Veltheim an der Weser

Wissenswertes, Aktuelles und Historisches aus Veltheim
 

Die Fähre in Veltheim

Die Geschichte der Fähre zu Veltheim
von Ortsheimatpfleger Reinhold Kölling

Im Januar 1925 erschien erstmals die Broschüre „Die Geschichte der Veltheimer Fähre“. Diese wurde verfasst von Rektor Wellpott, Eidinghausen, ehemaliger Lehrer in Veltheim. Rektor Wellpott hatte sich immer sehr mit der Geschichte Veltheims beschäftigt und interessante Aufzeichnungen über Veltheim hinterlassen. Besonders auch interessante Vermerke in der Schulchronik.


Zunächst gebe ich den Text von Rektor Wellpott in lockerer Folge im Original wieder, um daran anschließend weitere Betrachtungen über die Fährgeschichte anzustellen und die Entwicklung nach dem Erscheinen der genannten Broschüre zu beschreiben.


Rektor Wellpott schreibt:[1]

 

„Die Fähre zu Veltheim ist seit Jahrhunderten im Besitz der Familie Schäfer zu Veltheim gewesen. Der alte Fährmann Huck - welcher Veltheimer hat ihn nicht oft noch in Erinnerung - war der dritte Erbe dieses Namens.

Sein Großvater stammte von „Hinnerk Hucks“ Hofe und heiratete die Tochter und Erbin des Schlachtmeisters Schäfer und übernahm damit die Fähre. 

Wer kennt nicht noch den alten „Fiermann, den wettergebräunten, großen und sehnigen Mann? Zur Winters- und Sommerzeit führte er seinen Kahn stets in der gleichen eigenartigen und unbequemen Art über die Weser.

Bei der Abfahrt stieß er mit einer langen Stange seinen Kahn eine Strecke am Ufer stromauf, um ihn dann durch einen kräftigen Stoß auf die Mitte der Weser gleiten zu lassen. Geschickt stemmt er dann die lange Stange gegen Kahn und Strom, um sein Gefährt dann am andern Ufer glücklich wieder in Höhe der AbfahrtsteIle landen zu lassen. Jahraus, jahrein besorgte er so den Verkehr zwischen Varenholz und Veltheim. Diejenigen, die oft herüber und hinüber fuhren, werden sicherlich nicht jene knorrige Figur mit dem immer gleich bleibenden ernsten Gesicht vergessen.

Die Fähre ist nun unter dem Gemeindevorsteher Boeke 1[2] modern für den Wagenverkehr ausgebaut, weil der letztere eine hervorragende Hilfe und Unterstützung von Seiten der preußischen und lippischen Behörde erhielt.

Die Gemeinden Veltheim und Varenholz haben durch öffentliche Mittel geholfen; um so mehr ist es am Platze, etwas aus der Vergangenheit dieser Fähre zu erfahren.

Zur Vorgeschichte der Veltheimer Fähre

Die Geschichte des Altertums und des früheren Mittelalters unserer Gegend ist dunkel, und nur die Spatenforschung gibt uns einen kleinen Einblick in jene Zeitverhältnisse. Einfach und wenig verwickelt war das Leben. Gewiss aber ist, dass schon früh, sehr früh unsere Ortschaften Varenholz und Veltheim besiedelt waren.

Sicherlich haben sie auch von hüben und drüben im Verkehr gestanden; denn der damals noch zeitweise gewaltige Weserstrom bot kein unüberbrückbares Hindernis. Im Gegenteil, ein Strom, wie unsere Weser, war den alten Germanen, unseren Altvorderen willkommen für die Jagd und den Fischfang. Wir dürfen uns den ganzen Raum zwischen Veltheim und Varenholz vom Weserstrom beherrscht denken.

Die zahlreichen lang gestreckten Mulden rechts und links der Weser, von den Veltheimern „Dahnen“ genannt, sind der beste Beweis für das Vorhandensein zahlloser Weserarme. Bis dicht an den Kiesberg Bockshorn heran schmiegten sich Arme und Teiche, die im Sommer oftmals zu Bächen und Tümpeln zusammengeschrumpft sein mögen, den größten Teil des Jahres aber gewiss eine fast zusammenhängende Wasserfläche gebildet haben werden. Das war für unsere Altvorderen das rechte Gebiet; denn hier fanden sie im Fischfang reiche Beute für ihren Tisch. Als dann im Laufe der Jahrhunderte das Wasser sich mehr und mehr zu einzelnen Armen sammelte, siedelte man von den anliegenden Höhen hinab ins Tal, um den Jagdpfründen näher zu sein. Die Spuren dieser Ansiedlung im flachen Gelände gehen zurück bis in den Anfang unserer Zeitrechnung, wie die gefundenen Scherben im „Nien Fäile“ bei Veltheim erzählen.

Einen Fährmann hatte man damals noch nicht nötig; denn man kannte noch nicht einen Arzt oder auch Apotheker von Varenholz, der im 19. Jahrhundert so oft von Veltheimern in Anspruch genommen werden musste, und die Bahn in Veltheim lockte die Nachbarn von Varenholz erst seit etwa 50 Jahren über die Fähre. Wollten die Alten hinüber, so hatte ja jeder seinen eigenen Kahn, den er sich aus einem dicken Baum verfertigte. Wir kennen ja noch die Baumriesen auf den Varenholzer Weiden. Böse Buben hatten ja vielfach durch Feuer die Bäume hohl gebrannt und ihr Leben dadurch verkürzt. In früheren Zeiten brannte man sie aus, um einen Kahn daraus zu gewinnen. Dieser wurde anfangs dann vollendet durch Bearbeitung mit den einfachen Steinbeilen, wie sie in Veltheim und Varenholz oft gefunden wurden.

In der darauf folgenden Bronzezeit, dem Übergang zur Eisenzeit - auch aus dieser Periode liegen reiche Funde in Veltheim vor - sind natürlich die Kähne und Jagdgeräte mit besserem Werkzeug bearbeitet. Der Weserstrom brachte sehr früh die Kultur in diese Gegend. Selbst römische Ware drang auf dem Weserstrom bis nach Veltheim vor.

Die vor dem Kriege auf dem Siemonsmeierschen Hofe Nr. 14 gefundenen Urnen sind teils römischen Ursprungs, so eine gut erhaltene terra sigillata und mehrere Bronzeeimer, die leider der engeren Heimat durch Aufkauf verloren gingen. Sie sind von dem Museum zu Dortmund erworben worden. Aber trotz dieser Beweise von „Verkehr und Handel“ dürfen wir uns noch keine geregelte Verbindung durch eine Fähre zwischen Veltheim und Varenholz vorstellen; obwohl schon ein Verkehr zwischen beiden Orten reger geworden sein wird, namentlich in der Zeit der Bekehrung zum Christentum.

[1] Wellpott, Lehrer in Veltheim, 1925

[2] Boeke, Veltheim Nr. 1 (Im Bruche)


Die Bistumszeit

Durch Karl den Großen erhielt Minden um etwa 794 einen Bischof, der als frommer Mann für die Gründung von Kirchen und Kapellen zu sorgen hatte.

Nach der Sage[1] soll die Kirche in Veltheim schon um 896 von Hildburg, der Gemahlin des Grafen Uffo, der in der Rintelner Gegend seinen Sitz hatte, gegründet worden sein. Aus dieser Zeit wissen wir von den bäuerlichen Verhältnissen, dass sie noch erträglich waren. Hier galt noch das alte Wort: „Unter dem Krummstabe (des Bischofs) ist gut wohnen“. Aber es entwickelte sich doch schon das Lehnswesen. Der Großgrundbesitz beanspruchte schon allmählich die Rechte über die umwohnenden Bauern, weil er ihren Schutz gegen fremde Bedrücker übernahm.

Denn die Zeiten wurden allmählich unsicher; das Raubritterwesen griff um sich, und der Bischof von Minden war längst kein frommer Mann mehr, sondern ein in weltliche Händel verstrickter Krieger. In diese Zeit nun werden wir die Entstehung der Veltheimer Fähre zu verlegen haben.

Das Bistum Minden hatte im Laufe der letzten Jahrhunderte seines Bestehens vielfach arge Kämpfe mit den umliegenden Feinden auszufechten. Die Fähre zu Veltheim blieb ihm daher ganz gleichgültig, zumal die Grafen zur Lippe in jener Zeit mächtig waren. Der Mindensche Bischof konnte sich oft kaum seiner Feinde erwehren. So wird uns von vielen wilden Kämpfen zwischen den Bischöfen von Osnabrück und Minden berichtet, wie einmal die von Varenholz und Lemgo sich in diesen Streit mischten und am 25. April 1435 in der Veltheimer Masch einen bedeutenden Sieg, zusammen mit den Osnabrückern, über die Mindener davontrugen. So kam es vielleicht, dass mehrere Veltheimer Bauern der damaligen Zeit sich früh unter den Schutz des Ritters von Varenholz begaben und damit in dessen Abhängigkeit gerieten. Sieben Hofbesitzer aus Unterveltheim mussten nun auf Geheiß des Herrn von Varenholz mit Pferd und Wagen dorthin kommen, um den Acker zu bestellen zu helfen oder sonstige Dienste zu verrichten, manche 52mal im Jahr.

Da mussten sich die von Varenholz selbstverständlich eine Wagenfähre halten. Ihr Höriger, der Halbmeier Freding Nr. 34 in Veltheim, dessen Besitzung ja heute noch unter demselben Namen nicht weit von der Weser vorhanden ist, hatte diese Fähre zu bedienen, dafür war er von anderen Hand- und Spanndiensten befreit.

Unter den Hohenzollern

Wir haben aus dem vorigen Abschnitt gesehen, wie schwer es dem Bischof von Minden wurde, sich durch eigene Kraft im Kreise der umliegenden Mächte zu behaupten; mit beutelustiger Hand griffen sie zu und eigneten sich beträchtliche Stücke des Landes an. Es war für Minden gut, dass es im Friedensschlusse nach dem 30jährigen Kriege, 1648, säkularisiert, das heißt verweltlicht wurde und zu Brandenburg kam. Denn Luthers Lehre hatte durch den Prediger Nisius sich in Minden mächtigen Eingang verschafft und in kurzer Zeit so verbreitet, dass nur noch ein Teil der Geistlichkeit katholisch war.

1536 hatten die meisten katholischen Geistlichen und Mönche sogar aus der Stadt Minden nach Rinteln flüchten müssen. Als die katholischen Stände 1648 den Vergleich unterschrieben hatten, der Minden für immer dem Hause Hohenzollern zusprach, reichte ein katholischer Kanzler dem brandenburgischen Gesandten das Schriftstück unwillig mit den Worten: „Da habt Ihr's, aber Ihr und Eure Nachkommen werdet wenig Segen dabei haben.“

Dieser fromme Wunsch erfüllte sich nicht. Die Mindener begrüßten die neue Herrschaft mit Freuden. Auch für unsere Veltheimer Fähre wurde sie bedeutungsvoll. Während sie zur bischöflichen Zeit unbeachtet geblieben war, lenkte die kurfürstliche Regierung sogleich ihr Augenmerk darauf und stellte auch ihrerseits einen Fährmann an.

So bestanden dann in unmittelbarer Nähe eine große und eine kleine Fähre. Die große war lippischen Ursprungs und wurde vom Halbmeier[2] Freding bedient, die kleine war kurfürstlich-brandenburgisch und an den Schlachtmeister Schäfer verpachtet.

Die kurfürstliche Regierung hatte ein großes Interesse daran, überall an den Grenzen den Schleichhandel zu unterbinden. Nur die Städte sollten handelsberechtigt sein. So hatte z.B. auch die Stadt das Braurecht und wachte lebhaft über die Einnahmen aus diesem Gewerbe, und so nimmt es nicht Wunder, dass der Verkehr zwischen Veltheim und Varenholz durch einen eigenen Fährmann besorgt und überwacht werden sollte.

[1] Diese Legende wurde erstmals 1380 schriftlich niedergelegt. Hildburg von Uffo gründete neun Kirchen, und zwar in Steinbergen, Silixen, Möllenbeck, Segelhorst, Deckbergen, Hohenrode, Eisbergen, Veltheim, Exten.

[2] Kötter

Der große Fährstreit

Um das Jahr 1661 entbrannte ein nicht geringer Streit zwischen den beiden Fährmännern. Der Oberamtmann von Varenholz war im Mindenschen gewesen und hatte auf dem Rückwege den Fährmann Schäfer an der Fähre getroffen und ihm das Überfahren für die Zukunft verboten. Als dann unser Fährmann am nächsten Tage wieder mit dem Kahne hinüberfuhr, musste er eiligst auf die Mitte der Weser zurück, denn ein Soldat und der Hofmeister waren vom Oberamtmann geschickt, um Schäfer an der Überfahrt zu hindern. Sie drohten, sein Schiff zu zerschlagen und ihn ins Gefängnis nach Varenholz bringen zu wollen, sobald er sich wieder an ihrem Ufer blicken ließe. Als er eines Tages wieder an der Fähre war, wurde er dann auch jämmerlich verhauen, dass er blutend zum Amt Hausberge eilte, um den Schutz seiner Behörde zu erbitten. Auch sein Schiff hatte man zerschlagen und seine Fährstätte zerstört.

Entsetzt über solche Misshandlung griff man dort dann zu energischen Gegenmaßnahmen und verbot in gerechter Verteidigung dem Fährmann zu Erder, seinerseits Leute auf die Mindensche Seite zu bringen, und bat die Kurfürstliche Regierung zu Petershagen, mit der lippischen Behörde in Verbindung zu treten, damit solche Übergriffe der Beamten, wie sie so oft festzustellen seien, endlich beseitigt würden.

Der Schlachtmeister Schäfer wagte zunächst nicht mehr, die Fähre zu bedienen, weil die Lipper dauernd auf der Lauer lagen. Die Veltheimer Mägde, die zum Melken der Kühe mehrmals am Tage auf die Varenholzer Weide mussten, benutzten Johannes Papens oder Fredings Schiff. Immer wieder versuchte der lippische Halbmeier Freding Nr. 34, den Schlachtmeister Schäfer an der Überfahrt zu hindern, weil er sein größeres Recht für unbestritten hielt. Aber die Kurfürstliche Regierung griff energisch durch. Lange, lange Jahre zog sich der Streit darüber hin. Die Hohenzollern waren schon längst Könige in Preußen, als ein Johann Freding noch immer wieder darauf hinwies, dass seit undenklichen Zeiten seine Vorfahren als lippische Halbmeier die Veltheimer Hörigen im Dienste des Grafen zur Lippe über die Weser zu bringen hatte, wodurch sein Recht als Fährmann erwiesen sei.

Doch schrieb darüber das Justizamt zu Hausberge spöttelnd: "Der hier belegene lippische Halbmeier Johann Freding zerbricht sich den Kopf in Sachen die seinen Verstand übertreffen, aus einem irrigen Fundamente, als wenn die große Fähre Seiner hochgräflichen Exzellenz zur Lippe zugehöre. Der gute Mann aber distinguieret nicht wohl. Wohl mag sich Seine hochgräfliche Exzellenz zur Abholung der in unserer Hoheit belegenen Bauern ein Fährschiff privatim halten, aber Fährleute an- und abzusetzen ist ein Regal unstreitig der Landesobrigkeit allein, eine fremde Obrigkeit darf sich dies nicht anmaßen wollen.

Wenn Seiner Exzellenz zur Lippe sich auch ein großes Schiff zur Überfahrt seit undenklichen Zeiten hält, so ist dies, so sagt die Mindensche Regierung "privatim“ aus Bequemlichkeit geschehen, folglich muss sie auch die Last tragen und das Schiff hergeben, darum aber bleibet Seiner Majestät die Bestellung des Fährmannes unbestritten."

Zielbewusst setzte man auf Mindenscher Seite eigene Fährleute an und verpflichtete sie durch feierlichen Eid. Ein solcher liegt uns wörtlich aus dem Jahre 1732 vor.

Er lautet: „Ich, Johann Hinrich Schäper, schwöre einen körperlichen Eid zu Gott dem Allmächtigen, dass, nachdem ich zum Fährmann bei der kleinen Handfähre Veltheim hin wiederum bestellet bin, ich zuforderst angelobe Seiner Majestät in Preußen höchstes Interesse dabei in acht zu nehmen, insbesondere keinen ohne veraccisete noch verzollte Sachen, wie auch kein fremdes Bier oder Branntwein zum Nachteil des Amts-Brauhauses zu Hausberge über und herüber zu bringen. Sondern wie ein treuer Fährmann mich bezeigen, auch die herrschaftlichen Briefe und hiesigen Amtsgediente unentgeltlich über und herüber fahren will. So wahr mir Gott helfe.“ Gez. Schaeper.

Als Preußen dann unter Friedrich dem Großen zur Großmacht geworden war, trat das kleine Lippe ganz bescheiden zurück. Der lippische Halbmeier Freding bewirbt sich sogar im Jahre 1765 selbst um preußische Dienste, indem er der preußischen Regierung 9 Taler Miete für diese anbot.

Man lehnte das Anerbieten aber ab und gab der Witwe Schäfer, in deren Familie schon über 100 Jahre die Pacht war, für diesen Zins die Fähre, zumal sie damit rechnete, dass beide Fährleute sich gegenseitig auf die Finger sehen und keine Schmuggelware beförderten.


Der Erbpachtkontrakt im Jahre 1786

Nachdem die Fähre bisher der Schäferschen Familie in Zeitpacht gegeben war, wurde 1786 mit ihr der Erbpachtkontrakt geschlossen.

Die einzelnen Punkte dieses Kontraktes sind folgende:

 

1.     Der Fährmann hat die Fährschiffe selbst anzuschaffen und die Überfahrt an demjenigen Orte, wo sie bisher gewesen ist, zu belassen.

2.     Hat sich der Erbpächter in Erhebung des Fährgeldes nach dem Fährreglement vom 23. September 1767 in allen Stücken ganz genau zu richten und zu dem Ende eine schwarze Tafel, worauf die Taxe mit weißen Buchstaben deutlich geschrieben ist, an die Fährstange zu hängen, dass sie den Passierenden sofort in die Augen fallen kann, und bei Vermeidung der im Reglement bestimmten Strafe sich zu enthalten, ein mehreres zu fordern. Den Passierenden muss er höflich begegnen, auch dafür sorgen und einstehen, dass solches von seinen Leuten geschehe, die Passagiere nach Möglichkeit geschwind und sicher Überfahren, von den zum Dienst des Königlichen Amts und in sonstigen herrschaftlichen Verrichtungen überzusetzenden Personen aber kein Fahrgeld fordern, sondern solche unentgeltlich und ohne Aufenthalt hin- und zurückfahren.

3.     Verdächtige Personen, Deserteurs und dergleichen darf er nicht überfahren, sondern wenn ihm solche vorkommen, so ist er schuldig, nach Pässen zu fragen, sie bei deren Ermangelung anzuhalten, und dem Amte zur weiteren Verfügung Anzeige zu tun.

4.     Erbpächter darf nicht zugeben, dass der Fährgerechtsame oder Landesbefugnis einiger Schade oder Nachteil zugefügt werde, und muss es Vorkommendenfalls, wenn von lippischer Seite der hiesigen Königlichen Fähre Hindernisse in den Weg gelegt, oder die Schlacht am gegenseitigen Ufer der Weser weiter und so weit in den Strom gelegt würde, dass dem diesseitigem Ufer und der Fährstelle dadurch Nachteil entstehen könnte, bei Vermeidung scharfer Ahndung davon dem Amte sofort Anzeige tun.

5.  Erbpächter zahlt jährlich 9 Taler 12 Silbergroschen.

6.  Er kann diesen Satz nicht heruntersetzen.

7.  Will der Erbpächter sein Recht verkaufen oder einem Dritten übertragen, muss die   Genehmigung der Kriegs- und Domänenkammer nachgesucht werden.

8. Die Domänenkammer verspricht die Erbpacht niemals zu erhöhen.

So geschehen Minden, den 13.Februar 1786. Königlich Preußisch Minden-Ravensberg, Kriegs- und Domänenkammer.


Der Streit um die Fährhütte

In dieser Zeit fehlte dem preußischen Fährmann immer noch zum Schutz die Fährhütte. Wohin sollte er sie bauen? Das ganze Land der Fährstätte gehörte dem lippischen Halbmeier Freding, seinem Konkurrenten. Da wandte sich ums Jahr 1787 ein Schlachtmeister[1] Schäfer an seine Regierung und bat um Hilfe. Diese verfügte nun, „dass der Freding dem Schäfer für die Fußgänger einen Fußsteig zu der kleinen Fähre unter seinen daselbst belegenen Grundstücken verstattet.

Da aber der Platz, auf welchem der Schäfer eine Fährhütte zum Obdach der ankommenden Fußgänger aufbauen will, zum unbestrittenen Eigentum des Freding gehört,“ so heißt es wörtlich in dem betreffenden Schriftstück, „so kann er zu dessen Abtretung nicht gezwungen werden und wollen wir demnach die Anweisung eines Platzes zu einer ganz kleinen Fährhütte auf die Fährstätte nahe an der Weser an dem Fredingschen Ufer aus dem angeführten Grunde hiermit genehmigen. Sollte sich indessen Freding dabei nicht beruhigen wollen, so bleibt ihm allenfalls der Weg rechtens überlassen.“

Es wird hier somit das unbestrittene Recht am Grund und Boden dem Freding zuerkannt.

Schlachtmeister Schäfer baute nun seine genehmigte Hütte. Doch Kolon Freding Nr.34 zu Veltheim war durchaus nicht mit diesem Schritt einverstanden, wandte sich an das Amt Hausberge mit der Bitte, die Verfügung wieder aufzuheben, und verlangte die Entfernung der angelegten Fährhütte binnen zweimal 24 Stunden. Als es nicht geschah, griff er energisch zur Selbsthilfe, steckte Braken um die Fährhütte und sperrte so dieselbe.

Aber das Amt Hausberge schrieb darauf: „Da nach der Anzeige des Schlachtmeisters und Fährpächters Schäfer sich der Colonus Freding Nr. 34 zu Veltheim unterstanden hat, die von dem Schlachtmeister Schäfer angelegte Fährhütte zu umzäunen und solche mit zu seinen Wiesen zu ziehen, so wird dem Untervogt Brocker hiermit aufgegeben, dem Kolon Freding anzudeuten, den um die Schäfersche Fährhütte gemachten Zaun, welcher nur bloß eine strafbare und boßhafte Chicahne des Freding zur Absicht zu haben scheint, sofort und längstens binnen 24 Stunden wieder wegzunehmen, weil die Stelle wo der Schäfer in der Fährstätte die Fährhütte angelegt hat, unstreitig Seiner Majestät dem Könige gehört, woran der Freding nicht den allergeringsten rechtlichen Anspruch machen kann.

Hausberge, den 8.Januar 1788.

Kgl. Preußischer Justizamtmann Müller.

Während also vorher dem Freding Grund und Boden zugesprochen war, wird hier erklärt, dass der Boden unstreitig Seiner Majestät dem König gehört. So sehen wir, wie Staatsrecht kalt lächelnd über Privatrecht triumphiert. Freding gibt nun seine Fähre auf.

Nachdem so Schlachtmeister Schäfer dem Freding gegenüber allmählich im Vorteil ist, verliert letzter seine Freude an der Fähre, und trachtet danach, sich von seiner lippischen Hörigkeit loszukaufen und damit aller Pflicht des Überfahrens enthoben zu sein. Das geschah bald nach 1806 bis 18O7.

Auch die anderen Meierhöfe kauften sich los. Die große Fähre verschwand. Der Name des Schlachtmeisters Schäfer ging nun auf der Fährstätte ein. Ein Sohn von „HinnerkHuks“ Hofe heiratete die überbleibende Tochter des letzten Schlachtmeisters.

Das jetzige Fährhaus

Bis zum Jahre 1872 wohnte der „Fiermann“ „uppe langen Wand“. Das sind etwa 100 Meter südlich von dem Hause des Kolon Freding. Dann erwarb er von dem letzteren die Grundstücke, worauf seit 1872 das heutige Fährhaus steht.

Oft schon brausten zur rauen Winterszeit schäumende Wogen ums Fährhaus. Doch auf sicherem Grunde gebaut, widerstand es den Wogen.

Die Familie des „Fiermann“ und des Kolons Freding standen in den letzten Generationen in freundnachbarlicher Beziehung wie die Bewohner Veltheims mit denen von Vahrenholz. Beide Dörfer haben nun gemeinsam in schöner Eintracht die heutige Fähre ausbauen helfen. Möge die Zukunft dies Werk segnen.[2]

Folgende Anzeigen enthielt die 1925 erschienene Broschüre über die Veltheimer Fährgeschichte:

    















[1] müsste heißen: „Schlagd-Meister“. Schlagde=Uferbesfestigung. Der Schlagd-Meister war für die Unterhaltung der Schlagden verantwortlich, ein Amt, das gerade in Veltheim besondere Bedeutung hatte (siehe Grenzstreit).

Die Familie Schäfer (Nr. 173) führte im Dorf noch bis zur Mitte des 19.Jahrhunderts den Beinamen „Schlagd-Meesters“.


[2] Die in dem Text von Rektor Wellpott vermerkten Inhalte der Fußnoten haben sich auf Grund aktuellerer Erkenntnisse ergeben.



 

 





Hier endet das Büchlein von Rektor Wellpott.


Hier endet Ausarbeitung von Rektor Wellpott zur Geschichte der Veltheimer Fähre bis 1924. Es folgt nun die Geschichte ab 1925, ausgearbeitet vom Ortsheimatpfleger Reinhold Kölling. 

Weitere Erkenntnisse zur Fährgeschichte

Freding sah nun wohl allmählich ein, dass er am kürzeren Hebel saß und fand sich mit den bestehenden Verhältnissen ab. Allerdings war dem 32 Morgen Saatland (1745/51) umfassenden Hof eine wichtige Einnahmequelle verloren gegangen. Freding suchte Anfang des 19. Jahrhunderts offensichtlich einen Ersatz dafür und richtete eine Ölmühle ein, die 1824 in einer Akte des Amtes Hausberge vermerkt ist.

Die Veltheimer Fähre ist bis in das 19. Jahrhundert im Besitz der Familie Schäfer geblieben. Der Name Huck kam durch Einheirat auf die Stätte.

Das Haus Veltheim Nr. 6 (Schlagdmeister Schäfer, 1839 schon Huck) stand bis 1872 an der „Langen Wand“. Nachdem Huck das Gelände an der Fähre von Freding Nr. 34 gekauft hatte, baute er dann dort das neue Fährhaus.


Die Straße zur Fähre führte bis zur Verkoppelung 1890 direkt vom Gehöft Freding Nr. 34 zur Weser und dann an der Weser entlang bis zur Fähre.
Dieser Teil des Fährweges diente wahrscheinlich früher als Treidelweg, auf dem mit Pferden die durch die Strömung abgetriebene Fähre nach dem Übersetzen wieder stromaufwärts bis zur Fährstelle geschleppt wurde (da gab es noch kein Gierseil). 1682 und auch noch 1745/51 wurden dazu auf dem Hof Freding drei Pferde gehalten.


Folgende Skizze zeigt die Wegeführung. Skizze: Wegenetz vor der Verkoppelung 1890. Skizze von Hans Reese 1991.









Die „neuere“ Fährgeschichte (von Ortsheimatpfleger Reinhold Kölling)

Die nun folgende Ausarbeitungen  wird die weitere, sehr wechselvolle Entwicklung der Fähre zu Veltheim beschreiben.

 Am 31. März 1925 kam es an der Fährstelle zu Veltheim zu einem schrecklichen Unglück, bei dem 81 Menschen den Tod in der Weser fanden. Dieses Ereignis ist damals durch die Weltpresse gegangen und hatte immense Auswirkungen. Darüber habe ich einen eigenständigen Bericht verfasst (Band I und Band IV der Veltheimer Chronik).

Ein weiteres Unglück geschah am 8. November 1930. Es sollten an einem Samstagnachmittag zehn Ochsen, dem Domänenpächter Block, Varenholz gehörig, übergesetzt werden. Während der Überfahrt sank kurz vor der Landung die Fähre. Das Mindener Tageblatt berichtete am 11.11.1930 wie folgt dazu: „Die Ursache war der ungeklärte Umstand, dass plötzlich die nicht angekoppelten Tiere nach vorn drängten. Sie konnten vom Treiber nicht zurückgehalten werden. Das Vorderteil des Schiffs wurde überlastet, die Trossen, die das Schiff mit dem Überspannungsseil verbinden, rissen und das Fahrzeug sank. Durch die Geistesgegenwart des Fährmannes Huck konnten die vier Begleiter der Tiere und er selbst mit dem Rettungsboot gerettet werden. Die Ochsen trieben ab, konnten jedoch, ohne Schaden zu nehmen, an Land gebracht werden. Durch die Hebung des Fährschiffes, welches überwiegend Eisenkonstruktion ist, wird dem Fährmann ein erheblicher Geldverlust entstehen.“

 

Einem Schreiben des Landjägereiposten Eisbergen vom 20.11.1930 an die Polizeiverwaltung des Amtes Hausberge ist zu entnehmen, dass die Fähre wieder gehoben und seit dem 15.11.1930 wieder in Betrieb ist. Weiter steht geschrieben: „Der Unfall hat genau dieselbe Ursache wie seinerzeit das Reichswehrunglück. Durch eine zu starke Verschiebung der beweglichen Last schlug die Fähre voll Wasser.“

 

 Veltheimer Fähre um 1910 Zeichnung von G. Wehlisch. (Archiv Reinhold Kölling)

 

Diese Zeichnung ist betitelt mit „Veltheimer Fähre um 1910“. Da es im Jahre 1910 allerdings nur eine Personenfähre in Veltheim gab, kann der Titel so nicht richtig sein. Die Zeichnung ähnelt sehr einem Foto aus dem Jahr 1928. Es handelt es sich vermutlich um eine Zeichnung dieser neuen Wagenfähre, die nachfolgend beschrieben ist.

 

1924 wurde die neue Wagenfähre in Veltheim dem Verkehr übergeben. Die Wagenfähre mit Beiboot war von der Rintelner Schiffswerft gebaut worden, nachdem es den Gemeinden Veltheim und Varenholz mit Unterstützung der preußischen und lippischen Regierungsstellen gelungen war, die Mittel für den Bau aufzubringen mit dem Ziel, den Verkehr zwischen Lippe und dem preußischen Landkreis Minden zu beleben. Der damalige Gemeindevorsteher Fritz Boeke hatte sich besonders dafür eingesetzt. Bis dahin waren die Orte Varenholz, Stemmen und Veltheim nur mit einer Personenfähre verbunden. Fahrzeuge waren auf die Wagenfähre in Eisbergen, an deren Stelle später die Brücke trat, und die Fähre Erder angewiesen.

  Dieses Foto zeigt die neue Wagenfähre 1928 (Stadtarchiv Porta Westfalica)

 Der damalige, langjährige Fährmann Fritz Huck (Fährführer von 1924 bis 1943) wurde 1943 in die ehemalige Wehrmacht ein gezogen und kehrte aus dem zweiten Weltkrieg nicht zurück. Der Fährbetrieb wurde zunächst von seiner Frau durchgeführt. Im Jahre 1945 wurde die Wagenfähre durch Kriegseinwirkung beschädigt und sank, aber gleich nach Kriegsende ließ Wilhelmine Huck die Fähre wieder heben und auf der Schiffswerft in Uffeln Instand setzen. Danach wurde der Fährbetrieb von Verwandten der Familie Juck und verschiedenen pensionierten Schiffskapitänen und auch Rentnern bewerkstelligt.

Für drei bis vier Jahren wurde der Fährbetrieb von der Familie Huck an Privatpersonen verpachtet.

 

 









 Heinrich Luhmann führt die Fähre (Archiv Reinhold Kölling)

Im Jahre 1953 wurde die Wagenfähre an die Uffelner Schiffswerft für andere Dienste (Anlegebrücke) verkauft. Es gab Schwierigkeiten bei der Betätigung der Seilwinde, und auch die Motorisierung in Verbindung mit der Nutzung der Weserbrücke in Eisbergen hatte die Wirtschaftlichkeit der Wagenfähre erheblich geschwächt.

Das Beiboot wurde allerdings nicht mit verkauft und diente weiter am Hochseil dem Personenverkehr.

Im Juni 1957 wurde die Personenfähre von der Interessengemeinschaft Veltheim, Varenholz und Stemmen von Wilhelmine Huck gepachtet.  Von 1957 bis Juni 1965 haben die Fährführer Stein und Albrecht den Betrieb aufrechterhalten.

Von Juni 1965 bis Ende 1967 war Karl Hutsch Fährführer.

Im Jahre 1968 übernahm der Veltheimer Fährmann Fritz Buhmeier die Führung der Fähre. Er hatte sich noch in hohem Alter zum Fährmann ausbilden lassen.

 

   

     

    















 Repro Mindener Tageblatt 13. Mai 1975 (Archiv Reinhold Kölling)

 

Fritz Buhmeier war Fährmann bis November 1976 und musste dann wegen einer Krankheit aufgeben. In diesen Jahren hatte die Fähre mehr und mehr die wirtschaftliche Bedeutung verloren. 1973 hatten als Rechtsnachfolger der früheren Gemeinden die Stadt Porta Westfalica und die Gemeinde Kalletal den Fährbetrieb übernommen. Doch unter touristischen Gesichtspunkten war es den Gemeinden Kalletal und Porta Westfalica wichtig, diese Fährverbindung mit historischem Hintergrund aufrecht zu erhalten.

 

Ende 1977 wurde vom Sachverständigen der Binnenschifffahrt Berufsgenossenschaft festgestellt, dass die von der Stadt Porta Westfalica und der Gemeinde Kalletal angepachteten Fähre der Wilhelmine Huck völlig schrottreif ist. Eine Wiederherstellung sei unwirtschaftlich. Im April 1978 ergab sich, dass die Gemeinde Emmerthal ein gebrauchtes Personen-Fährboot zur Verfügung habe. Diese wurde nach gutachterlichen Untersuchungen repariert und gekauft und von der Schiffswerft Oberweser in Bodenwerder instandgesetzt. Inzwischen hatten Hannelore und Horst Huck die Fährprüfung abgelegt und der Fährbetrieb konnte weiter gehen. Für den Ankauf des Fährbootes und der Instandsetzung wurden 9.160 DM investiert. Dieses Fährboot war für neun Personen und dem Fährführer zugelassen.

 

 

Alle Beteiligten waren sehr froh, dass sich Horst Huck und seine Frau Hannelore entschieden, die alte Familientradition fort zu setzen. Sie wurden dann durch Dienstvertrag mit der Stadt Porta Westfalica wieder Fährführer im Rahmen der Familientradition.  

Im August 1978 war es dann so weit. Der Fährbetrieb wurde offiziell wieder eingeweiht. Im Rahmen einer von vielen Zuschauern besuchten Feierstunde, im Beisein vieler Ehrengäste, wurde die historische Verbindung zwischen Veltheim und Varenholz zu neuem Leben erweckt. Sogar ein Fernsehteam des WDR war vor Ort und berichtete über den Festakt. Eine besondere Note hatte die Fähreinweihung dadurch, dass wohl die einzige Fähre im Lan de mit Hannelore Huck überwiegend von einer Frau geführt wurde.

 

Der stellvertretende Bürgermeister der Stadt, Heinrich Schäfer, eröffnete im Beisein des früheren Bürgermeisters der Gemeinde Veltheim, Karl Krüger, den Fährbetrieb. In seiner Ansprache bedankte er sich sehr herzlich bei der Gemeinde Kalletal für die Unterstützung, besonders für die hälftige Beteiligung an den Unterhaltungskosten. Die Ehrengäste kamen dann in den Genuss der „Jungfernfahrt“ und wurden dabei vom WDR-Team gefilmt. Der gesamte Festakt wurde musikalisch umrahmt vom „Bläserkreis Porta Westfalica“ unter der Leitung von Günther Ludwig.

 

Die Personenfähre verkehrte zu dieser Zeit wieder täglich von 9 Uhr bis 12 Uhr und von 14 Uhr bis 16 Uhr. Doch wenn die Fährleute vor Ort waren, wurden die Zeiten auch nicht so genau beachtet und es fanden Überfahrten auch außerhalb dieser Zeiten statt.  

Das inzwischen auf der anderen Weserseite entstandene Freizeitzentrum Kalletal profitierte natürlich besonders von dieser wieder eröffneten Fährverbindung.

 

 

Die Fähre Veltheim, sitzend links Fährmann Horst Huck. (Archiv Reinhold Kölling)






Damit setzten die Eheleute Huck eine Familientradition fort. Sie sind indirekte Nachkommen der eingangs erwähnten Fährmannsfamilie Schäfer. Für die Stadt Porta Westfalica war es ein wichtiger Schritt im Rahmen der Fremdenverkehrsbemühungen.

Verschwunden waren im heimischen Kreisgebiet seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges einige weitere Fährverbindungen. So bei Erder (wo bei einem Fährunglück 1945 17 Menschen ertranken), zwischen Holtrup und Babbenhausen, die Personenfähre bei Rehme (1988 wieder aktiviert – Fähre Amanda), die Fähre von Petershagen, bei Hävern (auch wieder aktiviert), bei Buchholz, bei Ilvese und schließlich bei Schlüsselburg.

Im Jahre 1988 war für die Fähre Veltheim wieder Feierabend, weil die Betreiber, die Familie Huck, sich nicht länger den zusätzlichen Belastungen des Fährbetriebes aussetzen wollten. Da sich die Suche nach Nachfolgern äußerst schwierig gestaltete, ruhte der Fährbetrieb zum Leidwesen der Wanderer und Radler zunächst.

Im Sommer 1989 wurde die Fähreinrichtung dann von der Stadt Porta Westfalica übernommen. Retter in der Not waren im Jahre 1990 fünf junge Männer des THW Minden. Sie schlossen ihre Fährprüfung auf der Veltheimer Fähre erfolgreich ab, so dass einer Wiedereröffnung des Fährbetriebs nichts mehr im Wege stand. Hermann und Walter Drehmel, Uwe Dießelhorst, Alfred Huck und als Reserve Norbert Hopf, stellten sich nun an Samstagen, Sonn- und Feiertagen oder für Gruppen auch auf rechtzeitige Bestellung in der Woche abwechselnd zur Verfügung.

 

 




Die Fähre Veltheim 1996 mit Fährmann Uwe Dießelhorst (Archiv Reinhold Kölling)

 



So lief es zunächst reibungslos bis 1995 weiter. Doch dann legte der Technische Überwachungsverein die kleine Veltheimer Fähre „an die Kette“. Technische Mängel waren der Grund. Unter anderem wurde auch das Hochseil beanstandet. Die Kosten der Sanierung wurden mit rund 30.000.- DM veranschlagt.

Die Betreiber des Fährbetriebes, die Stadt Porta Westfalica und die Gemeinde Kalletal wollten sich die Kosten teilen, allerdings wurde durch den Heimatverein Varenholz- Stemmen mit Unterstützung des Heimatvereins Veltheim auch eine Spendenaktion zur Erhaltung des Fährbetriebes ins Leben gerufen. Zunächst sollte schon 1996 der Betrieb wieder laufen, doch es gab etliche Verzögerungen.

Da die gesamte Seilanlage erneuert werden musste, reichten die veranschlagten Kosten bei weitem nicht aus. Inzwischen war der Kostenrahmen auf 100.000.- DM angewachsen.

Inzwischen hatte der Heimatverein Veltheim mit tatkräftiger Unterstützung des Bürgermeisters Heinrich Schäfer 30.000.- DM gesammelt, der Heimatverein Varenholz-Stemmen die gleiche Summe, so dass für die beiden Gemeinden keine Mehrbelastungen entstanden.

Die Verzögerungen entstanden auch dadurch, dass das Hochseil (24 mm dick und 126 Meter lang) aus Frankreich geliefert wurde und die beiden Masten neu gesetzt werden mussten. Dabei gab es zusätzlich Missstimmungen zwischen Stadtverwaltung und der Familie Huck. Und kurz vor dem neuerlichen Start der Fähre stand das Boot voll Wasser und musste nochmals zu einer Überprüfung ans Land gezogen werden.

Im Mai 1997 wurde das Vertragsverhältnis zwischen dem Wasser- und Schifffahrtsamt und der Stadt Porta Westfalica begründet. Und am 26. Juli 1997 war es dann wieder soweit. Das traditionelle „Hol über“ erklang wieder, und die vier Fährleute Hermann und Walter Drehmel, Uwe Dießelhorst und Alfred Huck konnten abwechselnd wieder ihre Gäste befördern.

 

 






Einsetzen der Fähre Anfang 1999 (Archiv Reinhold Kölling)

 

Im Jahre 1998 wurde aufgrund der Missstimmungen an der Fährstelle das kleine Fährhaus, Unterkunft der Fährleute, auf das Grundstück am Teich versetzt. Dieser Teich war in den letzten Jahren durch Kiesabgrabungen entstanden und ist heute ein Naturreservat.

Seit 2001 kümmert sich der Heimatverein Veltheim e.V. noch intensiver um die Fähre und hält aus diesem Grund engen Kontakt zum Heimatverein Varenholz-Stemmen und zur Stadt Porta Westfalica. Ziel ist es, die Touristenattraktion „Hochseilfähre Veltheim“ noch lange zu erhalten.

Besonders die vielen Radwanderer, die den beliebten Weserfernradweg benutzen, freuen sich darüber. Aber auch die heimische Bevölkerung, die in der Freizeit mehr und mehr das Radeln und das Wandern entdeckt und dabei die Fähre immer wieder gern nutzt.

Der Heimatverein hat im Jahre 2002 ein neues Begrüßungsschild an der Fährstelle errichtet.


 

 

 






Fährschildeinweihung 2002 (Archiv Reinhold Kölling)

Dieses Schild, so wie die Ortseingangsschilder in Veltheim auch, wurde gebaut von Werner Kölling und beschriftet von Gerhard Kahre. Den Aufbau übernahm jeweils das Bauteam des Heimatvereins Veltheim.

2014 wurde zur Verwunderung aller die Unterhaltung der Velt­heimer Fähre von der Stadt Porta Westfalica eingestellt. Die Stadt Porta Westfalica wollte aufgrund der Kosten (die allerdings sehr gering waren, ca. 2.500 Euro p.a.) die Fähre abschaffen. Durch den Einsatz des Heimatvereins Veltheim kam es anders.

Die Jahrhunderte andauernden Fährrechte für Veltheimer (früher mühsam erstritten) wurden von der Stadt Porta Westfalica aufgegeben und an die Lipper abgetreten. Und das von einer Stadt, die den Tourismus fördern wollte. Noch immer unverständlich!

 

Erfreu­licherweise übernahm die Gemeinde Kalletal die weitere Verwaltung der Fähreinrichtungen. Der Heimatverein Veltheim und die Stadt schlossen einen Unterhaltkostenvertrag und der Vorstand des Heimatvereins kümmerte sich um Sponsoren, um zusammen mit der Gemeinde Kalletal den beliebten Fährbetrieb zu erhalten – mit Erfolg!

 

Die seit 1786 in die Veltheimer Hand gelegten Fährrechte, um die man sich früher unbändig mit den Lippern gestritten hatte, wurden nun von der Stadt freiwillig an die Lipper übertragen.

 

Dass der Fährbetrieb der beliebten Weserfähre aufrechterhalten werden konnte, ist der Gemeinde Kalletal, dem Heimatverein Varenholz-Stemmen und dem Heimatverein Veltheim zu verdanken. Der Gemeinde Kalletal gelang es 2018 sogar, ein neues Fährboot anzuschaffen. Dieses wurde getauft: „Hakuna Matata“. Dieser Name kam allerdings in der Öffentlichkeit nicht gut an. Entstanden war er durch einen Wettbewerb für die Namensgebung.

 

Die neuen Fährleute, Martin Deppe und sein Team, stammen auch von der lippischen Seite der Weser. Diese lösten den langjährigen und beliebten Fährmann Alfred Huck ab, der über viele Jahre für eine reibungslose Überfahrt sorgte.

 

2019 wurde durch den Ortsheimatpfleger in Zusammenarbeit mit der Dorfgemeinschaft der so genannte „Ikekprozess“ angestoßen. Dabei ging es um Landeszuschüsse für Infrastrukturprozesse. Dazu wurde in Veltheim u.a. ein neues Fährhaus an der Fährstelle beantragt und bewilligt. Die alte Hütte war nämlich schon seit Jahren abgängig. Der Heimatverein Veltheim übernahm die weiteren Planungen. Mit einigen Verzögerungen ist es wohl jetzt so weit. Anfang 2021 soll das neue Gebäude aufgestellt werden. Die alte Hütte ist schon abgebaut.

 

 

2019: Das neue Fährboot „Hakuna Matata“.

 







 Technik der Fähre

 

Das Boot am Seil nutzt die Strömung.

Im Jahre 1988 gab es an der Weser noch 13 Fähren. Das Transportmittel Fähre ist uralt. Es diente der Überwindung von Flüssen im Zuge der alten Handelswege wie auch dem örtlichen Verkehr.

Zur Fortbewegung dieser Fähren war in früherer Zeit die menschliche Kraft erforderlich. Die Kähne oder Flöße wurden über den Fluss gestakt. Später wurden die Boote an niedrig über den Fluss gespannten Seilen entlanggeführt.

Erst Mitte des 17. Jahrhunderts kam den Holländern die Erkenntnis, die Strömung eines Flusses zur Fortbewegung einer Fähre quer zur Strömung ausnutzen zu können. Das Prinzip dieser Fortbewegung beruht darauf, dass der durch die Führung an Seilen am Stromabwärtstreiben gehinderte Fahrkörper, der so genannte Fährprahm oder das Fährboot, durch jeweilige Änderung der Seillängen in eine Schrägstellung zu seiner Fahrtrichtung gebracht wird. Dabei ist der hintere Teil des Fährkörpers stromabwärts gerichtet, so dass die auf den schräg gestellten Fährkörper auftreffende Strömung angelenkt und die von den Seilen gehaltene Fähre quer über den Fluss gedrückt wird.

Das Wort „Gieren“ dafür stammt aus dem Niederländischen. Seilfähren, die in dieser Weise den Fluss überqueren, heißen daher „Gierseilfähren“. Dabei werden drei Fährtypen unterschieden:

Das Führungsseil der      Hochseilfähre wird über Masten, die auf beiden Ufern aufgestellt sind,      gespannt. Die beiden an den Rollen auf dem Hochseil laufenden Halteseile      der Fähre können an beiden Enden des Fährprahms über elektrischen oder      handbetriebenen Winden in ihrer Länge entsprechend der notwendigen      Schrägstellung der Fähre verändert werden.

 

  1. Die kleinen  Personenfähren werden nur durch ein Seil am Hochseil geführt. Die Gierstellung wird durch entsprechende Einstellung eines Ruders erreicht.
  2. Bei der Niedrigseilfähre      befindet sich das Führungsseil nur wenige Meter über dem Wasserspiegel. Es      wird an beiden Ufern über fest eingebaute Seilwinden gespannt. Nach      beendeter Fahrt wird das Seil durch Bedienen einer Winde entspannt und auf      das Flussufer gelegt, so dass es dann kein Hindernis für die Schifffahrt      darstellt. Die Bedienung einer solchen Fähre ist zeit- und kraftaufwendig.      1988 war lediglich noch eine Niedrigseilfähre in Betrieb.

Gierseilfähren sind ein Relikt der „guten alten Zeit“. Sie verbreiten ein wenig Romantik, und es lohnt sich, sie aufzusuchen und die Landschaft, die sie umgibt, auf sich wirken zu lassen. Es gab in der Bundesrepublik 1998 noch 35 Gierseilfähren, davon waren 26 Fahrzeugfähren.

Die Verteilung der Gierseilfähren auf den Flüssen: Weser 13 (davon 3 Personenfähren), Donau 6, Rhein 5 (davon 3 Personenfähren), Mosel 4, Neckar 3, Inn 2 Personenfähren, Alz 1 Personenfähre, Aller 1.

 

[1] Timpe, Werner, Bundesbahn-Oberrat a. D., Dipl. Ing. Hannover im Mindener Tageblatt 2.8.1988


Veltheim in der Weser

Von Reinhold Kölling

 Gefährdung durch Hochwasser änderte die Dorfstruktur

In Veltheim gibt es bekanntlich das „obere“ und das „untere Dorf“. Bis zum Bau der Gemeinschaftsschule 1958 gab es in Veltheim auch zwei Schulbezirke, nämlich Veltheim I im „unteren Dorf“ und Veltheim II im „oberen Dorf“. Der Grund für diese Siedlungsverlagerung, ausgehend vom unteren Dorf in den oberen Bereich, ist u.a. den früheren sehr starken Weserüberschwemmungen zuzuschreiben.

Veltheim, und zwar das ursprüngliche Dorf in der Talaue, hat im Laufe seiner Geschichte häufiger vor der Gefahr gestanden, ein Opfer der Weser zu werden. Die Überschwemmungen durch die Weser hätten nicht nur einmal zur fast vollständigen Zerstörung der Siedlung Veltheim geführt.

Die Gefährdung Veltheims durch die Weser bestand nicht nur durch menschliche Eingriffe wie bei den Grenzstreitigkeiten zwischen Veltheim und Varenholz. Die Tatsache, dass es in Veltheim schon in der Mitte des 17. Jahrhunderts einen für die Uferbefestigungen verantwortlichen „Schlagdmeister“ gab, beweist die Bedeutung, die man schon damals dem Zustand der Uferbefestigungen zumaß.

Bei der Besiedlung Veltheims um 400 - 500 n. Chr. wählten die sächsischen Ansiedler mit sicherem Blick sowohl die Lage der Siedlungsplätze als auch die Lage ihrer Äcker, der Eschfluren. Die Eschfluren lagen auf Talsandflächen, die sich etwa zwei Meter hoch aus der Weseraue herausheben und damit auch vor Hochwasser sicher sein sollten. Die Siedlungsplätze lagen in einer kleinen Delle zwischen den alten Eschfluren; auch sie waren vor Hochwasser relativ sicher.

Während die noch älteren Wohnplätze Ottbergen und HatteIn in der benachbarten Eisberger Weseraue etwa um 1350 wüst wurden, blieb Veltheim auf Grund der Wahl des günstigen Standortes bestehen. Die Aufgabe der Wohnplätze Ottbergen und HatteIn steht möglicherweise in ursächlichem Zusammenhang mit dem wohl höchsten bekannten Hochwasser im Wesertal. Das war das Sommerhochwasser von 1342.

Vom Hochwasser gefährdet waren in Veltheim vor allem die späteren Erweiterungen der Ackerflächen zwischen Heuweg und Weser, die Veltheimer Masch sowie im Osten die Flächen zwischen der Eisenbahn und der Weser. Der besonders gefährdete Bereich im Veltheimer Weserbogen wird heute durch einen etwa zwei Meter hohen und etwa 800 Meter langen Damm oder Deich geschützt. Wann er gebaut wurde ist nicht bekannt.  Ältere Berichte über Hochwasser in Veltheim und deren Schäden sind spärlich. Am Weitesten zurück reichen Aufzeichnungen von Veltheimer Pastoren in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Aus der Zeit davor gibt es nur Berichte, die das gesamte Wesertal betreffen.

Das Sommerhochwasser vom 22. Juli 1342 war wohl das höchste bekannte Hochwasser im Wesertal. Der Scheitel der Flut lag in Hameln noch 0,77 Meter über dem der Flut von 1841.  Weitere extreme Hochwasser gab es in den Jahren 1375,  1424, 1472, 1513, 1552, 1565 und 1590. Das Hochwasser im Januar 1643 entstand nach anhaltendem Schneefall mit darauffolgendem Regen. In Rinteln stand das Wasser 1643 so hoch in den Straßen, dass ein Augenzeuge schrieb: „Man konnte jede Gasse eine Weser nennen."

 In Veltheim richtete das Hochwasser erhebliche Schäden an. 44 Morgen wurden vom Veltheimer Ufer abgespült. Ob dabei die „bösen Varenholzer“ noch etwas nachgeholfen hatten, muss dahingestellt bleiben. Jedenfalls flammte der Streit zwischen den verfeindeten Nachbarn damals wieder auf.  Die Hochflut 1682 war mit starkem Eisgang verbunden. Es trat ebenso wie 1643 nach plötzlichem Tauwetter ein.


Superintendent Ernst Niemann (1885 - 1932 Pfarrer in Veltheim) berichtete in seiner Ausarbeitung „Die Kirchengemeinde Veltheim " über Aussagen früherer Pfarrer:

 

Pastor Carl Dietrich Kreft (1754 - 1767): „Wir erfahren aus seiner Feder nicht viel Bemerkenswertes, lediglich einige Meldungen über Hochwasser und dergleichen. So sind im Februar 1757, dann 1760, 1761, 1764 und 1765 besonders starke Überschwemmungen gewesen, bei denen die Weser durchs Dorf floss und dann zufror, bei denen sie auf der Diele des Pfarrhauses gestanden. 1766 herrschte großer Wassermangel.“

Pastor Christian Friedrich Hüttemann (1772 - 1782): „So herrschte 1776 sehr strenge Kälte mit viel Schnee und später viel Wasser, so dass der Pfarrer 74 Stunden in Minden verweilen musste und nicht zurückkonnte.“

Pastor Johann Dietrich Cappelmann (1783 - 1800): „1784 war die Weser fünf Wochen lang zugefroren. Der viele Schnee ergab ein solches Hochwasser, dass die Kühe des Pfarrers und Jochmanns Vieh (Anmerkung: Jochmann Nr. 30, später Buhmeier, war der nächste Nachbar des Pfarrhofes) zwischen Speisekammer und Mägdekammer an Schränken angebunden waren und auch da noch im Wasser standen.“

„1795 war die Weser wieder so fest zugefroren, dass sie mit Wagen befahren wurde. Das gestaute Treibeis ergab solches Hochwasser, dass sogar Neesen überschwemmt war. Erst der Einsturz der „Bunten Brücke“ in Minden gab den Abfluss frei."

„Wiederum 1798 starker Frost und hernach solches Hochwasser, dass die Kirche und die Wohnstube des Pfarrers überschwemmt waren. Nachdem er Vieh und Kinder weggebracht, hat der Pfarrer drei Tage und drei Nächte sein Logis auf dem Kornboden allein gehabt. Gottesdienst fand nicht statt“.

Aus dem Jahre 1800 liegt der amtliche Bericht eines preußischen Beamten vor: „Generale Beschreibung von dem Amte Hausberge“. Es zeichnet ein ziemlich düsteres Bild von den Zukunftsaussichten Veltheims: „Weser, man will von diesem Fluss bemerkt haben, dass seit der Zeit bey und hinter Bremen auch an anderen Orten unterwärts große Dämme angelegt worden, derselbe mehreren Austreten unterworfen sey, und hat in Rücksicht dieses Amts durch seine gewaltigen Überströmungen besonders in der Vogtey Landwehr und auch den Königlich Rothenhöfer Vorwerks Ländereien seither vielen Jahren, viel an Schaden getahn, welches zu verhüten man bereits auf verschiedene Projecte als mächtige Dämme auf zu werfen, und tiefe Canäle auszugraben, verfallen ist, aber diese Bemühungen haben den Entzweck nicht entsprochen, wie solches der Augenschein erbiebet, und in Actea Camera davon nachgelesen werden kann. Die Beschaffenheit des Grund und Bodens in dieser Voigtey ist verschieden, Die Bauerschaften Fülme, Eisbergen, Feldheim, Costede auch Uffeln und Vössen, haben zum theil viel zum theil etwas Maschland, welches Rübesamen, Weizen, Gerste, Roggen und andere Frucht träget, allein der Überschwemmung der Weser haben solche seit verschiedenen Jahren zum theil sehr verschlimmert, wie dann unter andern das sonst blühend gewesene Dorf Feldheim, woraus Seiner Königlichen Majestät ansehnliche revenueas ziehen, und welches sonst allein vom Ackerbau und der Viehzucht reichlich gelebet, jetzo in sehr schlechten Umständen ist, auch in Folge gerathen wird, indem nicht allein viel Land weg geflossen, sondern auch fast jährlich durch die Überschwemmung viel Korn ersäuft, auch oft Geyle und Erde weggespület wird, überhaupt drohet die Weser dem guten Dorfe Feldheim den gänzlichen Untergang, wen dessen schrecklich hohe Schad Ufer nicht bald geordnet und durch an zu legende mächtige Wasser Werke in Schutz genommen werden, hiervon ein mehrerer zu sagen würde Zeit versplittern seyn, nachdem schon Volumin actorum in Regestratura hochlöbliches Cammer davon vorhanden sind, aber armes Feldheim!“

Anscheinend hat man in den nächsten Jahren wirklich versucht, die Veltheimer Weserufer auszubauen. In der Eisberger Gemeindechronik wird über die Jahre der französischen Besetzung und des Königsreichs Westphalen (1806 – 1813) über Lasten und Belastungen berichtet: „An Lasten anderer Art fehlte es nicht weniger, zum Bau der Veltheimer Schlachte an der Weser halfen die Gemeinden gratis, und hatten davon viel Plage mit Handdiensten und Fuhren.“

„1816 klagten die Veltheimer, dass sie in den letzten siebzig Jahren fünfzehn Hektar Land verloren hätten, das auf der lippischen Seite (Gegenufer) angehägert sei.“

In den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts wurden offensichtlich größere Arbeiten an den Weseruferbefestigungen durchgeführt. Vielleicht stammt der Damm oder Deich zum Schutz der Masch aus dieser Zeit.

 Im Februar 1841 - nach dem großen Hochwasser vom Januar 1841 - richtete die Gemeinde auf Anraten des Landrats einen Antrag auf Gewährung einer Unterstützung an den westfälischen Landtag in Münster. In diesem Antrag heißt es u. a.: „Die Gemeinde hat beinahe jährlich durch die Überschwemmung und dem Eisgang zu leiden, die Ufer bedürfen bedeutender Unterhaltungslasten, welche sich in den letzten 10 Jahren auf circa 3400 Taler belaufen haben. Die Schäden welche den Ländereien und den Häusern zugefügt, lassen sich noch viel höher ermessen.“ 

Das Hochwasser von 1841

Trotz der ständigen Sicherung der Weserufer richtet das Hochwasser von 1841 in Veltheim erhebliche Schäden an und führte sogar fast zu einer Katastrophe. Es gehörte mit den Hochwassern von 1542, 1643 und 1946 zu den größten im Wesertal. Durch einen Bericht in der Eisberger Chronik und aus Akten des früheren Amtes Hausberge lässt, sich ein ziemlich genaues Bild von diesem Hochwasser gewinnen.

Pastor Voß in der Eisberger Chronik: „Anfangs des neuen Jahres hielt der Frost bei beständigen Ostwinden noch an. Am 8. Januar war so viel Schnee gefallen, dass die Fahrwege, um durchkommen zu können, aufgeworfen werden mussten. Mit dem letzten Viertel trat Tauwetter ein; und von dem vielen geschmolzenen Schnee und Regenwasser ging am 16. Januar die Weser auf. Das Eis, welches über einen Fuß dick war, drängte sich recht, und schob sich stellenweise aus den Ufern, so hoch war das Wasser. Am 19. und 20. Januar wuchs das Wasser bis zur Höhe von Neunzehn Fuß, wodurch alle Ländereien jenseits der Weser, und viele diesseits unter Wasser gesetzt wurden. Das Wasser stand einige Tage ehe es sich wieder in die Weserufer zurückzog. Oberhalb war ein starkes Gewitter gewesen, welches das Wasser beim Auftauen so vermehrt hatte.“

Die erste schriftliche Meldung über die sich anbahnende Überschwemmung Veltheims kam aus Eisbergen. Am 19. Januar schrieb der dortige Ober-Grenzkontrolleur Kühne an den Kantons-Beamten v. Mey in Hausberge „dass die Gemeinde zu Veltheim in Gefahr ist, wegen bedeutender Überschwemmung mancherlei Unglück zu erleben. Ich habe mich heute Abend davon überzeugt, dass die geringen Hilfsmittel zur Sicherung der Leute, des Viehes und der Nahrungsmittel nicht ausreichen; weshalb schleuniger Secours nothwendig erscheint.“

Als diese Nachricht am nächsten Morgen in Hausberge ankam, war der Beamte v. Mey gerade dabei, sich auf den Weg nach Veltheim zu begeben. Unterwegs erreichte ihn noch ein zweiter Hilferuf von dem Veltheimer Vorsteher Böke und dem Eisberger Vorsteher Müller, der sich nach Veltheim begeben hatte, um den bedrohten Nachbarn Hilfe zu leisten.

In einer eiligst mit Bleistift aufgeschriebenen Meldung heißt es, „dass die Überschwemmung hier in Veltheim auf das höchste gestiegen ist, so dass Menschen und Vieh in der Gefahr sind zu ertrinken, und auch schon Vieh ertrunken ist."

In Veltheim angekommen musste der Beamte erkennen, dass die dringenden Hilferufe berechtigt und die Befürchtungen nicht übertrieben waren. Am gleichen Abend berichtete er von Hausberge aus an die Regierung in Minden: „Bei meiner Ankunft heute morgen 8 Uhr fand ich, dass die Noth dort auf Höchste gestiegen, in dem sämtliche Häuser, mit Ausnahme der Pastorenwohnung bis zum Dache unter Wasser standen, und bei fortwährenden Steigen der Weser, für Menschen, Vieh und sonstige Habe, die größte Gefahr vorhanden war. Durch Kähne des Fährmann und zu Veltheim, von Erder und  durch den Vorsteher Müller von Eisbergen heran geschafften Kahn, wurde es im Laufe des heutigen Tages möglich, sämtliche Menschen an das Land zu schaffen, auch das Vieh, als Pferde, Kühe, Schweine, von welchen Letztern nur fünf in den Ställen ertrunken, zu retten.

An Rettung von übrigen Habseligkeiten konnte für den Augenblick gar nicht gedacht werden, da in den Häusern das Wasser zu hochstand und gar kein Ankommen möglich war. Der Schaden, der diesen armen Leuten durch dieses Unglück zugefügt, wird sehr groß sein, da nicht allein ihr Gemüse, Korn - Vorräthe, Kleidungsstücke verdorben, weggeschwemmt, auch die meisten Häuser sehr beschädigt, namentlich die Wände ausgeflossen und das Innere zerstört ist. Hilfe wird den Einwohnern jedenfalls geleistet werden müssen. Der Beamte wandte sich auch an den Landrat und bat, weitere Kähne für die Rettungsaktionen ausfinden und heranschaffen zu lassen. Nach am gleichen Tage wurde auf einem vierspännigen Fuhrwerk ein Kahn von Minden aus nach Hausberge und von dort am nächsten Tage nach Veltheim gebracht.“

Bereits im Laufe des 20. Januars war der Wasserspiegel um einen Fuß gefallen. Bei einsetzendem Frost fiel er in den nächsten Tagen weiter, das Wasser zog sich allmählich zurück. Erst jetzt wurde das Ausmaß der Schäden überschaubar. Zwar waren keine Menschen ungekommen, aber außer den schon erwähnten Schweinen waren drei Ziegen in den Ställen ertrunken und es hatte erhebliche Sachschäden gegeben.

Vom Alsker und der Bult, über den Dorfkern um die Kirche und die Driftenstraße bis zum Fuße des Basenberges, des Bockshorn und der Lüchte hatte der ganze untere Teil Veltheims unter Wasser gestanden. Am 29. Januar berichtete der Beamte von Mey: „71 Wohnhäuser bis auf eine Höhe von 6 - 12 Fuß unter Wasser gesetzt und erlitten sämtlich einen nicht unbedeutenden Schaden, die Wände flossen aus, die Öfen stürzten ein. Die Zahl der betroffenen Bewohner beträgt 450 (Anmerkung: Veltheim hatte zu diesem Zeitpunkt insgesamt 816 Einwohner).

Zwei Drittel der ganzen Feldflur oder circa 3000 Morgen waren unter Wasser gesetzt. Der hierdurch der Gemeinde zugefügte Schaden wird sich gewiss auf 7 - 8000 Thaler veranschlagen lassen.“

In einem Bericht des Veltheimer Vorstehers Böke werden außer den erwähnten 71 Wohnhäusern noch 28 Scheunen genannt. Am 29. und 30. Januar, nachdem sich das Wasser zurückgezogen hatte, wurden die angerichteten Schäden „im beysein des Polizeidiener Bödeker, des Vorsteher Colon Bökemeyer und den Gemeinderath Court Vaut aus Veltheim“ von zwei vereidigten Taxatoren geschätzt und schriftlich festgehalten.

Aufgenommen wurden Schäden an den Gebäuden, Verluste an Vieh, Kellervorräten (Kartoffeln, Gemüse), Mobiliar, Kleidung, Hausrat, FIachs sowie Heu und Stroh. Anhand der Liste kann man erkennen, welchen Weg die Kommission durch das Dorf genommen hat. Dabei ergibt sich die Tatsache, dass einige Wohnstätten aufgeführt wurden, die später im oberen Teil Veltheims lagen.

In der vorliegenden Schadensliste werden nur Namen und Hausnummern der geschädigten Einwohner genannt. Alle in der Liste genannten Hausbesitzer hatten Schäden an ihren Gebäuden. Bei einigen Einwohnern liegen auch vollständige Schadensaufnahmen vor. Die Höhe der angegebenen Schäden ist in Thalern, Silbergroschen und Pfennigen genannt.  Auf die Wiedergabe dieser Aufstellungen soll hier verzichtet werden.

Am 21. Februar meldete der Colon Buschmann Nr. 100 noch nachträglich Schäden am Gebäude und Verluste an Vorräten an, er sei „in den Tagen nicht gegenwärtig gewesen bei der Aufnahme.“

Insgesamt wurden am 29./30. Januar 1841 einschließlich der Nachmeldung vom 21. Februar Schäden in folgender Höhe festgestellt:

Gesamtschäden 3451 Thaler 9 Silbergroschen, davon:

Gebäudeschäden 1573 Thaler

Kartoffeln, Gemüse, Früchte 976 Thaler

Kleidung, Betten, Wäsche, Flachs 369 Thaler

Stroh, Heu usw. 29 Thaler

Getreide, Brot, Mehl 145 Thaler und Vieh 14 Thaler.

Unberücksichtigt blieben Schäden durch verdorbene Wintersaaten auf den Feldern, (Roggen, Weizen), die erst im Frühjahr taxiert werden konnten. Sie wurden auf etwa 3400 Thaler geschätzt. Außer Veltheim waren noch andere Gemeinden des Amtes Hausberge entlang der Weser vom Hochwasser betroffen:

Eisbergen - Schäden an den Wintersaaten, Uffeln, Bauerschaft Vössen (Holtrup), Costädt und Gut Rothenhoff, Ortsteil Wittenhusen von Holzhausen, Neesen und Meißen - hier entstanden auch Schäden an Gebäuden, Hausrat usw., die Möllberger Buhnmühle und die Hausberger Wassermühle.

Die Schäden in den genannten Gemeinden machten zusammen jedoch nur gut ein Viertel der gesamten Schäden aus. Von rund 4800 Thalern taxierter Schäden entfielen 72 % auf Veltheim. 

Hilfsaktionen 1841

„Hilfe wird den Einwohnern jedenfalls geleistet werden müssen.“ Das hatte der Kantons-Beamte von Mey von den Behörden gefordert. Er selbst setzte auch umgehend eine Hilfsaktion in Gang. Am 21. Januar forderte er die Vorsteher der Gemeinden seines Amtsbezirkes auf, in ihren Gemeinden eine Sammlung für die in Not geratenen Veltheimer Nachbarn durchzuführen.

„Beiträge an Lebensmitteln, Geld oder was jeder darreichen will.“ Schon nach wenigen Tagen trafen die Spenden aus den Nachbardörfern ein und wurden in Veltheim vom Vorsteher Böke, Pastor Erftling und einem schnell gebildeten Komitee verteilt: Kartoffeln, Brot, Korn, Erbsen, Linsen, Trockenobst, geräuchertes Fleisch und Speck, Würste.

Über 66 Thaler Geldspenden wurden dem Kantons-Beamten zur späteren Linderung besonderer Notfälle übergeben.

Aus den Spendenlisten einiger Gemeinden:

Eisbergen und Fülme: 32 Thaler 2 Silbergroschen 7 Pfennige, 27 Himpten Kartoffeln

Lohfeld: 1 Thaler, 15 Silbergroschen, 7 Pfennige

Hausberge: 9 Thaler, 7 Silbergroschen, 6 Pfennige

Möllbergen; 17 Silbergroschen, 9 Pfennige, 19 Himpten Kartoffeln, 1 Stück Schweinefleisch, 2 Würste, 9 1/2 Stück Brödte.

In Hartum und Südhemmern hatte der dortige Beamte zu Sachspenden aufgefordert. Außer Kartoffeln, Roggen, Brot, 54 Pfund Fleisch und Wurst wurden 168 Pfund Flachs gespendet. Drei vierspännige Fuhrwerke aus Veltheim holten die Spenden am 8. Januar aus Minden bzw. Hartum ab.

Durch Vermittlung des Landrats kamen am 30. Januar aus Minden: 10 Schwarzbrödte, 4 Sack Kartoffeln. Schnelle und wirksame Hilfe leistete die Stadt Minden. Dort hatte sich schon am 22. Januar ein Hilfs-Verein gegründet, der bereits am nächsten Tage 11300 Stück Kommiß-Brödte, 44 Stück Schwarz-Brödte, 30 Stück Weiß- Brödte und 2 Anker Brandtwein nach Veltheim schickte.

Der Mindener Bürgermeister bat den Hausberger Beamten um genauere Angaben über die Not, damit man die Aufmerksamkeit der Ferne mehr darauf lenken könne. Am 30. März stellte der Hilfs-Verein 100 Thaler zur Verfügung und ließ im September 732 Tahler an die besonders betroffenen Einwohner des Amtes Hausberge austeilen. Bis zum Ende des Jahres, als er sich dann auflöste, hatte der Verein insgesamt 858 Thaler Geldspenden an 128 Geschädigte verteilt, davon 301 Thaler an 65 Veltheimer Einwohner.

Weniger großzügig als die privaten Spender zeigten sich die Behörden. Außer etwas Brot und Branntwein zur ersten Hilfe gab es keine staatlichen Unterstützungen. Über den Erfolg des bereits erwähnten Antrags der Gemeinde Veltheim an den Landtag ist nichts bekannt.

Am 4. Februar 1841 stellte der Hausberger Kantons-Beamte von Mey für 69 Veltheimer Besitzer einen Antrag auf Stundung der Grundsteuern. Der daraufhin ausgesprochene Zahlungsaufschub wurde von der Steuerbehörde am 7.10.1841 aufgehoben. Die Steuerpflichtigen wurden aufgefordert, die Rückstände bis zum 19.10.41 einzuzahlen.

Über die Entstehung und den Verlauf des Hochwassers von 1841 zitiert Miotke aus einer Untersuchung von Rust, Hoebel, 1908, die hier wiedergeben wird.

„Die Hochflut vom Januar 1841 hatte die für das Wesergebiet im Allgemeinen charakteristischen Vorbedingungen. Ende November 1840 trat im Fuldagebiet Kälte mit geringem Schneefall ein. Im Dezember nahm der Frost fortwährend zu und durchdrang den Boden bis zu bedeutender Tiefe. Von Anfang Januar ab schneite es im Fuldagebiet. Der Schnee erreichte am 11. des Monats 0,5 bis 1,7 m Höhe. Von diesem Tage ab herrschte Tauwetter. Die Temperatur stieg. Am 17. des Monats waren in Fulda + 7 Grad. In den folgenden Tagen trat Kälterückfall ein und vom 20. bis 26. des Monats war wieder Frostwetter mit neuem Schneefall.

Das von Wind und Regen begleitete Tauwetter brachte die Wasserläufe in Erregung, die Fulda stieg stark, trat am 17. aus den Ufern, erreichte am 18. den Höchststand, der am Pegel Münden um 14.00 Uhr etwa +7,0 a. P. betrug und fiel dann rasch wieder ab. Die Altstadt von Kassel wurde gänzlich unter Wasser gesetzt. Grundstücke, Straßen und Häuser wurden arg beschädigt.“

Auch im übrigen Wesertal war die Kraft der zu Tal stürmenden Hochwasserwelle gewaltig. In Bodenwerder erreichten die Fluten, die durch den Ort strömten, Höhen bis zu 2,50 Meter! Die Verluste an Vieh waren überall beträchtlich.

Während im Oberlauf der Weser die Hochwasserstände vom Januar 1841 noch bis zu einem Meter über denen vom Februar 1946 lagen, erniedrigt sich die Differenz an der Porta auf ca. + 10 Zentimeter. 

Auswirkungen des Hochwassers von 1841 auf die weitere Entwicklung Veltheims

Das Hochwasser von 1841 leitete zwar nicht den allmählichen Untergang Veltheims ein, wie es 40 Jahre vorher der bereits erwähnte preußische Beamte befürchtete, aber es hat doch wohl die weitere Entwicklung des Dorfes entscheidend beeinflusst. Der Schwerpunkt Veltheims lag 1841 noch eindeutig im unteren Teil der Gemarkung, in der Weseraue, am Fuß des Bockshornes und der Lüchte.

Von den insgesamt 816 Einwohnern waren 450 vom Hochwasser betroffen, also über die Hälfte. In der Liste der Geschädigten gibt es acht Hofstätten, die später in den oberen Teil Veltheims verlegt wurden. Anscheinend hatte sich, allen Gefährdungen durch Hochwasser zum Trotz, zunächst im weiteren Umkreis um die Kirche herum ein lockerer Ortskern entwickelt. Außer Pfarre, Schule, zwei Gastwirtschaften mit Kleinhandel gab es einige Handwerker, in vielen Häusern Heuerlinge (Einlieger, Mieter), darunter zwei Grenzaufseher.

Diese Entwicklung des Ortskernes scheint durch das Hochwasser gestört worden zu sein.

Einige Wohnstätten sind in den Jahrzehnten nach 1841 aus dem Hochwasserbereich heraus auf das „Trockene“ verlegt worden:

Der Hof Korte Nr. 23 wurde vom Alsker in die Nähe seiner Ländereien verlegt. Hier waren wohl die kürzeren Wege zu den Äckern ausschlaggebend für den Ortswechsel, der 1865 erfolgte. Bei den Stätten Evert Nr. 59, Säger Nr. 91, Buschmann Nr. 100 und Spier Nr. 109 werden zwei Faktoren entscheidend gewesen sein: Bei der 1639/40 durchgeführten  Markenteilung………………….

Durch Zukauf weiterer Markenteile waren sie in der Lage, in der ehemaligen Mark kleinbäuerliche Stätten oder Nebenerwerbsstellen zu gründen.

Die von Hochwasser gefährdeten Wohnstätten in der Talaue wurden auf die neu erworbenen ehemaligen Markengrundstücke verlegt und die alten Wohnstätten ganz aufgegeben.

Die Stätten Herm-Schnier Nr. 60 (später "Imme-Vauth"), Kohlmeier Nr. 72 und Luhmann Nr. 108 wurden offensichtlich auf eigenen Grundstücken weiter noch oben verlegt, so dass sie aus dem Bereich des Hochwassers herauskamen. Bei dem Hof Korte Nr. 23 gibt es keine Belege für den genauen Zeitpunkt der Verlegung. Sie ist jedoch in den Jahren zwischen 1841 und 1863 erfolgt.

Hochwasser gab es auch in den Jahren 1845, 1861 und 1870. Am Pegel in Eisbergen wurden gemessen: 21. Januar 1841 5,89 m, 31.März 1845 5,70 m bei Eisgang resp. Stillstand, 30. Januar 1861 5,60 m bei Eisgang resp. Stillstand, 23. Dezember 1870 5,81 m bei eisfreiem Wasser.

Über Hochwasserschäden in Veltheim ist aus den genannten Jahren nichts bekannt. Es ist jedoch anzunehmen, dass mindestens 1845 auch hier Felder an der Weser überflutet waren und ähnliche Schäden wie in Eisbergen auftraten.

Aus dem Jahre 1881 berichtet der damalige Veltheimer Pfarrer Pehmeier: „Im Jahre 1881 richtete ein gewaltiges Hochwasser großen Schaden an.“ Weitere Einzelheiten teilt er jedoch nicht mit. Hier handelte es sich nach Rintelner Berichten um sehr hohe Wasserstände im Januar und am 10. März 1881.

Nach den Regulierungen des Weserlaufes und Verbesserungen der Uferbefestigungen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und vor allem durch den Bau der Edertalsperre nahmen die extremen Hochwasser mit erheblichen Schäden für die Landwirtschaft und für die Wohngebäude offensichtlich erheblich ab.

Das Hochwasser besonders für die Jugend oft auch eine Abwechslung im täglichen Einerlei, ein Erlebnis und Abenteuer war, beweisen die Fotos.

Da wurden dann mit kleinen Booten, Schlachtetrögen und anderen „Wasserfahrzeugen“ auf den überschwemmten Kämpen und Weiden geschippert, und oft beteiligten sich auch die Erwachsenen gern an diesem Wassersport. 

Winter 1928/29

Vielen älteren Leuten ist der außergewöhnlich kalte und lange Winter 1928/29 noch in Erinnerung. Bei sibirischen Temperaturen fror die Weser so fest zu, dass sie sogar mit schweren Ackerwagen überquert werden konnte. Erst Anfang März trat Tauwetter ein, und am 10. März war die Weser wieder offen. An einigen Stellen bildeten sich Eisbarrieren, die den Abfluss des Wassers zeitweise stauten, es floss dann jedoch ohne wesentliche Überschwemmungen ab.

Zerstörung der Edertalsperre 1943

 Die kurz nach der Jahrhundertwende erbaute Edertalsperre wurde am 17. Mai 1943 von englischen Flugzeugen mit Spezialbomben angegriffen. Die Bomben rissen ein großes Loch in die Sperrmauer, und die ausströmenden Wassermassen wälzten sich in einer gewaltigen Sturzwelle durch das Edertal, das Fuldatal und die Oberweser. Besonders am Oberlauf entstanden erhebliche Schäden. Häuser und kleinere Brücken wurden hinweg gerissen, Vieh ertrank auf den Weiden.

Die Hochwasserwelle erreichte unsere Gegend mit einiger Verzögerung, so dass das Vieh und auch schon auf den Wiesen stehendes Heu noch in Sicherheit gebracht werden konnten. Einen Eindruck von dem Unheil, das die Hochwasserwelle im Oberlauf angerichtet hatte vermittelte jedoch das, was auf der Weser talwärts schwamm: Tierleichen, Holz von Einfriedigungen, Möbel und Einrichtungsgegenstände.

Eine spätere Folge der Zerstörung der Edertalsperre waren, wenigstens teilweise, die Hochwasser der ersten Nachkriegsjahre. Wenn zu den Schmelzwassern aus dem Gebirge andauernde Regenfälle oder plötzliche Tauwetterperioden hinzukamen, gab es bei uns größere Hochwasser, die denen früherer Jahrhunderte vergleichbar waren.

Hochwasser 1946/1947

Über die Hochwasser von 1946 und 1947 berichtet Rektor Hans Reese aus eigener Kenntnis und miterleben wie folgt:

„Ich wohnte damals bei meinem Großvater Moritz Voth, Veltheim Nr. 35 (Schmiede, heute Brinkborn 16), konnte also Entstehen, Verlauf und Auswirkungen der Überschwemmung beobachten.

Das Hochwasser 1946 entstand nach einer länger andauernden Regenzeit und erreichte seinen Höhepunkt in den Tagen vom 8. bis 10. Februar. Nach Angaben aus Rinteln lag der höchste Stand dort nur 3 Zentimeter unter dem von 1841.

Fast die gesamte Talaue wurde überschwemmt. Östlich von Veltheim reichte das Wasser bis an den Bahndamm, im Westen war der Bahndamm beiderseits von Wasser umgeben d.h. dass auch die Akwiesen und die Wiesen unterhalb der Loh überschwemmt waren. Im Feld am Heuweg ragte nur eine nördlich des Heuweges gelegene leichte Erhöhung als Insel aus der Wasserfläche heraus. Auf dieser Insel sammelten sich die Hasen, die sich vor dem vordringenden Wasser aufs Trockene gerettet hatten. Die niedrigen gelegenen Abschnitte der heutigen Driftenstraße waren überflutet, so z.B. der Bereich zwischen Ecke Driftenstraße - Heuweg bis vor der Einmündung Mahrstraße. Vor der Kirche stand das Wasser bis etwa 20 Meter westlich des Eingangstores zum Kirchhof. Am oberen Teil des Buschweges (heute Brinkborn) stand auf beiden Seiten Wasser in den Niederungen, der Buschweg selbst war jedoch frei von Wasser. Auch hier hatten sich auf kleineren Inseln die Hasen gerettet, wo sie gelegentlich von Hofhunden aufgespürt und gejagt wurden. Ich konnte beobachten, wie sich einzelne Hasen jedoch auch ins Wasser wagten und schwimmend von ihren Verfolgern das „Festland“ erreichten.

 

Die Häuser im „Dorf“ und auf der Bult lagen alle so hoch, dass das Oberflächenwasser nicht eindrang. Fast alle hatten jedoch Grundwasser in den Kellern. Das Wasser drang durch die betonierten Kellerböden ein, jedoch nur allmählich, so dass man in Kontrollschächten, die sich viele Hausbesitzer vorsorglich gegraben hatten, das Steigen beobachten konnte. So wurden die Kellervorräte noch rechtzeitig in Sicherheit gebracht. Der Höhepunkt der Überschwemmung war am 9. Februar, einem Samstag, erreicht. Am darauffolgenden Sonntag, dem 10. Februar, gab es ganz besonders viele Kirchgänger aus dem „öbesten Land“. Es war wohl nicht nur das Bedürfnis nach Erbauung durch Gottes Wort, sondern auch das Schaulust, die viele zum Kirchgang veranlasst hatte. Man war neugierig, wie es im Dorf aussah und wie es dem Pfarrer wohl gelingen würde, die Kirche zu erreichen.

 

Zwischen Pfarrhaus und Kirche stand ja die Dorfstraße an der tiefsten Stelle über einen halben Meter hoch unter Wasser. Unter den Nachbarn des Pfarrers waren mehrere Bauern, und die hatten sich etwas Besonderes einfallen lassen, um ihren Prediger in die Kirche zu bringen. Es war wirklich sehenswert, dieses Schauspiel zu beobachten.

 

Etwa zwanzig Minuten vor Beginn des Gottesdienstes näherte sich ein seltsames Gefährt auf der Dorfstraße der Kirche. Es war ein Kastenwagen mit sechs Mann besetzt. Der Wagen wurde jedoch nicht von Pferden gezogen, sondern mit menschlicher Muskelkraft angetrieben. An jedem Rad hockte im Inneren des Wagens ein Mann, der nach außen in die Speichen des Rades griff. Auf Kommando wurden die Räder des Wagens dadurch langsam vorwärtsbewegt.

 

Der Steuermann hatte die Deichsel des Wagens nach hinten übergeschlagen, so dass er vom Wagen aus steuern konnte. In der Mitte des Wagens, dessen Boden noch über dem Wasserspiegel lag, stand der Pastor als eigentlicher Fahrgast. Unter dem Beifall der wartenden Kirchgänger und mit viel Hallo wurde das seltsame Gefährt begrüßt. Es fuhr bis etwa 10 Meter vor den Eingang zum Kirchhof wo man wieder trockenen Boden unter den Füßen hatte. Pfarrer und Gemeinde begaben sich zum Gottesdienst in die Kirche.

 

Schäden entstanden bei diesem Hochwasser im Wesentlichen nur an der Wintergerste, die gegen längere Überflutung recht empfindlich ist.

 

Frühjahrshochwasser 1947

Schon im Jahre 1947 trat erneut größeres Hochwasser ein. Die Überschwemmung erreichte nicht ganz das Ausmaß des Vorjahres. Nachdem die Weser lange gestanden hatte, wurde Anfang März die Eisdecke durch größere Wassermassen aufgebrochen. Am 16. März stand wieder fast die ganze Talaue unter Wasser. Größere Schäden entstanden nicht. In Varenholz war jedoch ein Menschenleben zu beklagen. Ein junger Bauernsohn namens Fritz Diestelhorst hatte in einem Schlachtetrog in den überschwemmten Weiden unterhalb seines Elternhauses umhergeschippert. Er wurde durch die starke Strömung vor einen Weidezaun getrieben, stürzte ins eiskalte Wasser und erlitt einen Herzschlag.

 

Die Hochwasser von 1946 und 1947 waren die vorerst letzten bedeutenden Hochwasser in unserem Bereich. Große Überschwemmungen traten in den letzten Jahrzehnten nicht mehr ein, jedoch trat die Weser einige Male über die Ufer.

Sommerhochwasser 1956

Nach einem schweren Wolkenbruch am 15. Juli und anschließendem ausdauernden Landregen trat die Weser am 17. Juli aus. Nach heftigen Niederschlägen an der Oberweser und der Fulda stieg die Weser dann nochmals an. Das Hochwasser erreichte am 3. Juli seinen Höchststand, der jedoch etwa eineinhalb Meter unter dem Stand vom Februar 1946 lag. Das Regenwetter hielt bis zum 6. August an. Die Heuernte auf den Wiesen an der Weser wurde zum großen Teil vernichtet. Auf überfluteten Feldern mit Kartoffeln, Futter- und Zuckerrüben starben die Feldfrüchte ab, und es gab erhebliche Ernteausfälle. Auch bei Getreide waren Ertragsminderungen zu beobachten, da die Getreideernte erst am 6. August beginnen konnte.

 

Frühjahrshochwasser 1963

Nach starken Frösten im Januar bis zu zweiundzwanzig Grad und häufigen Schneefällen fror die Weser Mitte Januar zu und taute erst am 6./7. März wieder auf. Um den Ablauf des Wassers zu ermöglichen, musste stellenweise die Eisdecke mit Sprengungen durch Pioniere aufgebrochen werden.

Sommerhochwasser 1965

Lang andauernde Regenfälle und Gewitterregen führten Mitte Juli zu einem Ansteigen der Weser, die am 18. Juli an verschiedenen Stellen austrat.

Frühjahrshochwasser 1981

In diesem Jahre traf das Einsetzen der Schneeschmelze in den Mittelgebirgen mit Dauerregen zusammen. Am 11. März trat die Weser aus und erreichte drei Tage später ihren Höchststand. Es war der höchste Wasserstand seit 1947. Auf niedrigen gelegenen Feldern gab es z. T. erhebliche Schäden am Wintergetreide.

Hochwasser 2013, 2017 und 2018

In den Jahren 2013 und 2018 stieg die Weser auch wieder stark an und trat teilweise über die Ufer, ohne allerdings größere Schäden anzurichten.