Veltheim an der Weser

Wissenswertes, Aktuelles und Historisches aus Veltheim
 

Entwicklung des Schulwesens in Veltheim

von Reinhold Kölling, Ortsheimatpfleger Veltheim


Zum Schulwesen im Allgemeinen

Die ersten Volksschulen entstanden unter dem Einfluss der Reformation im 16. Jahrhundert; unter dem Eindruck von Martin Luthers Mahnung an alle Bürgermeister und Eltern zur christlichen Erziehung der Jugend. So entstanden die deutschen Volksschulen im Gegensatz zu den Lateinschulen.  Die Mindensche Kirchenordnung von 1717/21 schrieb vor, dass die Eltern ihre Kinder im sechsten oder siebten Jahre zur Schule schicken mussten, bei Vermeidung von Bestrafung.[1] 

Der Unterricht war im Sommer von 10 Uhr bis 13 Uhr, im Winter von 7 Uhr bis 10 Uhr und 12 Uhr bis 15 Uhr. Dementsprechend betrug das Schulgeld im Sommer sechs Groschen, im Winter 18 Groschen. Für arme Kinder bezahlte die Kirche. Die Bauernschaften erhielten einen eigenen Lehrer, der aber vorm Konsortium Examen ablegen musste. Er war Schulmeister, Küster und Organist in einer Person. „Als Schulmeister hat er dieser Gemeinde Kinder von 7 bis 14 Jahren in der Furcht Gottes, Gebet, Catechismus, Lesen, Singen, Schreiben und Rechnen zu unterrichten“.

Indessen fehlte es vielfach an der nötigen Regel und Ordnung. Auch waren die Wege so schlecht, dass die Kinder im Winter oft ausblieben, oder – wie berichtet wurde - hie und da sogar bei Unwettern ihr Leben einbüßten. Die Schulverwaltung war ausschließlich Sache der Kirche unter staatlichen Schutz.

Auch zu Zeiten Friedrichs des Großen, welcher durch die Preußische Landschulordnung von 1754 und das Kgl. Preußische General-Landschulreglement von 1763, wesentlich geordneter Verhältnisse, besonders hinsichtlich der Schulpflicht, schuf, stand die ganze Schulbildung noch völlig im Dienst der Religion und der Kirche.

Von der Armut der Veltheimer Schule gibt Zeugnis, dass aus Klingelbeutelgeldern eine Schulbibel angeschafft werden musste. Daneben wurde der Katechismus des Superintendenten Schermer, das Gesangbuch, Sirach und ein Evangelienbuch gebraucht. Bei einer Kirchenvisitation 1735 wurden statt der beiden letzteren das Neue Testament und der Herforder Katechismus eingeführt. Ferner wurden „stracks darauf“ vier Klassen mit verschiedenem Pensum gebildet, welche aber gleichzeitig unterrichtet wurden. Bei den jährlichen Examina wurden die Kinder vom „pastore loci translociret“.

1773 erst wurde ein eigenes Seminar unter kirchlicher Leitung für Minden-Ravensberg in Petershagen errichtet. Äußerlich bessere Schulverhältnisse wurden erst nach den Freiheitskriegen geschaffen.[2]

Die Aufzeichnungen des langjährigen Pfarrers von Veltheim Ernst Niemann haben die Schulverhältnisse des Ortes in den letzten Jahrhunderten verschiedentlich berührt.

Das aus dem Jahr 1682 vorliegende Urbar (Das Urbar ist ein Verzeichnis sämtlicher Wohnstätten eines Dorfes sowie der Abgabe- und Dienstverpflichtungen ihrer Inhaber. Für den Grundherrn war es eine Aufstellung über ihr Eigentum und die Einkünfte daraus)[3] der Gemeinde Veltheim verzeichnet über den Zustand der „geistlichen Einrichtungen (Kirche, Pfarre, Küsterei und Schule) nichts, da sie ja keine Abgaben an den Grundherren zu leisten hatten.

Der Visitationsbericht aus dem Jahre 1650 und spätere Berichte, z. T. aus Kirchenbüchern und sonstigen Aufzeichnungen[4] vermitteln Einzeleindrücke, die allerdings ein gutes Gesamtbild ergeben.

1650 hieß es im Visitationsbericht: „Ein Schulhaus ist nicht vorhanden. Die Pfarre daselbst ist ganz elend und verfallen. Die Küsterei aber noch etwas ziemlich. Der Pastor hält Schule. Ungefähr 20 Knaben unterrichtet er sechs Stunden im Lesen und Schreiben etliche aber analysieren. Die Mädchen gehen in die Knabenschule. Viele Eltern schicken ihre Kinder nicht. Ein Organist ist nicht vorhanden. Hermann Watermann, gebürtig aus Veltheim, ist vor 13 Jahren als Küster berufen und eingesetzt“[5]

Das Pfarrhaus war nach diesem Bericht in einem elenden und verfallenen Zustand. Die Kirchengemeinde musste auch noch 1682 mit diesem alten Gebäude auskommen. Das Haus stammte aus dem Jahre 1575. Im Jahre 1680 wurde über die schlechte Beschaffenheit des Gebäudes und über das schlechte Strohdach geklagt. Die ursprüngliche Lage war wohl etwa 100 Meter östlich der Kirche auf einem Grundstück, das noch Jahrhunderte später als „Wehme“ (Wehdum – Pfarrwitwentum) bezeichnet wurde und im Besitz der Kirche war (später Tellermann, dann Tebbe Nr. 152),  Das Pfarrwitwentum war mit fünf Morgen Land, Gartenland und freier Weide für eine Kuh ausgestattet.

Die Küsterei befand sich offensichtlich in dem Gebäude an der Westseite der Kirchhofsmauer und scheint in einem einigermaßen ordentlichen Zustand gewesen zu sein. Ein besonderes Schulgebäude gab es noch nicht. Die Schulstube in der Küsterei wurde 1804 neu ausgebaut und war in einem leidlichen Zustand.

1823 wurde das Küsterhaus mit dem Schulraum neu gebaut. Es entstand südlich hinter der Kirche an der Mahrstraße (das Fachwerkhaus wird heute als Wohnhaus genutzt). Es enthielt die Wohnung des Küsters und einen Klassenraum.

Der damalige Küster, Cantor, Organist und Schullehrer war Heinrich Christian Lachtrop. „Derselbige besitzt für seinen Posten ganz gute Kenntnisse und Fertigkeiten. Bei seinem mündlichen Unterricht macht er scheint zu viel Worte, er beschäftigt sich mehr als die Kinder, dabey schreibt er nicht immer richtig“, so steht es in einer Visitation geschrieben von Pfarrer Baumann vom 9.6.1817. „In Hinsicht der sittlichen Aufführung des hiesigen Küsters ist mir derselbe von keiner nachteiligen Seite bekannt. Auch hat derselbe kein Nebengeschäft als die Besorgung seines Ackers und Garten.“ Lachtrop wirkte in Veltheim bis 1857. Die Kinderzahl in Veltheim betrug 1833 ca. 157.

[1] Niemann, Ernst; Die Gemeinde Veltheim 1932

[2] Niemann, Ernst: Die Gemeinde Veltheim 1932

[3] Reese, Hans; Siedlungsgeschichte der Gemeinde Veltheim,

[4] Niemann, Ernst; Die Kirchengemeinde Veltheim, 1932

[5] Reese, Hans; Siedlungsgeschichte der Gemeinde Veltheim,


Die Schule aus der Sicht eines Lehrers im Jahr 1890

Lehrer H. Schlömann (Lehrer Schule Veltheim II) führte dazu 1890 folgendes aus:

„Wie sah es mit dem Schulwesen damaliger Zeit in Veltheim aus? Gewiss recht traurig. Seminare zur Ausbildung der Elementarlehrer gab es noch nicht. Für das Fürstentum Minden wurde erst ein solches 1776 errichtet. Aber schon lange vor dieser Zeit waren in Veltheim Schulmeister, Küster und Organisten. Die ersten, deren Namen aufbewahrt sind, Lammers und Schalk. Schwerlich wird wohl zu ergründen sein, wie es vor diesen mit dem Schulwesen hierorts gewesen ist. Lammers wird in der hiesigen alten Matrikel (öffentliches Verzeichnis, Kirchenbuch) 1689 erwähnt. In diesem Jahr schenkte die Witwe des Obristen Kreke unserer Kirche eine fünfstimmige Orgel. Bei diesem Ereignis schrieb der damalige Geistliche Frederking in die Matrikel von Veltheim folgendes: Als die Orgel der hiesigen Kirche geschenkt wurde, war Bernhard Lammers Küster und Schulmeister, weil dieser aber die Orgel nicht schlagen konnte, wurde ein gewisser Schalk dazu genommen, welchem die Gemeinde 15 rl und 1 rl vor einen Kalcanten jährlich gab. Später versah ein gewisser Mensching diesen Dienst. Weil dieser aber nicht davon subtistieren konnte, wurde die Einrichtung getroffen, dass sie die Information der Kinder dabeigehabt und das Schulgeld davor genossen.

1696 wurde Johann Friedrich Fricke von der Regierung hierhergesetzt und zwar als Schulmeister, Küster und Organist. Er hat 30 Jahre der Kirche gedient. Der Küster Lammers starb übrigens erst sechs Jahre später, also 1702. 

Die Matrikel berichtet weiter: Dem Johann Friedrich Fricke folgte 1726 sein Sohn Philipp Diedrich Anton Fricke auch von Regierung und Konsistorio adjungiret. Er starb den 10. März 1792. Ihm war schon zu Lebzeiten sein Sohn Diederich Fricke adjungiret, welcher aber schon den 17. Jan. 1786 im 51. Jahre seines Alters verschieden ist. Sein Nachfolger war Johann Christoph Engel, welcher zu Hameln geboren, den 24.6.1773 als Schulmeister nach Mehnen im Kirchspiel Blasheim gekommen und von da hierher befördert ist. Er wurde am Sonntag Reminicere 1786 eingesetzt und starb 1809 im Februar. Danach erhielt Heinrich Friedrich Stratmann die Schulstelle, welche er bis zum 11. Febr. 1815 verwaltete. Er starb 49 3/4 Jahre alt.

Stellen wir uns jetzt die Frage: „Welche Pflichten und Verrichtungen hatten diese Kirchen- und Schulbediensteten, so nannte man damals häufig die Lehrer, zu erfüllen?“

Die Matrikel gibt uns die Antwort unter der Überschrift:

Von den Verrichtungen der Kirche und Schulbediensteten!

Küster, Organist und Schulmeister ist hier eine Person, dessen Verrichtungen sind, dass er als Kantor und Organist den Gesang zu führen und die Orgel zu schlagen hat. Als Küster muss er morgens, mittags und abends die Betglocke schlagen. Derselbe hat auch des Sonnabends zweimal zu läuten, zur Beichte mit zwei Glocken und des Abends mit einer Glocke. Desgleichen hat er zur Sommerzeit des Morgens um sechs Uhr, des Winters um sieben Uhr die Frühpulse zu läuten. Nachher wird der Gottesdienst mit drei Pulsen eingeleitet. An den Festtagen wird abends vorher eine halbe Stunde mit zwei Glocken geläutet. 

Als Schulmeister hat er die Kinder vom 7. bis 14. Jahre in der Furcht Gottes, Gebet, Catechimo, lesen, singen, schreiben und rechnen zu unterrichten. Der Unterricht wurde in einem kleinen Raume, der in einem kummervollen strohbedeckten Hause war, welches 1822 eingefallen sein soll, erteilt.

 

Die Einrichtung der Schule. 

Eine Einrichtung nach der Wissensbeschaffenheit der Kinder kannte man früher nicht. Seit 1735 wurde erst, so berichtet die Matrikel, so viel es nach hiesigen Umständen thunlich war, zwischen den Schülern ein nötiger Unterschied eingeführt. Die Visitatores verfügten in diesem Jahre (1735) die Schule in gewisse Klassen zu teilen, die Kinder also nach Beschaffenheit ihrer Kenntnisse zu ordnen. Das Verlangen dieser Verfügung kam in Veltheim erst 1800 zur Ausführung.

Das Schriftstück welches diese Forderung stellte, verlangte weiter, dass die Schuljugend bei einem examine jährlich vom pastore loci translociert werden soll, nicht aber vom Küster oder Schulmeister.  

Man bildete also laut Verordnung vier Klassen. Die Kinder in der ersten Klasse am Schreibtisch haben das Neue Testament, Gesangbuch und den großen Katechismus. In der II. Klasse Gesangbuch und Auslegungsfragen des Katechismus. In der III. Klasse: Die Kinder lesen, buchstabieren eins ums andere im Katechismus und haben den Kleineren Katechismus auswendig zu lernen. IV. Klasse, A, B, C und Buchstabierkinder: diesen wird anbei aus dem Kleinen Katechismus soviel gegeben, als sie aus mündlichen Vor- und Nachsprechen lassen mögen.

Die Translocation wird man Ostern, wenn die Konfirmanden abgehen, am füglichsten vornehmen können. Lehr- und Lernbücher hatte man zu der Zeit wenig. Diese wurden anfänglich in geringen Umfang aus dem Klingelbeutel, später aus den winzigen Strafgeldern der Schulversäumnisse, angeschafft. Man gebrauchte in Veltheim seit 1765 folgende Schulbücher: Neues Testament, Gesangbuch des Fürstentums und der Stadt Minden, Schermans Evangeliebuch, später Rochows Kinderfreund und das Not- und Hilfsbüchlein von Becker. Letzteres wurde wöchentlich zweimal gebraucht.

Unterrichtszeit

Im Sommer wurde anfänglich des Tages nur einmal Schule gehalten von 10 Uhr bis 13 Uhr. Dieses währte von Ostern bis Jakobi. Im Winter dauerten die Schulstunden des Morgens von 7 Uhr bis 10 Uhr, des Nachmittags von 12 Uhr bis 15 Uhr. Dies galt von Michaelis bis Ostern. Das Jahr 1800 brachte für die Unterrichtszeit diese Bestimmung: „Die Kinder müssen von 8 Uhr bis 11 Uhr morgens und nachmittags von 13 Uhr bis 15 Uhr die Schule besuchen. 

Schulbesuch

Der Schulbesuch war inzwischen Zwang geworden. Für das unentschuldigte Ausbleiben der Schulkinder aus der Schule sollten die Eltern, wie bereits früher angedeutet, eine Strafarbeit in Hausberge verrichten, oder ein geringes Strafgeld in die Commissionskasse bezahlen. Weil aber die untätige Polizei mehrere Jahre hindurch trotz der vielen Klagen der damaligen Lokal-Schulaufsichtsbehörde, sich um dieses Gesetz gar nicht kümmerte, so konnte es keinen Nutzen bringen. An eine Schulverbesserung war überhaupt nicht zu denken. Die dazu erforderlichen Mittel fehlten. Wie viel Interesse der von hoher Behörde für Veltheim zwangsweise eingesetzte Schulvorstand für das Schulwesen hatte, ist daraus zu ersehen, dass die Mitglieder desselben bereits zehn Jahre lang die Einladungen zu den Zusammenkünften durchaus nicht beachteten, sondern zuhause blieben.

Zur Chronik zurück: Als Stratmann 1815 gestorben war, erhielt die Veltheimer Stelle Christian Lachtrop. Er wurde Am 11.6.1815 eingesetzt, starb am 1.3.1837, nach 22-jähriger Wirksamkeit. Zum Beweis der vorher aufgeführten unglücklichen Schulverhältnisse hierorts, erlaube ich mir nun einen von den vielen Berichten der alten Conduitenliste, die damaliger Pastor Erfling führte, beizugegeben:

Bericht über die Schule des Kirchspiels Veltheim 1833 von Pastor Erfling

Das Schulgebäude ist im Jahre 1823 aus Fachwerk gebaut. Schulzimmer: Es ist 25 Fuss lang, 20 Fuss breit und hat sieben hohe Fenster. Im Winter werden des Vormittags drei und des Nachmittags zwei Stunden unterrichtet. Im Sommer sind die Klassen geteilt und werden des Vormittags drei und auch nachmittags drei Stunden Unterricht gegeben. Im Winter ist der Schulbesuch weit zahlreicher als im Sommer.

Lehrer der Schule Veltheim ist Heinrich Lachtrop, 42 Jahre alt. Seit seinem 20. Jahre steht er im Amt. Er ist geboren am 30.1.1791 zu Stemmer. Lachtrop erhielt seine Bildung zum Lehreramte von Küster Lachtrop in Ovenstädt, Kantor Wiese in Windheim, Kantor Pahmeier in Petershagen, besuchte zuletzt das Seminar daselbst. Zuerst lehrte er 4 ½ Jahre in Westenfeld und nun schon 18 Jahre in Veltheim. Ich habe ihn als einen rechtschaffenden Mann kennengelernt, sein Wandel war im Laufe dieses Jahres unanstössig und ehrbar.

Als Lehrer besitzt er die notwendigen Kenntnisse, um die Geisteskräfte der ihm anvertrauten Schuljugend entwickeln, üben und bilden zu können. Möchten ihm selbst die einmal erworbenen Kenntnisse nur nicht gut genug sein; und möchte er den Kreis derselben immer mehr erweitern, um den jetzigen, seit Jahren gesteigerten Forderungen besser entsprechen zu können. An Mitteln dazu fehlt es ihm nicht. Die Wahrheiten der Religion weiss er den Kindern nahe zu legen, wenn er vorbereitet vor ihnen erscheint. Durch grössere Lebendigkeit ist seinem Vortrage zu wünschen. In der Schuldisziplin ist er nicht selten zu nachsichtig; ich habe erst die Unreinlichkeit, Unruhe und Unaufmerksamkeit zu rügen gehabt.

Die wenigen Lehrmittel haben nicht vermehrt werden können, weil seit dem 30. April 1831 keine Strafen wegen Schulversäumnisse verfügt und damit noch keine Strafgelder eingekommen sind.

Die Anzahl der Schüler beläuft sich in diesem Jahre auf 151, nämlich 75 Knaben und 82 Mädchen. Der Schulbesuch dieser Kinder ist im Allgemeinen schlecht, wie die Abwesentlisten auch nachweisen, obgleich ich es nie mit wiederholten Bitten und Ermahnungen in der Kirche und Schule fehlen lasse. Des Nachmittags sind von jenen 157 Kindern im Durchschnitt nicht mehr gegenwärtig als 20 bis 30. Die Schuld davon trägt nicht den Eltern, die Polizei welche, wie schon bemerkt ist, seit dem 30. April 1831 bis auf diesen Tag keine Strafen verfügt hat. Der Kinder grosse Erkenntnis -Armut- ist nach meinem Dafürhalten mehr ihrem häusigen ungestraften Schulversäumnisse als dem Lehrer zuzuschreiben.

Eine Hausarbeitsschule ist hier nicht eingerichtet. Eine solche einzuführen, um den Töchtern eine Fertigkeit im Stricken beizubringen, ist nicht nötig, weil die Eltern selbst ihre Kinder unterweisen und über. (An dieser Stelle so noch beiläufig bemerkt, dass dieselbe hier ungefähr 1862 eingeführt wurde.)

Es ist ein Schulvorstand gewählt. Doch haben in diesem Jahre auch keine Zusammenkünfte stattgefunden, weil von der landrätlichen Behörde keine Aufforderung erfolgt ist.

Wenn ich mir einige auf die Schule bezüglichen Wünsche erlauben darf, so sind es etwa diese:

1.     Eine Revision um Verbesserung des Schulhauses.

2.     Eine monatliche Bestrafung der Schulversäumnisse

3.     Verbesserung der Schulwege. Wenn diese nicht alljährlich an mehreren Stellen mit Grand oder Steinen überschüttet werden, so sind diese im Herbst oder Frühjahr fast grundlos. Seit zwei Jahren ist hier, ungeachtet meiner öfteren Erinnerungen, nichts getan zur Verbesserung der Schulwege. Diesem Sommer meldete ich dem Kantonsbeamten die dringende Notwendigkeit dazu und bat ihn, die Verbesserung zu veranlassen; aber ich bin weder einer Antwort gewürdigt noch habe ich irgend Erfolg gesehen; wenn es hier Eltern gibt, die ihren kleinen Kinder der schlechten Wege halber zuhause behalten, so kann ich es ihnen nicht übel deuten.  

4.     Ich wünsche, dass der Schulvorstand unter Leitung des Geistlichen gestellt werde

Veltheim, den 3.12.1833

Der Pastor

Gez. Erfling

Soweit der Bericht, der von Pastor Erfling 1833 erstellt wurde.

Im Jahre 1841 erlitt das Schulhaus durch Überschwemmung der Weser gewaltigen Schaden. Fand aus dieser Zeit ein altes Schriftstück, dessen Inhalt ungefähr folgender war: 1841 war das Schulhaus zu Veltheim und auch das Schulzimmer durch Weserüberschwemmung stark beschädigt. Die Gemeinde wurde von der Regierung zu Minden gewaltsam aufgefordert, die dadurch entstandenen Reparaturen auszuführen. Der Schulunterricht fiel mehrere Monate aus. Die Schuljugend war wie verwildert. Die Konfirmanden entbehrten in dieser Zeit nichtganz des Unterrichts. Sie wurden jedesmal nach dem Religionsunterricht von dem Pastor Erfling zurückbehalten und in einigen Disziplinen unterrichtet. Nach Monaten teilte der Pastor Erfling der Behörde mit, dass er mit dem Lehrer nach näherer Besichtigung ins Schulhaus zu der Ansicht gekommen sei, dass die ausgefallenen Wände mit den vorhandenen Backsteinen einstweilen wieder repariert und die Ofenwand, die jetzt ziemlich gestützt sei, noch mehr gestützt werden könnte, so dass von dieser Seite keine Gefahr für die versammelte Schuljungend zu fürchten sei. 

Um sich von der Möglichkeit der Ausführung zu überzeugen, erschien der Verwaltungsbeamte von May mit dem Bauverständigen Ziemann von Hausberge. Folgendes Gutachten wurde nach genauer Prüfung von ersteren Herren an die Behörde gesandt: „Die Schulstube kann ohne Gefahr nicht benutzt werden, da die Wände verflossen, auch die gebliebenen Wände sämtlich durchweicht einstürzen können. Besonders gefährlich ist die Brandmauer, die ungeachtet der Stützen, noch leicht einstürzen kann. Übrigens ist die Reparatur der Schule bereits veranschlagt.“

Der Nachfolger von Lachtrop war Johann Phillip Rahmann, wer wurde hier eingeführt am 21.6.1857 und wirkte unter ähnlichen vorher geschilderten Verhältnissen bis zu seinem Tode. Nun wird die Veltheimer Stelle dem Lehrer Carl Wilhelm Conrad Nolting verliehen, welcher in Holzhausen I im Jahre 1843 geboren ist. Nach gehöriger Ausbildung zum Lehrfach auf dem Seminar zu Petershagen war er zunächst in Coesfeld, dann in Wesel/Rhein angestellt.

Die Veltheimer Stelle hat er darauf von Ostern 1874 bis Oktober 1884 verwaltet. Da versetzte ihn die Regierung zu Minden auf seine Veranlassung nach Lerbeck bei Porta in gleicher Eigenschaft, wo er jetzt noch wirkt.

Für die Schule Veltheim I wurde 1888 mit der Planung eines Neubaus begonnen, da die alte Schule nach dem Wasserschaden nicht mehr den Ansprüchen genügte und räumlich zu beengt war. Obwohl schon 1889 eine Ausschreibung zum Bau veröffentlicht wurde, dauerte es mit dem Neubau am Heuweg noch einige Zeit und erst 1900 wurde die Schule endgültig fertig und eingeweiht.

Durch die hohe Zahl der Schüler in Veltheim wurde schon 1879 die Schule Veltheim II eingerichtet, schon 1877 begannen die Vorarbeiten für den Bau eines zweiten Schulhauses im oberen Veltheim.


Gründung der Schule und des Schulbezirks Veltheim II.

Im Laufe der Zeit waren die Ansprüche und Forderungen für das Schulwesen durch die „allgemeinen Bestimmungen“ bedeutend gesteigert. Das Schulinventar und die Lehrmittel wurden vermehrt, das Gehalt der Lehrer erhöht, die Arbeitslast durch Verminderung der Schülerzahl verringert.

Als im Jahre 1877 die Zahl der Schülerinnen und Schüler auf 226 stieg, war es unmöglich, dass durch eine Lehrkraft das Unterrichtsziel erreicht werden konnte.

Die Behörde hatte darum angeordnet, eine zweite Lehrerstelle einzurichten. Der Bau eines zweiten Schulhauses war deshalb erforderlich geworden und wurde 1879 vollendet. Dieses Gebäude stand an der heutigen Robert – Franke - Str. gegenüber der Bäckerei Brannahl.

Das obere Dorf mit seinen weiten Schulwegen war nun im Besitz einer eigenen Schule, die zwar zunächst noch der unteren Schule angegliedert war. Es wurde ein dreiklassiges Schulsystem gegründet. Um den Kindern kürzere Schulwege zu verschaffen, wurde im Jahre 1882 dieses Schulsystem auf Wunsch der Gemeinde wieder aufgehoben. Es entstanden nun zwei Schulbezirke, Veltheim I mit 110 und Veltheim II mit 106 schulpflichtigen Kindern (unten und oben). So hatte Veltheim zwei selbständige Halbtagsschulen.

Der erste Lehrer der Schule Veltheim II war der Lehrer Eduard Herrmann Paland, der aber 1885 versetzt wurde und später als Hausvater in dem Rettungshause Gotteshütte bei Kleinenbremen wirkte.

Sein Nachfolger Friedrich Geß wirkte auch nur kurze Zeit bis 1887 an dieser Stelle. Es wird von ihm berichtet, dass er „grobe Unzucht“ gegen die Schulkinder verübte.  Die Art seines Einschreitens wurde ihm verübelt, und es erfolgte eine Anzeige. Vom Landgericht Bielefeld wurde aber der verhaftete Lehrer freigesprochen und seine Unschuld erwiesen. Es erfolgte eine Versetzung nach Schlesien.

Im Jahre 1888 berief die Behörde den Lehrer Karl Spreen nach Veltheim, der aber wieder nur eine kurze Zeit an der Schule Veltheim II wirkte. Vorübergehend übernahm der Lokalinspektor Pfarrer Niemann den Unterricht an dieser Schule.

Im folgenden Jahre wurde der Lehrer Heinrich Schlömann mit der Lehrstelle in Veltheim II betraut, der den Grundstock zur Schulchronik legte. In dieser Zeit erfolgte die Verkoppelung der Gemeindeflur, und durch Austausch von Gemeindeland wurde das Schulgrundstück auf 51 a vergrößert.

Durch Benutzung des vermehrten Dienstlandes vergrößerte sich das Einkommen des Stelleninhabers.Man hegte dabei die Hoffnung, den ständigen Wechsel der Lehrer zu unterbinden. Im Jahre 1894 wurde Lehrer Schlömann versetzt und übernahm die Kontorstelle in Heimsen.

Die Schulstelle wurde dem Lehrer Heinrich Kemmer übertragen, der bis 1899 in Veltheim wirkte. Als im Jahre 1896 die Schülerzahl auf 130 gestiegen war, beantragte die Regierung die Anstellung eines zweiten Lehrers. Dieser Antrag wurde vom Schulvorstand abgelehnt und dadurch, dass die Schulgrenze verlegt wurde, wurden der Schule Veltheim I 20 Kinder überwiesen.

An der Schule Veltheim II bestand inzwischen eine dreiklassige Schule mit zwei Lehrkräften. Schon 1897 erneuerte die Regierung die Forderung, einen zweiten Lehrer anzustellen, da die Schülerzahl auf 136 gestiegen war. Von einer weiteren Überweisung nach Veltheim I sah man ab, da die Grenze der unteren Schule schon weit ins obere Dorf vorgerückt war. So beschloss man, das Schulgebäude nach Süden soweit zu verlängern, um ein Klassenzimmer mit einer kleinen Lehrerwohnung zu gewinnen.

Der Anbau wurde im Herbst 1897 beendet und es erfolgte die Anstellung eines zweiten Lehrers.

Dadurch war aus der bisherigen Halbtagsschule ein dreiklassiges Schulsystem entstanden. Da die zweite Lehrerstelle fast nur jüngeren Lehrern übertragen wurde, die keine Familienwohnung benötigten, ist es verständlich, dass sich hier ein ständiger Wechsel vollzog. Aus diesem Grunde können hier nicht alle Lehrer, die in die zweite Stelle berufen wurden, genannt werden.

Als Lehrer Klemmer 1899 versetzt wurde, folgte ihm Lehrer Fritz Hoppensack.

Es wurde von ihm berichtet, dass eine schwere Krankheit ihn dienstunfähig machte. Schon 1901 wurde er in die Ewigkeit abberufen. Die Schülerzahl war in dieser Zeit auf 156 angewachsen. 

Nach einer halbjährigen Tätigkeit des Lehrers Gustav Kampmann übernahm Lehrer Wilhelm Wellpott 1902 die erste Lehrerstelle an Schule Veltheim II. Letzterer hatte schon seit 1901 die zweite Lehrerstelle verwaltet. Lehrer Wellpott hat bis 1919 an dieser Stelle gewirkt und sich in dieser Zeit die Herzen der Veltheimer erobert. Seine hinterlassene Witwe stammte vom Hofe Böke Nr. 1 aus Veltheim. Als Altertumsforscher hat er wertvolle Funde aus der Vorzeit der Nachwelt erhalten. Er erforschte die Geschichte der Veltheimer Fähre, die er in einem Büchlein hinterlassen hat.

Die Gründung des damaligen Gesangvereins „Arion Veltheim“ ist ihm zu verdanken, und er hat dadurch das deutsche Liedergut der einfachen Landbevölkerung zugängig gemacht. Nach seiner Versetzung wurde der Verein von dem späteren Lehrer Dedert übernommen, der im Geiste Wellpotts lange Jahre diese Arbeit fortsetzte, bis er infolge schwerer Krankheit diese Aufgabe niederlegen musste. Der Verein wurde danach vom Hauptlehrer Möbus geleitet.

Als Verwundeter kehrte Lehrer Wellpott 1918 aus dem 1.Weltkriege heim und war erschüttert, wie er in der Schulchronik berichtete, über den Zusammenbruch unseres Vaterlandes. lm Jahre 1919 berief man ihn als Rektor an die Schule in Eidinghausen bei Bad Oeynhausen, wo er bis zu seinem Tode 1930 wirkte. In dieser Zeit blieb er eng mit Veltheim, dass ihm eine zweite Heimat geworden war, verbunden.

Während des 1.Weltkrieges arbeiteten die Lehrer Südmeier und Mensching an der Schule Veltheim II. Letzterer wirkte danach als Hauptlehrer an der benachbarten Schule Möllbergen I. Er berichtete in der Chronik, dass durch die zeitweise Aussetzung des Unterrichts und durch häufigen Wechsel der Lehrer, der geistige Zustand der Kinder stark gesunken sei.

Zu erwähnen ist noch, dass 1917 nach Aufnahme von 25 Gastschülern, die der besseren Ernährung wegen in die hiesige Gemeinde kamen, die Schülerzahl auf 190 gestiegen war.

Die freigewordene erste Lehrstelle wurde 1919 dem Lehrer Heinrich Rieke auf sein Gesuch übertragen, der bis 1941 an dieser Schule wirkte. Mit vorbildlichem Fleiß hat dieser Mann sein Amt versehen und seine nie erlahmende Arbeitskraft kam sowohl der Schule wie der Gemeinde zugute. Trotz seiner vielen Nebenämter, die ihm übertragen wurden, versah er erfolgreich seine Arbeit an der Schule. Lange Jahre bewährte er sich als Standesbeamter, Sparkassenleiter und Schiedsmann, seinen ehemaligen Schülern und allen Gemeindemitgliedern stand er mit Rat und Tat zur Seite und blieb bis zu seinem Ableben bescheiden in seinen Ansprüchen. Als er nach seinem eben vollendeten 59. Lebensjahre nach einer kurzen, aber schweren Krankheit abberufen wurde, trauerte eine ganze Gemeinde um Ihn. 

Die Kinderzahl der Schule schwankte in dieser Zeit zwischen 110 und 130. Als Nachfolger des Lehrers Rieke übernahm 1941 der Lehrer Fritz Detert, der schon seit Herbst 1919 die zweite Stelle bekleidete, die Schule Veltheim II. Seine jahrzehntelange Tätigkeit als Lehrer in Veltheim war verschiedentlich durch Krankheiten unterbunden. Die schweren Kriegsverwundungen aus dem 1.Weltkrieg brachen wiederholt auf und hinterließen nach vielen Operationen im Krankenhause eine böse Krankheit, die unheilbar wurde.

Doch war seine Arbeit, als er in den Jahren vor dem 2.Weltkriege sich erholt hatte, reich gesegnet, und auch durch die Arbeit des damaligen Schulleiters Rieke hatte die Schule einen guten Ruf. Es wurden sportliche Leistungen von der Schule erzielt, die man bei einer kleineren Schule nicht für möglich gehalten hätte. Im Kreis Minden stand der Handballsport auf hoher Stufe und wurde auch von allen Schulen gefördert.

Die Schüler von Schule II waren damals begeistert von diesem Sport und in unerhörtem Einsatz wurden alle Schulen mit eindeutigen Ergebnissen geschlagen.

Selbst die Oberrealschule Minden, die als die beste Handballschule Westfalens galt, fiel der technischen Überlegenheit der Veltheimer Schüler zum Opfer. Der Kreismeistertitel, der auch weiterhin mit Erfolg verteidigt wurde, war der Lohn einer dankbaren Arbeit. Auch im Fußballsport wurden in den nächsten Jahren Meistertitel erworben. Leider kehrten viele der besten Sportler, die das Sportwesen in der Gemeinde späterhin hätten befruchten können, aus dem unheilvollen Krieg nicht zurück.

Während des 2. Weltkrieges wurde die Schule zu wichtigen Aufgaben herangezogen, um an dem erhofften Endsieg beizutragen. Besonders bei den Heilkräuter- und Altmaterialsammlungen setzte man die Schulen ein.

In den letzten Kriegsjahren litt die Schularbeit unter wiederholtem Fliegeralarm. Da in den letzten Kriegsmonaten ein Klassenraum und die Lehrmittelzimmer von Soldaten belegt waren, stand nur ein Klassenraum für beide Schulen zur Verfügung.

Nach dem bitteren Zusammenbruch unseres Vaterlandes wurde der Schulbetrieb vollständig lahmgelegt, und erst nach einem halben Jahr wurde er wiedereröffnet. Die damalige Lehrerin Frau Geßner, der seit 1943 die zweite Lehrerstelle übertragen war, hatte allein versucht, den Wiederaufbau eines geregelten Schulbetriebes vorzunehmen. 

 

Wie schwer diese Aufgabe war, geht daraus hervor, dass die Schülerzahl, die durch Flüchtlinge aus dem Osten und durch Evakuierte stark vermehrt, auf über 160 angestiegen war. Als nach Ostern 1946 Lehrer Dedert wieder in sein Amt berufen wurde konnte mit der tatkräftigen Unterstützung von Frau Geßner der Aufbau der Schule vorangetrieben werden. Doch die damalige Insulinnot musste die Arbeitskraft eines Diabetikers bei der Arbeitsüberbelastung, die sich bei der hohen Schülerzahl auswirkte, allmählich zermürben. Nach einer 29-jährigen Tätigkeit an dieser Schule trat der Schulleiter am 1. Oktober 1948 in den Ruhestand, nachdem der Amtsarzt seine Dienstuntauglichkeit infolge seines Leidens feststellte.

Am 31. November 1948 schied Frau Geßner auf eigenen Wunsch aus dem Schuldienst aus.

Am 1. Oktober 1948 wurde Lehrer Möbus mit der Leitung der Schule beauftragt.

Im Jahr 1947 wurde das alte Backhaus mit Abort abgerissen und durch einen Neubau an der Südseite des Schulgebäudes wurde ein neuer Abort geschaffen. Dieser dringend notwendige Bau ist der Beharrlichkeit des damaligen Bürgermeisters Sauerbrei zu verdanken. 

Im Januar 1948 wurde auch in Veltheim die schon in anderen Orten bestehende Schulspeisung eingeführt. In der Schule II wurde die bis dahin zur Dienstwohnung gehörende Steinküche als Kochraum eingerichtet und nun für Schule I und II gekocht. Durchschnittlich sind 160 Kinder gespeist worden. Die gesamten Kocharbeiten übernahm die Frau des Lehrer Möbus ohne Vergütung. Unterstützt wurde sie in den ersten Monaten durch die Lehrerin Frau Geßner; nach deren Ausscheiden hat sie die Arbeit allein fortgesetzt. Infolge Arbeitsüberlastung wurde im Sommer 1949 Frau Henkenherm als bezahlte Hilfskraft zur Unterstützung von Frau Möbus eingestellt.[1] 

Durch den Kirchenstreit in Veltheim wurde die Kirchengemeinde gespalten und eine neue freie Kirche gegründet, die nun in einem Klassenraum der Schule II sonntäglich ihren Gottesdienst abhielt. Zur Abhaltung des kirchlichen Religionsunterrichts durch Pfarrer Hempfing der freien Kirchengemeinde wurde der Raum ebenfalls genutzt.

Neben Lehrer Möbus wurde seit dem 1. Oktober 1948 als zweiter Lehrer Herr Aumann beschäftigt. Er übernahm die erste und zweite Klasse. Da Herr Aumann als von Bad Oeynhausen evakuiert bei seinem Schwager eine Notunterkunft bezogen hatte, stellte ihm die Gemeindevertretung auf Antrag die beiden Lehrmittelzimmer und das Bodenzimmer der Frau Geßner zur Verfügung, die im Frühjahr 1949 das Zimmer räumte und im Herbst desselben Jahres nach Gelsenkirchen verzog.

Im April 1949 wurden auf Grund ministerieller Verfügung Klassenelternschaften und Schulpflegschaften zur Wahl ausgeschrieben.

Es wurden erstmals gewählt:

Klasse I: Heinrich Voth Nr. 132; Heinrich Han-Voth Nr. 311; Gertrud Tiedermann Nr. 97;

Klasse II: Friedrich Korte Nr. 335; Frau Brandt Nr. 265; Frau Sieg Nr. 229;

Klasse III: Wilhelm Nottmeier Nr. 191; Frau Brinkmann Nr. 77; Frau Timmerberg Nr. 137;

Am 18. Dezember 1949 veranstaltete die Schule II eine Weihnachtsfeier, an deren Ausgestaltung sämtliche Jahrgänge beteiligt waren.

Am 26. April 1949 befasste sich eine Konferenz der Lehrkräfte von Schule I und II mit der Einführung des neunten Schuljahres. Da von der Gemeinde der Ausbau eines Klassenzimmers in der alten Schule neben der Kirche geplant war, trat Lehrer Möbus für eine Zusammenlegung der beiden Abschlussklassen ein.

Lehrer i. R. Dedert wohnte noch einige Zeit in seinem Eigenheim in Veltheim, wo er neben kleineren Posten noch das Amt des Schiedsmannes ausübte. Von der Schule Veltheim II ist noch zu berichten, dass sie nach Einstellung einer 3. Lehrkraft zu einem vierklassigen Schulsystem ausgebaut ist. Die Schulleitung liegt seit einigen Jahren in den Händen des Hauptlehrers Ferdinand Möbus. 

Bald nach dem Kriege erwiesen sich die beiden Schulen in Veltheim als zu klein. Die Schule I an der Driftenstraße/Ecke Heuweg musste zeitweise noch einen Klassenraum in der bereits aufgegebenen alten Schule an der Mahrstraße wieder in Betrieb nehmen. Es begannen die Diskussionen um den Bau einer Einheitsschule. Sollte sie unten im Dorf oder oben in Veltheim gebaut werden? Die Entscheidung fiel für oben.

1958 wurde die neue Schule mit vier Klassenräumen eingeweiht. Die beiden Schulgebäude unten im Dorf wurden verkauft. Die neue Schule musste bald um vier weitere Klassenräume erweitert werden. Außerdem wurde die Turnhalle gebaut.


[1] Schulchronik Schule II




Bis Ende 2010 blieb es dann ruhig um die Grundschule in Veltheim. Dann kam die Portaner Politik auf die Idee, die Grundschule in Veltheim zu schließen, ähnliches drohte auch der Sporthalle, der Karl-Krüger-Halle in Veltheim. Auf Initiative des Ortsheimatpflegers Reinhold Kölling gründet sich eine Interessengemeinschaft zum Erhalt der Grundschule Veltheim und der Karl-Krüger-Halle. Die große öffentliche Aufmerksamkeit, die diese Interessengemeinschaft erzeugte, führte dazu, dass beides, nämlich Schule und Sporthalle im Ort blieb. Die Grundschule Veltheim wird seit dem Zeitpunkt als Verbundschule mit Eisbergen geführt.

2017 ging es dann erneut um die Schließung der Grundschule. Wieder geht es um den Erhalt unserer Grundschule. Die Rot/Grüne politische Mehrheitsfraktion im Rat der Stadt Porta Westfalica setzte sich massiv für die Schließung der Schule ein. Die Kinder sollten mit dem Bus nach Eisbergen fahren, dort sollte die Schule groß ausgebaut werden. Eine Interessengemeinschaft unter Federführung von Martin Bohnsack mit Unterstützung des Ortsheimatpflegers widerspricht der Entscheidung der Stadt, die Grundschule in Veltheim zu schließen und die Kinder nach Eisbergen zu fahren. Letzte Rettung war dann ein angestrengter Bürgerentscheid, der zusammen mit einer Interessengemeinschaft Kleinenbremen und Neesen eingeleitet wurde. Die Wahlberechtigten votieren mit rund 75 % der abgege­benen Stimmen für den Erhalt aller Grundschulen an ihren Standorten. Die Grundschule bleibt also in Veltheim. Eine große Schlappe für die Rot/Grüne Mehrheitsfraktion im Rat der Stadt.

Zudem konnte erreicht werden, dass dann 2020 auch endlich die sanitären Anlagen in der Schule saniert wurden.

Die Schulentwicklung von 1900 bis 1958 wurde in diesem Bericht fast nur anhand der Historie der Schule Veltheim II beschrieben. Die Chronik der Schule Veltheim I ist in den Wirren des 2. Weltkriegs leider verloren gegangen. Derzeit ist der Ortsheimatpfleger damit beschäftigt, aus anderen Archiven noch Details zur Schule Veltheim I aus diesen Jahren zu recherchieren. Diese Chronik ist somit noch nicht vollständig, sie wird sicher in einigen Monaten nochmals um Fakten zur Schule I erweitert.