Veltheim an der Weser

Wissenswertes, Aktuelles und Historisches aus Veltheim
 

Veltheimer Wirtshausgeschichte

Von Ortsheimatpfleger Reinhold Kölling


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rief der Veltheimer Bahnhofsvorsteher Ende der 60ziger Jahre bei einem Zughalt in Veltheim. Die Fahrgäste waren ganz verdutzt, bis der Vorsteher den Spaß aufklärte. Sogar die heimische Presse berichtete über diese Anekdote. Hintergrund des Spaßes war wohl die damalige Wirtshausdichte in Veltheim. Zu diesem Zeitpunkt gab es in Veltheim zehn Kneipen.


Die Geschichte der Wirtshäuser in Veltheim

Schon sehr früh sind in Veltheim Wirtshäuser nachgewiesen. Im Urbar von 1682 finden sich vier „Krüge“ im Ort. Sicherlich gab es diese auch schon vorher, doch das Urbar von 1682 ist die älteste noch vorhandene Aufzeichnung der Veltheimer Stätten.

Danach finden sich „Krüge“ auf den Stätten Nr. 57 (Untervogt), Nr. 13, Nr. 53 und Nr. 81.
Die Stätte 57 hat heute die Bezeichnung „Langer Grund 1“. Der Untervogt und Besitzer der Stätte war 1682 Heinrich Diestelhorst, der Untervogt von Veltheim. Im Urbar ist u. a. verzeichnet, dass Heinrich 34 Jahre alt war und 2 Taler Kruggeld zu zahlen hatte sowie sein eigen Bier braute … Weiter ist vermerkt, dass nachgesucht werden solle, ob ein Bediensteter der Obrigkeit einen Krug führen dürfe ….


Die Stätte 13 hat heute die Bezeichnung „Driftenstraße 71“ und findet sich Ecke Driftenstraße/Ravensberger Straße am Bahnübergang. Als Besitzer der Stätte war im Urbar Johan Diestelhorst, 40 Jahre alt (vorher Johan Watermann) verzeichnet, der u. a. 4 Taler und 4 Groschen Kruggeld zu zahlen hatte.
Die Stätte Nr. 53 hat heute die Bezeichnung „Sieben Eichen 30“. Als Besitzer war im Urbar „Heinrich Frommens Witbe“ mit u. a. 2 Talern und 12 Groschen Kruggeld verzeichnet.


Die Stätte Nr. 81 hat heute die Bezeichnung „Brinkborn 18“. Es handelt sich um das Haus gegenüber der Kirche mitten im Dorf. Als Besitzer war 1682 Johan Jürgen Helt, 37 Jahre, vermerkt und u. a., „dass er 1 ½ Taler Brandeweinzins ans Amt vom Opfer gibt …“
Es ist nicht bekannt, wie lange diese Wirtshäuser auf den o. g. Stätten bestanden. Leider geben das weder die dem Verfasser vorliegenden Aufzeichnungen noch entsprechende Archive her.
Heute sind auf diesen Stätten reine Wohnhäuser zu finden.


Sicher ist allerdings, dass die Gaststätte auf der Stätte 81 gegenüber der Kirche im unteren Dorf am längsten Bestand hatte. In diesem Wirtshaus wurde z. B. im Jahr 1984 der damalige Turn¬verein „Einigkeit Veltheim“ gegründet. So heißt es im Gründungsprotokoll des Turnvereins, dass bei einer Beteiligung von 15 jungen Männern in der Schankwirtschaft bei „Hanjörns“ die Gründungsversammlung stattfand. Der TV Einigkeit Veltheim ist u. a. der Vorläuferverein des heutigen „SuS Veltheim e.V.“. Der dama¬lige Wirt Wilhelm Held war dann auch für etliche Jahre 1. Vorsitzender des Turnvereins. Das Gasthaus bestand wohl noch bis ca. 1949 und wurde danach nur noch als Wohnhaus genutzt.


In den Jahren nach Erstellung des Urbars von 1682 entstanden weitere Krüge (Wirtshäuser) in Veltheim. Leider gibt es auch dazu wenig Unterlagen bzw. Hinweise in den Archiven. Bekannt ist, dass sich ein Krug im Bokshorn befand. Um 1852 wird dort in Aufzeichnungen ein Schankwirt Vauth genannt. Später wurde das Wirtshaus wohl von einem Bormüller übernommen. Bis 1898 gab es dort das Wirtshaus Bormüller mit Saalanbau, Veltheim Nr. 199. Dieses war zunächst das Vereinslokal des 1892 gegründeten Schützenvereins. In einem Protokoll des Vereins aus 1894 hieß es u. a.: „… wurde dem Kastellan Hans Bormüller für Vereinssaal mit Zimmer 112 Mark ausgezahlt.“ 1898 brannte die Gastwirtschaft Bormüller ab und wurde nicht wiederaufgebaut. Der Schützen¬verein wechselte zum Gastwirt Heinrich Reese in die Stätte 104, später Hausberger Straße 45, heute Veltheimer Straße (das Gebäude wurde zwischenzeitlich abgerissen).


Foto: Das alte Gasthaus Reese an der Veltheimer Straße








Das Gasthaus „Zum Alten Krug“, unmittelbar bei der Veltheimer Kirche im unteren Dorf gelegen, gibt es noch heute, Inhaberin ist aktuell Jutta Stiller. Früher war es die Stätte Nr. 82. Diese Stätte wurde schon im Urbar von 1682 erwähnt, damals aber noch nicht als Wirtshaus. Erstmals ist in einem Einwohnerverzeichnis von 1828 dort der Name Schwarze, Schankwirt, genannt. Später dann, um 1868 Friedrich Korff, Schankwirt. Dessen Tochter Wilhelmine Korff wurde 1895 in einem Verzeichnis als Wirtin erwähnt. Anzunehmen ist also, dass etwa ab 1828 der „Alte Krug“ in Veltheim ein Gasthaus war. Die Inhaber wechselten im Laufe der Zeit. So waren die Familie Korff und Wilhelmine Korff bis etwa 1900 dort Wirte, dann der Gastwirt Schmidt, später folgten Kütemeier, Ass und Edler jeweils für einen kurzen Zeitraum.
1949 übernahm die Familie Laue von Veltheim Nr. 223 die Gastwirtschaft mit dem kleinen Lebensmittelgeschäft, in dem es aber auch z. B. Schulhefte zu kaufen gab. In alten Pressenotizen finden sich häufig Hinweise, dass in dem Lokal Preisskatveranstaltungen durchgeführt wurden und auch Vereinstreffen stattfanden, z. B. vom Schützenverein Veltheim, der Landjugend und der Feuerwehr. Der Schützenverein veranstaltete u. a. auch Theaterabende. 1954 ging die Gaststätte auf Fritz Aumann über, der diese im Sinne der Familie Laue weiterführte.
1965 übernahm die Familie Stiller das Gasthaus mit dem noch vorhandenen Lebensmittelladen. Durch diese Familie (Gastwirt Hans Stiller und Ehefrau Marianne und später dessen Sohn Burg¬hard) wurde der Betrieb immer weiter aus- und umgebaut. Die Gaststätte mit Saal und Kegelbahn liegt direkt am Weserradweg und bietet eine gern angenommene Außengastronomie.



Foto: Gasthaus ZUm Alten Krug um 1910







1893 gründete Moritz Buschmann die Gaststätte „Am Bahnhof“, wo einige Monate später auch ein Saalanbau entstand. Dieses Wirtshaus hatte eine gute Lage, direkt am Bahnhof und am Kieswerk. Nach Moritz Buschmann übernahm sein Sohn Karl Buschmann, später nach dem Zweiten Weltkrieg dessen Sohn Karl Buschmann jun. den Betrieb. Aufgrund des vorhandenen großen Saalanbaus fanden dort viele Vereins- und Familienfeiern, ebenso Dorffeste statt. 1948 gründete sich die Tischtennis-Abteilung des SuS Veltheim, die mangels einer Sporthalle jahrzehntelang im Saal der Gaststätte Tischtennisspiele veranstaltete. Der letzte Wirt, Karl Buschmann jun., der den Betrieb, zunächst unterstützt von seiner Mutter, früh übernehmen musste, war ein sehr guter Tischtennisspieler und gewann zahlreiche Meisterschaften.
Filmvorführungen (Kino) und Werbeveranstaltungen gab es häufig im Saal. Auch Weihnachtsfeiern und Laienspiele der Schulen fanden dort statt. Nicht zu vergessen die legendären Karnevalssitzungen des Sportvereins in den 1960er Jahren. Der Männergesangverein und die Laienspielgruppe probten im Saal bzw. zogen dort ihre Veranstaltungen auf. Als die letzten Inhaber, Wirt Karl Buschmann mit seiner Frau Edith, 1994 in den Ruhestand traten, wurde das Gasthaus an die Christengemeinde verkauft und zu deren Gemeindezentrum umgebaut.











Der Veltheimer August Buhmeier eröffnete mit seiner Frau Minna 1954 auf der Stätte 144 eine Gaststätte mit Gastgarten. Ein kleines Lebensmittelgeschäft bestand dort schon seit ca. 1928. Später wurde die Stätte umbenannt in Hausberger Straße 59, heute ist es die Veltheimer Straße 242. Minna Buhmeier war eine geborene Kahre und die Stätte kam aus ihrer Familie. Um 1900 wohnte dort die Familie Kahre (Kleinhändler). Als August Buhmeier in den Ruhestand trat, übernahmen zunächst Tochter Christa und Schwiegersohn Fritz Sellmann den Betrieb. Nach dem frühen Tod des Schwiegersohns führte Tochter Christa den Betrieb zunächst noch einige Jahre allein weiter. Aktuell ist die Gaststätte geschlossen
















Zu dieser Zeit gab es noch die Gaststätte Reese an der heutigen Veltheimer Straße, einige Jahre lang auch das Vereinslokal des Schützenvereins. Der Gasthof verfügte über einen Saalanbau, in dem Tanzveranstaltungen und Schützenfeste sowie Vereins¬versammlungen stattfanden. Das traditionsreiche Gasthaus war bis etwa 1959 aktiv, der Betrieb wurde dann eingestellt und das Haus später abgerissen.










Auf der Lüchte auf der Stätte 146 gründete Karl Korsen sen. 1954 die Gaststätte Korsen. Ab ca. 1930 gab es dort schon ein kleines Geschäft (Kiosk) für den Abverkauf von Getränken, Tabakwaren etc. Als sich Karl Korsen sen. 1953 mit der Gründung seiner Gaststätte beschäftigte und entsprechend die Bauplanung vornahm, musste zunächst ein Antrag auf Bedarfsprüfung gestellt werden. Da es zu diesem Zeitpunkt in Veltheim bereits drei Gaststätten gab, wurde der Antrag zunächst negativ beschieden. 1954 wurden durch ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts diese Bedarfs¬prüfungen verworfen und der Gründung der Gaststätte im „oberen“ Veltheim stand nichts mehr entgegen. So entwickelte sich auf der Lüchte eine gut gehende Gaststätte. Karl Korsen jun. übernahm mit seiner Frau Marlene später den Betrieb, der dann auch einen Saal für Familienfeiern und Vereinsveranstaltungen bekam. Zudem richtete er diverse Zeltfeste für Vereine aus und übernahm zeitweise die Restauration bei Handballspielen. Seine Gaststätte wurde Vereinslokal des Schützenvereins und Treffpunkt der Handballer. Aus Altersgründen und mangels Nachfolge in der Familie gab Familie Korsen den Betrieb im Mai 1996 auf. Durch den Sohn Michael erfolgten einige Umbauten zu einem Mehrfamilienhaus mit einem Gewerbeanteil, in dem dann nochmals ein kleinerer Gastronomiebetrieb (Bistro) durch die Familie Bohnsack geführt wurde. Als das Bistro vor einigen Jahren schloss, wurde auch dieser Bereich zu einer Wohnung umgebaut, sodass das ehemalige Gaststättengebäude nur noch als Wohnhaus genutzt wird.
















1961 gründete August Schwichow auf der Stätte der bereits bestehenden Tankstelle an der heutigen Veltheimer Straße das „Gasthaus zur Tankstelle“. Diese Gaststätte war bis Mitte 1973 in Betrieb.








Fotos: Raststätte "Zur Tankstelle" Schwichow













Die Bäckerei und Konditorei Kütemeier, Veltheim Nr. 301, später Kahlen Brink, hatte zunächst ein Café eingerichtet (um 1958). Da¬raus entwickelte sich die kleine Gaststätte „Zum Fuchsbau“ am Kahlen Brink Nr. 13. Hier gab es meist auch dann noch etwas zu trinken, wenn die anderen Gaststätten längst geschlossen hatten. Die lebenserfahrene Wirtin Anni hatte für die Belange ihrer Gäste stets ein offenes Ohr.




Anfang 1965 gründete Heinz Kütemeier an der Dorfstraße das „Landhaus Kütemeier“. Der Wirt hatte den Beinamen „der blonde Ochse“ und führte nebenher ein kleines Baugeschäft. Das Gasthaus war nur wenige Jahre am Markt und fiel schließlich Anfang 1967 einem Brand zum Opfer.


Das Landgasthaus „Veltheimer Hof“ wurde 1963 von Wilhelm und Hilde Hohmeier gegründet und wird noch heute von deren Sohn Uwe und dessen Ehefrau Kerstin betrieben. Insofern gibt es derzeit in Veltheim an der Weser noch zwei Landgasthöfe mit guter Restauration. Der Velt¬heimer Hof (im Volksmund auch „bei Schweine-Willi“ genannt), ist für seine gute Küche mit Produkten aus eigener Hausschlachtung, seine Fremdenzimmer und den gepflegten Biergarten bekannt. Er erfreut sich auch bei Radwanderern auf dem Weserradweg großer Beliebtheit als Übernachtungsmöglichkeit. Ursprünglich handelte es sich bei der Stätte um ein bäuerliches Anwesen. Als um 1960 mit dem Bau des Kraftwerks Veltheim in unmittelbarer Nähe begonnen wurde, kam dem Gründer Willi Hohmeier die Idee, ein Gasthaus zu etablieren.
Ab September 2026 wird der Betrieb nur noch Übernachtungen mit Frühstück anbieten, sowie im Saalbetrieb Kaffeetafeln, z. B. bei Beerdigungen.



In der Spitze konnte Veltheim Ende der 1960er Jahre mit zehn Gaststätten aufwarten. Es waren dies:
„Alter Krug“ Inh. Stiller
„Am Bahnhof“ Inh. Buschmann
„Gasthaus Buhmeier“ Inh. Buhmeier
„Gasthaus Korsen“ Inh. Korsen
„Café Kütemeier“
(ehemalige Bäckerei) Inh. Kütemeier
„Veltheimer Hof“ Inh. Hohmeier
„Gasthaus zur Tankstelle“ Inh. Schwichow
„Weser-Pils“,
später ab 1981 „Treffpunkt“ Inh. Feld
Inh. Ursula Mertens
„Landgasthaus Veltheim“
(später abgebrannt) Inh. Kütemeier
„Hobergs Kantine“,
am Kraftwerksgelände Inh. Hoberg
Der Volksmund spricht: „Ein Dorf, das seine Wirte nicht ernähren kann, ist es nicht wert, ein Dorf zu sein.“ Das traf auf Veltheim allerdings nie zu. Veltheim nährte seine Wirte!
Über die Veltheimer Kneipengeschichte liegt ein interessantes historisches Video von 1967 vor, gefilmt vom Veltheimer Filme¬macher Heinz Westermeier, kommentiert vom Altbürgermeister Karl-Krüger.
Dieser Filmausschnitt ist zu sehen unter:


www.veltheim-weser.de/Veltheim-im-Film


 
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