habe ergeben, dass eine Belastung mit 125 Personen im Höchstfalle vertretbar gewesen wäre. Am Unglückstage seien aber 167 Mann auf die Fähre gestellt worden. Das Unglücksgefährt habe auch nicht, wie es Vorschrift war, einen Rettungsponton im Schlepp gehabt, sondern es seien nur unzulängliche Boote oberhalb der ÜbersetzsteIle

bereitgestellt gewesen. Die Belastung der Fähre sei zudem ungleichmäßig erfolgt.

Diese und andere Tatbestände bildeten die Anklagepunkte zu einer achttägigen Gerichtsverhandlung in der "Weserklause" zu Minden. Die Anklage vertrat dabei Oberstaatsanwalt Dr. Schwederski, Bielefeld, den Vorsitz führte der Mindener Amtsgerichtsrat Vagedes.

Der angeklagte Oberleutnant Jordan, hoch gewachsen und schlank, mit einem Monokel im Auge, machte einen ruhigen, gefassten Eindruck. Er schilderte aus seiner Sicht heraus die Ereignisse am Unglückstage,

betonte, dass er sich bei der Konstruktion der Fähre genau an die Vorschrift gehalten habe, die nach seinen Berechnungen 175 Mann hätte tragen müssen. Die ungewöhnliche Schnelligkeit der Fähre bei der Überfahrt habe er nach dem Ruf des Pioniers "Wasser im Ponton" durch abgeänderte Gier Stellung gebremst und zugleich den Befehl erteilt:

"Alles Oberstrom treten und verteilen!" - ein Befehl, der anscheinend von den Infanteristen in seiner Bedeutung nicht richtig erkannt worden sei. Auch er selbst sei ins Wasser gerutscht, habe sich dann etwa 150 Meter weiter unterhalb schwimmend ans Land retten können. Unbekannt sei ihm die Bestimmung gewesen, dass die Fähre einen Ponton im Schleppzug haben musste. Die Übersetzstelle bei Veltheim, in unmittelbarer Nähe der üblichen Fähre, habe er an sich für ungefährlich gehalten."

Während viele der geladenen Zeugen das bereits bekannte Bild bestätigten, waren die Bekundungen des Amtsgerichtsrates Mitteldorf in Vlotho von besonderer Bedeutung. Er machte der Technischen Nothilfe den schwerwiegenden Vorwurf, das angetriebene Wrack voreilig, ohne die amtlichen Untersuchungen abzuwarten, abmontiert zu haben. Dadurch seien die entscheidenden Ermittlungen außerordentlich erschwert worden. Nach den ihm gewordenen Mitteilungen sei kein einziger Balken oder Brett gebrochen und die Verschnürung einwandfrei gewesen. Zweifellos aber sei eine Gierfähre der gebauten Art empfindlich wie eine Apothekerwaage, ein einziger Mann könne schon Schwankungen hervorrufen.

 

Hauptmann Isermann von der 14. Kompanie, der auch schwimmend von der Fähre aus das Ufer erreichte, war nach seinen Aussagen verspätet mit seiner Truppe an der Unglückstätte eingetroffen, weil schlechte Wege und sonstige Schwierigkeiten ihn behindert hätten. Deshalb habe die Mannschaft erhitzt die Fähre besteigen müssen. Nach seiner Meinung sei die Fähre bereits besetzt gewesen, als er Oberleutnant Jordan gegenüber eine weitere Belastung Bedenken geäußert hätte. Er habe sich aber den Anordnungen Jordans fügen müssen, der für die Fähre Befehlsgewalt hatte. Die meisten der ihm unterstellten Leute seien Nichtschwimmer gewesen und daher sei auch die große Zahl der Opfer zu beklagen. Der Hauptmann der 15.Kompanie weigerte sich, seine Soldaten der Fähre anzuvertrauen. Dadurch blieben sie vor dem Schicksal der 16. Kompanie bewahrt.

Von vielen zivilen Zeugen wurde übereinstimmend bekundet, dass die Leute nur widerwillig auf die Fähre gegangen seien. Mehrfach sei geäußert worden: „Wenn das gut geht, geht alles gut!“

Am wichtigsten und eindrucksvollsten war wohl die Aussage des Fährmanns Huck, der langjährige Erfahrungen mit dem Übersetzen über die Weser hatte. Er hält die Strömung gerade bei Veltheim für reißend, die Hauptstromstärke sei ca. 20 Meter von beiden Ufern entfernt. Als die Fähre vom jenseitigen Ufer abstieß, habe es sehr gefährlich ausgesehen. Sein Freund Tellermann aus Veltheim habe ihn aufgeregt angestoßen und gesagt: "Ich befürchte Schlimmes! Wenn das nur gut geht! Mache lieber deine Fähre klar - für alle Fälle!“ Beide seien daraufhin zur eigenen Fähre geeilt, die er sofort losmachte. Da das Unglück in diesem Augenblick geschah, konnte er mit seinem Boot rechtzeitig herankommen und so viele Soldaten vor dem Ertrinken retten.

Für die Gerichtsverhandlung wurde noch einmal eine Gierfähre gebaut. Dafür musste eine Sondererlaubnis vom Reichswehrministerium eingeholt werden, weil der Bau inzwischen grundsätzlich für alle Zukunft verboten worden war. Eine Überfahrt über die Weser wurde zwar nicht gestattet , immerhin aber war es möglich, am Ufer das Fahrzeug mit 167 Mann zu belasten - wie am Tage des Unglücks. Es zeigten sich bei Gier Stellung zwischen vorderem und hinterem Ponton starke Strudel und Wellenköpfe, auch wurden leichte Erschütterungen sofort registriert.

„Empfindlich wie eine Apothekerwaage!“ hatte Amtsgerichtsrat Mitteldorf gesagt; hier bestätigte es sich.

Kein Wunder also, dass auch der Gutachter Oberst vom Sommerfeld später sagte: „Ich wäre nicht mit hinübergefahren, denn solches Monstrum von Fähre hat gänzlich seinen Sinn verloren!"

Die ganze schwere Bürde der Verantwortung wälzte dieser Vertreter des Reichswehrministeriums auf die alte, von Oberleutnant Jordan benutzte Dienstvorschrift aus dem Anfang des vorigen Jahrhunderts. Ihre Lückenhaftigkeit habe zu dem tragischen Unglück geführt. Höchstens hundert Mann hätten dem Fahrzeug anvertraut werden dürfen, war seine Meinung. Ein anderer Gutachter namens Krel fand die Schuld in dem Fehlen bestimmter und klarer Vorschriften, der unglücklichen Konstruktion der Fähre, verschiedenen ungünstigen Umständen (Hochwasser, Gier Stellung), und der ungleichen Verteilung der Leute auf dem Fahrzeug.

 Urteil

So kam denn, was vorauszusehen und nach Lage der Dinge auch gerecht war: Der angeklagte Oberleutnant Jordan wurde freigesprochen, da ihm nicht zur Last gelegt werden konnte, was er in zu großer Gläubigkeit als eine Art militärisches Evangelium betrachtet hatte: die - wenn auch lückenhafte - Dienstvorschrift!

Heute ragt an der Veltheimer Fähre als Mahnmal ein schlanker Obelisk mit einem Kreuz in die Luft. Das Denkmal wird von einer Einheit der Bundeswehr gepflegt, und alljährlich am 31.März findet eine Gedenkfeier für die 81 Toten des Unglücks dort an der Fähre statt.

Zu erwähnen wäre vielleicht noch, dass der Fährmann Fritz Huck im 2.Weltkriege ebenfalls gefallen ist. Außer ihm zeichneten sich eine Reihe anderer Veltheimer Einwohner bei den Rettungsarbeiten aus. Von ihnen erhielten die Rettungsmedaille am Bande:

Fährmann Fritz Ruck, Zimmermeister Wilhelm Tellermann, Bäckermeister Heinrich Tellermann, Landwirt August Tellermann sen., Schlosser August Buhmeier und Student Heinrich Boeke.

Mit der Erinnerungsmedaille für Rettung aus Gefahr wurden ausgezeichnet: Landwirt Wilhelm Behning, Landwirt Heinrich Pook, Landwirt Friedrich Vauth, Landwirt August Tellermann, Gemeindediener Heinrich Schäfer, Landwirt Heinrich Tellermann, Möllbergen, Landwirt August Hanke, Landwirt August Vauth, Landwirt Moritz Kütemeier, Zimmermann Karl Korte, Arbeiter Friedrich Schäfer, Bäckermeister Wilhelm Camen, Händler Friedrich Kütemeier, Beamtenanwärter August Buschmann, Tischlermeister Heinrich Freding, Techniker Heinrich Huck, und Frau Günther.




Das Reichswehrunglück am 31. März 1925 in Veltheim und seine Folgen

von Reinhold Kölling (Ortsheimatpfleger Veltheim)

 Bei einer Übung der Reichswehr ertranken am 31. März 1925 80 Soldaten der Reichswehr und ein Zivilist in der Weser bei Veltheim. Die Nachrichten über das „Veltheimer Fährunglück“ gingen damals wochenlang durch die gesamte deutsche Presse und erregten darüber hinaus auch in der Weltpresse großes Aufsehen. Der vier Wochen nach dem Unglück in Minden geführte Strafprozess, der den Hergang des Unglücks und die Schuld an der Katastrophe klären sollte, fand ebenfalls in ganz Deutschland und im Ausland große Beachtung.

Über das Unglück selbst ist in den letzten Jahren, oft und ausführlich berichtet worden (auf dieser Seite erschient in Kürze nochmals ein Aufsatz dazu).  Ausführlich ist es anhand von Zeitzeugenberichten in dem Buch Band I der Chronik von Veltheim mit dem Titel „Leben am Fluss“ vom Verfasser aufgearbeitet. Aus diesem Grund soll in diesem Bericht besonders der Prozess, das Urteil und die Wirkungen, beleuchtet werden.

Die Rettungs- und Bergungsarbeiten waren damals dem Oberstleutnant Lindemann unterstellt. Mit einer Kompanie Pionieren aus Minden, dem Reichswasserschutz und der Technischen Nothilfe war man gemeinsam fieberhaft bestrebt die Weser nach Opfern abzufischen. Zuvor waren schon viele Soldaten von Kameraden, besonders aber auch von Veltheimer Bürgern, die als Zuschauer zugegen waren, gerettet worden. Die Bergung gestaltete sich bei den Wasser- und Witterungsverhältnissen sehr schwierig. Die Weserufer waren aufgewühlt von den Rädern der Motorfahrzeuge. Taucher wurden eingesetzt. Hunderte von Menschen schauten jeweils zu.

 

 

Foto: Bergungsarbeiten (Archiv Reinhold Kölling)

 


Das Wrack der Pontonfähre wurde in Erder angetrieben und von der Technischen Nothilfe so gleich zerlegt.

In den ersten acht Tagen wurden 21 Leichen an Land gebracht, die meist bei Erder gefunden wurden. Manchmal hatten sich die Soldaten in der Todesnot wie Trauben aneinander geklammert - so fand man ihre Leichen  in den Kolken. Und jedes Mal, wenn ein Motorschiff stromauf kam und bei Veltheim an Land legte, wusste man: wieder einer! In der Dorfkirche und im Konfirmandensaal lagen sie aufgebahrt, einer neben dem anderen, jeder ein Blumensträußchen in den längst erkalteten Händen haltend.

Nach zehn Tagen waren 51 Tote geborgen. Die letzten Vermissten wurden nach Porta, Petershagen und Windheim von dem Weserstrom fort getragen. Am 23.April, 24 Tage nach dem Unglück, gab die Weser ihr letztes Opfer frei.

Die Untersuchung über Schuld und Ursache des Unglücks wurde sofort nach dem Unglück in Gang gesetzt. Der als Beauftragter des Reichswehrministeriums nach Minden entsandte Inspekteur des Pionierwesens, Generalmajor Ludwig, kam dabei zunächst zu folgenden Ergebnissen:

„Die bei der Truppenübersetzung gebaute Fähre entsprach den Vorschriften. Sie war nicht überbelastet. Durch die Stromgeschwindigkeit von 1,50 Meter in der Sekunde schlugen Wellenköpfe in eines der tragenden Pontons. Der im Boot befindliche Pionier meldete das pflichtgemäß dem die Überfahrt leitenden Oberleutnant Jordan, obwohl sich keine nennenswerten Wassermengen im Ponton befanden. Der Oberleutnant befahl eine geringere Gierstellung (Schrägstellung der Fähre zur Strömung); das war richtig. Die Mannschaft hatte den Ruf: „Wasser im Ponton!“ vernommen, drängte daraufhin nach der landeinwärts gelegenen Seite und überlastete die Fähre nach der Mitte zu. Oberleutnant Jordan befahl in dieser Situation, das Ankertau zu kappen. Auch das war richtig, weil sonst der Wasserdruck die Fähre schnell unter Wasser gedrückt haben würde.

Der Befehl des Leutnants Heidkämper an die Restbesatzung, Gepäck und Gewehre ins Wasser zu werfen, wurde aus missverstandenem Pflichtgefühl nicht befolgt. Oberleutnant Jordan beorderte den Rettungsponton, der oberhalb am Ufer bereitlag, an die Unglücksstelle.

Leutnant Heidkämper wollte nur die von ihm bestimmten Männer ins Boot lassen. Seine Anordnung wurde in der Panikstimmung jedoch nicht befolgt. Zuerst sprang ein Mann mit vier umgehängten Gewehren ins Boot, dann die gesamte Besatzung. Und da sich der Rest von der sinkenden Fähre aus an die Breitseiten des Pontons klammerte, schlug das Boot um und begrub alles unter sich.“

Unabhängig von dieser Untersuchung hatte die Oberstaatsanwaltschaft Bielefeld ihre Ermittlungen angestellt. Über hundert Zeugen wurden von ihr vernommen. Vier Wochen nach dem Unglück stand der Pionieroberleutnant Jordan, der für das Übersetzen verantwortliche Pionieroffizier, dann unter der Anklage der fahrlässigen Tötung vor Gericht.

„Obwohl bestimmte Vorschriften über die Belastung einer „fliegenden Fähre" nicht beständen“, so hieß es in der Klageschrift, „sei eine Überlastung wahrscheinlich gewesen“.

„Geäußerte Bedenken habe Jordan abgewiesen mit dem Hinweis auf seine Verantwortlichkeit, die er nach der Dienstvorschrift auf sich nehme“.

Nachdem er nach dem Unglück und seiner Rettung aus der Weser zunächst zusammen gebrochen war, habe sich Jordan am 9. April geweigert, auf einer rekonstruierten Fähre eine Probefahrt mitzumachen unter dem Hinweis, diese Fähre liege tiefer im Wasser als das damals gebaute Fahrzeug.

 

 

Foto: Nachbau der Pontonfähre (Archiv Reinhold Kölling)

 

Für die Gerichtsverhandlung wurde noch einmal eine Gierfähre gebaut. Dafür musste eine Sondererlaubnis vom Reichswehrministerium eingeholt werden, weil der Bau inzwischen grundsätzlich für alle Zukunft verboten worden war. Eine Überfahrt über die Weser wurde zwar nicht gestattet, immerhin aber war es möglich, am Ufer das Fahrzeug mit 167 Mann zu belasten - wie am Tage des Unglücks. Es zeigten sich bei Gierstellung zwischen vorderem und hinterem Ponton starke Strudel und Wellenköpfe, auch wurden leichte Erschütterungen sofort registriert.

 Diese Untersuchung am 11. April 1925  mit den 167 feldmarschmäßig ausgerüsteten Infanteristen habe ergeben, dass eine Belastung mit 125 Personen im Höchstfalle vertretbar gewesen wäre. Am Unglückstage seien aber 167 Mann auf die Fähre gestellt worden. Das Unglücksgefährt habe auch nicht, wie es Vorschrift war, einen Rettungsponton im Schlepp gehabt, sondern es seien nur unzulängliche Boote oberhalb der ÜbersetzsteIle bereitgestellt gewesen. Die Belastung der Fähre sei zudem ungleichmäßig erfolgt.

 Diese und andere Tatbestände bildeten die Anklagepunkte zu einer achttägigen Gerichtsverhandlung in der "Weserklause" zu Minden. Die Anklage vertrat dabei Oberstaatsanwalt Dr. Schwederski, Bielefeld;  den Vorsitz führte der Mindener Amtsgerichtsrat Vagedes.

 Der angeklagte Oberleutnant Jordan, hoch gewachsen und schlank, mit einem Monokel im Auge, machte einen ruhigen, gefassten Eindruck. Er schilderte aus seiner Sicht heraus die Ereignisse am Unglückstage und betonte, dass er sich bei der Konstruktion der Fähre genau an die Vorschrift gehalten habe, die nach seinen Berechnungen 175 Mann hätte tragen müssen. Die ungewöhnliche Schnelligkeit der Fähre bei der Überfahrt habe er nach dem Ruf des Pioniers "Wasser im Ponton" durch abgeänderte Gierstellung gebremst und zugleich den Befehl erteilt: "Alles Oberstrom treten und verteilen!" - ein Befehl, der anscheinend von den Infanteristen in seiner Bedeutung nicht richtig erkannt worden sei. Auch er selbst sei ins Wasser gerutscht, habe sich dann etwa 150 Meter weiter unterhalb schwimmend ans Land retten können. Unbekannt sei ihm die Bestimmung gewesen, dass die Fähre einen Ponton im Schleppzug haben musste. Die Übersetzstelle bei Veltheim, in unmittelbarer Nähe der üblichen Fähre, habe er an sich für ungefährlich gehalten."

 Während viele der geladenen Zeugen das bereits bekannte Bild bestätigten, waren die Bekundungen des Amtsgerichtsrates Mitteldorf in Vlotho von besonderer Bedeutung. Er machte der Technischen Nothilfe den schwerwiegenden Vorwurf, das angetriebene Wrack voreilig, ohne die amtlichen Untersuchungen abzuwarten, abmontiert zu haben. Dadurch seien die entscheidenden Ermittlungen außerordentlich erschwert worden. Nach den ihm bekannt gewordenen Mitteilungen sei kein einziger Balken oder Brett gebrochen und die Verschnürung einwandfrei gewesen. Zweifellos aber sei eine Gierfähre der gebauten Art empfindlich wie eine Apothekerwaage, ein einziger Mann könne schon Schwankungen hervorrufen.

 Hauptmann Isermann von der 14. Kompanie des Infanterieregiments, der auch schwimmend von der Fähre das Ufer erreichte, war nach seinen Aussagen verspätet mit seiner Truppe an der Unglückstätte eingetroffen, weil schlechte Wege und sonstige Schwierigkeiten ihn behindert hätten. Deshalb habe die Mannschaft erhitzt die Fähre besteigen müssen. Nach seiner Meinung sei die Fähre bereits besetzt gewesen, als er Oberleutnant Jordan gegenüber einer weiteren Belastung Bedenken geäußert hätte. Er habe sich aber den Anordnungen Jordans fügen müssen, der für die Fähre Befehlsgewalt hatte. Die meisten der ihm unterstellten Leute seien Nichtschwimmer gewesen und daher sei auch die große Zahl der Opfer zu beklagen.

Der Hauptmann der 15.Kompanie weigerte sich, seine Soldaten der Fähre anzuvertrauen. Dadurch blieben sie vor dem Schicksal bewahrt.

Von vielen zivilen Zeugen wurde übereinstimmend bekundet, dass die Leute nur widerwillig auf die Fähre gegangen seien. Mehrfach sei geäußert worden: „Wenn das gut geht, geht alles gut!“

Am wichtigsten und eindrucksvollsten war wohl die Aussage des Veltheimer Fährmanns Huck, der langjährige Erfahrungen mit dem Übersetzen über die Weser hatte. Er hält die Strömung gerade bei Veltheim für reißend, die Hauptstromstärke sei ca. 20 Meter von beiden Ufern entfernt. Als die Fähre vom jenseitigen Ufer abstieß, habe es sehr gefährlich ausgesehen. Sein Freund Tellermann aus Veltheim habe ihn aufgeregt angestoßen und gesagt: "Ich befürchte Schlimmes! Wenn das nur gut geht! Mache lieber deine Fähre klar - für alle Fälle!“ Beide seien daraufhin zur eigenen Fähre geeilt, die er sofort losmachte. Da das Unglück in diesem Augenblick geschah, konnte er mit seinem Boot rechtzeitig herankommen und so viele Soldaten vor dem Ertrinken retten.

(Foto Fährmann Huck; Archiv Reinhold Kölling)

 

Kein Wunder also, dass auch der Gutachter Oberst vom Sommerfeld später sagte: „Ich wäre nicht mit hinübergefahren, denn solches Monstrum von Fähre hat gänzlich seinen Sinn verloren!"

 Die ganze schwere Bürde der Verantwortung wälzte dieser Vertreter des Reichswehrministeriums auf die alte, von Oberleutnant Jordan benutzte Dienstvorschrift aus dem Anfang des vorigen Jahrhunderts. Ihre Lückenhaftigkeit habe zu dem tragischen Unglück geführt. Höchstens hundert Mann hätten dem Fahrzeug anvertraut werden dürfen, war seine Meinung. Ein anderer Gutachter namens Krel fand die Schuld in dem Fehlen bestimmter und klarer Vorschriften, der unglücklichen Konstruktion der Fähre, verschiedenen ungünstigen Umständen (Hochwasser, Gierstellung), und der ungleichen Verteilung der Leute auf dem Fahrzeug.

So kam denn, was vorauszusehen und nach Lage der Dinge auch gerecht war: der angeklagte Oberleutnant Jordan wurde freigesprochen, da ihm nicht zur Last gelegt werden konnte, was er in zu großer Gläubigkeit als eine Art militärisches Evangelium betrachtet hatte: die - wenn auch lückenhafte - Dienstvorschrift!

Aus dem Veltheimer Unglück wurden dann allerdings glücklicherweise schnelle Lehren gezogen. Die „Opfertat“ der ertrunkenen „Helden“ (Reichswehrminister Geßler) löste nämlich bei den Pionieren bemerkenswerte Innovationen aus. Die Gierfähren wurden ab sofort nicht mehr eingesetzt. Stattdessen kamen nun sogenannte „fliegende Brücken“, zunächst mit Schlauchbootunterlagen, zum Einsatz. Auch die Schwimmausbildung für alle Soldaten wurde sofort massiv forciert.  

Das Veltheimer Unglück hatte später noch weitere Auswirkungen. Die Journalisten Fritz Küster und Berthold Jacob recherchierten nämlich, dass die an dem Unglück beteiligten Soldaten größtenteils illegale Zeitfreiwillige (auf Grund der Versailler Verträge nach dem Ende des ersten Weltkrieges durfte das deutsche Heer nur 100.000 Mann stark sein, mit den Zeitfreiwilligen wurde diese Zahl unterlaufen)  waren und veröffentlichten dazu am 11.4.1925 in der Zeitung „Das Andere Deutschland“ den Artikel „Das Zeitfreiwilligengrab an der Weser“. In den nächsten Ausgaben erschienen weitere Artikel.

Die beiden Journalisten wurden deshalb wegen Landesverrat angeklagt und vom Reichsgericht am 14.03.1028 zu je neun Monaten Gefängnis verurteilt („Ponton-Urteil“).

Am 20.3.1928 veröffentlichte Carl von Ossietzky (Pazifist, Journalist und späterer Friedensnobelpreisträger) in der Weltbühne seinen Aufsatz:  „Der Ponton-Prozeß“.

 Am 23.11.1931 wurde Carl von Ossietzky im so genannten „Weltbühnen-Urteil“ wegen Verrats militärischer Geheimnisse für ein Jahr und sechs Monate Gefängnis verurteilt.

Nach der Ablehnung zweier Gnadengesuche trat er am 10. 5.1932 seine Haftstrafe in Berlin-Tegel an.

Im Rahmen einer Weihnachtsamnestie wird er am 22.12.1932 wieder frei gelassen, allerdings in der Nacht des Reichstagsbrandes am 28.2.1933 wieder in Schutzhaft genommen. 

Am 23.11.1936 erhält er für 1935 den Friedensnobelpreis; er stirbt an den Folgen der jahrelangen Gestapohaft am 14.5.1938. 

 

 Die Weser - Strom der Heimat!

Von Reinhold Kölling

 

Die Weser diktiert das Landschaftsbild rund um Porta Westfalica. Der Weserradweg, der durch das Stadtgebiet führt, ist für den Tourismus der Region bestimmend. Viele Menschen wuchsen an und mit der Weser auf. Es lohnt deshalb, den Wasserlauf eingehender, zu betrachten.

Der Historiker Adam von Bremen schrieb 1075: „Die hervorragendsten Flüsse Sachsens sind die Elbe, die Saale und die Wisara, die man jetzt Wissula oder Wirraha nennt“ (Anm.: Mit Wisara waren Werra und Weser gemeint).

Die Bewohner sahen in Werra und Weser denselben Fluss, die Fulda war ein Nebenfluss. Die heutigen Worte «Werra und Weser» sind mundartliche Ausprägungen desselben Flussnamens. Im 12. Jahrhundert erfolgte eine Trennung. Es blieb der Name Werra für den Oberlauf, die »Weser« begann beim Zusammenfluss von Werra und Fulda. Aus der Verschmelzung der Namen Wirraha und Wisuraha entstand niederdeutsch „Werser oder Weser“. Im sogenannten „Großen Weserbogen“ heißt es im Plattdeutschen: „Wieser“.

Die Weser (mit der Werra) ist damit der längste, ausschließlich deutsche Strom; der deutsche Märchen- und Schicksalsfluss. Königshöfe und Burgen bewachen ihn. Berühmte Badeorte liegen an den Ufern. Der Fernradweg Weser lockt alljährlich Zehntausende Radler in die Region. Wanderer zieht es auf die Höhen des angrenzenden Berglandes. Pilgerwege durchziehen die Gegend. Kirchen, Klöster, Märchenfiguren, heimelige Städte stehen für das Weserbergland. Viele Dichter (u.a. Wilhelm Raabe, Wilhelm Busch; Annette von Droste-Hülshoff) beschrieben Land und Leute an der Weser.

Die Werra misst von der Quelle bis Hannoversch-Münden 292 Kilometer. Sie durchfließt Thüringen, Hessen, Niedersachsen. Der Stromabschnitt von Hannoversch-Münden bis Minden (die Oberweser) ist 204 Kilometer lang. Mehrmals durchbricht sie die Berge in der Region. Ab dem Wasserstraßenkreuz in Minden, wo die Weser vom Mittellandkanal überquert wird, heißt der Fluss „Mittelweser“. Bis Bremen-Hastedt fließt sie 158 Kilometer. Ab Hastedt bis Bremerhaven ist es die „Unterweser“. Die »Unterweser« misst 65 Kilometer. Sie strömt durch die Hansestadt Bremen, durch Niedersachsen, bis Bremerhaven. Die «Unterweser« unterliegt den Gezeiten, sie ist eine Seeschifffahrtsstraße. Der letzte Teil des Stroms, die »Außenweser« (65 Kilometer), führt ins Wattenmeer zur Nordsee.

Städte an der Weser sind: Hann. Münden, Höxter, Holzminden, Hameln, Rinteln, Porta Westfalica, Minden, Petershagen, Nienburg, Verden, Achim, Bremen, Bremerhaven. In der Höhe von Brake ist die Flussinsel «Harriersand« (11 Kilometer in der Länge) zu sehen.

Am Weserstrom siedelten die Menschen schon früh. Anfänglich die Jäger und Sammler, später die Bauern. Die Kelten brachten eine erste Kulturblüte in die Gegend. Die Römer wollten das Weserland ebenfalls besiedeln, das gelang ihnen nicht. Die Cherusker, Chauken, die Angrivarier, Chatten und Hermunduren wehrten die Gegner erfolgreich ab. In der »Varusschlacht« 9 n. Chr. schlugen sie die Römer vernichtend. Die Römer zogen wieder ab. Die Weser wurde für sie ein unüberwindbares Hindernis.

Bevor »Karl der Große« an die Weser zog, lebten die Menschen frei. Sie machten mit eigener Hände Arbeit ihr Land urbar. Das Lehensrecht schaffte die Freiheiten ab. Es entstand eine Klassengesellschaft, die die Bauern benachteiligte. Daraus resultierte eine territoriale Zersplitterung, die die Region an der Weser in eine Vielzahl von Grafschaften und Fürstentümer teilte. Diese gab es bis ins 19. Jahrhundert.

Die Bewohner nutzten den Fluss als Transportweg. Anfangs bauten sie Einbäume. Vor rund 1000 Jahren dann die ersten Handelsschiffe. Ein reger Warenaustausch (Salz, Holz, Getreide, Obst Bier, Glas- und Töpferwaren) entstand flussabwärts, (Käse, Fisch, Tabak und sonstige ausländische Waren) transportierten die Menschen flussaufwärts.

Bis Mitte des 20. Jahrhunderts flößten Flößer die Baumstämme aus den Mittelgebirgen bis Bremen. Das an der Weser übliche Treideln, wobei Menschen bzw. Zugtiere an Seilen Lastkähne zogen, wurde im 19. Jahrhundert eingestellt. Mitte des 19. Jahrhunderts begann die Geschichte der Dampfschifffahrt. Erste Brücken über den Weserstrom entstanden im 13. Jahrhundert. Sie ersetzten allerdings nicht sofort die bestehenden Fähren. Heute gibt es trotz einer Vielzahl von Brücken noch immer einzelne Fähren, Wagen- und Personenfähren.

 Zur Regulierung des Flusses bauten die Bewohner Staustufen und Schleusen. Das war dringend nötig, denn immer wieder überschwemmte der Fluss die Auen und die Weserdörfer. Über die vielen Hochwasserkatastrophen an der Weser berichtet der Autor in einem gesonderten Bericht in Kürze in einer weiteren Folge.

Bis Anfang des 20. Jahrhunderts schwammen haufenweise Fische in der Weser. Die Industrialisierung, besonders der Kaliabbau, verschlechterte die Wasserqualität nach dem 2. Weltkrieg enorm. In der Zeit »Karls des Großen« bauten die Menschen im Wesergebiet viele Wassermühlen. Im 12. Jahrhundert entstanden die Bockwindmühlen, 100 Jahre danach die Schiffsmühlen im Weserstrom.

 Der »Große Weserbogen» im »Rintelner Becken«

 Der »Große Weserbogen« ist eine Flussschleife der Weser vor der Porta Westfalica. Die Einleitung des Bogens beginnt bei der niedersächsischen Stadt Hessisch-Oldendorf. Der Weserbogen ist der letzte Flussabschnitt der Oberweser.

Die Oberweser fließt in nördlicher Richtung durch das Weserbergland. Nach dem Weserbogen verlässt sie durch die Porta Westfalica die Mittelgebirgsregion und durchströmt als Mittelweser die norddeutsche Tiefebene.

Zwischen Erder und Hausberge legt die Weser eine Fließstrecke von über 20 Kilometern zurück. Die Luftlinie zwischen beiden Orten beträgt sieben Kilometer. Das resultiert aus der Ausprägung des Weserbogens. Zur Entstehung des Bogens trugen topographische und geologische Begebenheiten bei. Zwischen Eisbergen und Erder hat der Mensch Einfluss genommen (Weserschlagden bei Veltheim).

 Heute bezeichnet der „Große Weserbogen“ eine Freizeit – und Erholungsanlage in der Stadt Porta Westfalica. In den durch Auskiesung entstandenen Seenanlagen bestehen umfangreiche Bade- und Sportmöglichkeiten für Tages- und Dauergäste. Es steht ein moderner Campingplatz zur Verfügung. Mit der Fähre „Amanda“ ist eine Übersetzmöglichkeit über die Weser nach Bad Oeynhausen gegeben.

Das »Rintelner Becken« (ebenso Rintelner Talweitung genannt) beginnt bei Wehrbergen (Wehrberger Enge); endet bei Erder (Weserpass), kurz vor Vlotho. Im Norden vom Süntel und der Weserbergkette, im Süden von den Randhöhen des Lippischen Berglandes begrenzt, erstreckt das Rintelner Becken sich ca. 27 Kilometer in der Länge. Von Berg zu Berg misst das Tal neun Kilometer in der Breite.

 Die Weserstrecke von Wehrbergen bis Erder misst 39 Kilometer, 12 Kilometer mehr als die Luftlinie.

Das »Rintelner Becken« ist eine geschlossene Siedlungslandschaft. In der Stromaue sind frühere Verläufe der Weser mehr oder minder deutlich zu erkennen.

 Die Städte Hess. Oldendorf, Rinteln , seit 1973 Porta Westfalica (davor 15 Einzelgemeinden) liegen in der Talung.

Walter Maack schrieb im Buch: „Dörfer und Fluren des Rintelner Beckens“ in 1964: „In diesem Gebiet liegen die Städte Rinteln, Hess. Oldendorf, 53 Dörfer, 11 Einzelhöfe und 25 Wüstungen, insgesamt 91 Siedlungsplätze, auf einer Fläche von rd. 250 Quadratkilometern. Davon sind etwa 65 Quadratkilometer bewaldet. Die Besiedlung ist außerordentlich dicht.“

 Leben am Fluss

Die Weser war für die Bevölkerung im «Großen Weserbogen« eine Lebensader. Alle, die in der Region aufwuchsen, hatten einen Bezug zu ihrem Heimatstrom. Ein »Weserjunge« aus Veltheim hat seine Erlebnisse mit und an der Weser im ersten Band der Veltheimer Chronik von Reinhold Kölling »Leben am Fluss« beschrieben.  In dieser »Weser-Dokumentation« berichte ich auch auszugsweise aus den Erzählungen von Wilhelm Hawes.

Besungen wird die Weser in vielen Liedern u. a. »Hier hab ich so manches liebe Mal mit meiner Laute gesessen«; »Wo die Weser einen großen Bogen macht“ oder im plattdeutschen Lied des Veltheimer Heimatvereins: »Wur de Wieser n 'hennigen Bogen schlat«. Das zeigt den hohen Stellenwert der Heimatverbundenheit der Menschen im Wesertal.

 

Damalige Verkehrswege über die Weser

 

Zwei Seilfähren überquerten die Weser im »Großen Weserbogen«, in Veltheim und Erder. Beide Fähren waren in früherer Zeit wichtige Verkehrsverbindungen zum »Lipperland«. Die Weser bildet im Veltheimer Süden die Grenze zum «Lipperland«.

Etliche Jahre fuhren Arbeitnehmer aus Varenholz und Stemmen, die ihren Arbeitsplatz in Vlotho oder Bad Oeynhausen hatten, mit dem Fahrrad zum Veltheimer Bahnhof. Hin- und herübergesetzt über die Weser mit der Veltheimer Fähre.

Die Fähre in Erder bediente von der Lipper Seite die Bewohner von Erder und Umgebung. Auch hier setzten viele Arbeitnehmer über die Weser in Richtung des Bahnhofs Möllbergen. Wagenfähren an beiden Fährstellen sorgten für das Übersetzen der Fuhrwerke in der Landwirtschaft. Veltheimer wie auch Lipper Landwirte nutzten sie für den Transport von Holz- oder Zuckerrüben. Größter Nutzer in der Saison der Zückerrübenernte war das Gut »Schloss Varenholz«, denn ein Großteil deren Ländereien lag direkt an der Weser. Verladen wurden die Zuckerrüben an den Bahnhöfen Veltheim und Eisbergen an der Eisenbahnstrecke Löhne - Hameln.

Für viele Veltheimer und Lipper Fahrradnutzer und Fußgänger waren die Fähren ebenfalls wichtig. Veltheimer Tagelöhner arbeiteten in der Landwirtschaft des »Schlosses Varenholz«. Veltheim verfügte damals nicht über einen eigenen Arzt, neben dem Arzt in Eisbergen betreute der Hausarzt Dr Lehn aus Varenholz seine Patienten in Veltheim.

Seine Verbindung über die Weser war die Veltheimer Fähre.

Für die Jugendliche in den Nachkriegsjahren waren die Tanzlokale in Stemmen und Varenholz ein beliebter Treffpunkt. Der »Felsenkeller« oder das »Gasthaus Brand« gehörten zu den beliebtesten Tanzlokalen. Stemmeraner und Varenholzer Jugendliche besuchten die Veltheimer im »Schmidt’schen Saal« im Dorf. So wurde manches zarte Liebesverhältnis von beiden Seiten über die Weser hinweg, mit Hilfe der Fähre, geknüpft. Wenn auch nicht immer einvernehmlich zwischen den Beteiligten. »Liebesrangeleien« zwischen Veltheimern und Lippern gab es somit häufiger.   


Die Weser als Wirtschaftsfaktor

Die Weser war in den Jahren, in denen die Landwirtschaft noch boomte, ein wichtiger Wirtschaftszweig. Fast jeder Landwirt tränkte sein Weidevieh mit dem Wasser des Flusses. Das Flusswasser war noch klar und sauber. Weideflächen, beidseitig entlang der Weser (die Ufer teils im Besitz des Staates), zogen sich durch das Wesertal. Die guten Ackerböden lagen in der Flussniederung.

Nicht zu vergessen die vielen Ziegenhalter (Ziegenbauern) in den Dörfern. Weserufer wurden gepachtet für Weide- und Grasflächen. Mit Handsense und Streck, Heuharke und Forke, wurde manche Wiese zu Heu für die "Kleinbauern" verarbeitet.

Bei der Auswahl des Standortes für das Gemeinschaftskraftwerks „Weser" auf der Grenze der Gemeinden Möllbergen und Veltheim gab die Weser und die vorhandene Bahnlinie den Ausschlag. Es wurde für den Betrieb Kühlwasser gebraucht, angedacht wurde ebenso der Transport der Kohle auf dem Wasserweg Weser.

Badeanstalt „Weser“

Wilhelm Hawes beichtet:" In Veltheim gab es während meiner Volksschulzeit in den Jahren von 1935 bis 1943 zwei Schulen, genannt die »obere und untere« Schule, bedingt dadurch, dass der Ort große Höhenunterschiede aufwies. Offizielle Namen für die Schulen: »Veltheim I« im unteren Dorf und »Veltheim II« im oberen Dorf.

Kinder aus der unteren Schule im Dorf (Veltheim I) genossen den Vorteil, dass die Schule in der Nähe der Weser lag. Daraus folgte, dass der Sportunterricht in den Sommermonaten überwiegend an der Weser abgehalten wurde. Die »Badestelle« an der Weser lag an sogenannten »Werder Schlagd". Die Weserströmung war hier verhältnismäßig gering und zum Baden geeignet.

 Schwimmen lernten wir Kinder in der Weser ohne Wissen unserer Eltern. Wer des Schwimmens nicht mächtig war, nahm einen aufgepumpten Fahrradschlauch, umwickelte damit Hals und Bauch, und schwamm zum gegenüberliegenden lippischen Ufer. Durch die Strömung der Weser trieb man zwar einige hundert Meter flussabwärts, das wurde gern in Kauf genommen. Für den Rückweg stieg man halt weiter oben wieder ein.

Die Weidezeiten

Im Herbst wurden die Weideflächen in den Weserwiesen zum allgemeinen Abweiden für alle Weideviehbesitzer (Kuh- und Ziegenbauern) freigegeben. Damit begann für uns Kinder mit Viehanhang das tägliche Herbsttreffen. Wir zogen mit unseren Kühen ins Wesertal zum Hüten, und in Geselligkeit hütete es sich allemal besser.

Auf den Weideflächen angekommen ließen wir die Kühe allein, und frönten unserem Spieltrieb. Wir spielten Fuß - oder Handball. Nach einigen Hütestunden fingen wir das Vieh ein, und es ging zurück in den heimischen Stall.

 Erholungsgebiet

Schon immer dienten die Weserufer als Erholungsgebiete und Ruhezonen. Sonntags zog es die Familien zum Baden oder Sonnen an die Weser. Sportangler entlang der Weser zeigten, dass die Weser ein Anglerparadies war. Wenn man einen Sportangler mit "Petri Heil“ begrüßte und nach seinen Fangergebnissen fragte, erhielt man oft zur Antwort »Nicht der Fang ist ausschlaggebend, sondern der Erholungswert am ruhig dahin fließenden Wasser«. Spaziergänger und Radfahrer schätzten die Weserregion, Wanderer- und Fahrradgruppen planten ihre Touren durchs Wesertal.

In meinen Jugendjahren war die Weser ein gern angenommener Treffpunkt. Die ersten Liebschaften entwickelten sich hier, die erste Zigarette wurde heimlich am Ufer geraucht, wenn es denn überhaupt eine gab, es war ja die Kriegs- und Nachkriegszeit.

Großes Vergnügen bereitete uns das Angeln. Eine lange Bohnenstange diente als Angelrute, ein langer Zwirnsfaden als Angelschnur und der Regenwurm als Köder für den Fisch. Langes Bemühen, einen Fisch zu fangen, führte aber selten zum Erfolg. «

Soweit der Bericht des »Weserjungen« Wilhelm Hawes aus Veltheim.

 Gefährdung durch Hochwasser

Viele Weserdörfer haben im Laufe der Geschichte häufiger vor der Gefahr gestanden, ein Opfer der Weser zu werden. Die Überschwemmungen durch die Weser hätten nicht nur einmal zur fast vollständigen Zerstörung der Siedlungen an der Weser, besonders die im »Großen Weserbogen«, geführt. Das Sommerhochwasser von 1342 war wohl das höchste bekannte Hochwasser im Wesertal. Der Scheitel der Flut lag in Hameln noch 0,77 Meter über dem der Flut von 1841.  Weitere extreme Hochwasser gab es in den Jahren 1424, 1472, 1513, 1552, 1565 und 1590. Das Hochwasser im Januar 1643 entstand nach anhaltendem Schneefall mit darauf folgendem Regen. In Rinteln stand das Wasser 1643 so hoch in den Straßen, dass ein Augenzeuge berichtete: »Man konnte jede Gasse eine Weser nennen.«

 In der Chronik von Veltheim an der Weser sind die Hochwasserkatastrophen der Vergangenheit ausführlich beschrieben. In Veltheim richtete das Hochwasser 1643 erhebliche Schäden an. 44 Morgen Ackerboden wurden vom Veltheimer Ufer abgespült. Ob dabei die »bösen Varenholzer« noch etwas nachgeholfen hatten, muss dahingestellt bleiben. Jedenfalls flammte der Streit zwischen den verfeindeten Nachbarn damals wieder auf. Die Flut trat nach plötzlichem Tauwetter ein. Superintendent Ernst Niemann (1885 - 1932 Pfarrer in Veltheim) berichtete in seiner Ausarbeitung »Die Kirchengemeinde Veltheim» über Aussagen früherer Pfarrer:

 

Pastor Carl Dietrich Kreft (1754 - 1767): »Wir erfahren aus seiner Feder nicht viel Bemerkenswertes, lediglich einige Meldungen über Hochwasser und dergleichen. So sind im Februar 1757, dann 1760, 1761, 1764 und 1765 besonders starke Überschwemmungen gewesen, bei denen die Weser durchs Dorf floss und dann zufror, bei denen sie auf der Diele des Pfarrhauses gestanden. 1766 herrschte großer Wassermangel.«

 

Pastor Christian Friedrich Hüttemann (1772 - 1782): »So herrschte 1776 sehr strenge Kälte mit viel Schnee und später viel Wasser, so dass der Pfarrer 74 Stunden in Minden verweilen musste und nicht zurück konnte.«

 

Pastor Johann Dietrich Cappelmann (1783 - 1800): »1784 war die Weser fünf Wochen lang zugefroren. Der viele Schnee ergab ein solches Hochwasser, dass die Kühe des Pfarrers und Jochmanns Vieh (Anmerkung: Jochmann Nr. 30, später Buhmeier, war der nächste Nachbar des Pfarrhofes) zwischen Speisekammer und Mägdekammer an Schränken angebunden waren und auch da noch im Wasser standen.«

»1795 war die Weser wieder so fest zugefroren, dass sie mit Wagen befahren wurde. Das gestaute Treibeis ergab solches Hochwasser, dass sogar Neesen überschwemmt war. Erst der Einsturz der »Bunten Brücke« in Minden gab den Abfluss frei.«

»Wiederum 1798 starker Frost und hernach solches Hochwasser, dass die Kirche und die Wohnstube des Pfarrers überschwemmt waren. Nachdem er Vieh und Kinder weggebracht, hat der Pfarrer drei Tage und drei Nächte sein Logis auf dem Kornboden allein gehabt. Gottesdienst fand nicht statt.«

Aus dem Jahre 1800 liegt der amtliche Bericht eines preußischen Beamten vor: »Generale Beschreibung von dem Amte Hausberge.« Er zeichnet ein ziemlich düsteres Bild von den Zukunftsaussichten Veltheims:

»Weser, man will von diesem Fluss bemerkt haben, dass seit der Zeit bey und hinter Bremen auch an anderen Orten unterwärts große Dämme angelegt worden, derselbe mehreren Austreten unterworfen sey, und hat in Rücksicht dieses Amts durch seine gewaltigen Überströmungen besonders in der Vogtey Landwehr und auch den Königlich Rothenhöfer Vorwerks Ländereien seither vielen Jahren, viel an Schaden getahn, welches zu verhüten man bereits auf verschiedene Projecte als mächtige Dämme auf zu werfen, und tiefe Canäle auszugraben, verfallen ist, aber diese Bemühungen haben den Entzweck nicht entsprochen, wie solches der Augenschein erbiebet, und in Actea Camera davon nachgelesen werden kann. Die Beschaffenheit des Grund und Bodens in dieser Voigtey ist verschieden, Die Bauerschaften Fülme, Eisbergen, Feldheim, Costede auch Uffeln und Vössen, haben zum theil viel zum theil etwas Maschland, welches Rübesamen, Weizen, Gerste, Roggen und andere Frucht träget, allein der Überschwemmung der Weser haben solche seit verschiedenen Jahren zum theil sehr verschlimmert, wie dann unter andern das sonst blühend gewesene Dorf Feldheim, woraus Seiner Königlichen Majestät ansehnliche revenueas ziehen, und welches sonst allein vom Ackerbau und der Viehzucht reichlich gelebet, jetzo in sehr schlechten Umständen ist, auch in Folge gerathen wird, indem nicht allein viel Land weg geflossen, sondern auch fast jährlich durch die Überschwemmung viel Korn ersäuft, auch oft Geyle und Erde weggespület wird, überhaupt drohet die Weser dem guten Dorfe Feldheim den gänzlichen Untergang, wen dessen schrecklich hohe Schad Ufer nicht bald geordnet und durch an zu legende mächtige Wasser Werke in Schutz genommen werden, hiervon ein mehrerer zu sagen würde Zeit versplittern seyn, nachdem schon Volumin actorum in Regestratura hochlöbliches Cammer davon vorhanden sind, aber armes Feldheim!«

Anscheinend hat man in den nächsten Jahren wirklich versucht, die Veltheimer Weserufer auszubauen. In der Eisberger Gemeindechronik wird über die Jahre der französischen Besetzung und des »Königreiches Westphalen« (1806 – 1813) über Lasten und Belastungen berichtet: »An Lasten anderer Art fehlte es nicht weniger, zum Bau der Veltheimer Schlagde an der Weser halfen die Gemeinden gratis, und hatten davon viel Plage mit Handdiensten und Fuhren.«

»1816 klagten die Veltheimer, dass sie in den letzten siebzig Jahren fünfzehn Hektar Land verloren hätten, dass auf der lippischen Seite (Gegenufer) angehägert sei.«

 

In den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts wurden offensichtlich größere Arbeiten an den Weseruferbefestigungen durchgeführt. Vielleicht stammt der Damm oder Deich zum Schutz der »Masch« in Veltheim aus dieser Zeit. Im Februar 1841 - nach dem großen Hochwasser vom Januar 1841 - richtete die Gemeinde auf Anraten des Landrats einen Antrag auf Gewährung einer Unterstützung an den westfälischen Landtag in Münster. In diesem Antrag heißt es u. a.: »Die Gemeinde hat beinahe jährlich durch die Überschwemmung und dem Eisgang zu leiden, die Ufer bedürfen bedeutender Unterhaltungslasten, welche sich in den letzten zehn Jahren auf circa 3400 Taler belaufen haben. Die Schäden, welche den Ländereien und den Häusern zugefügt, lassen sich noch viel höher ermessen.«

Das Hochwasser von 1841

Trotz der ständigen Sicherung der Weserufer richtet das Hochwasser von 1841 im »Rintelner Becken«, besonders aber in Veltheim erhebliche Schäden an. Es führte sogar fast zu einer Katastrophe und gehörte mit den Hochwassern von 1542, 1643 und 1946 zu den größten im Wesertal. Durch einen Bericht in der Eisberger Chronik und aus Akten des früheren Amtes Hausberge lässt sich ein ziemlich genaues Bild von diesem Hochwasser gewinnen.

 

Pastor Voß schrieb in der Eisberger Chronik: »Anfangs des neuen Jahres hielt der Frost bei beständigen Ostwinden noch an. Am 8. Januar war so viel Schnee gefallen, daß die Fahrwege, um durchkommen zu können, aufgeworfen werden mußten. Mit dem letzten Viertel trat Tauwetter ein; und von dem vielen geschmolzenen Schnee und Regenwasser ging am 16. Januar die Weser auf. Das Eis, welches über einen Fuß dick war, drängte sich recht, und schob sich stellenweise aus den Ufern, so hoch war das Wasser. Am 19. und 20. Januar wuchs das Wasser bis zur Höhe von neunzehn Fuß, wodurch alle Ländereien jenseits der Weser und viele diesseits unter Wasser gesetzt wurden. Das Wasser stand einige Tage, ehe es sich wieder in die Weserufer zurückzog. Oberhalb war ein starkes Gewitter gewesen, welches das Wasser beim Auftauen so vermehrt hatte. »

 

Die erste schriftliche Meldung über die sich anbahnende Überschwemmung Veltheims kam aus Eisbergen. Am 19. Januar schrieb der dortige Ober-Grenzkontrolleur Kühne an den Kantons-Beamten v. Mey in Hausberge »dass die Gemeinde zu Veltheim in Gefahr ist, wegen bedeutender Überschwemmung mancherlei Unglück zu erleben. Ich habe mich heute Abend davon überzeugt, dass die geringen Hilfsmittel zur Sicherung der Leute, des Viehs und der Nahrungsmittel nicht ausreichen; weshalb schleuniger Secours nothwendig erscheint. »

Als diese Nachricht am nächsten Morgen in Hausberge ankam, war der Beamte v. Mey gerade dabei sich auf den Weg nach Veltheim zu begeben. Unterwegs erreichte ihn noch ein zweiter Hilferuf von dem Veltheimer Vorsteher Böke und dem Eisberger Vorsteher Müller, der sich nah Veltheim begeben hatte, um den bedrohten Nachbarn Hilfe zu leisten.

In einer eiligst mit Bleistift aufgeschriebenen Meldung heißt es, »dass die Überschwemmung hier in Veltheim auf das höchste gestiegen ist, so dass Menschen und Vieh in der Gefahr sind zu ertrinken, und auch schon Vieh ertrunken ist.«

 In Veltheim angekommen musste der Beamte erkennen, dass die dringenden Hilferufe berechtigt und die Befürchtungen nicht übertrieben waren. Am gleichen Abend berichtete er von Hausberge aus an die Regierung in Minden: »Bei meiner Ankunft heute Morgen 8 Uhr fand ich, dass die Noth dort auf Höchste gestiegen, in dem sämtliche Häuser, mit Ausnahme der Pastorenwohnung bis zum Dache unter Wasser standen, und bei fortwährenden Steigen der Weser, für Menschen, Vieh und sonstige Habe, die größte Gefahr vorhanden war. Durch Kähne des Fährmanns und zu Veltheim, von Erder und durch den Vorsteher Müller von Eisbergen heran geschafften Kahn, wurde es im Laufe des heutigen Tages möglich, sämtliche Menschen an das Land zu schaffen, auch das Vieh, als Pferde, Kühe, Schweine, von welchen Letztern nur fünf in den Ställen ertrunken, zu retten.

 An Rettung von übrigen Habseligkeiten konnte für den Augenblick gar nicht gedacht werden, da in den Häusern das Wasser zu hoch stand und gar kein Ankommen möglich war. Der Schaden, der diesen armen Leute durch dieses Unglück zugefügt, wird sehr groß sein, da nicht allein ihr Gemüse, Korn - Vorräthe, Kleidungsstücke verdorben, weggeschwemmt, auch die meisten Häuser sehr beschädigt, namentlich die Wände ausgeflossen und das Innere zerstört ist. Hilfe wird den Einwohnern jedenfalls geleistet werden müssen. Der Beamte wandte sich auch an den Landrat, und bat, weitere Kähne für die Rettungsaktionen aus finden und heranschaffen zu lassen. Nach am gleichen Tage wurde auf einem vierspännigen Fuhrwerk ein Kahn von Minden aus nach Hausberge und von dort am nächsten Tage nach Veltheim gebracht.«

 Bereits im Laufe des 20. Januars war der Wasserspiegel um einen Fuß gefallen. Bei einsetzendem Frost fiel er in den nächsten Tagen weiter, das Wasser zog sich allmählich zurück. Erst jetzt wurde das Ausmaß der Schäden überschaubar. Zwar waren keine Menschen umgekommen, aber außer den schon erwähnten Schweinen waren drei Ziegen in den Ställen ertrunken und es hatte erhebliche Sachschäden gegeben.

 Vom Alsker und der Bult, über den Dorfkern um die Kirche und die Driftenstraße bis zum Fuße des Basenberges, des Bokshorns und der Lüchte hatte der ganze untere Teil Veltheims unter Wasser gestanden. Am 29. Januar berichtete der Beamte von Mey: »71 Wohnhäuser bis auf eine Höhe von 6 - 12 Fuß unter Wasser gesetzt und erlitten sämtlich einen nicht unbedeutenden Schaden, die Wände flossen aus, die Öfen stürzten ein. Die Zahl der betroffenen Bewohner beträgt 450«(Anmerkung: Veltheim hatte zu diesem Zeitpunkt insgesamt 816 Einwohner).

»Zwei Drittel der ganzen Feldflur oder circa 3000 Morgen waren unter Wasser gesetzt. Der hierdurch der Gemeinde zugefügte Schaden wird sich gewiss auf 7 - 8000 Thaler veranschlagen lassen.«

 In einem Bericht des Veltheimer Vorstehers Böke werden außer den erwähnten 71 Wohnhäusern noch 28 Scheunen genannt. Am 29. und 30. Januar, nachdem sich das Wasser zurückgezogen hatte, wurden die angerichteten Schäden »im beysein des Polizeidiener Bödeker, des Vorsteher Colon Bökemeyer und den Gemeinderath Court Vaut aus Veltheim« von zwei vereidigten Taxatoren geschätzt und schriftlich festgehalten.

Aufgenommen wurden Schäden an den Gebäuden, Verluste an Vieh, Kellervorräten (Kartoffeln, Gemüse), Mobiliar, Kleidung, Hausrat, FIachs sowie Heu und Stroh. Anhand der Liste kann man erkennen, welchen Weg die Kommission durch das Dorf genommen hat. Dabei ergibt sich die Tatsache, dass einige Wohnstätten aufgeführt wurden, die später im oberen Teil Veltheims lagen.

In der vorliegenden Schadensliste werden nur Namen und Hausnummern der geschädigten Einwohner genannt. Alle in der Liste genannten Hausbesitzer hatten Schäden an ihren Gebäuden. Bei einigen Einwohnern liegen auch vollständige Schadensaufnahmen vor. Die Höhe der angegebenen Schäden ist in Thalern, Silbergroschen und Pfennigen genannt. Auf die Wiedergabe dieser Aufstellungen soll hier verzichtet werden.

 

Am 21. Februar meldete der Colon Buschmann Nr. 100 noch nachträglich Schäden am Gebäude und Verluste an Vorräten an. Er sei »in den Tagen nicht gegenwärtig gewesen bei der Aufnahme.«

Insgesamt wurden am 29./30. Januar 1841 einschließlich der Nachmeldung vom 21. Februar Schäden in folgender Höhe festgestellt:

Gesamtschäden 3451 Thaler 9 Silbergroschen, 

davon:

Gebäudeschäden 1573 Thaler

Kartoffeln, Gemüse, Früchte 976 Thaler

Kleidung, Betten, Wäsche, Flachs 369 Thaler

Stroh, Heu usw. 29 Thaler

Getreide, Brot, Mehl 145 Thaler und Vieh 14 Thaler.

Unberücksichtigt blieben Schäden durch verdorbene Wintersaaten auf den Feldern, (Roggen, Weizen), die erst im Frühjahr taxiert werden konnten. Sie wurden auf etwa 3400 Thaler geschätzt. Außer Veltheim waren noch andere Gemeinden des Amtes Hausberge entlang der Weser vom Hochwasser betroffen:

Eisbergen - Schäden an den Wintersaaten, Uffeln, Bauerschaft Vössen (Holtrup), Costädt und Gut Rothenhoff, Ortsteil Wittenhusen von Holzhausen, Neesen und Meißen - hier entstanden auch Schäden an Gebäuden, Hausrat usw., die Möllberger Buhnmühle und die Hausberger Wassermühle.

Die Schäden in den genannten Gemeinden machten zusammen jedoch nur gut ein Viertel der gesamten Schäden aus. Von rund 4800 Thalern taxierter Schäden entfielen 72 % auf Veltheim.

 Hilfsaktionen 1841

»Hilfe wird den Einwohnern jedenfalls geleistet werden müssen.« Das hatte der Kantons-Beamte von Mey von den Behörden gefordert. Er selbst setzte auch umgehend eine Hilfsaktion in Gang. Am 21. Januar forderte er die Vorsteher der Gemeinden seines Amtsbezirkes auf, in ihren Gemeinden eine Sammlung für die in Not geratenen Veltheimer Nachbarn durchzuführen.

»Beiträge an Lebensmitteln, Geld oder was jeder darreichen will«. Schon nach wenigen Tagen trafen die Spenden aus den Nachbardörfern ein und wurden in Veltheim vom Vorsteher Böke, Pastor Erftling und einem schnell gebildeten Komitee verteilt: Kartoffeln, Brot, Korn, Erbsen, Linsen, Trockenobst, geräuchertes Fleisch und Speck, Würste. Über 66 Thaler Geldspenden wurden dem Kantons-Beamten zur späteren Linderung besonderer Notfälle übergeben.

Aus den Spendenlisten einiger Gemeinden:

Eisbergen und Fülme: 32 Thaler 2 Silbergroschen 7 Pfennige, 27 Himpten Kartoffeln

Lohfeld: 1 Thaler, 15 Silbergroschen, 7 Pfennige

Hausberge: 9 Thaler, 7 Silbergroschen, 6 Pfennige

Möllbergen; 17 Silbergroschen, 9 Pfennige, 19 Himpten Kartoffeln, 1 Stück Schweinefleisch, 2 Würste, 9 1/2 Stück Brödte.

 In Hartum und Südhemmern hatte der dortige Beamte zu Sachspenden aufgefordert. Außer Kartoffeln, Roggen, Brot, 54 Pfund Fleisch und Wurst wurden 168 Pfund Flachs gespendet. Drei vierspännige Fuhrwerke aus Veltheim holten die Spenden am 8. Januar aus Minden bzw. Hartum ab.

Durch Vermittlung des Landrats kamen am 30. Januar aus Minden: 10 Schwarzbrödte, 4 Sack Kartoffeln. Schnelle und wirksame Hilfe leistete die Stadt Minden. Dort hatte sich schon am 22. Januar ein Hilfs-Verein gegründet, der bereits am nächsten Tage 11300 Stück Kommiß-Brödte, 44 Stück Schwarz-Brödte, 30 Stück Weiß-Brödte und 2 Anker Brandtwein nach Veltheim schickte.

Der Mindener Bürgermeister bat den Hausberger Beamten um genauere Angaben über die Not, damit man die Aufmerksamkeit der Ferne mehr darauf lenken könne. Am 30. März stellte der Hilfs-Verein 100 Thaler zur Verfügung und ließ im September 732 Tahler an die besonders betroffenen Einwohner des Amtes Hausberge austeilen. Bis zum Ende des Jahres, als er sich dann auflöste, hatte der Verein insgesamt 858 Thaler Geldspenden an 128 Geschädigte verteilt, davon 301 Thaler an 65 Veltheimer Einwohner.

Weniger großzügig als die privaten Spender zeigten sich die Behörden. Außer etwas Brot und Branntwein zur ersten Hilfe gab es keine staatlichen Unterstützungen. Über den Erfolg des bereits erwähnten Antrags der Gemeinde Veltheim an den Landtag ist nichts bekannt.

Am 4.Februar 1841 stellte der Hausberger Kantons-Beamte von Mey für 69 Veltheimer Besitzer einen Antrag auf Stundung der Grundsteuern. Der daraufhin ausgesprochene Zahlungsaufschub wurde von der Steuerbehörde am 7.10.1841 aufgehoben. Die Steuerpflichtigen wurden aufgefordert, die Rückstände bis zum 19.10.41 einzuzahlen.

Über die Entstehung und den Verlauf des Hochwassers von 1841 zitiert Miotke aus einer Untersuchung von« Rust Hoebel, 1908«, die hier wieder gegeben wird.

»Die Hochflut vom Januar 1841 hatte die für das Wesergebiet im Allgemeinen charakteristischen Vorbedingungen. Ende November 1840 trat im Fuldagebiet Kälte mit geringem Schneefall ein. Im Dezember nahm der Frost fortwährend zu, und durchdrang den Boden bis zu bedeutender Tiefe. Von Anfang Januar ab schneite es im Fuldagebiet. Der Schnee erreichte am 11. des Monats 0,5 bis 1,7 m Höhe. Von diesem Tage ab herrschte Tauwetter. Die Temperatur stieg. Am 17. des Monats waren in Fulda + 7 Grad. In den folgenden Tagen trat Kälterückfall ein und vom 20. bis 26. des Monats war wieder Frostwetter mit neuem Schneefall. Das von Wind und Regen begleitete Tauwetter brachte die Wasserläufe in Erregung, die Fulda stieg stark, trat am 17. aus den Ufern, erreichte am 18. den Höchststand. Der am Pegel Münden um 14.00 Uhr etwa +7,0 a. P. betrug und fiel dann rasch wieder ab. Die Altstadt von Kassel wurde gänzlich unter Wasser gesetzt. Grundstücke, Straßen und Häuser wurden arg beschädigt.«

Auch im übrigen Wesertal war die Kraft der zu Tal stürmenden Hochwasserwelle gewaltig. In Bodenwerder erreichten die Fluten, die durch den Ort strömten, Höhen bis zu 2,50 Meter! Die Verluste an Vieh waren überall beträchtlich. Während im Oberlauf der Weser die Hochwasserstände vom Januar 1841 noch bis zu einen Meter über denen vom Februar 1946 lagen, erniedrigt sich die Differenz an der Porta auf ca. + 10 Zentimeter.

 

 

Edelingssitz in Veltheim

Neuigkeiten zur Siedlungsgeschichte Veltheim

 

Von Reinhold Kölling

In meinem Buch „Anfang und Fortschritt“ Chronik von Veltheim Band II, Seiten 165 ff und in der Betrachtung  „Veltheim ist nicht nur >Veltheim<“ habe ich geschrieben, dass noch keine direkten Zusammenhänge zwischen dem Ort Veltheim und dem Familiennamen Veltheim bzw. der „von Veltheim“ zu erkennen sind. Es war bislang nicht endgültig geklärt, ob es in Veltheim an der Weser auch den Familiennamen „Veltheim“ bzw. „von Veltheim“ gegeben hat.

 

Nach weiteren Recherchen ist es mir nun gelungen, auf diese offenen Fragen Antworten zu finden. Ich habe interessante Hinweise entdeckt, die die Siedlungsgeschichte von Veltheim weiter aufhellen.

 

Bekanntlich hat sich das heutige Veltheim an der Weser aus zwei Eschsiedlungen entwickelt.[1] Die Siedlungsforschung sieht es als gesichert an, dass Eschsiedlungen um 400 bis 500 n. Chr. entstanden sind.[2] Für Veltheim maßgebend waren die Eschsiedlungen Veltheim und Hehlen (früher auch Helen geschrieben). Hehlen umfasste das Gebiet des heutigen „Bruchtals“ und war die ältere von den beiden Siedlungen.[3] Hehlen wurde noch in Urkunden 1080, 1089, 1200, 1263, 1269, 1328 und 1332 genannt und ist dann später „wüst“ geworden. Wüst geworden bedeutet: „Aufgegeben“ oder „in einen anderen Ort aufgegangen“. Hehlen ist in Veltheim aufgegangen.

 

Hehlen wurde noch im Grenzprotokoll des Gogerichts „Zu den Sieben Eichen bei Veltheim“ im Jahre 1562 genannt. Das bedeutet, dass der Prozess des „wüst werden“ sich bei Hehlen über einen längeren Zeitraum hinzog. Es ist nicht genau nachzuweisen, wann das „wüst werden“ von Hehlen begann und aufhörte. Die „Wüstungsforschung“ besagt, dass die meisten Wüstungen vom 13. bis zum 15. Jahrhundert entstanden sind. Dieser Zeitraum würde auch zu Hehlen passen. Zur Bedeutung des Names „Hehlen, Helen“ gibt es diverse Ansichten. Meistens wird der Name allerdings mit „verstecken, verhehlen“ erklärt. Das passt auch zu dem betrachteten Hehlen, denn danach wäre Hehlen das versteckt zwischen den Wäldern liegende Dorf. Auch die in Norddeutschland genutzt Erklärung für „Hehlen = moorige Umgebung“ passt zu den Gegebenheiten in Hehlen.

 

Wann die Eschsiedlungen Veltheim und Hehlen genau entstanden sind, ist bislang nicht festgestellt worden. Die Siedlungsforscher legen die Zeit mit 400 bis 500 n. Chr. fest, wobei es ganz sicher ist, dass auch schon davor Menschen in dieser Gegend wohnten. Die vielen Bodenfunde in Veltheim und Hehlen weisen das nach.[4]

 

Nach einer Mindener Bischofsurkunde aus dem Jahre 1188 n. Chr. besaß der Bischof in Veltheim „XI mansos“[5] und in Hehlen „IV mansos“.[6]

 

In die Betrachtung der alten Höfe von Hehlen ist noch nicht der Hof Nr. 14 einbezogen worden. Dieser gehörte nicht zu den Höfen in der genannten Urkunde von 1188 n. Chr., sondern hatte einen Sonderstatus. Er liegt knapp 400 Meter abseits der Hehlener Höfe und wird wohl der direkte Nachfolger des an dieser Stelle zu vermutenden Edelsitzes, des „Veltheimer Hofes“ gewesen sein.

 

„Dafür spricht auch die Flurbezeichnung „Am Hofe“. Der im Volksmund sonst in dieser Form nicht bekannte Flurname wird an den in alten Urkunden erwähnten „Veltheimer Hof“ angelehnt sein, der im Besitz verschiedener Adelsgeschlechter war. Später war der Hof anscheinend im Besitz der Burgherren von Vlotho.“[7] So beschreibt es der Heimatforscher Fritz Neuhaus, Hausberge 1964 in einer Ausarbeitung der Veltheimer Flurnamen. Lehrer und Heimatforscher Hans Reese, Eisbergen, ergänzt 1995 u. a.: „Auf jeden Fall muss es sich bei dem Hofe, auf den sich der Flurname bezieht, um einen Hof von besonderer Bedeutung gehandelt haben…………“[8]

 

An dieser Stätte wurden im Jahre 1909 sehr viele Bodenfunde, u. a. ein Urnenfriedhof, gemacht. Es wurden 50 Bestattungen des 2. und 3. Jahrhunderts n. Chr. untersucht und in 14 Gräbern reiche Grabbeilagen gefunden.[9]

 

Der so genannte „Veltheimer Hof“ wurde 1211 n. Chr. an die Mindener Domkirche übertragen.[10] Seit wann es diesen Hof gab ist derzeit nicht bekannt. Bekannt ist allerdings, dass sich die Bewohner „de Veltheim“ nannten. 1093 n. Chr. ist nämlich beurkundet, dass das Kloster Abdinghof bei Paderborn, die „agysterstene“ (Externsteine) mit den dazu gehörigen Ländereien von der sächsischen Edelfrau Ida, ihrer Tochter Wisuit und deren Ehemann „Everhardus de Veltheim“ erworben haben, was der Bischof mit seinem Banne bestätigte.[11]

 

1185 und 1206 wird ein „Albertus de Veltheim“ im Zusammenhang mit Veltheim bei Vlotho genannt. 1151 ist in einer Urkunde im Zusammenhang mit der Familie „de Veltheim“ davon die Rede, dass das Marienstift auf dem Berge bei Herford Besitztümer in Veltheim hatte. Bei diesen „de Veltheims“ handelte es sich sehr wahrscheinlich um ein Ministerialengeschlecht. Ministeriale war der niedere Dienstadel an den Höfen von Fürsten und bischöflichen Landesherren. Es steht nämlich nach den bisherigen Erkenntnissen fest, dass dieses Ministerialengeschlecht „de Veltheim“ keine verwandtschaftlichen Beziehungen zu den Adelsgeschlechtern „von Veltheim“ aus Veltheim/Fallstein und Veltheim/Ohe[12] hatte.

 

Der Hof Nr. 14 (Urbar 1682 = Hanß Schilling; Kataster 1745 = Hans Schilling; 1963 Siemonsmeier, später Waltemathe“ , heute Bruchtal 1 ist also der Stammsitz des Ministerialengeschlechts „de Veltheim“. Es war bislang nicht herauszufinden was nach dem Verkauf in 1211 an die Mindische Kirche aus der Familie „de Veltheim“ geworden ist;  ob sie den Veltheimer Hof weiter bewohnten oder nicht. Es gibt weitere urkundliche Erwähnungen: so wird ein Gottfried de Veltheim 1245 und 1246 als Zeuge in zwei Vertragsurkunden zwischen Graf Konrad von Wölpe und Bischof Johan von Minden erwähnt; in gleicher Eigenschaft ein Johann de Veltheim 1241 und 1297 in Urkunden der Edelvögte Wiedeking und Gerharg Schalksberg.1373 wird ein Gerhardus de Veltheim als Rektor „ecclesiae in Ostereybege“ (Eisbergen) genannt.[13]

 

Weitere Hinweise zu dieser Familie sind dann nicht mehr aufgetaucht.

[1] Kölling, Reinhold: Anfang und Fortschritt; Chronik von Veltheim Band II (2012)

[2] Reese, Hans: Die Siedlungsgeschichte des Dorfes Veltheim, 1991

[3] Kölling, Reinhold: Anfang und Fortschritt; Chronik von Veltheim Band II (2007), Seiten 39 ff

[4] Kölling, Reinhold: Anfang und Fortschritt; Chronik von Veltheim Band II (2007), Seiten 20 ff

[5] Mansos = zinspflichtige Höfe

[6] Mindener Geschichtsquellen Band I: Die Bischofschroniken des Mittelalters; Hermann von Lerbeck; catalogus episcoporum Mindensium und Ableitung; Herausgegeben von Dr. Klemens Löffler, Münster 1917

[7] Neuhaus, Fritz: Die Flurnamen des Dorfes Veltheim; 1964

[8] Reese, Hans: Die Flurnamen des Dorfes Veltheim; 1995

[9] Kölling, Reinhold: Anfang und Fortschritt, Chronik von Veltheim Band II von 2007

[10] Urkunde vom 22.8.1211 ausgestellt, darin bezeugt Heinrich Herzog von Sachsen und Pfalzgraf am Rhein, dass der Edele Arnold von Flotowe (Anm.:Vlotho) den von ihm zu Lehn gebenden Hof zu Velthem (Veltheim unfern Vlotho an der Weser) nebst allem Zubehör der Mindischen Kirche übertragen habe

[11] Kloster Abdinghof, Paderborn – Urkunden Nr. 10

[12] Diesem Zweig ist ein eigener Abschnitt gewidmet

[13] Niemann, Ernst: Die Kirchengemeine Veltheim, 1932





Das Gogericht vor den "sieben Eichen" in Veltheim

Von Reinhold Kölling

 „Sieben Eichen“, eine alte Flurbezeichnung in Veltheim, heute der Name einer Straße in der Flur. Von alten Veltheimern wurde das Gebiet oft als Ortsteil bezeichnet. Die Veltheimer „Sieben Eichen“ hatten in früherer Zeit vor allem im Rechtswesen eine besondere Bedeutung. Das „Gogericht Vor den Sieben Eichen“ ist wohl aus einem der alten Volksgerichte vor der Christianisierung der Sachsen hervorgegangen. Die Versammlung der Volksgerichte, der „Thing“ trat am „Thingplatz“ unter freiem Himmel öffentlich zusammen. Der „Thingplatz“ war gewöhnlich ein weithin sichtbarer Platz unter heiligen Bäumen, an Bächen und Flüssen, an einem Born oder auf einem Hügel. Der „Thing“ war in seinen Entscheidungen unabhängig; Urteile mussten mit Zustimmung aller „Thingleute“ gefällt werden.

Mit Einführung der fränkischen Gerichtsverfassung durch Karl den Großen trat an die Stelle der Gerichtsgemeinde allmählich ein Beirat von sieben oder mehr Bürgern, die das Urteil finden und das Recht schöpfen mussten (daher der Begriff Schöffen). Den Vorsitz führte der Graf. Diese Grafengerichte waren für die schwereren Rechtsfälle zuständig. Leichtere Verfehlungen und Frevel wurden vor dem Gogericht (Go =Gau) verhandelt. Richter waren die von den Bauern gewählten Gografen.

Die alten Volksgerichte verloren ihre Selbständigkeit und Unabhängigkeit mit der weiteren Ausbildung der Territorialherrschaft der Edelherren vom Berge auf der Schalksburg. Diese zogen allmählich die Gerichtsbarkeit an sich. In der Edelherrschaft zum Berge bestanden im 14. Jahrhundert zwei Gogerichte: Das Gogericht Frille, das später auf das dritte Joch der Weserbrücke zu Minden verlegt wurde, und das Gericht „Vor den Sieben Eichen“ in Veltheim.

Nach dem Aussterben der Edlen Herren vom Berge kam die Herrschaft zum Berge 1398 durch Erbschaft an das Domkapitel zu Minden. Die beiden Gogerichte sanken unter den Mindener Bischöfen immer mehr zu Gerichten der niederen Gerichtsbarkeit herab. Sie konnten im Wesentlichen nur Brüchten (Strafgelder) verhängen. Die schweren Fälle wurden dem Drosten oder Amtmann in Hausberge übertragen. 1562 gab es für die beiden Gogerichte nur noch einen Gografen.

Von Grenzstreitigkeiten zwischen dem Mindener Bischof und den Grafen zu Schaumburg im 16. Jahrhundert war auch das Gogericht „Sieben Eichen“ betroffen. Umstritten war vor allem die Zugehörigkeit des nach Eisbergen eingepfarrten Gutes Dankersen und des Dorfes Todenmann. Die Schaumburger hatten nämlich ihren Herrschaftsbereich auf die östlich des Fülmer Schnadbachs (Schnad = Grenze) gelegenen Gebiete ausgeweitet und behielten diese trotz aller Mindener Proteste.

Auf Veranlassung des Mindener Bischofs umriss das Gogericht „Sieben Eichen“ in einem Grenzprotokoll seinen Zuständigkeitsbereich, um die Mindener Ansprüche auf das umstrittene Gebiet zu untermauern. Folgende Männer verfassten das Protokoll am 22. Juni 1562:

Erich Dux, Droste zu Hausberge; Johann von Halle, Amtmann zu Hausberge; Johann Vincke, Gograf und Richter; Johann Krite (Kreide), Amtsvogt zu Hausberge; und zwei thingberechtigte Männer: Barthold Vogt und Arndt Diestelhorst.

Der wichtigste Teil des Grenzprotokolls wird hier im Wortlaut zitiert:

„Gogericht zu den Sieben Eychen von wegen meines gnädigsten Fürsten und Hern von Minden. Mantags, den 22. Juny anno 1562 gehalten.

Durch meines gnädigsten Fürsten und Hern Achtsman Hansen Drosten nach gespannem Gerichte gefraget, wo widt sich diß Gericht erstreike unnd wer demselben zu folgen schuldich sein.

Ingebracht Berendt Deiterdinck zu Rechte, uf dem Hove zu Nortem (1) an, an den midtlen Graven vor Rinteln, den mittlen Strom in der Weser, den Hof zu Dankersen, Vuelme, Eißbergen, olden Eißbergen (2), Helen (3), Veltem, Borlewessen (4) Molbergen, Ufflen, in den Hoven zu Hilverdinckkausen, Hempinckhausen, Nu die Wulffhagen (5) Holtorpffe (6), Vordessen (7), Venenbecke, Holdthaußen, in den Hagen zu Varenholtz (8), Loveldt, Apenhausen (9), Nammen und die Egge der Berges endtlanck biß wider an die Hove zu Norden.

Weiter ingebracht Joist Droste vor Recht, die Hochheit in diesem Gerichte gebur meinem genädigsten Fürsten und Hern von Minden, derselben Ambte zu Haus Berge und haben dainne zustraffen alles was straffens werdt sei, und das von wegen der Hocheit gefunden:……………….“

Dann folgen in dem Protokoll einige Fälle von Ausübung der Gerichtbarkeit an der Grenze gegen Schaumburg, die beweisen sollen, dass die Hoheit des Amtes Hausberge bis zum „Mittleren Graben vor Rinteln“ reicht.

Erläuterungen:

(1)  Nortem = Northeim= wüst gefallenes Dorf nördlich von Rinteln, vermutlich an der Stelle der Siedlung „Auf der Höhe“; hatte mindestens zwei Meier (größere Höfe), die vor den „Sieben Eichen“ zu Gericht gingen. Um 1450 schon wüst (aufgegeben).

(2) Olden Eißbergen = das frühere Westereisbergen am Eisberger Mühlenbach, damals schon wüst. In Westereisbergen lag ursprünglich auch das Gut Eisbergen.

(3) Helen = Bauerschaft Helen (Hehlen), in Veltheim aufgegangen; wird erwähnt, weil die Gemarkung zum Gogericht „Sieben Eichen“ gehörte.

(4) Borlewessen = Borlefzen, am Südhang des Buhns.

(5) Hilverdinckhausen, Hempinckhausen, Wulfhagen = Wüstungen zwischen Uffeln und Holtrup

(6) Holtorpffe = Holtrup

(7) Vordessen = Voessen, zu Holtrup gehörende Bauernschaft.

(8) In den Hagen zu Varenholtz = auch bezeichnet: „in den Hagen vornholte“ = zwischen Veltheimer Holz und Hausberge, heutiges Tielosen

(9) Apenhausen = Ahmserort

Alle Vorstellungen und Verhandlungen des Amtes Hausberge und der Mindener blieben erfolglos, der Schnadbach in Fülme blieb die Grenze zwischen dem Bistum Munden und der Grafschaft Schaumburg.

Strittig war auch die Zugehörigkeit der südlich der Weser gelegenen Teile der Eisberger Gemarkung. Auch hier behaupteten die Schaumburger Hoheitsrechte, die erst im 19. Jahrhundert von Hessen an Preußen abgetreten wurden. Für die Eisberger hatte das der preußischen Landeshoheit und Rechtsprechung entzogene Gebiet „über der Weser“ eine besondere Bedeutung. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts entzogen sich die jungen Männer dem Zugriff der rücksichtslosen Werber und Häscher des preußischen Militärs, indem sie sich in den Schutzhütten südlich der Weser so  lange verborgen hielten bis die Luft wieder rein war.

Es gab noch eine weitere Eisberger Besonderheit. Seit 1749 hatte der Gutsherr von Eisbergen die „Civil- und Unterjurisdiction“ für seine Eigenbehörigen. Wahrscheinlich hatte er die niedere Gerichtsbarkeit vom Amt Hausberge gleichzeitig mit dem Kauf oder kurz nach dem Kauf des Ritterguts erworben. Als Ausgleich für die anfallenden Strafgelder musste er jährlich eine bestimmte Summe in die Amtskasse zahlen.

Zu dem Zeitpunkt gab es das Gogericht „Sieben Eichen“ schon nicht mehr. Es endete wohl mit dem Ende des dreißigjährigen Krieges. Der letzte namentlich bekannte Gograf und Richter war der im Grenzprotokoll genannte Johann Vincke.

Über den genauen Platz des damaligen Gogerichts in Veltheim gibt es unterschiedliche Auffassungen. Im Sprachgebrauch wurde der Bereich an der Veltheimer Straße von der Schule bis zum Heckerfeld genannt. Der frühere Veltheimer Pastor und Heimatforscher Ernst Niemann vermutete die „Sieben Eichen“ auf der Anhöhe zwischen der Schule Veltheim II und Homeier Nr. 86 (heute Veltheimer Straße 280). Der als Heimatforscher bekannte Lehrer Mohme (Schule Veltheim II) vermutete den Platz weiter nördlich am Feldweg zwischen Sprengelweg und Sieben Eichen in Höhe „Buschmanns Hof“.   Dort gab es auch noch im 20. Jahrhundert einen Bestand an Eichenbäumen.

Quellen:

Reese, Hans; Aufsatz; März 1991

Blotevogel, Heinrich; Studien zur territorialen Entwicklung des ehemaligen Fürstentum Minden; 1939; Selbstverlag

Wiegmann, W; Heimatkunde des Fürstentums Schaumburg-Lippe; Stadthagen 1912; 1990 Hameln.




Erinnerung an "The Generations"

Vor mehr als 50 Jahren in Veltheim: Veltheimer Jungs gründen Rockband

(von Reinhold Kölling)

1964, die legendären Rolling Stones hatten in den USA ihren ersten Bühnenauftritt, gründete sich in Veltheim eine Beatgruppe mit dem Namen »The Ghost Riders«. Die Veltheimer Jungs Dieter Ass, Heinzi Till, Karl-Heinz (Charly) Vauth kannten einander aus dem Spielmannszug. Sie holten den talentierten Gitarristen Wolfgang Vauth, ebenfalls aus Veltheim, hinzu; musizierten „Rock and Roll“.  

Noten sind von Anfang an durch unerschütterlichen Enthusiasmus und fleißiges Üben ersetzt worden; sie spielten nach Gehör. Schon im Februar 1964 fühlten sie sich gut genug, um sich unerschrocken der Öffentlichkeit zu präsentieren. Mit bescheidenem Equipment, nämlich zwei Holzradios, einem geliehenen 30 Watt-Kofferverstärker, einem Mikrofon, einer Elektrogitarre, einer Akustikgitarre und mit Dieter Ass am neuen

Sonor-Schlagzeug startete der erste Auftritt im »Veltheimer Hof«! Der Erfolg war grandios!

Foto: The Ghost Riders 1964 in Buschmanns Saal in Veltheim (Foto Archiv Reinhold Kölling)

Anschließend folgten regelmäßige Konzerte in der näheren Umgebung; die musikalische Qualität, ihre Bühnenshow und Technik wurden immer professioneller. Da drei der vier Bandmitglieder noch minderjährig waren, begleiteten die »Aufpasser« Karl Vauth und Harald Ass als »Roadmananger« die Veltheimer Jungs.

Ende 1964 verließ Heinzi Till die Band; das führte zu wechselnden Besetzungen. Anfang 1965 stieß Georg Zajonc mit Bassgitarre hinzu. Die Gruppe wollte den überregionalen Durchbruch. Es fehlte allerdings ein »Frontman« wie bei den Vorbildern Lee Curtis, Tony Sheridan, Achim Reichel... Ein Zufall half, im Mai 1965 stieg der in Minden stationierte britische Soldat Hank Williams aus Liverpool ein. Ein Glücksfall: Hank Williams mit der samtweichen Stimme wurde auf Anhieb Schwarm aller Mädchen.



Foto: The Generations mit Hank Williams (Foto Archiv Reinhold Kölling)  

Das Jahr 1966 brachte entscheidende Veränderungen. Fossy Fosbrock kam als Bassist. Georg Zajonc wechselte an die Orgel. Ein anderer Name wurde gefunden: »The Generations«, in Anlehnung an das Stück von »The Who«: »My Generation“.

Fortan sollte dieser Song der Höhepunkt eines jeden Auftrittes werden. Dabei gingen auch mal Musikinstrumente, allerlei Mobiliar und sogar ein Kronleuchter zu Bruch.

Mit der endgültigen Besetzung: Hank Williams, Vocals; Wolfgang Vauth, Lead-Guitar; Charly Vauth, Rhythm-Guitar, Flute, Vocals; Dieter Ass, Drums; Terrance Fosbrock, Bass, Vocals; Georg Zajonc, Orgel, feierte die Band Erfolge. Die Musik war professionell. Konzerte fanden statt im legendären MG-Club in Bad Oeynhausen, Jaguar-Club in Herford und in Kassel, Hannover, Braunschweig, Goslar, Bad Harzburg etc.

Höhepunkte waren die gemeinsamen Auftritte mit den Searchers, Rattles, Easybeats, Lee Curtis and the Allstars, Spencer Davis Group, Graham Bonney, Remo Four, um die Bekanntesten zu nennen.

Die musikalische Krönung gelang im Sommer 1966 mit der Einspielung einer Single in einem Tonstudio in Hannover. Sie enthielt die Titel: »Around The World« und We’ve Gotta Move Out«, beides Eigenkompositionen.



Foto: das Cover der Single (Foto Archiv Reinhold Kölling)

1969 löste sich die Band aus persönlichen und beruflichen Gründen zunächst auf, einzelne Bandmitglieder u.a. Drummer Dieter Ass, dessen Schlagzeugsoli unvergessen sind, spielten in anderen Gruppen. Hank Williams tingelte als Sänger durch England.

Im August 2007 feierten die »Generations« ein unvergessenes Comeback bei der 1111- Jahrfeier des Heimatortes Veltheim. In der Show »Zeitreise« in der Veltheimer Karl-Krüger-Halle traten die „Generations“ vor begeisterten 600 Zuschauern als Überraschungsgäste auf! Der Autor dieses Beitrags, der auch der Macher der »Zeitreise« war, hatte die Band zu ihrem Überraschungsauftritt bewegen können.

Das überzeugende Comeback animierte die Gruppe, weiterzumachen. Im Sommer 2008 veranstaltete die Veltheimer Dorfgemeinschaft einen Beat-Abend im Festzelt. Die »Generations«, mit Hank Williams aus England, begeisterten nochmals. Diverse Stadtfestauftritte etc. folgten.      


 



In neuer, stark verjüngter Besetzung bereicherten »The Generations« das letzte Festival »Umsonst und draußen« in Veltheim.

Wolfgang Vauth erinnert sich: »Einmal in der Woche haben wir jeweils geprobt und vor allem neue Stücke eingespielt. Von 1964 bis 1969 haben wir 550 Auftritte gehabt, bei Tanzabenden, zu Konzerten, in den Clubs! Wir haben für unsere Musik gelebt.«

Karl-Heinz (Charly) Vauth ergänzt: »Gute Erinnerungen habe ich an unseren Gigs in Wilsche/Gifhorn, im Jaguar-Club in Herford und vom Konzert in Wolfsburg!“


Feste feiern!

Nach dem gestrigen Filmrückblick auf Veltheims Sportart Nr. 1 „Handball“ heute eine Rückschau auf Veltheims Maifeier. Das war über viele Jahre des Event in Veltheim überhaupt, ausgerichtet jeweils von der Freiwilligen Feuerwehr Veltheim.

Der heutige Rückblick aus dem Veltheim – Film zeigt einen Ausschnitt der Maifeier 1967, wo das Fest an der Gaststätte Buhmeier stattfand. (Film von Heinz Westermeier).

Feldhandball auf dem Großfeld - früher in Veltheim,

da hatte besonders (wie heute) der Sport einen hohen Stellenwert. Es wurde u.a. noch Feldhandball auf dem Großfeld gespielt. Heute deshalb aus einem alten Veltheim-Film von 1967 (Kommentator u. Ersteller Filmemacher Heinz Westermeier) eine Erinnerung daran. Nachzulesen ist die gesamte Handballgeschichte in dem Buch: „Das sportlIche Dorf“. Erhältlich beim Heimatverein Veltheim oder auch bei Amazon etc. 



Das Buch zum Feldhandball:




Die "Wirtshausgeschichte" von Veltheim

(noch nicht vollständig, wird weiter ergänzt)

Schon sehr früh sind in Veltheim Wirtshäuser nachgewiesen. Im Urbar von 1682 finden sich vier „Krüge“ in Veltheim. Sicherlich gab es diese auch schon vorher, doch das Urbar von 1682 ist die älteste noch vorhandene Aufzeichnung der Veltheimer Stätten und hat in sofern „Urkundencharakter“.

 Nach diesem Urbar finden sich „Krüge“ auf den Stätten Nr. 57 (Untervogt) Nr. 13; Nr. 53 und Nr. 81.

Die Stätte 57 hat heute die Bezeichnung „Langer Grund 1“. Der Untervogt und Besitzer der Stätte war 1682 Heinrich Diestelhorst, der Untervogt von Veltheim. Im Urbar ist u. a. verzeichnet, dass Heinrich 34 Jahre alt war und 2 Taler „Kruggeld“ zu zahlen hatte sowie sein eigen Bier braute……………..

Weiter war vermerkt, dass nachgesucht werden soll, ob ein Bediensteter der Obrigkeit einen Krug führen darf….

 Die Stätte 13 hat heute die Bezeichnung „Driftenstr.71“, also heute Ecke Driftenstr./Ravensberger Str. am Bahnübergang.  Als Besitzer der Stätte war im Urbar Johan Diestelhorst, 40 Jahre alt (vorher Johan Watermann) verzeichnet, der u.a. 4 Taler und 4 Groschen Kruggeld zu zahlen hatte. 

 Die Stätte Nr. 53 hat heute die Bezeichnung „Sieben Eichen 30“, heute das Haus „Roos“. Als Besitzer war im Urbar verzeichnet: “Heinrich Frommens Witbe“ mit u. a. 2 Taler und 12 Groschen Kruggeld.

 Die Stätte Nr. 81 hat heute die Bezeichnung „Brinkborn 18“, heute das Haus gegenüber der Kirche mitten im  Dorf. Als Besitzer war 1682 vermerkt: „Johan Jürgen Helt“, ist 37 Jahre alt und u .a., „dass er 1 ½ Taler Brandeweinzins ans Amt vom Opfer gibt……“

Aus dem Jahre 1967 stammen beigefügte Filmmitschnitte vom Veltheimer Filmemacher Heinz Westermeier, kommentiert vom Altbürgermeister Karl Krüger, der einige Veltheimer Wirtshäuser der damaligen Zeit vorstellt.


 Das Gasthaus „Zum Alten Krug“, unmittelbar bei der Veltheimer Kirche im unteren Dorf gelegen, gibt es auch heute noch, Inhaberin ist aktuell Jutta Stiller.

Früher war es die Stätte Nr. 82. Diese wurde schon im Urbar von 1682 erwähnt, damals aber noch nicht als Wirtshaus. Erstmals ist in einem Einwohnerverzeichnis von 1877 dort der Name Friedrich Korff, Schankwirt, genannt. Dessen Tochter Wilhelmine Korff wurde 1895 in einem Verzeichnis erwähnt als Wirtin. Anzunehmen ist also, dass etwa ab 1877 der „Alte Krug“ in Veltheim ein Gasthaus war. Schon 1828 wird dort der „Gastwirth Schwarze“ genannt. Die Inhaber wechselten im Laufe der Zeit, so folgte die Familie Korff und  Wilhelmine Korff  bis etwa 1900, dann der Gastwirt Schmidt, später kamen dann Edler und Aumann.

1965 übernahm die Familie Stiller das Gasthaus, anfangs sogar noch mit einem Lebensmittelladen verbunden. Durch die Familie Stiller (Gastwirt Hans Stiller ist im Film zu sehen) ist der Betrieb immer weiter aus- und umgebaut worden. Dieser liegt direkt am Weserradweg und bietet auch Außengastronomi

Auf dem Film von 1967 gibt es leider keinen Ausschnitt vom „Veltheimer Hof“. Dieses auch heute noch gut bekannte Gasthaus wurde 1963 von der Familie Hohmeier gegründet und wird noch heute vom Sohn des Gründers mit seiner Ehefrau betrieben. Insofern gibt es in Veltheim an der Weser noch zwei Landgasthöfe mit guter Restauration. Der Veltheimer Hof ist bekannt für seine gute Küche mit Produkten aus eigener Hausschlachtung, den Fremdenzimmern und dem gepflegten Biergarten. Beliebt auch bei Radwanderern auf dem Weserradweg zur Übernachtung. Ursprünglich war die Stätte ein bäuerliches Anwesen. Als dann um 1960 mit dem Bau des Kraftwerks Veltheim in unmittelbarer Nähe begonnen wurde, kam dem Gründer Willi Hohmeier die Idee zum Gasthaus.

 

Veltheim hatte in der Spitze mal neun Gaststätten…………….

Die ganze Veltheimer Wirtshausgeschichte wird in Band IV der Veltheimer Chronik erscheinen. Das Buch ist derzeit noch in Arbeit. In gekürzter Fassung demnächst auch schon im Historischen Teil dieser Veltheim Homepage: www.veltheim-weser.de vollständig erscheinern.

 

Eine Kirche in Veltheim

(Von Ortsheimatpfleger Reinhold Kölling)

Am 15.Januar 1913 wurde die St.-Peter-und-Pauls-Kirche in Veltheim nach einer umfassenden Erweiterung und Modernisierung festlich eingeweiht. In der über 1100 – jährigen Geschichte der Kirche in Veltheim war die festliche Einweihung 1913 der Höhepunkt in der überaus interessanten Entwicklung.

 Ein solcher Höhepunkt ist es sicherlich wert, diesen nach mehr als 100 Jahren  nochmals zu würdigen und dabei die Höhepunkte der geschichtlichen Entwicklung und die Beweggründe für den umfassenden Umbau in Erinnerung zu rufen.

 

Wie ist die Kirche in Veltheim entstanden?

Die Legende von der Gründung der neun Kirchen durch Hildburg von Uffo.

Zur Zeit des fünften mindenschen Bischofs Drogo ist Anno 896 das Kloster Möllenbeck nebst acht anderen Kirchen gestiftet worden[1]. Es waren dies die Kirchen zu Segelhorst, Deckbergen, Steinbergen, Hohenrode, Silixen, Oster-Eisbergen, Wester-Eisbergen und Veltheim. Stifterin war eine adelige Dame, die Frau Hildburg von Uffo.

 Es existiert eine köstlich fabulierende Gründungslegende, die zunächst nach der ältesten erreichbaren Fassung (schriftlich fixiert um 1380) wiedergegeben wird.[2]

 Hermann von Lerbeck überliefert in seinem Catalogus episcoporum Mindensium: Hildburg war die Gemahlin des Edlen Uffo, der zwei Burgen besaß, eine bei Bredenbeke (= Bremke), die man jetzt „Uffenburg“ nennt, und eine bei Steinbergen. Uffo unternahm eine Pilgerfahrt ins Heilige Land. Viele Jahre vergingen, ohne dass er heimkehrte. Seine Gemahlin Hildburg war von seinem Tod überzeugt. Da kein Erbe vorhanden war, stiftete Hildburg auf Anraten eines Priesters Folchart die o. g. neun Kirchen. Als ihr Gatte aber doch heimkehrte, empfing sie ihn mit den Worten: Gott und Eurer Herrschaft habe ich neun Töchter geboren, sie sind aber noch nicht getauft. Uffos Bestürzung kann man sich vorstellen. Als er aber dann die Bedeutung dieser Worte erkannte, d. h. von der Gründung des Stiftes und der acht Kirchen hörte, lobte er die Frömmigkeit seiner Gemahlin und ließ die Gründungen durch Bischof Drogo weihen.

 Die Legende gesellt also der in der ältesten Urkunde ohne Gemahl auftretenden Edelfrau Hildburg einen Gatten zu, Uffo. Uffo erscheint als wichtiger Wohltäter des Stiftes gleich nach Hildburg auch in der Inschrift von 1479 über dem Eingang der Möllenbecker Kirche.[3] Ähnliche Sagen gibt es vielfach.[4]

 Die in der Möllenbecker Gründungslegende aufgeführten Kirchen stammen tatsächlich fast alle aus der Zeit vor der Jahrtausendwende. Einzig Hohenrode scheint erst im 12. Jahrhundert gegründet zu sein. Selbst die in der Gründungslegende angeführte, höchst auffällige zweite Kirche in Eisbergen hat es im Ortsteil Fülme hinter dem Hof Tebbe Nr. 56 tatsächlich gegeben.

 Das zeigt die an dieser Stätte haftende mündliche Tradition von einer Kapelle.

 Hildburg kann also außer Möllenbeck weitere Eigenkirchen gegründet haben.[5] Eine Steinfigur der Stifterin befindet sich im Eingang der Klosterkirche, das Grab in der Klosterkirche.

Wie entwickelte sich die Kirche zu Veltheim weiter?

 Auf Grund dieser Sage ist also anzunehmen, dass tatsächlich im 10. Jahrhundert in Veltheim die erste Kirche entstanden ist. Historisch zuverlässige Hinweise gibt es allerdings nicht. Es dürfte sich bei der Kirche in Veltheim zunächst um einen bescheidenen Holzbau gehandelt haben. Die erste massive Kirche wird nicht vor dem 12. Jahrhundert entstanden sein.[6]

Die Kirche wird zunächst als ein schlichtes, einschiffiges romanisches Langhaus mit flacher Balkendecke vorzustellen sein, wobei der Altar im Osten und der Turm im Westen gestanden haben. Leopold Ledebur („Minden-Ravensberg“ - Denkmäler der Geschichte der Kunst und des Altertums, Seite 57) glaubt davon abweichend, dass die erste Gestalt der Veltheimer Kirche ein griechisches Kreuz mit vier gleichen Schenkeln gewesen sei, wie sie für Kirchen des 10. und 11. Jahrhunderts im Abendland aber eher untypisch wäre.[7]

 Die Chronik der Veltheimer Kirchengemeinde nennt den Turm (vor dem Umbau ca. 13,50 m hoch und ca. 6,80 m im Quadrat) bis zur Höhe des 1912 aufgestockten Glockengeschosses den einzigen Zeugen dieser frühesten Zeit. Typisch dafür sind die kleinen romanischen, durch zierliche Säulchen mit Würfelkapitellen zweigeteilten Schalöffnungen. Mehrfache Umbauten haben immer wieder das Gesicht der Kirche verändert. Wohl seit dem späten 15. Jh. Schließt sich nördlich an das Langhaus in ganzer Länge ein mit fast 6 m recht tiefes, zweijochiges Seitenschiff an. Zwei in die alte Bordwand einfach eingeschnittene Spitzbögen trennen es vom Langhaus.[8]

Interessante Hinweise zur Kirche und Kirchengemeinde Veltheim finden sich in einem Bericht über die Visitation der Kirchengemeinde Veltheim 1650. Dieser Bericht basiert auf einem für alle Gemeinden ausgearbeiteten Fragebogen des Superintendenten Schmidt aus Petershagen. Der Bericht datiert vom 19.7.1650. Hieraus werden nachfolgend nur einige wenige Feststellungen zitiert: „Der Veltheimer Pfarrer war zu diesem Zeitpunkt Johannes Crusius, der schon 27 Jahre am Ort ist. Der Pfarrer wurde vom Hertzog Christian Bischof zu Minden berufen. Die Kinderlehre betreibt er bißweilen, die Leute aber schicken wenig Kinder hinein. Der Pastor habe noch niemanden aus dem Beichtstuhl gewiesen und die Absolution versagt. Sonstiges strafbares sei vom Pastor nicht bekannt, wobei der Eisberger Pastor über die Kollegen aus Lehrbeck und Veltheimb gesagt habe, dass sie gern Tobaack und Bier trinken sollen. Zu der Kirchgemeinde gehören ohngefähr 60 Feuerstätten, keine Edelleute. Ohngefähr 8 Heuser seien gräflich lippische Leute und gehen dort in die Kirche. Die Altarleute seien: Johan Voet, Lewin Take, Gerke Resemeyer, Johan Freding.  Eine Schule sei nicht vorhanden – der Pastor halte Schule. Die Kirche ist zwarten sehr verfallen; aber es seind die Leute anizo in der Arbeit begriffen, daß also die Kirche wieder ausgebessert wird.

Gravamina (Beschwerden): Es beklaget sich die Gemeine und Alterleute, dass zwene untaugliche Meßaltar in der Kirche sich befünden und großen Raum einnehmen, an deren Stelle wol nützliche Stuele gebauet und Leuten angewiesen werden könten, mit Bitten, dass man ihnen vergonnen mögte, die Altar abzubrechen und die Stuele an deren Stat wieder dahin zu bauen…"….[9]

 Aus dem Jahre 1680 liegt folgender interessanter Vermerk vor:

 „Die Matrikel erzählt da unter anderen eine sehr traurige Geschichte: Ein wohlhabendes Gemeindeglied Diestelhorst, der „die Gerechtigkeit zum brauen und Branntwein gehabt“, schenkte etwa um 1680 vor 40 rhtlr (Thaler) Pfeiler und ausgehauenen Bogen Steine zu Ausbesserung der östlichen Ecke der Kirche.

Das Bauen unterblieb leider, die Steine verschwanden nach und nach, dieser und jener eignete sich davon an, was er gerade gut gebrauchen konnte.

Nach Jahren befahl auf eine Anzeige hin das Königliche Amt den Amtsdiener, mit Zuziehung der Kirchenvorsteher die Häuser zu visitieren und dahin zu sehen, dass die Steine wieder herbeigeschafft würden. Der Erfolg blieb aus.

 Anmerkung: Bei dem großzügigen Spender handelte es sich um den Besitzer der Stätte Veltheim Nr. 57, heute Langer Grund 1. [10]

 Kirche, Pfarrer und Schule in Veltheim im 18. Jahrhundert. [11]

 Diese Kurzdarstellung von Schlichthaber aus Band 3 der Mindener Kirchengeschichte gibt einen kurzen Situationsbericht über den Zustand der Veltheimer Kirchengemeinde im 18. Jahrhundert:

 „Veltheim - diese 2 Meylen von Minden belegene Kirche zu Veltheim soll die adelige Frau von Hildburg vermählte von Uffo, wohnhaft auf der Uffenburg in der Grafschaft Lippe, als ihr Eheherr nach den H. Grabe verreiset gewesen, nebst anderen neun Kirchen haben bauen lassen. Der König ist Patronus von der Pfarre; die hat nur eine Schule, welche der Küster, der auch zugleich Organiste ist, beachtet. Es bestehet die Gemeinde auch nur aus einer Bauernschaft, mithin aus 88 Feuerstellen. Das Pfarrhaus ist 1575 gebauet, wie oben dessen Thür diese Jahreszahl zu lesen ist. Die Prediger nach der Reformation sind……………………“

Dann folgt eine Aufstellung der Prediger nach der Reformation bis 1729 (siehe Anhang).

 Entwicklung der Kirchengemeinde Veltheim im 19. Jahrhundert.

 Über die Lage der Kirchengemeinde in dieser Zeit erfahren wir Näheres aus einer ausführlichen Niederschrift eines Pfarrers Baumann vom 9.6.1817, aus der hier nur auszugsweise berichtet wird. „Das Kirchspiel zählt 1817 109 Feuerstätten mit 740 Seelen, darunter 724 Lutheraner, 15 Reformierte und ein Katholike; Quäker, Juden, Menoisten, Herrnhüter, Pletisten befinden sich hier nicht. Die Kirche, deren Wert mit 1525 rthlr versichert ist, ist sehr reparaturbedürftig. Sie enthält 35 Stühle mit ohngefähr 300 Sitzen. Als Verbesserung wird die Verlegung der Orgel „auf die Prieche der jungen Leute gegen dem Altar über“ gewünscht. An heiligen Gefäßen gibt es: ein silberner vergoldeter Kelch mit der Jahreszahl 1646, ein silberner vergoldeter Oblatenteller mit der Jahreszahl 1648, eine zinnerne Weinkanne und eine zinnerne Oblatendose………………………….

 Die Kanzel ist in gutem Zustande.

 Das 1575 erbaute Pfarrhaus gehört gewiß zu den schlechtesten Pfarrwohnungen der Provinz, ist der Weserüberschwemmung ausgesetzt.

Das Küsterhaus ist ebenfalls sehr schlecht, hat eine Küche ohne Schornstein und ein Strohdach. Die Schulstube ist 1804 neu ausgebaut und befindet sich in leidlichem Zustande.“

 Anmerkung: Im Jahre 1823 wurde das Küsterhaus in Fachwerk neugebaut. Dieses Haus ist die so genannte „alte Schule“ in der Mahrstr., links neben der Gaststätte „Alter Krug“ hinter der Kirche.[12]

 „Kirchen- und Armenvorsteher gibt es nur einen – Johann Anton Stohlmann, Leibzüchter der Brinksitzerstätte Nr. 68. Seine Ernennung und Vereidigung erfolgte 1799.  Küster, Cantor, Organist und Schullehrer ist Christian Lachtrop. Derselbige besitzt für seinen Posten gute Kenntnisse und Fertigkeiten. Bei seinem mündlichen Unterricht macht er scheint zu viele Worte, er beschäftigt sich mehr als die Kinder, dabey schreibt er nicht immer richtig.“

 Soweit die Darstellung der Gemeindesituation von Baumann. Es gab in den kommenden Jahren etliche Pfarrerwechsel (siehe Anhang) und im März 1838 die Anerkennung einer neuen Kirchenordnung. 1839 wurde das Pfarrhaus neu gebaut, 1842 ergänzte man die Anlage mit dem Bau eines Backhauses. 1854 wird das neue Minden-Ravensberger Gesangbuch eingeführt und 1857 wird durch die Sammlung freiwilliger Gaben und durch eine Beihilfe des Kollektenfonds die gründliche Instandsetzung des Innern der Kirche ermöglicht. 1881 richtete ein Hochwasser großen Schaden an und im Juni brannte das Pfarrhaus vollständig ab. 1882 konnte das Pfarrhaus nach Wiederaufbau wieder bezogen werden.

Ein bemerkenswerter Kirchenumbau.

1904, im gleichen Jahre, als Pfarrer Niemann zum Superintendenten des Kirchenkreises Vlotho gewählt wurde, veranlasste das Konsistorium die Aufstellung eines Bauplanes und Kostenvoranschlages für die Erweiterung der Kirche. Insgesamt machte der um 1900 weitgehend steinsichtige, z. T.  berankte Bau einen äußerlich uneinheitlichen, durch das vorgezogene Chordach auch renovierungsbedürftigen Eindruck. Das Innere war durch die umlaufenden Holzemporen geradezu gefährlich beengt. Die Platzzahl wurde mit 250 bis 300 bei 1520 Gemeindegliedern angegeben. [13]

 Ein Visitationsbericht von 1904 (?) bestätigt den „stark reparaturbedürftigen Zustand“ der Veltheimer Kirche.

 1905 lag ein erster Entwurf des Bauamtes Bethel vor. Die Kosten waren mit 35000 Mark veranschlagt, einschließlich 4000 Mark für eine Orgel, aber ausschließlich der sonstigen inneren Einrichtung. Es wurde schließlich ein langwieriger Planungsprozess. Pfarrer Niemann schreibt dazu: „Die Synodalberichte geben ein Bild davon, wie die Veltheimer sich weiter in Geduld üben mußten. Nachdem 1910 der Neubau eines Konfirmandenzimmers vorausgegangen, kam endlich im Frühjahr 1912 nach endlosen Verhandlungen die Genehmigung zum Bau.“[14]

 Niemann schreibt weiter: „Neun Monate lang wurde zur Abhaltung aller Gottesdienste der gerade leer stehende Hof von Buhmeier Nr. 19 genutzt. Während der Bauzeit stellte sich heraus, dass der alte Turm baufällig war und nur nach gründlicher Unterfangung noch eine Aufstockung erfahren konnte. Von der alten Kirche blieben außer dem Turm eigentlich nur das nördliche gotische Schiff und ein Teil der nördlichen Chorwand erhalten. Statt 220 Sitzplätzen wurden jetzt 462 geschaffen. Der Umbau, der sehr viele Ortshandwerker beschäftigte, kostete einschließlich Einrichtung 65000 Mark, die teils durch staatliche und öffentliche Beihilfen, teils durch gesammeltes Eigenkapital und teils durch Anleihen aufgebracht wurden. In späteren Jahren wurde die Kirche noch ergänzt durch den Einbau einer Dampfheizung.[15]

 Im Großen und Ganzen wurde der Erweiterungsbau, wie auch Quast feststellte, nach den Zeichnungen des Architekten Karl Siebold vom März 1911 ausgeführt.[16]

 Die Planungsgeschichte zeigt selten eindrucksvoll, wie der Entwurf im Zusammenspiel von Siebold, den Konservatoren in Münster und Berlin sowie der Gemeindevertretung entstand, die durch ihr Beharren möglichst viel des ursprünglichen Entwurfs rettete sowie auch den Turmaufbau wünschte und mit trug.  Die Veltheimer Kirche stellt nach dem Umbau eine geräumige Dorfkirche unter glättender, z. T. angepasster und nachempfundener Wahrung von Teilen des Altbaus dar.[17]

 

Feierliche Einweihung am 15. Januar 1913.

 Groß war die Freude aller, als am 15. Januar 1913 der feierliche Umzug von Buhmeiers Hof und die Einweihung des schönen Gotteshauses stattfinden konnte.[18]

 Einem Zeitungsbericht vom 16.Januar 1913 (Zeitung unbekannt- geschrieben von sb.) ist folgende Beschreibung der Kirchenweihe zu entnehmen (verkürzte Darstellung): „Für die Einwohnerschaft unserer Gemeinde war der gestrige Tag ein Freudentag, da die schon lange ersehnte Einweihung der Kirche stattfinden konnte. Alle Geschäfte mitsamt der Kiesgrube Bockshorn ruhten. Alle wollten Anteil haben an der Feier. Diese begann um 11 Uhr auf Buhmeiers Hofe, woselbst die Gottesdienste während des Umbaus der Kirche stattgefunden hatten.

 Nachdem die Feier durch das Lied: „Bis hieher hat mich Gott gebracht“ eingeleitet war, hielt Superintendent Niemann die Abschiedsrede für diese Stätte.  Das Lied: „Unseren Ausgang segne Gott“ schloß diese Abschiedsfeier.

 Dann ging es im Festzuge, den die Schulkinder eröffneten, zur Kirche: die Bauleitung, das Presbyterium, die Repräsentanten, Geistliche und die geladenen Gäste. Die Gemeinde selbst beschloß den Zug, welcher schier kein Ende nehmen wollte. Bei der Kirche fand zuerst die Schlüsselübergabe durch den Herrn Generalsuperintendenten Dr. Zöllner statt. Nachdem Superintendent Niemann die Kirche geöffnet hatte, strömten die Menschenmassen ins Gotteshaus, das kaum alle fassen konnte.

Nach Gemeindegesang hielt Superintendent Niemann die Weiherede.“ Soweit der Zeitungsbericht.

 Um drei Uhr nachmittags begann die Nachfeier im Saal der Gaststätte Buschmann. Auch hier war der Saal völlig gefüllt. Generalsuperintendent Dr. Zöllner hielt die Festrede, die großen Anklang fand. Es folgten diverse weitere Festredner, u. a. der Herr Konsistorial-Präsident, der u. a. ausführte, „dass der Kaiser geruht habe, dem Superintendenten Niemann den Kronenordern 3. Klasse und Herrn Kirchenmeister Stockmann das Allgemeine Ehrenzeichen in Silber anlässlich diesen Tages zu verleihen.“

Herr Oberregierungsrat Neumüller überbrachte Glückwünsche des Staates und der königlichen Regierung. Die Gesangsabteilung des hiesigen christlichen patriotischen Männervereins untermalte die Feier mit Liedbeiträgen.

 Die Glocken der Kirche zu Veltheim.

 Von den beiden Glocken der Veltheimer Kirche ist die ältere 1812 gegossen und trägt die Inschrift: „Die Veltheimer Gemeinde hat mich von H.W.Altenburg in Bückeburg umgießen lassen. I.C.Baumann, Pastor; H.E.Stratmann, Küster; C.H.Gellern, Cantons-Maire in Hausberge; Vorsteher: H.Pook; Altarmann: I.A.Stohlmann; Semper cum Deo (Immer mit Gott) 1812“[19]

Die neuere, größere Glocke trägt die Inschrift: „O Land, Land, Land, höre des Herrn Wort. Zur Ehre Gottes an Stelle der im Krieg abgegebenen Glocke im Gedenken an die Gefallenen gegossen 1949. Ev. luth. Kirchengemeinde Veltheim/Weser.“[20]

Diese Glocke ersetzte die Glocke aus 1663, die folgende Inschrift trug: „zu der Ehre Gottes, Erinnerung des Gebets und menschlicher Sterblichkeit.[21]

Diese Glocke wurde wohl im Krieg abgegeben, nähere Hinweise gibt es dazu bislang nicht.

Die Kirche Veltheim in der heutigen Gestalt.

 Ihre heutige Gestalt verdankt unsere Kirche größtenteils der beschriebenen Erweiterung im Jahre 1912. Dabei sind Reste der früheren Kirche so geschickt mit dem neuen Teil verbunden worden, dass sich die Kirche dem Betrachter durchaus als ein Gebäude aus einem Guss darstellt. Der romanische Turm wurde aufgestockt (ein Absatz im Mauerwerk zeigt es an).

 In einem neuen, am gotischen Stil orientierten Altarraum fand der Altar nun im Süden der Kirche seinen Platz. Früher hatte er dem Turm gegenüber im Osten der Kirche gestanden. Im rechten Teil des Altarraums fand auch die aus der Zeit um 1600 stammende Kanzel ihren Platz. Sie ist von der Sakristei aus zugänglich.[22] Der Taufstein, welcher aus einem Säulenkapitell gefertigt ist, trägt die Jahreszahl 1657.

Der heutige Kirchplatz diente in früheren Jahrhunderten als Friedhof. Davon zeugen noch zwei gut erhaltene Grabsteine aus dem 17. Jahrhundert.

Die Reformation führte der zunächst noch katholische Pfarrer Gerhard Stohlmann ein. Dies dürfte zwischen 1530 und 1550 geschehen sein. Das erste Kirchenbuch, angefangen von Pfarrer Johann Crusius 1648, ist leider verschollen.

So beginnt das Veltheimer Kirchenbuch jetzt mit dem Jahre 1725.[23]

 Am St.-Peter-und-Pauls-Tag, dem 29. Juni 1996 erhält die Veltheimer Kirche im Rahmen eines festlichen Gottesdienstes aus Anlass ihres 1100-jährigen Bestehens den Namen „St.-Peter-und-Pauls-Kirche“

 

Anhang

Die Pfarrer in Veltheim.[24]

(seit Einführung der Reformation)

 

Gerhard Stohlmann                                                       -      1581

Albert Barber (Enkel Stohlmanns)                            1581 – 1623

Johann Crusius                                                        1624 – 1660

Johann Rudolph Stolte                                            1660 – 1685

Dietrich Eberhard Frederking                                   1685 – 1723

Justus Friedrich Georg Fischhaupt                          1724 – 1729

Johann Rudolph Hermann Tiedemann                   1729 – 1754

Karl Dietrich Kreft                                                      1754 – 1767

Ludolph Henrich Meyer                                          1767 – 1769

Gustav Daniel Scheffer                                           1769 -- 1772

Christian Friedrich Hüttemann                                1772 – 1782

Johann Dietrich Cappelmann                                 1783 – 1800

Friedrich Carl Wilhelm Müller                                 1800 – 1809

Johann Christoph Baumann                                   1810 -- 1821

Karl Gustav Weihe                                                   1821 – 1826

Christian Phillip Hurzig                                            1826 -- 1832

Karl Erfling                                                                1832 -- 1852

Ernst Wilhelm Philipp Pemeier                                1853 – 1881

Hermann Johann Emil Fiebig                                  1882 – 1885

Ernst Friedrch Niemann                                          1885 – 1932

Karl Gustav Hermann Edelhoff                                1932 - 1946

Gerhard Mießner                                                    1949 – 1977

Manfred Hermann Voigt                                          1977 – 2007

Armin Backer                                                             2007 – bis heute

Quellen:

 [1] Heutger, Nicolaus: Das Stift Möllenbeck an der Weser, 1987  [2] Mindener Geschichtsquellen I S.37 [3] Heutger, Nicolaus: Das Stift Möllenbeck an der Weser, 1987 [4] Vgl. z. B. Heidkämper, Hermann, Schaumburg-Lippische Kirchengeschichte I, 1917 [5] Heutger, Nicolaus: Das Stift Möllenbeck an der Weser, 1987 [6] Niemann, Ernst: Die Kirchengemeinde Veltheim, 1932 [7] Voigt, Manfred: Kirche in Veltheim, 1985 [8] Voigt, Manfred: Kirche in Veltheim, 1985 [9] Reese, Hans: Bericht über die Visitation der Kirchengemeinde Veltheim 1650 [10] Niemann, Ernst, Superintendent: Geschichte der Kirchengemeinde Veltheim, 1933 [11] Schlichthaber: Mindener Kirchengeschichte, Band 3, Minden 1753 [12] Kölling, Reinhold: Anmerkung – Chronik von Veltheim Band I und Band II [13] Althöfer, Ulrich: Der Architekt Karl Siebold (1854-1937), Luther-Verlag 1998 [14] Niemann, Ernst: Die Kirchengemeinde Veltheim, 1932 [15] Niemann, Ernst: Die Kirchengemeinde Veltheim, 1932 [16] Althöfer, Ulrich: Der Architekt Karl Siebold (1854-1937), Luther-Verlag 1998 [17] Althöfer, Ulrich: Der Architekt Karl Siebold (1854-1937), Luther-Verlag 1998 [18] Niemann, Ernst: Die Kirchengemeinde Veltheim, 1932 [19] Niemann, Ernst: Die Kirchengemeinde Veltheim, 1932 [20] Voigt, Manfred: Kirche in Veltheim, 1985 [21] Niemann, Ernst, Die Kirchengemeinde Veltheim, 1932 [22] Voigt, Manfred: Kirchengemeinde Veltheim, 1985 [23] Niemann, Ernst: Die Kirchengemeinde Veltheim, 1932 [24] Voigt, Manfred: Kirche in Veltheim, 1985

Fotos:

(siehe unter Historische Fotos/Kirchen)

Wegebau in Veltheim vor 180 Jahren

Von Reinhold Kölling

 Viele Wegebauarbeiten in der Gemeinde Veltheim wurden vor rd. 180 Jahren notwendig durch die Teilung der Veltheimer Mark. Damals mussten diese Arbeiten allerdings mit ganz einfachen Mitteln und anderen Voraussetzungen erfolgen. Und doch: Vieles ging dann trotzdem viel schneller als heute!

 Nach jahrzehntelangen Vorbereitungen, Planungen und Verhandlungen mit den verschiedenen Interessenten (Beginn ca. 1820) konnte die Teilung der 1591 Morgen großen Veltheimer Mark im Jahre 1839 durchgeführt werden. Die bis dahin gemeinschaftlich genutzt Mark wurde an 98 Veltheimer, sieben Lohfelder und vier weitere Interessenten aufgeteilt. Etwa ein Drittel der Gesamtfläche Veltheims bekam nun Einzelbesitzer. Daraus ergab sich, dass in der Mark neue Wege anzulegen und bereits vorhandene Wege oder Fahrspuren besser auszubauen waren.

Der wichtigste davon war die heutige Veltheimer Straße (L 865).

Der besiedelte und in Kultur genommene Teil Veltheims endete damals im Bereich „Sieben Eichen" bei den Einmündungen des heutigen Eichhornweges und der Straße „Klinke“. Lediglich die damalige Stätte Nr. 100 (Krüger, Veltheimer Straße 206) lag weitab von den anderen Gehöften, „weit hinten in der Wildnis“, wie die Veltheimer sagten.

Der Ausbau des „Markenweges von Veltheim nach Tielosen und Hausberge“ ist gut beschrieben und aus alten Akten zu entnehmen. Für die Zeit um 1840 liegen diese Quellen vor.

So meldete der damalige Gemeindevorsteher Böke für das Jahr 1839, dass „für den Markenweg von Veltheim nach Hausberge" 277 Handdienste geleistet wurden und für den Markenweg von "Veltheim nach Schierholz" 87 Handdienste.

Diese Wegebauberichte lassen erahnen, welche außerordentlichen Anstrengungen nötig waren, um das Wegenetz der Gemeinde zu unterhalten. Dazu war der persönliche Einsatz aller Einwohner gefordert, von den Spännern mit Pferd und Wagen, von den übrigen Besitzern die Handdienste.

So berichtet der Amtmann an den Landrat im Jahre 1842: „Weg von Veltheim nach Tielosen, die Gräben geöffnet, die Geleise zugemacht und die schlechten Stellen mit Grand befahren, Länge der gebesserten Wegstrecke 45 Ruthen. 22 Handdienste, 56 Spanndienste, 10 Schachtruthen Grand.“

Die Wegebauarbeiten und Ausbesserungen wurden bei günstigem Wetter besonders im Winter und im Frühjahr durchgeführt. Die Erschließung der weiten, bis dahgin verkehrsfeindlichen Veltheimer Mark ging in den Jahren um 1840 wohl über die Kräfte der Einwohner, so dass man sich entschloss, die neuen Wege z. T. im Tagelohn zu vergeben. Veltheim war dabei noch in der glücklichen Lage, das Material zum Wegebau und zur Ausbesserung ohne Kosten selbst zu gewinnen: Grand aus der Weser, z. T. aus gemeindeeigenen Grandkuhlen und Sand aus den eigenen

                                                                                                                     (Foto vom Zustand des Sprengelweges um 1950)Sandgruben. Das einzige Material, das man beim Ausbau der Markenstraße nach Tielosen kaufen musste, waren Steine zum Belegen der Bohlen und wohl auch zum Setzen der Köpfe. Diese wurde aus Hausberge und dem Bückeburgischen bezogen. 1842 gab die Gemeinde Veltheim dafür 7 Taler aus.

In 1982/1983 erfuhr dann die Veltheimer Straße (L865) bis hin zur Autobahn (inkl. Erneuerung der Autobahnbrücke) letztmalig einen größeren Ausbau.  

 

Aus Veltheimer Gemeinderatsprotokollen

In der Gemeinderatssitzung vom 20.3.1955 nahm Amtsdirektor Borschel zum geplanten Schulneubau Stellung und betonte, dass das jetzt durch den Neubau die zwei Veltheimer Schulbezirke zusammengefasst werden können. Da aber ein geeigneter Bauplatz für die neue Schule nicht zur Verfügung stehe, käme für die Errichtung der neuen Schule nur das Grundstück der Schule II in Frage. Zuvor hatte die Gemeinde ein Gelände am Basenberg ins Auge gefasst. Die Baukosten, der zunächst vierklassigen Schule, werden mit 210.000.- DM veranschlagt.

 Neben weiteren Tagesordnungspunkten (u.a. auch Bau der Sprengelwegbrücke über die Autobahn), beschloss der Gemeinderat noch folgendes: Für die 355 Kühe und 160 Mutterschweine in der Gemeinde sollen noch ein dritter gekörter Bulle und ein zweiter gekörter Eber beschafft werden. 

Die Zeichnung aus 1950 zeigt das Gebäude der Schule Veltheim II auf dem Platz, wo heute die Schulturnhalle steht.

 

 

 

"Robert-Franke-Straße" und "Brinkborn"




Im Jahre 1925 beschloss der Rat der damaligen Gemeinde Veltheim unter dem damaligen Bürgermeister Wilhelm Stockmann, die jetzige Robert-Franke-Straße mit Unterstützung der Kiesgrube Bokshorn vom Bahnübergang bis an die Veltheimer Straße dem Verkehr entsprechend auszubauen.

Der schon vorhandene Weg, genannt der „Tiefe Weg“ oder im Volksmund „Dä deipe Weg“ genannt, war übersät mit Schlaglöchern und dicken Steinen.

Das Regenwasser hatte Querrinnen eingespült und verschiedenen Stellen war der Weg so schmal, dass Fuhrwerke nicht aneinander vorbeikamen.

Es gelang der Gemeinde, den durch das Abbaugelände führenden Wirtschaftsweg der Landwirte: Voth Nr. 22, Peetz Nr. 55, Luhmann Nr. 37 und Buschmann Nr. 42 an die Kiesgrube Bokshorn abzugeben. Bedingung war, dass die Kiesgrube sich an dem Ausbau der neuen Straße zu beteiligen hatte. Dafür erhielt diese Straße dann auch den Namen des Firmenchefs Robert Franke!Beim Ausbau der Kurve vom Bahnübergang am vorhandenen Kriegerdenkmal vorbei mussten gewaltige Erdmassen bewegt werden. Während der Erdarbeiten setze sich eines Tages der Berg in Bewegung und drückte über Nacht Erdmassen über das zweigleisige Bahngelände bis in die Weide des Landwirts Voth Nr. 16. Der Eisenbahnverkehr war einige Tage unterbrochen.

Durch das Rammen von Spundbohlen konnte dann dem Druck standgehalten werden. Um solche Rutsche für die Zukunft zu vermeiden, errichtete man eine einen Meter dicke Betonmauer, die zum Teil fünf – sechs Meter Höhe aufweist.

 Auch dem Quellwasser, welches schon immer an dieser Stelle aus dem Bokshornberg austrat, musste man Abflussmöglichkeiten bieten. Und so entschloss sich der Rat der Gemeinde an der neu erbauten Mauer ein großes Becken anzubauen. Der Quellaustritte wurde eingefasst und durch einen angebauten Löwenkopf aus Beton strömte nun das Quellwasser aus dem Rachen in das neu erbaute Becken. Der „Brinkborn“ war gerettet und bis heute spendet die Quelle frisches Quellwasser.

Den Löwenkopf hatte der Fährmann Fritz Huck zuvor auf dem Grund der Weser gesichtet und dann an Land gezogen. Am „Brinkborn“ fand er eine gute Verwendung.

 Das neue Quellbecken diente den Veltheimer Frauen oft zum Spülen ihrer Wäsche. Veltheimer Bauern nutzten das klare Wasser aus der Quelle für ihre Betriebe. Oberhalb der Mauer hinter der Quellfassung wurde ein Rückhaltebecken gebaut, welches rd. 8000 Liter Wasser speichern konnte. Dieses diente als Löschwasser bei Bränden. Verpflichtete Bauern fuhren dann mit einem Jauchefass zum Becken und lieferten der Freiwilligen Feuerwehr das Löschwasser.

 Die „Brinkbornquelle“, die in all den Jahren auch trotz stärkster Dürre nicht versiegte, gehört mit zum Veltheimer Ortsbild. Leider ist sie im derzeitigen Zustand nicht mehr die „Schönheit des Dorfes“, als was sie immer bezeichnet wurde. Das soll sie nach Vorstellungen der Veltheimer Dorfgemeinschaft nach dem Ausbau der Ravensberger Straße auf jeden Fall wieder werden.

 Auch die 1925 erbaute Stützmauer macht keinen guten Eindruck mehr. Die Veltheimer hoffen, dass nach der Sanierung und dem Ausbau der Straße wieder ein sehenswerter Abschluss der Robert-Franke-Straße entsteht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Aus der Schulchronik:

 „Nach den Osterferien des Jahres 1958 konnte die neue Schule bezogen werden. Am Sonnabend, dem 15. März 1958 um 15 Uhr wurde die Schule in Gegenwart zahlreicher Gäste feierlich eingeweiht. Im Anschluß an den Festakt fanden sich Handwerker, Bauunternehmer, Vertreter der Behörden, Lehrerkollegium und weitere Gäste zu einem Festessen im Saale Buschmann ein, dem dann ein fröhlicher Umtrunk folgte.

„Erzählen wird man von dem Tag, solang die Schule steht in diesen Landen“ – führte Bürgermeister Schwichow aus. Und Amtsdirektor Borschel: „Möge man künftig nicht mehr von einem Veltheim oben und unten sprechen!“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Veltheim ist nicht nur „Veltheim“

Eine Betrachtung von Reinhold Kölling

Orte namens „Veltheim“ gibt es derzeit fünf in der Welt – zumindest nach den derzeitigen Erkenntnissen und Recherchen. Alle fünf Veltheims liegen in Europa, drei in Deutschland und zwei in der Schweiz. In 2007 haben diese fünf Veltheims eine Partnerschaft begründet.

Weitere Recherchen haben inzwischen ergeben, dass es noch zwei weitere Orte in Europa gibt, die zwar anders geschrieben werden, aber wohl auch etwas mit den anderen fünf Veltheims gemein haben. Es handelt sich um „Veltem“, heute ein Ortsteil der belgischen Stadt Herent in der Nähe von Brüssel. Dieser Ort datiert vom Ende des 12. Jahrhunderts und wurde im Laufe der Geschichte auch wie folgt geschrieben: Welthem (1219), Velthem (1248), Veltheen (um 1300) und Velton (1560). Die belgischen Historiker erklären den Namen mit „veld“ und „heem“ als Wohnstatt im Felde, also ebenso wie bei den anderen Veltheims.

Interessant ist noch, dass der wohl bedeutendste Einwohner Veltems der mittelalterliche Gelehrte und Dichter „Lodewijk van Velthem“ war. Dieser war auch von  1312 bis zu seinem Tode (1317) Pfarrer in Veltem. Im Jahre 1926 wurde Veltem mit dem Nachbarort Beisem zu Veltem-Beisem zusammengeschlossen. Am 1.1.1977 kam es in Belgien zu einer großen Gebietsreform und Veltem-Beisem kam zu Herent.

Weiterhin gibt es ein „Velten“ im Bundesland Brandenburg im Landkreis Oberhavel, eine Stadt mit ca. 12000 Einwohnern, die so genannte „Ofenstadt“.

Der Ortsname „Velten“ ist zurückzuführen auf eine Namensübertragung im Zuge der deutschen Ostexpansion. Etwa um 1180 wurden hier Bauern aus dem Ort Veltheim am Fallstein (ostfälisch: Velten) angesiedelt. Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte am 24.2.1355 als der Markwart von Lauterbach unter anderen Velten an den Ritter Copke von Bredow verkaufte. Die nächsten drei Jahrhunderte gehörte Velten dem Adelsgeschlecht der von Bredow. In dieser Zeit sind die Schreibweisen Felthim, Feltheim, Feltin, Feltein, Feltzin und Felthym in unterschiedlichen Dokumenten vorgekommen.[1]

Derzeit ist der Verfasser dieser Ausarbeitung damit beschäftigt, eventuelle weitere Zusammenhänge dieser beiden Orte mit den anderen Veltheims zu untersuchen.

Aber damit nicht genug. Weiterhin gibt es ein Adelsgeschlecht „von Veltheim“, deren Schweizer Linie „von Felten“ heißt.

Und es gibt den Familienstamm „Veltheim“; einfach „Veltheim“ als Nachnamen. Wie passt das nun alles zusammen?

Veltheim an der Weser, heute einer der schönsten Ortsteile der Stadt Porta Westfalica, entstand 996 n. Chr. mit der Gründung der Kirche. So beschreibt es die Legende von der Gründung der neun Kirchen durch Hildburg von Uffo.

Zur Zeit des fünften mindenschen Bischofs Drogo ist anno 896 das Kloster Möllenbeck nebst acht anderen Kirchen gestiftet worden[2]. Es waren dies die Kirchen zu Segelhorst, Deckbergen, Steinbergen, Hohenrode, Silixen, Oster-Eisbergen, Wester-Eisbergen und Veltheim. Stifterin war eine adelige Dame, die Frau Hildburg von Uffo. Es existiert eine köstlich fabulierende Gründungslegende, die zunächst nach der ältesten erreichbaren Fassung (schriftlich fixiert um 1380) wiedergegeben wird.[3]

Hermann von Lerbeck überliefert in seinem Catalogus episcoporum Mindensium: Hildburg war die Gemahlin des Edlen Uffo, der zwei Burgen besaß, eine bei Bredenbeke (= Bremke), die man jetzt „Uffenburg“ nennt, und eine bei Steinbergen. Uffo unternahm eine Pilgerfahrt ins Heilige Land. Viele Jahre vergingen, ohne dass er heimkehrte. Seine Gemahlin Hildburg war von seinem Tod überzeugt. Da kein Erbe vorhanden war, stiftete Hildburg auf Anraten eines Priesters Folchart die o. g. neun Kirchen. Als ihr Gatte aber doch heimkehrte, empfing sie ihn mit den Worten: Gott und Eurer Herrschaft habe ich neun Töchter geboren, sie sind aber noch nicht getauft. Uffos Bestürzung kann man sich vorstellen. Als er aber dann die Bedeutung dieser Worte erkannte, d. h. von der Gründung des Stiftes und der acht Kirchen hörte, lobte er die Frömmigkeit seiner Gemahlin und ließ die Gründungen durch Bischof Drogo weihen.

Die Legende gesellt also der in der ältesten Urkunde ohne Gemahl auftretenden Edelfrau Hildburg einen Gatten zu, Uffo. Uffo erscheint als wichtiger Wohltäter des Stiftes gleich nach Hildburg auch in der Inschrift von 1479 über dem Eingang der Möllenbecker Kirche.[4] Ähnliche Sagen gibt es vielfach.[5]

Die in der Möllenbecker Gründungslegende aufgeführten Kirchen stammen tatsächlich fast alle aus der Zeit vor der Jahrtausendwende. Einzig Hohenrode scheint erst im 12. Jahrhundert gegründet zu sein. Selbst die in der Gründungslegende angeführte, höchst auffällige zweite Kirche in Eisbergen,  hat es im Ortsteil Fülme hinter dem Hof Tebbe Nr. 56 tatsächlich gegeben.

Hildburg kann also außer Möllenbeck weitere Eigenkirchen gegründet haben.[6] Eine Steinfigur der Stifterin befindet sich im Eingang der Klosterkirche, das Grab in der Klosterkirche. Das Veltheim an der Weser aber zweifelsfrei schon viel früher besiedelt war, ist durch etliche Bodenfunde belegt. Dies ist ausführlich nachzulesen in der Chronik von Veltheim, Band II, „Anfang und Fortschritt“.[7]

Es ist nicht zweifelsfrei bewiesen, woher der Name Veltheim stammt und wie er zu erklären ist. In alten Urkunden heißt es auch „Velthem“ oder „Veltheimb“ oder plattdeutsch gesprochen „Velpen“[8]. Wo wir heute ein „f“ und ein „d“ schreiben, wurde früher ein „v“ und ein „t“ geschrieben. So kann man ableiten „Feldheim – Heim im Felde“ oder die „Siedlung im Felde“ und das ist fränkischen Ursprungs.

Wenn man nach dem Ursprung dieser Siedlung forscht, so ist man geneigt, sie in Zusammenhang zu bringen mit dem Geschlecht derer „von Veltheim“, dessen Zweige sich bis in unsere Tage erhalten haben. In der Tat finden wir diesen Namen vielfach in alten Urkunden. Doch weist Veltheim an der Weser nicht viele Anhaltspunkte dafür auf, dass es einstmals Sitz eines Herrengeschlechtes gewesen ist. Der Name Veltheim bezeichnet, wie eingangs ausgeführt, noch weitere Orte, so Veltheim an der Ohe im Landkreis Wolfenbüttel in Niedersachsen, Veltheim am Fallstein im Landkreis Halberstadt in Sachsen-Anhalt und in der Schweiz die Gemeinde Veltheim AG im Kanton Aargau sowie Veltheim, heute Ortsteil der Stadt Winterthur im Kanton Zürich.

Die Kirche in Veltheim an der Weser um 1985

 

 

 

 

 

 

 Veltheim an der Ohe, der Volksmund sagt heute noch „Velten“, feierte im Jahr 2010 das 850-jährige Bestehen, urkundlich erstmals erwähnt im Jahre 1160. In einem Dokument beurkundet Heinrich der Löwe die Schenkung des Gutes Harvesse durch Ludolf von Peine an das Kloster Riddagshausen. Mit der Unterschrift des Ministerialen Rother von Veltheim (Rotherus de Felten) ist damit auch der älteste Vertreter der Familie von Veltheim urkundlich nachweisbar. Veltheim an der Ohe ist ein altes Pfarrdorf, das früher im Bann Lucklum stand. In einer Tauschurkunde aus dem Jahre 1275 ist von „Velthem apud Luckenem“ die Rede. Besitzer des Rittergutes war damals schon die Familie von Veltheim. Das Rittergut mit der Wasserburg in Veltheim gehört seit 1832 wieder der Familie von Veltheim. Heutiger Schlossherr ist der Landwirt Alexander von Veltheim, der auch aktuell der Bürgermeister von Veltheim an der Ohe ist. Noch um 1800 unterschied man Groß- und Klein Veltheim. Zu dem Gutshof gehörte früher eine ansehnliche Bierbrauerei, die das berühmte und ärztlich empfohlene Veltheimer Gesundheitsbier braute. [9]

 

                                                                        Das Brauhaus in Veltheim an der Ohe

Veltheim am Fallstein wurde erstmals im Jahre 966 n. Chr. erwähnt. Otto der I. schenkte seinem getreuen, dem Grafen Mamaco, Güter in Veltheim. Auch in Veltheim am Fallstein deutet man die Namensbildung auf einen fränkischen Ursprung im 7. und 8. Jahrhundert hin.[10] Veltheim am Fallstein ist heute ein Teil der Stadt Osterwiek im Landkreis Harz in Sachsen-Anhalt und hat eine schwierige Zeit zu bewältigen gehabt. Veltheim war nämlich zu DDR-Zeiten von der Welt abgeschnitten. Nach dem Berliner Mauerbau folgte ja bekanntlich ein Eiserner Vorhang quer durch Deutschland, und Veltheim am Fallstein lag direkt im Grenzsperrgebiet im Harzkreis.

Der nach dem Mauerfall zum Bürgermeister gewählte Jürgen Junker: „Die jungen Menschen zogen früher meist aus dem Sperrgebiet weg. Veltheim wäre ohne Mauerfall immer mehr verfallen.“ Ortschronist Rolf Maximilian ergänzt: „Ohne Mauerfall und deutsch-deutsche Vereinigung gäbe es keine Veltheim-Partnerschaft mit unserer Beteiligung!“ Eine Besonderheit sind die Eigentumsverhältnisse der St. Johannis Kirche. Der Turm gehört der Gemeinde und das Kirchenschiff hingegen der Kirche.  Um das beachtliche Bauwerk (das zweischiffige Langhaus stammt aus 1569, der Turm ist noch älter) zu erhalten und zu sichern hat sich 2005 der „Turm- und Kirchbauverein Veltheim am Fallstein“ gegründet.

 

 

 

Der Kirchturm in Veltheim am Fallstein

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Veltheim AG liegt am Ausgang des Schenkenbergertals in der Aareklus zwischen Wildegg und Brugg im Kanaton Aargau in der Schweiz. Dieses Veltheim wurde erstmals ca. 1260 erwähnt. Die Dorfsiedlung ist aber um Jahrhunderte älter; sie dürfte – zusammen mit dem Heim im Tal – im 6/7 Jahrhundert entstanden sein. Auch dieses Veltheim war allerdings schon früher bewohnt, denn archäologische Überreste aus dem Bereich des alten Dorfkerns deuten auf einen römischen Gutshof, der im 1. bis 3. Jahrhundert n. Chr. zur Versorgung des Legionslagers Vindonissa diente. Auf den römischen Trümmern wurde später eine christliche Kirche errichtet. Der älteste nachweisbare Bau – eine dreischiffige romanische Basilika – wird ins 11. Jahrhundert datiert. Schon vor der Reformation zeigte das übergroße Gebäude jedoch Zeichen der Baufälligkeit. 1760 wurde es schließlich durch die bis heute benutzte Hallenkirche ersetzt.[11] Seit mehr als 50 Jahren hängen in dem Kirchturm dieser Kirche Mausohr-Fledermäuse im Gebälk. Es ist die größte Mausohr-Fledermauskolonie im Kanton Aargau mit weit über 1000 Tieren.

Eine weitere Besonderheit hat Veltheim AG zu bieten. Nämlich 1,5 Kilometer südlich des Dorfkerns erhebt sich über einen vorgesetzten Felskopf die Schlossburg Wildenstein. Die ältesten bekannten Teile der Anlage gehen bis ins 14. Jahrhundert zurück; der weitere Ausbau erfolgte um 1650. Das Schloss wurde ursprünglich von habsburgischen Ministerialen (den Herren von Rinach) bewohnt und hatte danach wechselnde Eigentümer. (11) Heute ist das Schloss in privater Hand.

Unweit des Schlosses Wildenstein und somit in der unmittelbaren Nachbarschaft von Veltheim AG findet sich die Habsburg. Diese Burg ist der Namen gebende Stammsitz der Habsburger Dynastie, die in der frühen Neuzeit über ein Weltreich herrschte, das neben europäischen Ländern auch Kolonien in Afrika, Asien und Amerika umfasste.

 

 

 

 

Links: Die Kirche in Veltheim AG

 

 

 

Unten: Schloss Wildenstein in Veltheim AG

 

 

Veltheim/Winterthur ist heute ein großer Stadtteil der Stadt Winterthur in der Schweiz. Veltheim als noch eigenständiges Dorf ist erstmal erwähnt 774 n. Chr. Da heißt es noch „Feldhaim“. Obwohl Veltheim seit  dem 1.1.1922 ein Teil der großen Stadt Winterthur ist, hat es seinen dörflichen Charakter bewahrt und ist geprägt von den Rebbergen und Wäldern auf der Sonnenterasse, von wo ein herrlicher Blick über die Stadt Winterthur möglich ist.

Mit dem „Gallispitz“ hat Veltheim sogar eine eigene Quartierzeitung.

Die Schweizer Historiker beschäftigten sich auch mit der Entstehung und Funktion der so genannten „heim- Orte. Die wissenschaftliche Diskussion dazu ist wohl noch nicht abgeschlossen. Nach diesen Untersuchungen spricht einiges dafür, dass das Veltheim bei Winterthur eine alemannische und keine fränkische Gründung sein könnte. Dafür spricht vielleicht auch die Tatsache, dass der älteste urkundlich überlieferte Inhaber von Gütern zu Veltheim, ein 774 n. Chr. erwähnter Mann namens Blitgaer, ein alemannischer Großgrundherr war.[12]

 

 

 

 

Links: Die Kirche in Veltheim/Winterthur

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Adelsgeschlecht Veltheim

Die Familie „von Veltheim“ ist ein edelfreies, vermutlich aus Schwaben stammendes Geschlecht. Erste Nennungen derer von Veltheim finden sich unter der Regierung des Königs Heinrich IV. im ausgehenden 11. Jahrhundert. Es steht nicht fest, ob sich diese Familie um den Ort Veltheim an der Ohe ansiedelte und dort die Wasserburg errichtete.

Eher anzunehmen ist, dass diese Familie in dem bereits 997 n. Chr. erwähnten Ort Veltheim am Fallstein (bei Osterwiek im Bistum Halberstadt) siedelte. [13] Daneben gab es das 1141 erstmals genannte uradelige Ministerialengeschlecht von Veltheim, das vermutlich nicht von den Edelherren und Grafen von Veltheim beziehungsweise Osterburg abstammte, heute jedoch noch in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt ansässig ist.

Wer sich mit der „Veltheim-Geschichte“ früherer Jahrhunderte beschäftigt, ist immer wieder überrascht, wie häufig ihm Angehörige der Familie von Veltheim begegnen. Von der mutmaßlichen ersten Erwähnung im Jahre 1087 in einer Urkunde des Bischofs Burchard von Halberstadt bis zum heutigen Tage finden wir die „von Veltheim“ in mehr oder weniger einflussreichen Positionen. Das Geschlecht ist weit verzweigt, zahlreich und infolge Heirat untereinander sind die einzelnen Mitglieder oftmals nur mit Mühe den einzelnen Zweigen zuzuordnen. Die Familie selbst hat Ende des 14. Jahrhunderts eine Aufteilung in eine schwarze und weiße Linie vorgenommen, so dass Einordnungen etwas erleichtert werden.[14]

Der Familienname „von Felten“ in der Schweiz[15]

In der Beschreibung der Familienchronik des Geschlechtes „der von Felten“ stellt der Verfasser nach langjährigen Nachforschungen fest, dass der Familienname auf den Ortsnamen Feldheim/Veltheim zurückgehen muss und erhebliche Veränderungen erfahren hat. Bei der Umwandlung des Familiennamens von Feldheim zu Felten wird neben Abschliff auch die Dialektartikulation mitgeholfen haben. Vereinfacht lautet die Namensreihe für die Schweiz ungefähr: Feldheim, Veltheim, Velthein, Velthen, Velten und schließlich Felten.Zeugnisse von „Veltheimern“ fanden sich im südwestlichen Herzogtum Schwaben bis ins 11. Jahrhundert  und in Sachsen sind ebenfalls seit dem frühen 11. Jahrhundert nachgewiesen.

Rolf von Felten benennt die Sippe der „von Felten“ und der „von Veltheim“ einfach „die Veltheimer“. Das Telefonbuch der Schweiz zählte 2006 noch 76 männliche Veltheimer (von Felten) mit 60 verschiedenen Vornamen.

Der Familienname Veltheim

Der Familienname Veltheim, also ohne Adelstitel, ist ebenfalls verbreitet und taucht um 1700 im Raum Hildesheim und Bad Münder auf.  Ein Friedrich Wilhelm Ludwig Veltheim, geboren 1817 in Bad Münder, später leitender Glasarbeiter in Gernheim bei Minden kam 1853, seine Frau Marie Sophie, geb. Dammeier, mit den ältesten drei Söhnen,  1856 nach Finnland. Weitere vier Kinder wurden in Finnland geboren. Wilhelm Veltheim war in Finnland ein hoch anerkannter Experte in der Glasbläserkunst und der „Urvater“ der heutigen finnischen Veltheims.

Am 24. Mai 2001 gründete sich in Hollola in Finnland die Gesellschaft der „Veltheim Family“, deren Ziel es ist, die Geschichte der Familie zu erforschen und auf diese Weise Familienmitglieder aus der ganzen Welt zusammen zu bringen.  Die meisten Familienmitglieder leben heute in Finnland, aber es gibt sie auch in Deutschland, Australien, USA, Kanada, Schweden und Russland.

Diese „Veltheim-Gesellschaft“ in Finnland hat  eine eigene Homepage: www.veltheim.fi.

Veltheimia

Zur Abrundung noch der Hinweis, dass es auch eine Blume namens Veltheim gibt. Das soll in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt bleiben: Veltheimia ist ein südafrikanisches Liliengewächs und in unseren Gefilden als so genannte „Winterrakete“ bekannt.

 

 

 

Links: Veltheimia (aufgenommen in Kapstadt; Südafrika).

 

 

 

Fazit:

Veltheim ist also nicht nur ein Ort namens Veltheim, sondern dieser Name birgt eine hoch interessante Geschichte, deren Zusammenhänge aber längst noch nicht gänzlich aufgeklärt sind. Das ist ein Grund für weitere historische Untersuchungen, mit denen der Verfasser sich weiter beschäftigt.

[1] Dahm, Paul; Ein Streifzug durch die Geschichte der Ofenstadt, Seite 13 - 14

[2] Heutger, Nicolaus: Das Stift Möllenbeck an der Weser, 1987

[3] Mindener Geschichtsquellen I S.37

[4] Heutger, Nicolaus: Das Stift Möllenbeck an der Weser, 1987

[5] Vgl. z. B. Heidkämper, Hermann, Schaumburg-Lippische Kirchengeschichte I, 1917

[6] Heutger, Nicolaus: Das Stift Möllenbeck an der Weser, 1987

[7] Kölling, Reinhold: Anfang und Fortschritt – Chronik von Veltheim, Band II

[8] Niemann, Ernst: Die Kirchengemeinde Veltheim, 1932

[9] Wolff, Herbert; 1160-2010 Ortschronik zur 850 Jahr Feier, 2010

[10] Riechelmann, Benno; Vom Ackerhof zum Großgut: Zwei Jahrhunderte wirtschaftlicher Entwicklung des Rittergutes Veltheim im Kreise Halberstadt, Leipzig 1926

[11] Schärli, Thomas; Veltheim – von den Anfängen bis zur Gegenwart; Veltheim AG 1992

[12] Ziegler, Peter; Veltheim – von den Anfängen bis zur Gegenwart; 1981

[13] Urkundenbuch des Hochstiftes Halberstadt, Urkunde von 1232

[14] Kiekenkamp, Bernhard; Die Familie von Veltheim und der Braunschweiger Aufstand im September 1830

[15] Von Felten, Rolf; Ein Name geht durch die Zeit, 2006

Alles Fotos aus dem Archiv von Reinhold Kölling