Veltheim an der Weser


Wissenswertes, Aktuelles und Historisches aus Veltheim
 

Auf dieser Seite finden sich die Chroniken der Veltheimer Vereine und Gemeinschaften. Noch ist die Seite nicht vollständig. 

Die Vereinsgeschichten werden weiter ergänzt.

Vorhanden sind:

Die Entstehungsgeschichte des SuS Veltheim von 1892

Faszination Handball

Die Feuerwehr Veltheim von 1925

Geschichte des SuS Veltheim e.V. von 1894

Chronik des Schützenverein Veltheim von 1892 

Die Veltheimer Dorfgemeinschaft von 1967

Veltheimer Werbegemeinschaft




Die Entstehungsgeschichte des SUS Veltheim von 1892

von Reinhold Kölling

 

Wie alles begann

In der Volksschule Veltheim II, in die ich im April 1958 eingeschult wurde, hatte der Sport einen hohen Stellenwert. Meine ersten Schuljahre verbrachte ich noch in dem alten Schulgebäude „Schule Veltheim II“, welches an der Robert-Franke-Straße direkt gegenüber der Bäckerei Branahl platziert war. Etwa da, wo heute die Schulsporthalle steht. Das neue Schulgebäude war noch im Bau.

 

 





Abbildung 1: Schule Veltheim II, Zeichnung von Lehrer Matthes (Archiv Reinhold Kölling)

 Im Sportunterricht, der meistens auf dem Schulhof stattfand, wurde viel mit dem Ball gespielt, z. B. Völkerball, Korbball, Schlagball, Faustball oder auch nur einfaches Abwerfen. Spiele, die heute bis auf Korbball und Faustball kaum noch gespielt werden. Als das Schulgebäude (siehe Abbildung 1) im Jahre 1962 abgerissen wurde, um einer Schulsporthalle für das neue Einheitsschulgebäude Platz zu machen, suchte ich mir alte Bücher aus dem Bauschutt heraus. So auch das Buch „Praxis des Turnunterrichtes“ von Fr. Schmale, 7. Auflage von 1924, in dem die Spielregeln dieser früheren Ballspiele festgehalten sind.

Obwohl der Handball- und Tischtennissport in Veltheim schon eine große Bedeutung hatte und besonders die Schule Veltheim II als die „Handballschule“ galt, hatten wir Schüler in den Jahren 1958 bis 1962 keinen Sportlehrer, dem diese Sportarten sehr nahe standen.

Lehrer Matthes, unser erster Klassenlehrer, Schulleiter Möbus und die Lehrer Lemke, Pries und Frl. Gaus waren eher nicht die „Sportskanonen“. Als Lehrer Matthes am 31.7.1959 plötzlich verstarb, kamen im Jahr 1960 die Lehrerin Gisela Meier, der Junglehrer Kurt Baake und als Aushilfslehrer der schon pensionierte Wilhelm Mohme an die Schule Veltheim. Frl. Gaus verließ die Schule am 1.4.1960. Einzig Lehrer Pries hatte für unsere sportlichen Aktivitäten etwas übrig, dieser verließ die Schule aber 1962 und ging nach Unterlübbe.

Unseren Drang nach dem Handball- und Fußballspiel konnten wir also nicht in der Schule befriedigen, also wurden dazu dann die Nachmittage auf dem alten Bokshornsportplatz genutzt und wir wurden von den älteren Mitschülern, die zum Teil schon im SuS Veltheim aktiv Handball spielten, „geschult“.

 Zusätzlich gingen wir zunächst mit selbst gebauten Schlägern in „Buschmanns Saal“, um dort das Tischtennisspiel zu versuchen.

 Im Jahre 1962 begann die Gemeinde mit dem Bau der Schulturnhalle, die dann ab 1964 für den Sportunterricht mit genutzt werden konnte.

1963 stieß der Lehrer D. Bödecker zum Lehrerteam in Veltheim. Dieser forcierte den Sportunterricht, besonders den Handballsport. Er setzte sich als Übungsleiter des SuS Veltheim auch an den Nachmittagen für diesen Sport ein und gewann viele meiner Schulkameraden und auch mich für den SuS Veltheim. Dort bildeten wir eine Schülermannschaft und trainierten unter fachkundiger Leitung des Lehrers den Großfeldhandball.

Am 1.4.1964 verließ ich die Schule Veltheim, um zum Aufbauzug Hausberge zu wechseln. Insofern konnte ich am Schulsport mit Lehrer Bödecker nicht mehr teilnehmen, spielte aber weiterhin in der Schülermannschaft des SuS Veltheim Handball, und natürlich nutzten wir auch sonst jede freie Minute für diesen Sport.

Schon in dieser Zeit wuchs mein Interesse an der Heimatgeschichte und besonders an der damit eng verbundenen Geschichte der Veltheimer Vereine, besonders des SuS Veltheim. Es war allerdings gar nicht so leicht, an Informationen zu kommen. Ein Archiv gab es im Verein nicht (dieses habe ich ab diesem Zeitpunkt nach und nach aufgebaut), und die Erzählungen der Altvorderen gingen oft in unterschiedliche Richtungen. Trotz alledem hörte ich immer interessiert zu, machte so manche Notiz und sammelte alles, was ich über den Sport in Veltheim bekommen konnte: Bilder, Zeitungsausschnitte, Festzeitschriften usw.

Aus diesem Fundus habe ich die Entwicklung des Sports in Veltheim wie ein Puzzle zusammengetragen. Im Laufe der Zeit übergaben mit ältere Mitbürger und Vereinsmitglieder dann sogar alte Protokollbücher, Kassenbücher, Fotos und sonstige Aufzeichnungen, die urplötzlich wieder aufgetaucht waren.

Sogar einige Seiten einer Satzung des Turnvereins Einigkeit Veltheim vom 7. März 1897 übergab man mir in Kopie, das Original wird dem Verein leider bis heute vorenthalten. Hierbei handelte es sich um die Seiten ab § 7 der Satzung, die ersten Seiten sollen nicht mehr vorhanden sein.

Die Gründungsgeschichte: Turnverein Einigkeit Veltheim

Besonders interessierte mich als junger Mensch, wann, wie und warum dieser Sportverein gegründet worden war. Dazu wurden von den Altvorderen die unterschiedlichsten Geschichten erzählt. Erst im Laufe der späteren Jahre konnte ich mir aus den gesammelten Unterlagen ein genaueres Bild machen, und so denke ich, die Gründungsgeschichte trotz mangelnder konkreter Aufzeichnungen heute genauer beschreiben zu können.

In meiner Jugendzeit kannte ich zunächst nur folgende Gründungsgeschichte, die immer wieder erzählt und beschrieben wurde:

„Man schrieb das Jahr 1894, als 15 junge Leute den Turnverein Einigkeit Veltheim gründeten. Veltheim war ein kaum bekanntes Bauerndorf. Der Kaiser regierte noch in Berlin und eine Reise nach Hannover dauerte einen ganzen Tag ...“ So schrieb es auch der Chronist in der Festschrift „75 Jahre Sport in Veltheim“ im Jahre 1969.

Der Chronist führte weitere Erkenntnisse aus, die, so konnte ich erst viel später feststellen, auf einem Pressebericht des Mindener Tageblatts aus dem Jahre 1954 beruhten.

Später konnte ich weitere Details zur Gründungsgeschichte recherchieren. Zum 60-jährigen Bestehens des Vereins „Spiel- und Sportverein Veltheim von 1894 e. V.“, der sich 1945 auf der Basis der Vorläufervereine, u. a. Turnverein Einigkeit Veltheim, neu konstituierte und somit das Gründungsjahr 1894 im Vereinsnamen festschrieb, berichtete nämlich die Presse 1954 wie folgt:

„Als im Jahre 1894 das Gründungsprotokoll des Turnvereins Einigkeit Veltheim bei einer Beteiligung von 15 jungen Männern in der damaligen Schankwirtschaft an der Kirche ‚Hanjörns‘ geschrieben wurde, schloss sein Verfasser mit dem Wunsche, daß alle erforderlichen Vorarbeiten in kurzer Zeit so geregelt sein möchten, daß der Verein als dauerhaft angesehen werden könne. Das ist wohl der Wunsch derer gewesen, die an jenem Abend die Gründung des Vereins vollzogen. Drei dieser Turner stehen heute noch in den Veltheimer Reihen: der langjährige Vorsitzende Wilhelm Held sowie die Ehrenmitglieder Wilhelm Säger und Heinrich Tellermann.

Das war der rein organisatorische Anfang. Der praktische aber gestaltete sich weitaus schwieriger. Es sollte ein Turnverein seine Arbeit beginnen, der zunächst weder Geld noch das einfachste Gerät hatte. So wurden die ersten Mitglieder auf den einzig möglichen Weg verwiesen: Hilf dir selbst! Und sie haben sich selbst geholfen und schafften durch Selbsthilfe Barren und Reck an.“[1]

So weit zunächst dieser Pressebericht aus dem Mindener Tageblatt.

Dieser Bericht, so konnte ich später herausfinden, basierte wiederum auf den Berichten der damals noch lebenden Mitbegründer. Und diese mussten es ja wissen. Leider ist es mir bis heute trotz intensivster Recherchen nicht gelungen, das Gründungsprotokoll aufzufinden.

Dem Zeitungsbericht aus 1954 war nicht zu entnehmen, wer neben Wilhelm Held, Wilhelm Säger und Heinrich Tellermann zu den Gründern gehörte. Das Gründungslokal „Hanjörns“, damals die Stätte Veltheim Nr. 81, ist schon im Urbar von 1682 als Schankstätte = „Krug“ genannt. Eigentümer war damals Johan Jürgen Helt. Nach Einführung der Straßenbezeichnungen im Jahre 1963 wurde es das Haus „Buschweg 18“, Eigentümer Wilhelm Heldt, bei Gründung der Stadt Porta Westfalica in 1973 änderte sich die Bezeichnung in „Brinkborn 18“.

Leider war bislang das erste Protokollbuch des Turnvereins nicht mehr aufzufinden – es soll allerdings eines gegeben haben. Das zweite Protokollbuch begann mit dem Datum 2.4.1910 und liegt mir vor. Beim intensiven Studium dieses Buches (auf den Inhalt komme ich im Folgenden noch des Öfteren zurück) fand ich einen Vermerk vom 3.6.1920, „dass das 25-jährige Stiftungsfest vorbereitet wird“.[2] Diese Jubiläumsfeier fand am 13.6.1920 statt.


 

 







Abbildung 2: Vorderseite Vereinsfahne Turnverein Einigkeit Veltheim von 1894

Interessant ist, dass die erste Vereinsfahne das Datum 1895 und den Namen „Turn-Verein Eintracht Veltheim“ trägt. Als ich die Fahne für das Archiv des Vereins sichern konnte, war dieser Umstand noch niemanden aufgefallen. Bei späteren Recherchen erfuhr ich, dass die Vereinsfahne zum ersten Stiftungsfest des Vereins 1895 erstellt wurde – deshalb diese Jahreszahl – und es sich bei dem Schriftzug „Eintracht“ schlichtweg um einen Schreib- oder Übermittlungsfehler handelte, der allerdings zunächst nicht aufgefallen und später aus Kostengründen nicht mehr bereinigt worden war.

Diese Fahne befindet sich im Original in der Ausstellung des Heimatvereins in der Heimatstube in Veltheim.

 

 









Abbildung 3: Rückseite der ersten Vereinsfahne des Turnvereins

Beim ersten Stiftungsfest, welches im Freien gefeiert wurde, da kein Saal zur Verfügung stand, durften keine Mädchen teilnehmen. Obwohl die meisten jungen Mädchen gern einmal mit den schneidigen Turnern getanzt hätten – so wurde berichtet!

Geturnt wurde auf dem Dorfplatz in der Nähe der späteren Gaststätte Buschmann; in der ersten Zeit an einer einfachen Eisenstange, die zwischen zwei in der Erde verankerten Holzpfählen gespannt war und als Reck diente. Auf diese Art wurde später auch ein Barren selbst erstellt.

Im Jahre 1909 bezog der Verein sein Vereinslokal Buschmann, wo inzwischen ein Saal gebaut war. Nun konnte man auch bei schlechtem Wetter und im Winter turnen. 

In der Niederschrift[3] zum 25-jährigen Bestehen wurden als noch lebende Gründungsmitglieder für 25 Jahre Vereinszugehörigkeit mit einem Ehrenbrief folgende Mitglieder geehrt: Wilhelm Held (Maurermeister), Moritz Nottmeier (Hilfsfuhrmann), Fritz Buhmeier (Schlachter) und Heinrich Tellermann (Bäckermeister). Wilhelm Held war seit der Gründung bis zum 3.1.1920, dem Tag der Generalversammlung, 1. Vorsitzender des Vereins. Er legte sein Amt freiwillig nieder und wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Für ihn wurde in dieser Generalversammlung Heinrich Luhmann als Vorsitzender gewählt.

Wer waren nun aber die anderen elf Gründungsmitglieder? Leider gibt es dazu keine konkreten Dokumente und Aufzeichnungen. In Erzählungen der Altvorderen wurden mir noch folgende weitere Namen genannt: Heinrich Behning (Maschinist), Fritz Tenge (Tischlermeister), Wilhelm Säger (Arbeiter), August Schäfer (Schlosser), Wilhelm Behning (Maschinist), Wilhelm Böke (Bahnbeamter), Wilhelm Camen (Bäckermeister) und Heinrich Säger (Bahnbeamter).

Es spricht einiges dafür, dass diese Personen zu den Mitbegründern gehörten, denn diese Mitglieder wurden ab 1921 als Ehrenmitglieder in den Büchern geführt.

Wie sich die Zahl der Mitglieder in den ersten Jahren des Vereinsbestehens entwickelte, konnte ich leider nicht mehr feststellen.

Ein erstes Foto liegt mir aus dem Jahre 1907 vor:

 

 






Abbildung 4: Mitglieder des Turnvereins im Jahre 1907. Obere Reihe v. l. n. r.: Wilhelm Müller, Ernst Korff, Heinrich Korff, Ernst Stohlmann, Heinrich Todeskino, Wilhelm Buschmann; mittlere Reihe: Heinrich Tiedermann, Wilhelm Luttermann, Wilhelm Sellig, Heinrich Stohlmann, Wilhelm Todeskino, Hans Korte, Wilhelm Behning; untere Reihe: Fritz Tellermann, Wilhelm Held, Wilhelm Camen, Wilhelm Tiedermann, Heinrich Behning       

 

Die Aufstellung der Turner für den Fotografen veranschaulicht eine für diese Zeit beliebte Form der Vereinsselbstdarstellung. In der Mitte befindet sich der Fahnenträger mit dem wichtigsten Symbol des Vereins, der Fahne. Er wird von zwei beschärpten Adjutanten flankiert, die ihre Säbel geschultert präsentieren. Davor steht ein Tisch, um den herum fünf Mitglieder sitzen, wahrscheinlich der Vereinsvorstand. Auf dem Tisch steht ein gefülltes Stiefelglas und darunter befindet sich ein Holzfass. Diese Symbole, ebenso wie die fiktive Literangabe auf dem Bierfass (500 Liter!) stehen für einen anderen Aspekt der Freizeitgestaltung im Turnverein. Die abendlichen Feiern mit zahlreichen Trinkspielen gehörten untrennbar zum Vereinsleben. Dass dennoch der Sport nicht zu kurz kam, davon sollten die beiden Wurfgewichte im Vordergrund des Bildes zeugen.[4]

Warum kam es nun besonders im 19. Jahrhundert zu den vielen Gründungen von Sport- und Sportschützenvereinen? Der Schützenverein Veltheim z. B. wurde schon 1892 gegründet.

Diese Thematik will ich nun beleuchten, damit die Gründung des Turnvereins Veltheim in die geschichtliche Entwicklung richtig eingeordnet wird.

Entwicklung der Turn- und Sportbewegung[5]

Der aus der Antike stammende Ausspruch von „einem gesunden Geist in einem gesunden Körper“, der heute noch Bestandteil humanistischen Bildungsgutes ist, verweist auf die lange Geschichte sportlicher Betätigung. Später war die Körperertüchtigung eine wichtige Voraussetzung für die Umsetzung der militärischen Ziele der politischen Elite. Auch im 19. Jahrhundert, als die Turnbewegung an Popularität gewann, stand hinter der Forderung nach allgemeiner Körperertüchtigung als Leitmotiv die Verbesserung der Wehrtüchtigkeit.

Dem Philanthropismus, einer Erziehungsbewegung des ausgehenden 18. Jahrhunderts, ging es in erster Linie um den Körper. Vor allem Johann C. F. GutsMuths (1759–1839) forderte für die Umsetzung dieser Ziele eine „Revision des Erziehungswesens.“[6] Für die Philanthropen waren die Leibesübungen ein wesentlicher Bestandteil der neuen Pädagogik. Bahnbrechend in die Tat umgesetzt wurden diese Ideale vor allem durch Friedrich Ludwig Jahn (1778–1852), dem „Turnvater“. Dieser errichtete im Frühjahr 1811 den ersten Turnplatz in Berlin. Die Leibesübungen, die Jahn als „Turnen“ bezeichnete, bestanden aus Freiübungen, Gymnastik, Boden- und Geräteturnen und wurden durch Spiele, Schwimmen, Fechten und Wandern ergänzt. In unserer Gegend entstand der erste Turnplatz in Bückeburg, geschaffen durch den turnbegeisterten Hofrat W. C. Faust, im Jahre 1816. Ihm folgten weitere in Rinteln 1817 und in Minden 1818.

Zum Erscheinungsbild der Turner gehörten der Turnergruß „Gut Heil“ und der von Jahn wiederbelebte Studentengruß aus dem 16. Jahrhundert „Frisch, fromm, fröhlich, frei“. Die deutschen Turnfeste, beginnend 1860 in Coburg, entwickelten sich rasch zu Massenveranstaltungen.

Mit der Gründung der „Deutschen Turnerschaft“ auf dem 4. Deutschen Turntag zu Weimar 1868 sollte ein Zeichen gesetzt werden für das erklärte Ziel der Einigung des deutschen Nationalstaates.[7]

Bei Ausbruch des Deutsch-Französischen Krieges 1870 standen die Turner entschlossen hinter der preußisch-deutschen Führung.

In der Zeit des Kaiserreiches sahen die bürgerlichen Turnvereine ihre nationalpolitischen Erwartungen weitgehend erfüllt. Das Turnen „sank zur bloßen Leibesübung, ja zur Geselligkeits- und Bierangelegenheit ab“.[8]

Die Turnbewegung wuchs jedoch durch weitere Vereinsgründungen in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts bis zum Ersten Weltkrieg stetig an.

Die Zeit nach der Gründung des Turnvereins in Veltheim

In den ersten Jahren nach der Gründung 1894, so wurde später berichtet, entwickelte sich der Verein sehr gut. Verlässliche Aufzeichnungen dazu habe ich nicht gefunden, doch den Erzählungen der Altvorderen kann man insoweit vertrauen, da ich die Berichte von vielen unterschiedlichen Personen erhalten habe.

Die erste Satzung wurde lange diskutiert und erst im März 1897 endgültig beschlossen. Diese Satzung beinhaltete 17 Paragraphen. Mir liegen nur die letzten Seiten ab § 7 ff. vor (siehe Anhang).

Mir wurde berichtet, dass die Turnstunden immer sehr gut besucht waren, dass besonders aber der gesellige Teil dieser Veranstaltungen sehr beliebt war. Auch sonst trat der Verein mit dem Veranstalten von Turnfesten und Tanzlustbarkeiten schnell in die Öffentlichkeit.

Am 15. Februar 1905 musste sich der Vorstand des Vereins vor dem „Königlichen Schöffengericht“ in Vlotho verantworten. Es erging im „Namen des Königs“ ein Urteil gegen den Verein wegen Übertretung der Polizeiverordnung vom 12. November 1892 (siehe Anhang).

Auszüge aus der Urteilsbegründung:

„Der Verein soll am 6. November 1904 im Saal des Gastwirts Moritz Buschmann in Veltheim eine Tanzlustbarkeit veranstaltet, an der auch Mitglieder teilgenommen haben. Am Eingang wurde ein Eintrittsgeld erhoben. Polizeiliche Genehmigung war zu dieser Veranstaltung nicht eingeholt worden. Strafbar ist die nicht genehmigte Veranstaltung einer Tanzlustbarkeit zwar nur dann, wenn diese aber öffentlich ist. Dass aber Letzteres hier zutrifft, ist vom Schöffengericht nach der Vernehmung von fünf Zeugen festgestellt.

Insoweit wurde im Urteil für Recht erkannt:

Die Angeklagten sind der Übertretung gegen §§ 1 und 2 der Polizeiverordnung vom 12. November 1892 schuldig und werden deshalb zu einer Geldstrafe von 5 Mark, an deren Stelle bei Nichtzahlung im Beitreibungsfalle dieser Strafe, mit einem Tag Haft, bestraft.“

So weit dieses interessante Urteil. Es wurde mir berichtet, dass der Verein die Geldstrafe gezahlt hat, um die Vorstandsmitglieder vor dem Tag Haft zu bewahren.

Weitere interessante Hinweise zur Vereinstätigkeit des Veltheimer Turnvereins sind dem Protokollbuch von 1910 des Vereins, welches mir 1975 von einem Mitglied übergeben wurde, zu entnehmen.

Die Entwicklung des Turnvereins ab 1910

Die erste Eintragung in dem Protokollbuch datierte vom 2. April 1910 und lautete:

„In der heute anberaumten Monatsversammlung, zu der die Mitglieder in beschlussfähiger Anzahl erschienen waren, wurde die Tagesordnung wie folgt erledigt:

 

  1. Hebung der Monatsbeiträge. Eingenommen wurden      4,10 Mark.
  2. Wurde ein neues Mitglied aufgenommen   

 Unterschriften: Stohlmann, W. Behning“

 

 

 

 





Abbildung 5: Turner vom TV Einigkeit Veltheim 1910 mit Partnerinnen;

Namen v. l. n. r: Frieda Kuhlmann, Wilhelm Todeskino, Eheleute Brannahl (Heckerfeld), Karl Peusner, Eheleute Kütemeier (Bokshorn), Frau Pettenpaul, Richard Becker, Wilhelm Peusner und Ehefrau, geb. Hupe; sitzend: Kütemeier, Fritz Peusner, Wilhelm Vauth (Immengarten)

Auf den nächsten Seiten wurden die weiteren Monatsversammlungen protokolliert, und zwar vom 21. Mai 1910, 11. Juni 1910, 6. August 1910, 10. September 1910. Warum sich für die Monate Oktober, November und Dezember keine Eintragungen mehr fanden, ist mir nicht erklärlich. Die Aufzeichnungen in dem Buch selbst ergaben keine Hinweise.

Mit Datum vom 15. Januar 1911 fand sich das Protokoll der Generalversammlung für das Jahr 1910. Unter Tagesordnungspunkt 6 war hier das Wahlergebnis für den Vorstand verzeichnet; es wurde einstimmig gewählt:

 

  1. Vorsitzender: Wilhelm Held
  2. Stellvertretender Vorsitzender: Wilhelm      Tiedermann
  3. Schriftführer: Friedrich Luhmann
  4. Stellvertretender Schriftführer: Heinrich Korte
  5. Kassierer: Friedrich Tellermann
  6. Stellvertretender Kassierer: Heinrich Müller
  7. Turnwart: Wilhelm Behning
  8. Stellvertretender Turnwart: Hermann Siekmöller
  9. Kassenrevisoren: August Schäfer, Wilhelm Säger
  10. Gerätewart: Karl Korte

Unterzeichnet wurde dieses Protokoll von den Herren Luhmann, Held, Behning und Müller.

In der weiteren Folge wurden wieder die Monatsversammlungen protokolliert, wovon ich im weiteren Verlauf dieses Abschnitts einige wiedergebe bzw. in Absätzen zitiere, die für den zeitgeschichtlichen Abriss der sportlichen Entwicklung des Vereins in dieser Epoche von Bedeutung sind.

Dem Beitragsbuch des Turnvereins Einigkeit Veltheim von 1910 war die Anzahl der Mitglieder zu diesem Zeitpunkt zu entnehmen.

Unterschieden wurden die Mitglieder in folgende Gruppen:

 

  1. beitragsfreie Mitglieder bzw. Mitglieder, die nur      die Hälfte der Beiträge zu entrichten hatten
  2. beitragspflichtige Mitglieder


Die Entwicklung der Mitgliederzahlen in den Jahren 1910 bis 1916

 

 

freie Mitglieder

pflichtige Mitglieder

Mitglieder gesamt

1910

31

56

87

1911

26

60

86

1912

28

65

93

1913

47

56

103

1914

49

64

113

1915

31

57

88

1916

32

54

86

 

Ab 1912 wurden die beitragsfreien Mitglieder im Beitragsbuch als „Ehrenmitglieder“ bezeichnet.

 

Es ist sicherlich für den Leser von Interesse, wer sich hinter den genannten Mitgliederzahlen verbarg. Deshalb an dieser Stelle eine Auflistung der Mitglieder des Jahres 1910. Bei den sogenannten „beitragsfreien/beitragsbegünstigten Mitgliedern“ war das Eintrittsdatum nicht immer genannt, darum gehe ich davon aus, dass sich unter ihnen einige Gründungsmitglieder aus dem Jahre 1894 befanden.


Liste der Mitglieder des Jahres 1910           

 

Beitragsfreie/beitragsbegünstigte Mitglieder

lfd.

Nr.

Name

Stand

Wohnort[9]

Eintritt[10]

1

Nottmeier, Moritz

Hilfsfuhrmann

Nr. 237

 

2

Diekmann, Heinrich

 

Nr. 117

 

3

Huck, Wilhelm

Beamter

Bad Oeynhausen

 

4

Nottmeier, Ernst

 

Nr. 72

 

5

Stohlmann, Wilhelm

Tischler

Möllbergen

 

6

Tenge, Friedrich

Tischler

Nr. 187

 

7

Schäfer, Heinrich

Arbeiter

Nr. 210

 

8

Schäfer, August

Schlosser

Nr. 173

 

9

Schäfer, Karl

Schiffsführer

Nr.

 

10

Säger, Wilhelm

Arbeiter

Nr. 15

 

11

Behning, Wilhelm

Arbeiter

Nr. 62

 

12

Baake, Heinrich

Arbeiter

Möllbergen

 

13

Buschmann, Wilhelm

Schmied

Nr. 42

 

14

Tellermann, Wilhelm

Zimmermann

Nr. 88

 

15

Tellermann, Friedrich

Zimmermann

Nr. 253

 

16

Stahlhut, Heinrich

Beamter

Meißen

 

17

Säger, Heinrich

Bahnarbeiter

Nr. 179

 

18

Held, Wilhelm

Maurer

Nr. 81

 

19

Tiedermann, Wilhelm

Maschinist

Nr. 116

 

20

Camen, Wilhelm

Bäcker

Nr. 256

 

21

Tiedermann, Heinrich

Arbeiter

Nr. 97

 

22

Behning, Heinrich

Arbeiter

Nr. 117

 

23

Buschmann, Karl

Arbeiter

Nr. 54

 

24

Luhmann, Heinrich

Bahnarbeiter

Nr. 40

 

25

Stahlhut, Wilhelm

Bahnarbeiter

Nr. 215

 

26

Stohlmann, Heinrich

Postillion

z. Zt. Minden

 

27

Schäfer, Wilhelm

Maurer

z. Zt. Freiburg

 

28

Poock, Heinrich

Landwirt

z. Zt. Minden

 

29

Kütemeier, Heinrich

Landwirt

z. Zt. Minden

 

30

Boeke, Heinrich

Arbeiter

z. Zt. Minden

 

31

Buschmann, Moritz

Gastwirt

Nr. 244

Ehrenmitglied

32

Stohlmann, Ernst

 

Beckum

01.01.1907

33

Buschmann, Ernst

Arbeiter

Königsberg

01.02.1907

34

Evert, Wilhelm

Landwirt

Minden

01.02.1907

35

Korte, Friedrich

Schumacher

Königsberg

01.02.1907

36

Korte, Wilhelm

Arbeiter

Straßburg

01.04.1908

37

Hanke, Ernst

Schmied

Hameln

01.04.1908

38

Hawes, Friedrich

Arbeiter

Minden

01.10.1908

39

Stuke, Friedrich

Landwirt

Minden

01.08.1909

40

Buhmeier, Friedrich

 

 

 

41

Korte, Wilhelm

Arbeiter

Nr. 170

 

42

Huck, Heinrich

Briefträger

Nr. 66

 

43

Tellermann, Heinrich

Bäcker

Nr. 152

 

44

Sellig, Wilhelm

 

 

 

45

Brannahl, Wilhelm

Arbeiter

Nr. 135

 

 

Beitragspflichtige Mitglieder

lfd.

Nr.

Name

Stand

Wohnort

Eintritt

1

Peetz, Heinrich

Arbeiter

Nr. 55

01.08.1897

2

Diestelhorst, Friedrich

Arbeiter

Nr. 13

01.07.1903

3

Stahlhut, Friedrich

Arbeiter

Nr. 228

01.03.1903

4

Branahl, Wilhelm

Arbeiter

Nr. 135

01.07.1904

5

Korff, Ernst

Landwirt

Nr. 11

01.07.1905

6

Müller, Heinrich

Arbeiter

 

01.05.1905

7

Todeskino, Heinrich

Arbeiter

Nr.202

01.10.1905

8

Peußner, Heinrich

Arbeiter

Nr.251

01.05.1906

9

Huck, Karl

Arbeiter

Nr. 216

01.12.1906

10

Stohlmann, Ernst

Bürogehilfe

Nr. 188

01.01.1907

11

Buschmann, Ernst

Arbeiter

Nr. 145

01.02.1907

12

Evert, Wilhelm

Landwirt

Nr. 27

01.02.1907

13

Korte, Friedrich

Stuhlmacher

Nr. 193

01.04.1907

14

Korte, Heinrich

 

Nr. 170

01.06.1901

15

Todeskino, Karl

Arbeiter

Nr.202

01.10.1907

16

Nolting, August

Arbeiter

Nr.166

01.10.1907

17

Müller, Moritz

Arbeiter

Nr. 80

01.10.1907

18

Buschmann, Heinrich

Arbeiter

Nr. 145

01.03.1908

19

Lücke, Heinrich

Arbeiter

 

01.02.1908

20

Stahlhut, Heinrich

Tischler

Nr.220

01.06.1908

21

Korte, Wilhelm

Arbeiter

Nr.193

01.06.1908

22

Hanke, Ernst

Arbeiter

Nr. 44

01.04.1908

23

Bauer, Friedrich

Arbeiter

 

01.04.1908

24

Siekmöller, Hermann

 

Nr. 10

01.05.1908

25

Hawes, Friedrich

Arbeiter

Nr. 29

01.08.1908

26

Bokeloh, Heinrich

Arbeiter

 

01.01.1909

27

Buhmeier, August

Arbeiter

Nr. 36

01.01.1909

28

Vauth, Karl

Arbeiter

Nr. 96

01.03.1909

 

Weitere interessante Eintragungen im Protokollbuch spiegeln besonders den Zeitgeist der damaligen Jahre wider.

So steht geschrieben, dass am 21. Juni 1914 ein Stiftungsfest stattfand.

Am 29. November 1914 wurde in der Monatsversammlung beschlossen, „den Mitgliedern des Vereins, die z. Zt. zum Kriegsdienst einberufen sind, eine Kiste Zigarren für 20 Mark auf Vereinskosten zu überbringen.“

Am 10. März 1920 fand sich folgender Beschluss. „Sämtliche Mitglieder unter 21 Jahren müssen an jeder Turnstunde teilnehmen. Den Anordnungen des Vorstands ist unbedingt zu folgen. Bei dreimaligem Fehlen wird es aus dem Verein gestrichen.“

Am 13. Juni 1920 wurde das 25-jährige Bestehen ausgiebig gefeiert. Die Festrede hielt der Vorsitzende Luhmann. Es wurde erstmals ein Damenreigen aufgeführt. Die Namen der Teilnehmerinnen wurden im Protokollbuch festgehalten.

Am 13. Februar 1921 fand eine Einweihungsfeier für eine Ehrentafel für Veltheimer statt, „die ihr Leben dem geliebten Vaterland zum Opfer brachten.“ Die Festrede hielt der Ehrenvorsitzende Wilhelm Held.

Am 31. Dezember 1921 fiel der Silvesterball aus, da das Amt Hausberge keine Genehmigung erteilte.

Am 13. Juli 1924 fand ein Festumzug im Rahmen eines Stiftungsfestes statt. An der „Friedenseiche“ wurde den gefallenen Turnbrüdern gedacht. Es wurde das Lied „Ich hatt’ einen Kameraden“ gesungen.

Am 1. November 1924 wurde protokolliert, dass das Geräteturnen wegen der in Veltheim aufgetretenen Seuche nicht stattfinden konnte.

In 1927 wurde protokolliert, dass dem Verein folgende Ehrenmitglieder angehörten: 

-         Wilhelm Held (seit 28.12.1919)

-         Moritz Nottmeier (seit 13.06.1920)

-         Fritz Buhmeier (seit 13.06.1920)

-         Heinrich Tellermann (seit 13.06.1920)

-         Heinrich Behning (seit 03.07.1921)

-         Fritz Tenge (seit 03.07.1921)

-         Wilhelm Säger (seit 03.07.1921)

-         August Schäfer (seit 02.07.1922)

-         Wilhelm Behning (seit 23.09.1923)

-         Wilhelm Böke (seit 11.01.1925)

-         Wilhelm Camen (seit 20.09.1925)

-         Heinrich Säger (seit 19.06.1927)

Das Protokollbuch von 1910 endete mit einer Eintragung am 12. Dezember 1924.

Am 1. Januar 1928 wurde ein neues Beitragsbuch begonnen, welches bis zum Jahre 1939 geführt wurde.


Mitgliederstatistik 1920 bis 1932, Stand jeweils 31.12.[11]

 

Jahr

Gesamt

Turnschüler



Vereinsvorsitzender

 

m

w

m

w

 

1920

79

 

 

 

Ernst   Vauth, Nr. 192

1921

80

 

 

 

Ernst Vauth, Nr. 192

1922

71

 

 

 

Karl Buschmann, Nr. 244

1923

48

 

 

 

Karl   Buschmann, Nr. 244

1924

46

 

2

 

August   Vauth, Nr. 16

1925

35

 

 

 

August   Vauth, Nr. 16

1926

36

 

 

 

Karl Buschmann, Nr. 244

1927

36

 

 

 

Karl Buschmann, Nr. 244

1928

35

 

 

 

August Tellermann, Nr. 12

1929

36

 

 

 

Karl Buschmann, Nr. 244

1930

38

 

 

 

Karl Buschmann, Nr. 244

1931

40

 

 

 

Karl Buschmann, Nr. 244

1932

40

 

15

 

Karl Buschmann, Nr. 244

 

Diese Daten sind den Meldungen an den Turnverband entnommen. Über die jeweiligen Vorsitzenden der Jahre 1933 bis 1945 gibt es keine verlässlichen Aufzeichnungen. Dem Beitragsbuch von 1928 bis 1939, welches mir vorliegt, könnten weitere Mitgliederentwicklungen abgeleitet werden. Da aber auch Streichungen ohne weitere Vermerke vorgenommen wurden, ist nicht erkennbar, ob das ggf. Austritte waren. Insofern wären die Angaben mit Fehlern behaftet, deshalb habe ich an dieser Stelle darauf verzichtet. Für das Jahr 1939 waren registriert: 18 verheiratete Mitglieder, 46 sonstige Mitglieder (darunter sind keine Frauen).

Es liegen die Kassenbücher von 1910 bis 1938 des Turnvereins Einigkeit Veltheim vor, die Jahre 1938 und 1939 sind scheinbar unvollständig. Für 1937 bestätigten die Revisoren Brannahl, Buschmann und Bauer die korrekte Kassenführung.


Der Arbeiter-Turnverein Veltheim

Folgen Sie mir in der Betrachtung dieser Jahre zurück in die Zeit nach dem Ende des Ersten Weltkriegs. In dieser Zeit (1921) gründete sich in Veltheim ein zweiter Sportverein, der Arbeiter-Turnverein Veltheim.

 

    

 








Abbildung 6: Vereinsfahne „Arbeiter-Turnverein Veltheim“, Vorderseite

             











Abbildung 7: Vereinsfahne „Arbeiter-Turnverein Veltheim“, Rückseite

Diese Vereinsfahne wurde dem SuS Veltheim erst Mitte der 70er Jahre zur Verfügung gestellt. Bis dahin befand sie sich in Obhut eines Mitglieds des damaligen Vereins. Die Fahne befindet sich derzeit in der Heimatstube des Heimatvereins in einer Ausstellung.

Leider sind zu diesem Verein nur wenige Details bekannt. Es liegen keine Protokoll- bzw. Beitragsbücher vor und es gibt keine konkreten Aufzeichnungen. Die nachstehenden Informationen zu diesem Verein sind aus Gesprächsnotizen beteiligter Personen zusammengestellt.

So wurde mir berichtet, dass es nach der Gründung zu großen Reibereien beider Vereine kam. Alte Veltheimer sprachen von großen „Schlachten“ beider Vereine, die wohl auch den politischen Wirren geschuldet waren. Vereinslokal des Arbeiter-Turnvereins Veltheim war die Schankwirtschaft Schmidt an der Kirche.

Zu den Mitbegründern des Vereins sollen u. a. Karl Krüger, Wilhelm Schäfer und die Gebrüder Bödecker gezählt haben.

 

 







Abbildung 8: Mitglieder des Arbeiter-Turnvereins Veltheim Ostern 1924, nicht alle Namen sind bekannt; ganz links: Wilhelm Vauth (Immengarten), 3. v. l.: Karl Fiedler, 5. v. l.: Wilhelm Schäfer

Auf der Tafel auf dem Foto ist als Name des Vereins „Arbeiter-Turnverein Veltheim“ geschrieben. In den vielen Gesprächen, die ich mit Zeitzeugen führen konnte, wurde allerdings immer der Name: „Arbeiter-Turn- und Sportverein“ gebraucht. Welche Bezeichnung nun richtig war, konnte ich aufgrund fehlender Unterlagen nicht herausbekommen. Bekannt ist allerdings, dass es in der damaligen Zeit einen „Arbeiter-Turn- und Sportbund (ATSB) als übergeordnete Dachvereinigung gab. Ende des 19. Jahrhunderts entstanden im Deutschen Kaiserreich zahlreiche Arbeiterturnvereine. Es war eine Gegenbewegung zur nationalistischen Deutschen Turnerschaft, die nur selten Arbeiter in ihren Reihen duldete. Als Zentralverband dieser Vereine wurde 1893 in Gera der Arbeiter-Turnerbund (ATB) gegründet.[12] Nach dem Ersten Weltkrieg (1919) wurde dieser Verband in Arbeiter-Turn- und Sportbund (ATSB) umbenannt.[13] Seine Schwerpunkte lagen zu dieser Zeit schon nicht mehr nur beim Turnen, sondern auch bei der Leichtathletik, beim Handball, beim Wintersport und vor allem beim Fußball.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 wurde die der SPD nahestehende Sportvereinigung verboten. Sportplätze, Turnhallen und Vereinsheime der Arbeitersportvereine wurden enteignet.[14]

Im Arbeiter-Turnverein Veltheim – ich bleibe in der Folge bei dieser Bezeichnung – wurde um 1925/1926 herum auch eine Radfahrgruppe gegründet, die sich dem Kunstradfahren widmete und sich den Namen „Schwalbe Veltheim“ gab.

 

 

 






Abbildung 9: „Schwalbe Veltheim“ 1926; v. l. n. r.: Fritz Kahre; nicht bekannt, Wilhelm Lücke, Wilhelm Fiedler, August Brinkmann, Fritz Huck, Fritz Hanke, nicht bekannt, Wilhelm Hawes, Ernst Todeskino

Für den Arbeiter-Turnverein Veltheim kam 1933 ebenfalls das Aus. Auf Befehl des Landrates des Kreises Minden wurde mit Wirkung vom 18.5.1933 der Verein mit dem Turnverein Einigkeit Veltheim zusammengeschlossen.

In dem Beitragsbuch dieser Zeit sind beim Turnverein am 3.6.1933 viele Neumitglieder eingetragen. Ich vermute, dass es sich dabei um die übernommenen Mitglieder des Arbeiter-Turnvereins Veltheim handelte.

In Gesprächen mit einigen dort genannten Personen wurde mir allerdings bedeutet, dass auf jeden Fall nicht alle dort Genannten dem Arbeiter-Turnverein Veltheim angehört hätten. Deshalb liste ich die Namen an dieser Stelle nicht auf.

Die Mindener Zeitung schrieb am 7.6.1933 und das Mindener Tageblatt am 7.2.1934, dass „in Veltheim 25 ehemalige Arbeitersportler in den TV Einigkeit Veltheim eingegliedert wurden, ohne daß es zu weiteren Auseinandersetzungen kam“.[15]

Im Kreis Minden gab es in dieser Phase der sogenannten „Gleichschaltung“ des Sports etliche Neugründungen von Vereinen auf der bürgerlichen Basis, doch in vielen Fällen waren Neugründungen nicht möglich und die Arbeitersportler hörten mit dem Sport auf bzw. schlossen sich den Vereinen der Deutschen Turnerschaft an.

Lesern, die sich noch intensiver mit der Arbeiter-Turn- und Sportbewegung im Kreis Minden zu dieser Zeit beschäftigen möchten, empfehle ich den Aufsatz von Joachim Meynert: „Sport als Subkultur – Arbeitersport und Arbeiterhandball in der Weimarer Republik“, erschienen in dem Buch: „Und auch der Handball ist rund“.[16]

 

Turnverein Einigkeit Veltheim 1930 bis 1945

 

 






Abbildung 10: Turnen einer Damengruppe in der Schule Veltheim um 1930


Die Geselligkeit in den Vereinen wurde in dieser wirtschaftlich und politisch schwierigen Zeit gern gepflegt, wie nachstehende Fotos zeigen.


 

 





Abbildung 11: Himmelfahrtsausflug 1932 mit dem Mandolinenorchester

 

 

 





Abbildung 12: Himmelfahrtsausflug 1932 mit dem Mandolinenorchester

 

Mit Beginn der nationalsozialistischen Diktatur 1933 wurde die Vereinsarbeit im Turnverein Einigkeit Veltheim sicherlich nicht einfacher. Sport im Allgemeinen fand immer unter bestimmten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen statt, die maßgeblich vom politischen Herrschaftssystem und den politisch Aktiven determiniert wurden. Aber gerade im Hinblick auf die Zeit der nationalsozialistischen Diktatur wurde die politische Dimension des Sports zumeist ausgeblendet, verdrängt oder gar wissentlich unterschlagen.

In den zahlreichen Festschriften der Vereine wurde dieser Zeitraum allenfalls sehr knapp behandelt.[17]

 Das ist in dieser Zeit in Veltheim nicht anders gewesen und deshalb gibt es aus dieser Zeit nicht viel zu berichten. Zeitzeugen haben mir erzählt, dass es im Turnverein Einigkeit Veltheim in diesen Jahren Einschränkungen in den sportlichen Aktivitäten gab, dass allerdings schon seit Beginn der 30er Jahre ein Umschwenken vom reinen Turnen zum Handball und zur Leichtathletik festzustellen war. Darüber berichte ich im weiteren Verlauf.

Protokollbücher und andere Aufzeichnungen gibt es aus diesen Jahren nicht. Das schon angemerkte Beitragsbuch endete 1939 und in den Wirren des Zweiten Weltkriegs kam der Sportbetrieb im Turnverein Einigkeit Veltheim zum Erliegen. Aus dem Jahr 1934 ist dem Beitragsbuch allerdings noch zu entnehmen, dass die Mitglieder Moritz Buschmann, Fritz Stuke und Fritz Jacob zu Ehrenmitgliedern ernannt wurden.

Zu diesem Zeitpunkt gehörten dem Verein 24 verheiratete Mitglieder und 61 Mitglieder und Zöglinge an.

Die Vereinsentwicklung in der Zeit von 1934 bis 1939 ist nicht dokumentiert. Außer den Beitragsbüchern liegen mir keine Aufzeichnungen vor.

Aus dem Jahr 1938 habe ich dann allerdings noch einen interessanten Vermerk gefunden. Zu dieser Zeit soll der Schneider Karl Bödeker 1. Vorsitzender gewesen sein. Mit Schreiben vom 5.12.1938, unterzeichnet mit der Grußformel „Heil Hitler“ schreibt als Beauftragter der Kassenrevisoren ein „Boeke“ den 1. Vorsitzenden mit folgendem Text an:

„Da schon seit längerer Zeit keine Versammlungen mehr stattgefunden haben, auch der gesamte Turnbetrieb lahm liegt, erscheint uns Ihr Verhalten als Vorsitzender nicht ganz in Ordnung.

Es sind wiederholt Mitglieder an uns herangetreten und verlangen Klarstellung in dieser Angelegenheit. Wir fordern Sie daher auf, am Sonnabend, dem 10. d. Monats, um 20 Uhr im Gasthaus Buschmann zu erscheinen und uns Rechenschaft zu geben. Am gleichen Tag möchten wir auch eine Revision der Bücher und der Kasse vornehmen, Sie wollen daher die entsprechenden Unterlagen und die Kasse mitbringen. Wir erwarten bestimmt, dass Sie am genannten Tage erscheinen, da wir andernfalls leider gezwungen sind, den entsprechenden vorgesetzten Dienststellen Meldung zu machen.“

 Neben „Boeke“ hatte noch „Schilling“ als Beauftragter der Vereinsmitglieder unterschrieben.

 Dieser Aufforderung schien der Vorsitzende Bödeker nicht nachgekommen zu sein, denn mit Schreiben vom 12.1.1939 forderten „Boeke“ und „Schilling“ das Amt Hausberge auf, die geforderten Unterlagen durch die Polizei einziehen zu lassen. Dieser Antrag wurde entsprechend begründet, u. a. damit, „dass der Vorsitzende Bödeker nichts von sich hören lässt und keine Kassenrevision gestattet.“

Am 18.4.1939 schrieb dann der „Nationalsozialistische Reichsbund für Leibesübungen“ den Turnverein Einigkeit Veltheim z. Hd. W. Hövert an und teilte mit, dass der Verein wegen rückständiger Beiträge ausgeschlossen wird.

Dem folgte diverser Schriftverkehr zwischen Verein und Verband. Der Verein beschuldigte den ehemaligen Vorsitzenden Bödeker der Untreue und beantragte Ratenzahlung für die Rückstände sowie Wiederaufnahme in den Verband.

Neuer Vorsitzender schien inzwischen Karl Buschmann, Veltheim Nr. 244, geworden zu sein. Dieser unterzeichnete jetzt auch den Schriftverkehr des Vereins. Der Verband (Gau) teilte dem Verein am 6.7.1939 u. a. mit, dass noch immer keine Zahlung der Rückstände von 325 RM erfolgt sei und deshalb der Gau gezwungen sei, den Verein der Gestapo zur Auflösung zu melden, denn die Gemeinschaft würde nicht mehr im Sinne einer nationalsozialistischen Vereinsführung geleitet.

Der Verein antwortete am 8.7.1939 und teilte mit, dass zunächst 150 RM überwiesen wurden und der Rest alsbald folgen werde, und bat nochmals, auf die Zwangsauflösung zu verzichten. Unterzeichnet wurde dieses Schreiben vom Vorsitzenden Karl Buschmann.

Dieses Schreiben beantwortete der Gau u. a. mit dem Hinweis, dass der Verein ausgeschlossen bliebe und nur nach Zahlung aller Rückstände einen Wiederaufnahmeantrag stellen könne. Dann erst könne der Gau neu entscheiden.

Es gab dann noch weiteren Schriftverkehr, aber keinen Hinweis darauf, ob die Wiederaufnahme zu diesem Zeitpunkt erfolgt ist.

Gründung des Spiel- und Sportvereins Veltheim

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs erfolgte am 21. Oktober 1945 die Wiederbelebung des Vereins, und zwar durch Neugründung des Spiel- und Sportvereins Veltheim. Die Initiatoren wollten von vornherein eine nochmalige Zersplitterung ausschließen und übernahmen ausdrücklich die Traditionen der beiden früheren Vereine, des Turnvereins Einigkeit Veltheim und des Arbeiter-Turnvereins Veltheim. Das war eine weitsichtige und richtige Weichenstellung. Federführend hatten sich für diese Entwicklung u. a. Karl Krüger und die Gebrüder Bödecker eingesetzt.

Folgende Mitglieder wurden bei dieser Neugründung eingetragen:

Heinrich Behning, August Bödecker, Ernst Brannahl, Heinrich Fiedler, Karl Krüger, Willi Peetz, Werner Bödecker, Willi Pettenpaul, Heinrich Schäfer, August Waltemathe, Willi Nottmeier, Heinrich Köster, Heinrich Schäfer.

Der erste Vorstand wurde wie folgt gebildet: 

1. Vorsitzender: Karl Krüger

Kassierer: Walter Vauth

Schriftführer: Karl Schäfer

 

Nun ging es mit dem Sport in Veltheim wieder aufwärts. Besonders der Handball erlebte eine Blütezeit, eine Tischtennisabteilung wurde gegründet, das Turnen wiederbelebt und andere Sportarten hielten Einzug in Veltheim an der Weser.

Vom SuS Veltheim liegen seit Beginn in 1945 sämtliche Kassenbücher vor, der Schriftverkehr von 1945 bis 1960 ist lückenhaft, danach vollständig, die Protokollbücher ab 1967 sind vollständig, ab 1960 lückenhaft.

Von der Entwicklung der Vereinsstrukturen berichte ich in einem eigenen Kapitel, zunächst gehe ich weiter auf die sportliche Entwicklung der Abteilungen ein.

 

 

 















Abbildungen 13 und 14: Mitgliedsausweis SuS Veltheim – innen mit Beitragsmarken.

Die Beiträge wurden in bar kassiert.

 


 

[1] Mindener Tageblatt 1954


[2] Protokollbuch des Turnvereins Einigkeit Veltheim von 1910


[3] Protokollbuch des Turnvereins Einigkeit Veltheim von 1910


[4] Pals, Stephan: „Als es noch um die Wurst ging“, Landwirtschaftsverlag, Seite 65


[5] Pals, Stephan: „Als es noch um die Wurst ging“, Landwirtschaftsverlag, Seiten 13 ff.


[6] Campe 1787


[7] John, Hans-Georg; Leibesübungen im Dienste nationaler Bestrebungen: Jahn und die deutsche Turnbewegung, Teil II.


[8] Benda, Franz: Der Deutsche Turnerbund 1889. Seine Entwicklung und Weltanschauung; Wien, 1991


[9] Wenn unter Wohnort eine Nummer steht, ist immer Veltheim Nr. ... gemeint.


[10] Fehlende Daten innerhalb der Spalten sind den fehlenden Eintragungen im Beitragsbuch geschuldet.


[11] Quelle: Archiv Westfälischer Turnerbund; Hamm-Oberwerries


[12] Wikipedia; „Arbeiter-Turn- und Sportbund“


[13] Wikipedia; „Arbeiter-Turn- und Sportbund“


[14] Wikipedia; „Arbeiter-Turn- und Sportbund“


[15] Koch, Philipp: „Und auch der Handball ist rund“, Westfalen-Verlag, 1995


[16] Meynert, Joachim: „Und auch der Handball ist rund“, Westfalen-Verlag, 1995


[17] Koch, Philipp: „Und auch der Handball ist rund“, Westfalen-Verlag, 1995




Handball in Veltheim (Entwicklungsgeschichte bis 2008)

Faszination Handball

von Reinhold Kölling

 

Mich hat dieser Sport seit meiner Kinderzeit begeistert. Ich kann mich noch ganz dunkel daran erinnern, dass meine Eltern bzw. mein Vater mich – vielleicht drei oder vier Jahre alt – sonntags mit auf den Sportplatz nahm, um Großfeldhandball zu schauen.

Viele Jahre später, als ich beruflich viel im Rheinland und in Westfalen unterwegs war, wurde ich oft gefragt, woher ich denn komme. Meine Antwort war immer: „Aus Veltheim an der Weser!“

Daraufhin bekam ich dann meistens zu hören: „Ach ja, das Handballdorf in Ostwestfalen.“

In der Einleitung habe ich schon beschrieben, dass meine Kameraden und ich zunächst über die Schule Berührung mit dem Handball bekamen. Dann war aber schnell auch der Kontakt zum Sportverein SuS Veltheim da und wir bildeten etwa ab 1962/1963 ca. 10- bis 12-jährig eine Schülermannschaft und spielten natürlich Großfeldhandball.[1]Mich persönlich interessierte schon sehr früh, wie es überhaupt zu dieser Sportart gekommen war, seit wann diese in Veltheim betrieben wurde und ob es bereits überörtliche Erfolge gegeben hatte. Ich war als junger Mensch sehr neugierig, kam aber natürlich erst viele Jahre später zu den notwendigen Recherchen. Nachfolgend möchte ich deren Ergebnisse präsentieren.

Handball – die Entstehungsgeschichte

Der Handballsport ist nicht aus volkstümlichen Überlieferungen entstanden, sondern bewusst konstruiert worden. Der Anlass zu dieser „Erfindung“ ist sportgeschichtlich nachweisbar. Um 1900 beherrschte in Europa das Fußballspiel die öffentliche Szene, und diese Einseitigkeit forderte dazu heraus, ein Gegenstück für das Werfen und Fangen zu schaffen.[2] Die Frage nach einem Mutterland des Handballs ist nicht eindeutig zu beantworten. Sicherlich muss man hier Dänemark und Schweden benennen, wobei eine Entwicklung aus dem Faustballspiel heraus stattfand. Auch in der Schweiz soll um 1907 in Zürich schon Handball gespielt worden sein. Es wird übereinstimmend berichtet, dass der Wiesbadener Lehrer Eduard Hagelauer sich seit 1897 sehr bemühte, analog zu den Strukturen des Fußballspiels ein neues Wurfspiel zu entwickeln.[3]

 ie früher beliebten Turnspiele wie Faustball, Schlagball und Raffball boten die Grundlagen für das neue Ballspiel, den Handball. Eine Sportart, die von Beginn an auch für Frauen konzipiert und geeignet war. Die ersten Regelwerke wurden in den ersten Jahren häufig angepasst und modifiziert. Etwa ab 1920 trat dann der Handballsport seinen Siegeszug an als „Kampfspiel“ in der von Heiser und Schelenz weiterentwickelten Form. In der DT (Deutschen Turnerschaft) wurde das Handballspiel für den Wettspielbetrieb empfohlen.[4]

Obgleich Handball als Frauenspiel entstanden war, wurde es bald zur Männersache. 1923 begannen Frauen ihre Spielrunden mit 68 Mannschaften, mit 458 Mannschaften wurde 1929 das Maximum erreicht und dann war die Entwicklung zunächst wieder rückläufig.

Im Arbeitersport hatte zunächst das „Raffballspiel“ Priorität, doch der Siegeszug des Handballs ließ sich auch bei den Arbeitersportvereinen nicht aufhalten.

Die ersten olympischen Handballspiele fanden 1936 in Berlin statt, weil das Olympische Komitee 1934 dem Druck der Deutschen nachgab. Es meldeten aber nur sechs Nationalmannschaften. Erwartungsgemäß gewann die deutsche Mannschaft das Turnier vor 100.000 Zuschauern im Olympiastadion in Berlin.

1938 fand in Berlin das erste Welthandballturnier im Feldhandball mit immerhin zehn Nationalmannschaften (darunter die sudetendeutsche) statt. In Wahrheit war es allerdings eher eine „Europameisterschaft“. Beim Endspiel im Olympiastadion demonstrierten die Deutschen „wahre Handballkunst“, indem sie die Schweiz mit 23:0 deklassierten.

In dieser Zeit waren 40.000 bis 50.000 Zuschauer bei guten Spielen keine Seltenheit in den Stadien.

Die regionalen Anfänge des Handballsports

Viele Details und wichtige Informationen zur Geschichte des Handballsports im Mindener Land liegen noch im Dunkeln. Das gilt besonders für die Frage, wann welcher Verein Handball zu spielen begann. Das liegt auch daran, dass der Handballsport in unterschiedlichen Verbänden gespielt wurde, sowohl in der DT (Deutschen Turnerschaft) als auch in der DSBfL (Deutsche Sportbehörde für Leichtathletik) sowie im ATSB (Arbeiter-Turn- und Sportbund) und den konfessionellen Verbänden.[5]

Sicher ist aber, dass eine Vielzahl von Vereinen ab 1920 diese neue Sportart in ihr Programm aufnahm – der Handballsport nahm in kurzer Zeit einen enormen Aufschwung und schon seit Anfang der 30er Jahre genossen die Handballer aus dem Mindener Land im westdeutschen Raum einen guten Ruf. Am 23. März 1923 soll zum ersten Mal der MTV Minden gegen eine Polizeimannschaft Minden in einem Spiel öffentlich angetreten sein. Weitere Einzelheiten zu den Ursprüngen im Mindener Land sollte der interessierte Leser dem ausgezeichneten Buch „Und auch der Handball ist rund“ von Joachim Meyert entnehmen.

Ich will mich nunmehr bei den weiteren Ausführungen den Ursprüngen in Veltheim widmen.

Handball in Veltheim – eine Erfolgsgeschichte

Bevor bei uns in Veltheim der Handballsport Einzug hielt, versuchten Sportler des Turnvereins Einigkeit Veltheim sich beim Fußball. Im Protokollbuch findet sich unter dem 10.4.1922 der Beschluss: „Zwecks Bildung einer Fußballriege wird der Vorstand beauftragt, einen Fußball mit zwei Blasen zu besorgen.“

Das erste Fußballwettspiel fand am 6.8.1922 gegen Möllbergen statt und ging leider nur 1:1 aus. Weitere Fußballwettspiele sind protokolliert am 30.9.1922 gegen Eisbergen (Veltheim siegt 1:0), gegen Möllbergen am 20.11.1922 (mit 2:2) und am 1.9.1923 gegen Olympia Hameln II (1:2 verloren).

Nach neuesten Erkenntnissen sollen 1924 Sportler des Arbeiter-Turnvereins Veltheim sich mit dem Handballspiel versucht haben.[6]

Aufzeichnungen in der Schulchronik belegen, dass Lehrer Detert an der Schule Veltheim II 1925 die Schüler mit dem Handballsport vertraut machte.

In 1934 ließ sich erstmals belegen, dass eine Mannschaft des Turnvereins am Spielbetrieb teilnahm, darum ist es als Gründungsjahr der Handballabteilung fixiert. Vermutlich wurde das durch die übernommenen Sportler des Arbeiter-Turnvereins Veltheim in 1933 realisiertNicht dazu passt der Hinweis, dass schon 1932 vereinzelt Veltheimer Handballer in eine Bezirksauswahl berufen wurden.[7]

Mannschaftsaufstellungen bzw. weitere Spielergebnisse sind von Mannschaften des Turnvereins Einigkeit Veltheim in diesen Jahren nicht belegt, wohl aber die Zugehörigkeit zum Spielbetrieb in der Deutschen Turnerschaft. Durch die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht 1935 durch Hitler und die Schaffung des Reichsarbeitsdienstes standen von Jahr zu Jahr weniger Sportler zur Verfügung. Dadurch nahmen auf Kreisebene die Mannschaftsmeldungen ab und der Spielbetrieb schrumpfte. Verlässliche Informationen zur Veltheimer Situation in dieser Zeit gibt es derzeit nicht.

Belegen lassen sich allerdings die Bemühungen um den Handballsport an der Schule Veltheim II um Lehrer Detert. Im Jahr 1934 sind folgende Handballer in einer Schulmannschaft der Schule Veltheim II aktiv:[8]Torwart: Hans Bormüller


Linker Verteidiger: Heini Müller

Rechter Verteidiger: Heini Todeskino

Mittelläufer: Heini Ostermeier

Linker Läufer: Karl Brinkmann

Rechter Läufer: Willi Huck

Mittelstürmer: Heini Edler (Lohfeld)

Halbrechts: Willi Kahre (Lohfeld)

Rechtsaußen: Heini Pettenpaul

Halblinks: August Reese

Linksaußen: Willi Brannahl (Lohfeld)

Ersatz: Fritz Luhmann, Ernst Behning, Heinz Korte

 Der Aufstellung ist zu entnehmen, dass die Strukturen des Großfeldhandballs zu diesem Zeitpunkt noch nicht mit denen der 60er Jahre vergleichbar waren. Es gab noch nicht das „rollierende“ System, wobei jeweils zwei (auch wechselnde) Spieler als „Läufer“ fungierten und Sturm bzw. Abwehr auf sechs Spieler auffüllten.

 

 





Abbildung 15: Der Kreismeister im Schulhandball – Schule Veltheim II, Aufstellung auf dem Schulhof vor dem Schulgebäude Schule Veltheim II

 Erster belegbarer Erfolg war die Kreismeisterschaft der Schulmannschaft der Schule Veltheim II in der Spielserie 1935/1936, ebenso die Amtsmeisterschaft des Amtes Hausberge.[9]

 Folgende Spieler errangen diesen Erfolg: Karl Pettenpaul, Heinrich Ostermeier, Heinrich Luhmann, Heinrich Edler, August Reese, Karl Korte, Wilhelm Brannahl, Georg Bessler, Ernst Edler, Heinrich Pettenpaul, Friedrich Pape.

 In der Serie 1936/1937 schaffte die Schulmannschaft von Veltheim II wieder den Kreismeistertitel. Es spielten: Heinrich Ostermeier, Wilhelm Jochmann, Heinrich Buschmann, Friedrich Siemonsmeier, Heini Edler, Hans Bormüller, Willi Brannahl, Georg Beßler, Heini Todeskino, Heini Pettenpaul, Wilhelm Pape.

Neben diesen beiden Erfolgen errang die Schule Veltheim II 1937/1938 die Kreismeisterschaft im Fußball und 1938/1939 die Amtsmeisterschaft des Amtes Hausberge im Handball und die Gruppenmeisterschaft im Fußball.[10] 

Handball in der Hitlerjugend

Bereits kurz nach der Machtergreifung Hitlers hatte die Jugendorganisation der NSDAP, die Hitlerjugend (HJ), ihren alleinigen Anspruch auf Erziehung und Ausbildung der gesamten deutschen Jugend erhoben. Seit dem Sommer 1933 versuchte die Reichsführung daher, neben den anderen Jugendverbänden auch die Sportjugend gleichzuschalten.[11] Inwieweit das auch für die Schüler der genannten Handballmannschaft der Schule Veltheim zutraf, ist nicht dokumentiert, allerdings anzunehmen.

Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs 1939 wurde der Seniorenspielbetrieb nahezu eingestellt. Deshalb kam dem Jugendspielbetrieb in der HJ im Laufe des Krieges immer mehr Bedeutung zu. Den handballbegeisterten Jugendlichen blieb nach wie vor Zeit, ihren Sport auszuüben, so auch bei uns in Veltheim. Die HJ-Mannschaft (Schar Veltheim) aus Veltheim nannte sich „Victoria Veltheim“ und spielte schon 1941 um die Westfalenmeisterschaft mit. Im Semifinale gewann man gegen Gevelsberg, verlor aber im Endspiel gegen Jahn Bielefeld um ein Tor.

Im Herbst 1942 zog der HJ-Bannmeister Veltheim dann abermals in das Endspiel um die Westfalenmeisterschaft ein und verlor gegen Jahn Dellwig mit 7:8.[12]

1943 wurde unter Beteiligung einer I. und einer II. Mannschaft aus Veltheim wieder die Bannmeisterschaft ausgespielt. Am zweiten Ostertag 1943 verlor die I. Mannschaft mit 1:8 gegen Minderheide. Die II. Mannschaft war in ihrer Gruppe nicht ins Endspiel gekommen.[13]

Auch noch 1944 ist eine Veltheimer Mannschaft als Teilnehmer der Bannmeisterschaft benannt. Dann sorgten die Kriegswirren dafür, dass der Sportbetrieb für kurze Zeit auch in Veltheim zum Erliegen kam.

Von den Spielern, die um den Westfalenmeister der HJ spielten, gibt es zwei Fotos, die nachstehend zu sehen sind.

 

 

 

 





Abbildung 16: Jugendmannschaft der HJ „Victoria Veltheim“

 

 

 






Abbildung 17: Jugendmannschaft der HJ „Victoria Veltheim“ mit Trainer/Betreuer:Lehrer Fritz Detert

Der Handballsport in Veltheim in der Nachkriegszeit

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs formierten sich die Veltheimer Sportler sofort wieder. Wie ich schon beschrieben habe, gründete sich der Spiel- und Sportverein Veltheim auf den Traditionen der beiden Vorläufervereine TV Einigkeit Veltheim und Arbeiter-Turnverein Veltheim.

Somit war auch schnell die Basis gesichert, um wieder aktiv Sport zu treiben, besonders das Handballspiel wieder im Wettkampf mit anderen Mannschaften zu beleben. Das war natürlich in den Wirren der Nachkriegstage nicht einfach. Zeitzeugen berichteten mir von dieser Zeit des Mangels. Die Lebensmittelknappheit und der Mangel an vielen anderen Gütern machten den Menschen zu schaffen. Flüchtlinge kamen nach Veltheim, die Wohnungsnot und die Ernährungssituation verschärften sich dadurch weiter. Infolge der Inflation war das Bargeld nahezu wertlos – Tauschgeschäfte waren angesagt. Es zählten nur noch Sachgüter und Lebensmittel.

In den Städten war die Situation noch schlimmer als in den Dörfern, in denen die Nähe zur Landwirtschaft das Leben noch etwas erträglicher machte.

Insofern ist es den Sportlern noch höher anzurechnen, dass sie in dieser Situation den Sportbetrieb wieder aufbauten. Der Idealismus und die Leistungsbereitschaft dieser Generation trugen sicherlich sehr zur Bewältigung des Erlebten in dieser so schlimmen Zeit des Krieges bei.

Die Neugründungen von Sportvereinen bzw. deren Weiterführung wurde erschwert, da durch die britische Besatzungsmacht die Sportvereine zunächst zwangsaufgelöst und der Vereinssport sehr skeptisch betrachtet wurde. Die Sorge der Militarisierung, wie im „Dritten Reich“ geschehen, war immer noch da.

Ab Herbst 1945 ließen die Briten allerdings Gründungen wieder zu. Zunächst mussten die Vereinssatzungen vorgelegt werden. Ihre Inhalte wurden geprüft und erst dann genehmigt, wobei es für die Militärregierung für wichtig erachtet wurde, auch den Vereinsnamen zu erneuern. Und so entstand z. B. der Name „Spiel- und Sportverein Veltheim“. Die alten Bezeichnungen der Vorkriegsjahre waren von den Besatzungsmächten nicht mehr gern gesehen.

Die Jugendmannschaften nahmen den Spielbetrieb zuerst auf, und als immer mehr Soldaten aus der Gefangenschaft zurückkehrten, fanden sich auch die Seniorenmannschaften wieder, in die sich sehr schnell Flüchtlinge integrierten, die ebenfalls über den Sport die schwierige Zeit der Vertreibung vergessen wollten. Es bildeten sich zahlreiche Frauenmannschaften, die wie die Herren auf dem Großfeld spielten, so auch in Veltheim. Das war in den Nachkriegsjahren jedoch nur eine kurze Blütezeit – die Mannschaft löste sich schnell wieder auf und die Frauen gingen zu Gymnastik und Volkstanz über.

Die Organisation der Fahrten zu den Auswärtsspielen war ein großes Problem. Fahrten innerhalb des Kreisgebietes wurden in der Regel mit dem Fahrrad bewältigt, in die unmittelbaren Nachbarorte auch zu Fuß. Dabei konnte es durchaus vorkommen, so berichteten mir Zeitzeugen, dass ein Fahrrad von zwei oder sogar drei Sportlern genutzt werden musste. Und es wurde ja nicht nur bei „gutem“ Wetter gespielt bzw. auch nicht nur im Sommer. Bei weiten Fahrten war die Fahrzeugbeschaffung zwingend erforderlich. Dazu benötigte man möglichst „Tauschware“! Oft waren es dann Güterfahrzeuge oder Viehtransporter mit Holzvergaser, die genutzt werden mussten.

Selbst Sportkleidung und Handbälle waren in dieser Zeit kaum vorhanden und waren natürlich auch nur gegen Naturalien zu bekommen. Die Handbälle waren noch geschnürt und wurden im Regen sehr schwer.

In den Nachkriegsjahren gab es in Veltheim bis auf gelegentliche Tanzveranstaltungen kaum Unterhaltungsmöglichkeiten. So warteten die Bürger auf den Sonntag, denn da bot das Handballspiel Abwechslung vom tristen Alltag. Oft war bei besonderen Spielen das ganze Dorf auf den Beinen.

Mir liegt ein sehr interessanter schriftlicher Bericht des damaligen Handballleiters Heinrich Röhrbein vor, der unter dem Datum 6.1.1948 verfasst ist. Die Überschrift lautet: „Bericht über das Spieljahr 1947 im SuS Veltheim“.

Aus diesem Bericht zitiere ich hier nur wenige Passagen:

„Folgende Mannschaften sind gemeldet: Veltheim I; Veltheim II, Veltheim III, Jugend I, Jugend II, Schüler I, Schüler II, Damen I.“

„Der Handballsport hat im Jahre 1947 in Veltheim einen schönen Aufschwung genommen. Wir haben leistungsmäßig einen großen Schritt nach vorne gemacht.“

„Besonders unsere älteren Jugendlichen und jungen Männer legen eine Gleichgültigkeit an den Tag, die uns hart an den Rand einer Krise brachte ...“

„Was sollen denn unsere vier Schiedsrichter sagen, die fast jeden Sonntag bei Wind und Wetter weite Wege machen müssen, ohne mit einem Auto befördert zu werden ...“

„Unser Sorgenkind ist die Damenmannschaft, weil sich noch immer keiner gefunden hat, der sich dieser Mädel mal annimmt. Sportlich sind die Mädchen auf Draht! Es müsste sich mal ein älteres Mitglied finden, der sich der Mannschaft annimmt.“

„Für die Kreisauswahl 1948 haben sich Willi Säger und Kurt Kölling qualifiziert und nehmen an einer 10-tägigen Auswahlfahrt nach Hamburg, Flensburg und Kiel teil. Eventuell wird auch noch Alfred Fiedler nominiert.“

So weit einige Auszüge aus dem Vierseitenbericht aus 1947.

Schon 1946 wurden wieder eine Westfalen- und eine Westdeutsche Meisterschaft ausgespielt, überregionale Klassen wurden erstmals für die Serie 1946/1947 gebildet, nämlich die Bezirks- und die Gauklasse. Für die Spielzeit 1947/1948 kam die Oberliga Westfalen als höchste Spielklasse für Westfalen über der Gauklasse hinzu. Ab der Serie 1952/1953 wurden die Bezirks- und die Gauklasse zur Landesliga zusammengefasst. Ebenso wurden Spiele um den Westfalenpokal seit 1948 von allen Vereinen im K.-o.-System ausgetragen. Die Serie lief jeweils von August bis Mail/Juni des nächsten Jahres, also im Winterhalbjahr.[14]

Für die Spielserie 1947/1948 meldete Veltheim zwei Seniorenmannschaften, eine Damenmannschaft und zwei Jugendmannschaften. Schiedsrichter waren lt. Meldeliste Heinrich Röhrbein, Heinrich Bödecker und Heinrich Behning. In Berichten tauchte als Schiedsrichter immer wieder der Name Werner Bödecker auf, der aber in diesen Jahren nicht auf den Meldelisten stand.

Für die Serie 1948/1949 meldete der Verein Veltheim I (1. Kreisklasse), Veltheim II (2. Kreisklasse), Frauen I und zwei Jugendmannschaften. Als Handballverantwortlicher wurde nun August Bödecker, Veltheim Nr. 153; Telefon Veltheim 35, genannt. Als Schiedsrichter wurden gemeldet: Heinrich Röhrbein, Heinrich Bödecker, Heinrich Behning, Willi Nottmeier, Willi Tiedermann, August Waltemathe.

 Die Presse vermeldete im Jahre 1950 erstmals ein Handball-Hallenturnier im Mindener Land (dazu mehr im Bericht zum Hallenhandball).

Am 3.8.1948 berichtete die Westfalen-Zeitung von dem großen Sportfest in Veltheim mit der Überschrift: „Tropische Hitze beim ‚Rund um den Bokshorn‘“ (dazu mehr im Kapitel „Feste feiern“).

Einem Vermerk vom 22.1.1948 ist zu entnehmen, dass der Verein für die Teilnahme der Spieler Willi Säger, Kurt Kölling und Alfred Fiedler an den Auswahlspielen als zusätzliche Verpflegung 25 kg Kartoffeln spendete.

Auch damals gab es schon Spielerwechsel. So wechselte der Torwart Karl Pettenpaul im Herbst 1946 zum ATV Hausberge, weil er glaubte, hier sein Können besser unter Beweis stellen zu können. Am 6. Mai 1948 spielte der ATV Hausberge gegen Möllbergen. Nach einem Wortwechsel mit seinem Mitspieler Bakemeier verließ Pettenpaul in der 25. Minute verärgert den Platz und begab sich in den Umkleideraum. Bakemeier folgte ihm und schlug derart auf Pettenpaul ein, dass dieser den Arzt aufsuchen musste. Daraufhin erklärte Pettenpaul seinen sofortigen Austritt und trat mit Wirkung vom 8. Mai 1948 wieder in Veltheim ein. Der Verein bat den Westdeutschen Handballverband um sofortige Spielberechtigung.[15]

Es lief auch sonst nicht immer alles reibungslos. Am 13.10.1948 schrieb der Kreisfachwart für Handball, Heinrich Lüdeke, folgenden Vermerk (auszugsweise Darstellung): „Vorkommnisse beim Spiel Nr. 160 Möllbergen II – Veltheim II: Die Spieler Bödecker, Veltheim und Schöttker, Möllbergen hatten während des Spiels handgreifliche Auseinandersetzungen, wegen welcher sie vom Schiedsrichter des Feldes verwiesen wurden. Zuvor hatte der Spieler Schöttker den Spieler Bödecker zu Boden geschlagen und rühmte sich noch seiner gemeinen Tat, während der Spieler Bödecker bewusstlos am Boden lag.“

Fazit: Der Spieler Bödecker bekam eine Sperre von 6 Wochen, der Spieler Schöttker eine von 12 Monaten.

Am 31.10.1948 gab es beim Spiel Nr. 39 Veltheim I – Dankersen in der 48. Minute einen Spielabbruch durch den Schiedsrichter Schulte, weil der Spieler Werner Müller nach einer Anordnung des Schiedsrichters das Spielfeld nicht verlassen wollte. Der Verein schrieb daraufhin am 3.11.1948 eine Stellungnahme an den Handballkreis, wo Veltheim u. a. schriftlich feststellte, dass der Schiedsrichter seinen Aufgaben nicht gewachsen war ...

Der Spruchausschuss des Kreises entschied diesen Vorgang am 8.11.1948 wie folgt: 

  1. Das Spiel ist für Veltheim verloren, Wertung 0:0.
  2. Werner Müller bekommt 6 Wochen      Spielverbot.
  3. Die I. Mannschaft von Veltheim      wird mit einer Sperre von 14 Tagen belegt.
  4. der Verein Veltheim erhält      einen Verweis mit Androhung einer Platzsperre.

Begründet wurde dies u. a. wie folgt: „Durch das Verhalten des Spielers Müller und dessen Bedrohungen gegen den Schiedsrichter, nicht zuletzt durch das Verhalten der undisziplinierten Zuschauer wurde während des Spiels eine Atmosphäre erzeugt, die ein unheilvolles Ende vorhersagen ließ.“

Veltheim spielte nach dem Aufstieg 1951 erstmals in der Serie 1951/1952 in der Bezirksklasse und erreichte Platz 9. In der kommenden Serie 1952/1953 durch Schaffung der Landesliga spielte Veltheim dann in dieser Klasse in der Staffel 2, in der aus dem Kreis Minden noch folgende Mannschaften vertreten waren: Westfalia Uffeln, Jahn Minden, TUS Barkhausen, PSV Minden. Leider wurde die Mannschaft Tabellenletzter und stieg wieder ab.

Für Veltheims Handballer waren diese ersten Nachkriegsjahre eine erfolgreiche Zeit, spielte man doch auf Kreisebene eine gewichtige Rolle.

Den ersten großen Erfolg gab es 1949, als Veltheim im Endspiel um den Amtspokal des Amtes Hausberge Uffeln mit 10:8 besiegte und somit Amtspokalgewinner wurde.

Das Spieljahr 1949/1950 wurde erstmals für den Verein nahezu vollständig dokumentiert. Dazu liegen handschriftliche Notizen und Zeitungsberichte vor. Diese Dokumentation fertigte Heinrich Todeskino.

Bis zu diesem Zeitpunkt wurden in den Berichten und auch in den Presseveröffentlichungen keine Torschützen genannt bzw. Spieler hervorgehoben. Die Berichterstatter stellten immer auf die Mannschaft, den Sturm, die Abwehr oder die Torwarte ab.

In den Notizen zur Serie 1949/1950 war erstmals eine Trendwende erkennbar und es wurden auch die Torwerfer gerühmt und andere herausragende Leistungen mit den Namen der Spieler herausgestellt.

So fand ich erstmals in der Pressenotiz zum Pokalspiel um den Westfalenpokal vom 19.3.1950, welches Veltheim gegen Löhne-Obernbek 15:5 gewann, die Torewerfer benannt (Torerfolge in Klammern): Müller (5), Pettenpaul (4), Kölling (3), Tiedermann (2) und Bultmann (1).

 

 

 






Abbildung 18: Übergabe des Amtspokals 1949 an Kapitän Werner (Micki) Müller. Weitere Spieler v. l. n. r.: Kurt (Hula) Kölling, Heini Todeskino, Werner Lehnert, August Hagemeier

Das erste Serienspiel der Kreisklasse in der Runde 1949/1950 gewann Veltheim mit 14:8 gegen Barkhausen II. Die Mannschaft spielte in dieser Zeit in der Regel mit folgenden Spielern: Tor: Karl Pettenpaul; Abwehr: August Hagemeier, Karl (I) Säger; Läufer: Heinrich Todeskino, Werner Müller, Willi Peetz; Stürmer: Kurt Kölling, Helmut Tiedermann, Willi (II) Säger, Heinrich Pettenpaul, Walter Tellerman.

Auch Ortsderbys gab es schon. Am 6.11.1949 gewann Veltheim vor einer großen Zuschauerkulisse gegen Möllbergen 18:2!

Am 11.12.1949 musste das weitere Ortsderby gegen Lohfeld wegen eines Schneesturms abgebrochen werden.

Am 26.3.1950 kam es zu einem Entscheidungsspiel um den Einzug in das Endspiel um die Kreismeisterschaft. Das Mindener Tageblatt schrieb fett in der Überschrift: „SuS Veltheim unterlag an der Kettenbrücke 8:12“. Dieses Spiel in Barkhausen besuchten über 1.000 Zuschauer. Leider verlor Veltheim dieses Spiel gegen Uffeln mit 8:12. Trainer der Mannschaft war zu dieser Zeit der Sportkamerad Berthold aus Minden.

In 1950 gewann Veltheim dann aber wieder den Amtspokal des Amtes Hausberge.

 

 






Abbildung 19: Die Spieler Heini Todeskino und Karl Säger vor dem Sportfest-Festzelt

 

 

 



Abbildung 20: Spielszene auf dem Bokshornsportplatz auf der Lüchte am Rande der Kiesgrube

 

 







Abbildung 21: Die Mannschaften bei der Begrüßung vor dem Spiel

 

 

 

 





Abbildung 22: Amtspokalsieger 1950: SuS Veltheim mit Trainer Berthold

 

 

 







Abbildung 23: Training auf dem Bokshornsportplatz. Im Hintergrund ist der alte Wasserturm zu sehen und davor der Kiosk von Bokeloh. Dahinter das Haus Korsen. Im Wasserturm befand sich ein Raum, der u. a. von der Feuerwehrkapelle Veltheim als Übungsraum genutzt wurde.

 

 





Abbildung 24: Die Zuschauer saßen auch in den Bäumen, um besser sehen zu können, wenn ihre Veltheimer Mannschaft auf dem Sportplatz wirbelte.

 Im Jahr 1951 – das Jahr, in dem ich geboren wurde – war es dann endlich so weit. Die Veltheimer Handballer wurden Kreismeister, stiegen in die Bezirksklasse auf und spielten somit erstmals überregional. Die Freude war riesig! Zeitzeugen berichteten mir, dass eine Woche lang gefeiert wurde. Der Aufstieg war durch einen 5:1-Sieg über Dankersen II in einem Entscheidungsspiel zustande gekommen.

Leider hörten nun auch die vollständigen Spieldokumentationen auf und ich war wieder auf Zeitzeugenberichte und Pressenotizen angewiesen, um die folgende Zeit zu dokumentieren.

Von der ersten Spielserie in der Bezirksklasse fand ich folgende Notiz: „Am 24.10.1951 wurde der SuS Veltheim zu einer Ordnungsstrafe von 20,– DM verdonnert, weil bei einem Spiel der Schiedsrichter nicht ausreichend geschützt wurde. Dieser soll beschimpft, beleidigt und angepöbelt worden sein!“

Die erste Serie in der Bezirksklasse beendete Veltheim als Neunter. Veltheim musste sich u. a. gegen die Mannschaften von Hahlen, Eickhorst, Uffeln, Nettelstedt und Hartum behaupten. Der TUS Hartum wurde Klassenmeister.

Für die folgende Serie wurden die Bezirksklasse und die Gauklasse zu einer Landesliga zusammengelegt. Dort spielte Veltheim in der Staffel II, konnte aber die Klasse nicht halten und stieg als Tabellenletzter wieder ab.

Handball-„Flaute“ Mitte bis Ende der 50er Jahre

Es folgten „magere“ Jahre für den Handballsport in Veltheim. Diese dauerten an bis etwa 1963. Es wurde zwar weiter Handball gespielt, allerdings nur in der untersten Klasse und im Jugendbereich. Es gab aber auch in dieser Zeit Sportler, die mit aller Macht versuchten, den Handball in Veltheim nicht sterben zu lassen. Dazu gehörte es natürlich auch, den Spielbetrieb auf der „Handballbörse“ in Minden zu vertreten. Zur Funktion der Handballbörse schreibe ich in einem anderen Kapitel ausführlicher. Nach den Berichten der Zeitzeugen versuchten auch die jeweiligen Sportwarte den Spielbetrieb aufrechtzuerhalten und setzten sich jeweils sehr für die Handballer ein.

Nach dem Krieg war von 1946 bis 1948 Heinrich Röhrbein der Abteilungsleiter Handball, ihm folgte Heinrich Todeskino bis 1953, zwischenzeitlich wurde auch Werner „Micki“ Müller für einige Zeit genannt.[16] Von 1954 bis 1957 erledigt Werner Bödecker (Turnvater Jahn) diese Aufgabe, ihm folgte Wolfgang Schaak von 1958 bis 1962.[17] Nach eigenen Angaben waren in dieser Zeit auch Willi Nottmeier, Klinke und Karl Kütemeier sehr um den Spielbetrieb bemüht. Für 1963 wurde Günther Ewert genannt und ab 1964 begann die „Ära Willi Nagel“.[18]

Diese Abteilungsleiter/Sportwarte hatten den Kontakt zum Handballkreis im Rahmen der „Handballbörse“ zu halten und damit den Spielbetrieb zu organisieren.

Hartmut Gurtner schrieb am 27.10.1963 rückblickend in einer Notiz: „Mit der Veltheimer Mannschaft ging es nach dem Scheitern in der Bezirksklasse immer mehr bergab. Nach dem Ausscheiden fast der gesamten alten Garde musste der Weg in die II. Kreisklasse angetreten werden.“

Aufgrund mangelnder Aufzeichnungen kann ich diese schwere Zeit für den Veltheimer Handball nur mit einigen Fotos dokumentieren. Diese zeigen dem Leser, dass bei den Senioren, besonders aber im Jugendbereich in Veltheim, weiter Handball gespielt wurde.

 










Abbildung 25: SuS Veltheim I spielte 1955 mit v. l. n. r. oben: Richard Becker, Karl Kütemeier, Werner Müller, Wolfgang Meier, Fritz Hohmeier, Günter Tiedermann; Mitte: Willi Nagel, Heinz Peetz, Willi Nottmeier; unten: Willi Hohmeier, Günther Kohlmeier, Rudolf Tellermann

 

 

 










Abbildung 26: Jugendmannschaft von 1955 mit v. l. n. r. oben: Horst Huck, Hansi Klatt, Dieter Hanke, Hans Stähle, Dieter Loges; unten: Wolfgang Meier, Dieter Steguweit, Gerhard Reese


 

 

 









Abbildung 27: Günter Ludwig (später Macher des Bläserkreises Porta Westfalica) als Torwart bei einem Spiel in Veltheim

 

 

 







Abbildung 28: Die Mannschaft von 1959 v. l. n. r. oben: Werner Müller jun., Gerhard Säger, Helmut Röckemann, Manfred Sellig, Dieter Kluth; Mitte: Dieter Stahlhut, Karl Stypinski, „Ille“ Stahlhut; unten: Heinz G. Bokelkoh, Lutz Nottmeier, Willi Horst (Das Foto ist leider beschädigt.)

 

 

 











Abbildung 29: Mannschaft Veltheim I 1960: v. l. n. r. oben: Willi Müller, Karl Kütemeier, Heinz Peetz, Gerhard Säger, Wolfgang Schaak; Mitte: Günter Tiedermann, Gerhard Reese, Joachim Kurth; unten: Günter (Tünn) Weiß, Willi (Polle) Peusner, Günter (Boskop) Horst

1963: Die Handballer greifen wieder an

Ab dem Jahr 1963 sollte die Durststrecke der Handballer wieder vorbei sein. Den Veltheimer Handballern gelang die Teilnahme an den Aufstiegsspielen zur 1. Kreisklasse. Die vier teilnehmenden Mannschaften aus der Gruppe A der 2. Kreisklasse waren: Veltheim als Tabellenerster und Meißen als Zweiter und aus der Gruppe B: Schnathorst als Erster und Mindenerwald als Zweiter.

Die Mannschaft aus Veltheim spielte in der ersten Begegnung auswärts gegen Schnathorst und gewann in folgender Aufstellung mit 8:7, Halbzeit 5:3:[19]

Tor: G. Kohlmeier; Abwehr: D. Stahlhut, G. Horst; Mittelreihe: W. Nottmeier, H. Peetz, G. Reese; Angriff: W. Peusner, G. Peetz, K. Kütemeier, H. Günther, W. Müller.

Die Mannschaft war mit eigenen Nachwuchsspielern und erfahrenen älteren Spielern sehr gut besetzt. Chronist Hartmut Gurtner schrieb einen ausführlichen Spielbericht, den ich hier nur in Auszügen wiedergebe:

„Heute Vormittag fuhr die I. Mannschaft des SuS von vielen Anhängern begleitet in einer langen Wagenkolonne nach Schnathorst, um das erste Aufstiegsspiel zu bestreiten [...] Mannschaftsführer Kütemeier gewann die Wahl und nahm den Ball [...] Ein sagenhafter Hattrick von LA Müller bringt zum Ende des Spiel das 6:7, das 7:7 und dann das 8:7 für Veltheim [...] Der klare Sieg ist auch dem sprungstarken Torwart Kohlmeier zu verdanken [...]“

So weit die begeisterten Auszüge aus dem Spielbericht. Die Tore für Veltheim warfen (Torerfolge in Klammern): Müller (5), Kütemeier (1), Günther (1), Peusner (1).

Am 3.11.1963 folgte ein 10:10 in Veltheim gegen Meißen. Für Nottmeier spielte dabei Kurth mit, ansonsten war die Aufstellung identisch.

Die Entscheidung fiel im Spiel gegen Mindenerwald am 10.11.1963. Veltheim musste auf neutralem Platz in Stemmer antreten und gewann mit 12:11, Halbzeit 5:7. Für Kurth spielte in dieser Begegnung Horst Camen.

Originalbericht Hartmut Gurtner in Auszügen:

„Diesmal gingen wir durch zwei Granaten von Karl Kütemeier 2:0 in Führung. TW Kohlmeier hechtete einen 14-Meter aus dem Winkel, den nächsten verpasste er nur knapp – eine Riesentorwartleistung in diesem Spiel [...] Der Schiedsrichter gab am Ende ein 12:11, obwohl wir 12:10 gewonnen haben! Egal, der Aufstieg ist geschafft! Von den 30 Toren in diesen Aufstiegsspielen warfen Müller 13, Kütemeier 12, Camen 3, Peusner 1, Günther 1.“ So weit der Chronist Hartmut Gurtner.

Dieser Aufstieg nach einer Durststrecke war enorm wichtig für den Handball in Veltheim und es war der Beginn einer erfolgreichen Zeit. Abteilungsleiter und Mannschaftsbetreuer der I. Mannschaft wurde Willi Nagel – eine Handball-Ära begann. Auch der Jugend gab dieser Aufstieg Auftrieb, denn die „Jungens“ wollten es natürlich jetzt den „Alten“ nachmachen.

In 1966 erreichte die Mannschaft den 1. Platz in der 1. Kreisklasse und konnte wieder an den Aufstiegsspielen teilnehmen. In der Aufstiegsrunde belegte Veltheim nur den 2. Platz, doch durch den Aufstieg von BL Herford in die Landesliga wurde ein weiterer Platz in der Bezirksliga frei und das Team stieg doch noch glücklich auf. Die Freude war groß, die Mannschaft hatte es auch verdient.

Die Mannschaft spielte mit: Tor: N. Voth; Abwehr: G. Weiß, G. Reese, G. Horst, H. Mariß, E. Kleinickel; Angriff: W. Peusner, H. Camen, K. Kütemeier, W. Brandt, G. Peetz, häufig auch: D. Stahlhut, H. Jansen. Trainer: F. Peusner.



 

 





Abbildung 30: Der Aufsteiger und Bezirksligist 1967: v. l. n. r oben: Heinz Mariß, Karl Kütemeier, Willi Brandt, Willi Peusner, Gerhard Peetz, Horst Camen, Trainer Fritz Peusner; untere Reihe: Ernst Kleinickel, Helmut Jansen, Günter Weiß, Norbert Voth, Gerhard Reese, Günter Horst, Dieter Stahlhut.

 

 

 





Abbildung 31: Die Mannschaft mit Betreuer Willi Nagel auf dem Sportplatz in Möllbergen im Jahre 1965.

Der SuS Veltheim startete 1967 gut in die Bezirksliga und überraschte die Fachwelt. 5:1 Punkte nach drei Spielen.

Die Presse berichtete vom Spiel gegen Stemmer am 16.4.1967[20], „dass der Veltheimer Sportplatz die Zuschauermassen kaum fassen konnte.“

Am 23.4.1967 war die „Jagd aus“. Veltheim verlor klar gegen VFL Herford in Herford mit 9:19. Der Chronist schrieb: „Eins ist gewiß, die Veltheimer Zuschauer werden diese schwache Leistung sobald nicht vergessen.“

Eine Woche später gewann die Mannschaft dann schon wieder, nämlich gegen BTW Bünde mit 14:8! Die Zuschauer waren wieder zufrieden.

Am Ende der Serie landete Veltheim im oberen Tabellendrittel und ging mit Euphorie in die nächste Serie. Das klare Ziel war, den Aufstieg in die Ostwestfalenliga zu schaffen. Nach dem neuerlichen Abstieg von Möllbergen kam der Torjäger Wolfgang Kiontke von Möllbergen zu uns, Karl-Wilhelm Meyer aus der II. Mannschaft und Ewald Pettenpaul aus der Jugend ergänzten die Mannschaft.

Die Mannschaft startete in die Serie mit folgender Aufstellung: Tor: Norbert Voth (Ersatz: Günter Weiß); Abwehr: Heinz Mariß, Ernst Kleinickel, Günter Horst, Willi Peusner; Angriff: Gerhard Peetz, Ewald Pettenpaul, Karl-Wilhelm Meyer, Wolfgang Kiontke, Karl Kütemeier, Horst Camen. Trainer: „Koten“ Richter von Dankersen.

Die Veltheimer starteten in der Bezirksliga, besonders dank der Tore von Kiontke und guter Torwartleistungen von Norbert Voth, sehr erfolgreich. 

Am vorletzten Spieltag, an der Tabellenspitze liegend, verlor die Mannschaft gegen MTV Minden in Minden mit 13:12. Das MT schrieb: „Sensation: MTV schlug Veltheim!“[21]

Am 31. August 1968 war es so weit, es war der letzte Spieltag und die punktgleichen Mannschaften von Veltheim und Friedewalde (trainiert von Herbert Lübking) traten gegeneinander an. Veltheim gewann das Spiel klar mit 16:11 gegen die Friedewalder (Pressebericht dazu im Anhang) und schaffte in den Aufstiegsspielen auch hauchdünn den Aufstieg in die Ostwestfalenliga. Ohne Torwart Voth, der sich bei einem Kreisauswahlspiel verletzte und für den Allrounder Horst Camen im Tor mit einer guten Leistung aufwartete, zeigte die Mannschaft eine vorzügliche Leistung.[22]

 

Die Jugendarbeit im Verein zahlte sich nun aus. Erstmals seit vielen Jahren wurde 1968 wieder eine Jugendmannschaft Kreismeister im Großfeldhandball. Unter Trainer Fritz Peusner spielten u. a. in dieser Mannschaft: Karl-Heinz Böke, Fritz Bauer, Wilfried Busse, Wolfgang Müller, Heinz-Werner Liedtke, Reinhold Kölling, Karl-Heinz Werkmeister, Dieter Broßeit – Spieler, die für die weitere Entwicklung des Handballsports in Veltheim in den folgenden Jahren von Bedeutung sein sollten.

Die Handballeuphorie erfasste in dieser Zeit selbst die Mädels, die 1969 Kreismeisterin wurden und in die Bezirksklasse aufstiegen. Zum Kader gehörten: Marga Gebhard, Erika Hermening, Roswitha Todeskino, Edelgard Lyck, Adelheid Müller, Karola Wandersee, Cornelia Peusner, Gisela Vauth, Rosi Müller, Edeltraud Idzinsky und Margret Böke.

Die Entwicklung des Frauenhandballs in dieser Zeit bedeutete für den Verein eine weitere Belebung, ebenfalls für uns junge Handballer, denn nun waren die Feiern nach den Spielen noch interessanter.

Nach dem Aufstieg in die Ostwestfalenliga brachte das erste Spieljahr nur mäßige Erfolge und die Erkenntnis, dass, wollte man auch künftig den Klassenerhalt sichern, eine Verjüngung der Mannschaft dringend notwendig sein werde.[23]

Die verdienten Handballer Karl Kütemeier, Willi Peusner, Günter Horst und Gerhard Reese wurden nach der Serie 1969 verabschiedet. Bis auf Karl Kütemeier, der seine Laufbahn beendete, spielten die anderen drei Spieler in der Reservemannschaft weiter. Zu Beginn der Spielserie 1969 wurde Trainer K. Richter vom Sportkameraden Fritz Müller, Veltheim als Trainer abgelöst.[24]

Die jungen Spieler der Kreismeisterjugend drängten auf Einsatz in der I. Mannschaft. Dieser Prozess verlief im Verein nicht reibungslos. Es gab Diskussionen darüber, ob man auf die eigene Jugend setzen sollte bzw. sich mit Spielern anderer Vereine verstärken müsse. Junge ehrgeizige Spieler aus der eigenen Nachwuchsarbeit fühlten sich oftmals nicht ausreichend berücksichtigt und waren frustriert. Diese Diskussionen nahmen sogar Raum in den Jahreshauptversammlungen ein und brachten Unruhe in den Verein.

Letztlich gelang dem Vorsitzenden Fritz Törper und dem Abteilungsleiter Willi Nagel der schwierige Part, die unterschiedlichen Auffassungen unter dem Gesichtspunkt „Leistungshandball“ zusammenzuführen.

So begann die Saison 1970 in der Ostwestfalenliga stark verjüngt durch die Jugendspieler mit folgendem Kader:

Torwart: Norbert Voth; Feld: Heinz Mariß, Günter Weiß, Karl-Heinz Böke, Karl-Heinz Werkmeister, Wolfgang Pettenpaul, Fritz Mevert, Gerhard Peetz, Ewald Pettenpaul, Wolfgang Kiontke, Fritz Bauer, Dieter Broßeit, Karl-Wilhelm Meyer, Wilfried Busse, Reinhold Kölling.

Das Konzept des Vereins zielte nach den ausgeführten Diskussionen dahin, auch unterhalb der I. Mannschaft eine starke zweite Reservemannschaft aufzubauen, die jederzeit bei Bedarf für die I. Mannschaft spielstarke Spieler bereitstellen sollte. Diese neue Konzeption erwies sich für die Zukunft als außerordentlich hilfreich.[25]  

Die großen Handballerfolge in den 80er Jahren


In der Spielserie 1970 in der Ostwestfalenliga mischte Veltheim gut mit. Viele Schlagzeilen in der heimischen Presse untermauerten dies. Ebenfalls der hohe Zuschauerzuspruch bei den Heimspielen. So schrieb z. B. das MT am 31.5.1970 fett in der Überschrift: „Peetz diesmal der Bomber vom Dienst – neun Tore beim Sensationssieg in Lemgo“. Oder am 27.6.1970, ebenfalls fett, in der Überschrift: „Torjäger-Duell Kiontke – Brink endete 6:6! TW Voth übertrumpft sein Gegenüber ...“ Zwei Beispiele für das große Interesse an unseren Spielen in dieser Zeit.

Der 4.6.1970 war ein besonderer Tag für den Veltheimer Handball. Zum ersten Mal trainierte uns Deutschlands Ausnahmehandballer, der Dankerser Herbert Lübking! Von Fritz Müller trennte man sich freundschaftlich und versprach sich einen weiteren Leistungsanstieg durch diesen besonderen Coup. Ich erinnere mich wie heute an dieses erste Training. Herbert Lübking kümmerte sich besonders um die jungen Spieler, mich holte er sogar in Hausberge von der Bushaltestelle ab, damit ich nach meinem Arbeitstag pünktlich beim Training sein konnte.

Die Saison endete sehr erfolgreich. Die I. Mannschaft stieg mit einem 10:8-Erfolg in einem Entscheidungsspiel gegen SG Münster 08 in Künsebeck in die Verbandsliga auf. Das Spiel fand bei strömendem Regen statt und es war eine regelrechte Schlammschlacht. Die Tore warfen (Torerfolge in Klammern): Kiontke (5), Meyer (3), Peetz (1) und E. Pettenpaul (1). Damit stiegen wir in die Verbandsliga auf. Das MT schrieb in der Schlagzeile: „Sie kämpften wie die Löwen“.

Die Reservemannschaft gewann den Amtspokal B, die I. Mannschaft scheiterte im Endspiel um den Amtspokal A wieder einmal um ein Tor an Uffeln und fühlte sich dabei „verschaukelt“!

In dieser Zeit begann der Hallenhandball im Mindener Land seinen Siegeszug. Hallenhandball gab es schon vereinzelt vor dem Ersten Weltkrieg. In den Nachkriegsjahren wurde z. B. in der Münsterlandhalle in Turnierform gespielt. Auch in Ostwestfalen fanden erste Versuche mit Hallenturnieren in dieser Zeit statt. Mit Beginn des Spieljahres 1950/1951 begann der Handballkreis Minden mit Hallenmeisterschaften, doch mangels Hallen setzte sich das Hallenspiel nicht durch. Es begannen allerdings große Diskussionen; Hallen- oder Feldhandball – wo sollte der Weg hingehen?[26] Im Jahre 1966 verabschiedete der DHB eine neue Spielordnung für Halle und Feld und somit liefen beide Spielformen nebeneinander her. Doch international verdrängte der Hallenhandball den Feldhandball immer mehr.

Veltheim begann mit der Serie 1970/1971 nach früheren Versuchen in Turnierspielen in einer offiziellen Spielserie in der 1. Kreisklasse Gruppe A mit dem Hallenspiel.

Diese erste Hallenserie schloss Veltheim sehr erfolgreich ab und schaffte mit der I. Mannschaft den Aufstieg in die neu geschaffene Kreisliga. Die II. Mannschaft stieg ebenfalls in der Halle in die 1. Kreisklasse auf und zusätzlich gewann die Reserve ein nachträglich angesetztes Aufstiegsspiel auf dem Großfeld am 28.3.1971 gegen Meißen mit 10:6 und stieg auf dem Großfeld in die 1. Kreisklasse auf.

Die I. Mannschaft startete 1971 in die erste Verbandsligasaison auf dem Großfeld, die bislang höchste Spielklasse, die eine Veltheimer Mannschaft erreichte. Von den eigenen Nachwuchsspielern, die im Vorjahr zur Mannschaft stießen, waren einige Spieler durch ihren Bundeswehrdienst nicht immer an den Wochenenden einsatzbereit bzw. konnten nicht mit der Mannschaft trainieren. Deshalb war die Verstärkung durch die Spieler Günter Diekmann (vorher Möllbergen) und Herbert Gryga (vorher Uffeln) sehr willkommen. Mit den Haupttorwerfern Kiontke und Meyer und einem weiterhin guten Torwart N. Voth startete die Mannschaft verheißungsvoll in die Spielserie und rückte nach dem Auswärtssieg im Spitzenspiel gegen Uffeln vor mehr als 500 Zuschauern mit 12:11 auf Platz 3 in der Tabelle vor. Am Serienende reichte es immerhin noch zu einem guten Platz 6.

In der Halle, erstmals in der Kreisliga, reichte es am Serienende ebenfalls zu einem oberen Mittelfeldplatz.

In der zweiten Verbandsligasaison in 1972 waren mit Torwart Hansi Kliesch und Klaus-Peter Rinne (vorher Uffeln) wieder zwei neue Spieler dabei. Die „Bundeswehrabsolventen“ spielten in der Reservemannschaft, die sich in der 1. Kreisklasse sehr gut schlug.

Am Ende der Serie erreichte Veltheim einen guten 2. Platz. Die Hallensaison hingegen lief für die I. Mannschaft nicht wunschgemäß, da der Aufstieg knapp verpasst wurde.

Zur Feldsaison 1973 kam als Trainer „Fitti“ Röckemann von Eintracht Minden nach Veltheim, der Herbert Lübking, der nach seinem spektakulären Wechsel von Dankersen nach Nettelstedt bundesweite Schlagzeilen gemacht hatte, ablöste. Veltheim spielte in einer sehr stark besetzten Verbandsliga, u. a. mit dem starken TUS Nettelstedt, (u. a. mit Lübking, Rubin, Schulenburg, Nottmeier), TV Hille und GW Dankersen. Ziel konnte nur der Klassenerhalt sein! Zu Beginn der Serie stießen Erhard Kohlmeier (Uffeln) und der jungen Jürgen Böke (Möllbergen) noch zu der Mannschaft.

Nettelstedt wurde in der Klasse seiner Favoritenrolle vollauf gerecht, Veltheim überraschte seine treuen Zuschauer mit einem 2. Platz und dieser berechtigte zu Aufstiegsspielen zur Oberliga.

Zwei Spiele gegen den TUS Sythen waren angesagt. Im Hinspiel gewann Veltheim in Sythen in einem kampfbetonten Spiel mit 14:11. Das Rückspiel fand an einem Dorfgemeinschaftsfestwochenende in Veltheim statt. Der Sportplatz konnte die Zuschauermenge kaum fassen. Das war Rekordbesuch, weit mehr als 1.000 Zuschauer verfolgten das Spiel. Leider verlor Veltheim aufgrund der Nervosität mit 12:14. Doch das reichte. In beiden Spielen zusammen ein Tor mehr als der Gegner!

Veltheim war in der Feldhandball-Oberliga angekommen! Das waren damals die zweithöchste deutsche Spielklasse und die höchste Spielklasse, die der SuS je erreicht hatte. Die gute Vereinsarbeit der vergangenen Jahre hatte sich nun ausgezahlt.

Die Mannschaft spielte in der Serie mit folgenden Spielern (in Klammern die Torerfolge in den beiden Aufstiegsspielen): Tor: Kliesch; Feld: Gryga (3), Rinne (3), Kiontke (7), Meier (2), J. Böke (3), K.-H. Böke, Peetz (3), Pettenpaul, Diekmann, Liedtke, Mariß, Kohlmeier (5), Stahlhut, Peusner, Kleinickel.

Trainer F. Röckemann; Betreuer: W. Nagel.

 

 

 




Abbildung 32: Der Oberliga-Aufsteiger

So startete Veltheim auch mit Aufstiegsgelüsten in die neue Hallensaison in der 1. Kreisliga.

Anfang 1974, kurz nach der Gebietsreform, wurde die neue Sporthalle am Sprengelweg eingeweiht. Es war noch vor der Gebietsreform mit dem Bau begonnen worden. Dieser Hallenbau war für die Zukunftsentwicklung des SuS Veltheim enorm wichtig. Jetzt gab es auch in der Halle echte Heimspiele.

Zur Eröffnungsfeier gewann die Reservemannschaft 16:11 gegen die Reserve von Holzhausen II. Haupttorewerfer waren Rinne und Kölling. Die I. Mannschaft gewann das Meisterschaftsspiel gegen Wehe mit 13:11 durch Tore von Meier (5), J. Böke (3), Peetz (2), Gryga (1) und Kiontke (1).

Veltheim gelang in dieser Serie die Kreismeisterschaft und man stieg in die Hallen-Bezirksliga auf. Die Mannschaft spielte diese Serie mit den Spielern: Kiontke, J. Böke, K.-H. Böke, Pettenpaul, Liedtke, Meier, Gryga, Müller, Peetz, Wehmeier, Kliesch, Kölling, Kohlmeier und Peusner.

In die Feldsaison 1974 startete Veltheim mit drei Mannschaften. Die I. erstmals in der Oberliga (mit Gunter Tillmanns von Eintracht Minden als Neuzugang), die II. und III. jeweils in der Kreisklasse A bzw. B.

Natürlich war in dieser Serie der Mitaufsteiger TUS Nettelstedt der klare Favorit. Veltheim rechnete sich Außenseiterchancen aus, wollte aber auf jeden Fall die Klasse erhalten. Das gelang nicht. Trotz guter Zuschauerunterstützung (gegen Nettelstedt waren es in Veltheim wieder 700) lief es gar nicht gut. Wir gewannen nur ein Spiel in der Oberliga, und zwar gegen TV Lenzinghausen im Auswärtsspiel mit 19:15. Die Tore warfen in diesem Spiel: J. Böke (6), Kiontke (5), Kohlmeier, Kölling, Peetz und Meier (je 2).

Die I. Mannschaft stieg wieder ab in die Verbandsliga.

Dafür überraschte die II. Mannschaft mit dem Aufstieg in die Feldhandball-Kreisliga (nur eine Niederlage in der laufenden Serie), dem Gewinn des Stadtpokals Porta Westfalica und einem Sieg gegen eine Stadtauswahl Porta Westfalica mit 11:7 beim Jubiläumssportfest. Die Reservemannschaft war die Mannschaft der Saison. Es wurden folgende Spieler eingesetzt (Torerfolge der Saison in Klammern): Tor: Gennrich; Feld: Schaak, Horst, Kleinickel, Wehmeier (1), Mariß (4), Busse (4), Müller (5), H.-D. Säger (9), Broßeit (10), Voth (4), K.-W. Säger (27), Peusner (28) und Kölling (59).

In der Hallensaison 1974/1975 startete die I. Mannschaft in der Bezirksliga, die II. in der 1. Kreisklasse, die III. in der 2. Kreisklasse und eine IV. in der 3. Kreisklasse.

Die I. spielte mit folgender Besetzung: Tor: Kliesch und Gennrich; Feld: Meyer, Peetz, Gryga, J. Böke, K.-H. Böke, Tillmanns, Liedtke, Kohlmeier, Kölling, Busse, Pettenpaul.

Am Ende stand Veltheim auf Platz 1, allerdings punktgleich mit der Mannschaft von Nettelstedt II. Das Torverhältnis zählte nicht und so kam es zu einem Entscheidungsspiel in neutraler Halle um die Meisterschaft und den Aufstieg. In einem wahren Handballkrimi vor rund 400 Zuschauern in der Halle „Hahler Feld“ gewannen wir 11:10. Damit wurden wir mit o. g. Spielern Bezirksmeister und Aufsteiger zur Landesliga in der Halle.

Die Feldsaison 1975 begann schon Mitte April. Die I. Mannschaft spielte nach dem Abstieg wieder in der Verbandsliga. Neuer Trainer war „Itzer Voigt“ von Dankersen, der auch schon Mitte 1974 eine Zeit lang Vertretung für den erkrankten Fitti Röckemann gemacht hatte. Die Mannschaft spielte überwiegend in folgender Besetzung:

Tor: Kliesch; Feld: Bauer, Liedtke, Hillbrand, K.-H. Böke, Gryga, Busse, Meyer, Tillmanns, Kohlmeier, J. Böke, Pettenpaul, Peetz, Saak. Mitte der Serie stieß noch Harald Krömker von Eintracht Minden zur Mannschaft.

In dieser Spielserie behauptete Veltheim überwiegend die Tabellenspitze, hatte jedoch mit HC Grastrup/Ehrsen einen sehr starken Verfolger.

Am letzten Spieltag verlor Veltheim im Heimspiel gegen Grastrup/Ehrsen recht knapp mit 9:10 und damit war die Mannschaft nur mehr punktgleich mit Grastrup/Ehrsen an der Spitze.

Es kam zu einem Entscheidungsspiel eine Woche später in Uffeln. Dieses verlor Veltheim vor 600 Zuschauern ebenfalls unglücklich nach Verlängerung 15:17. Tillmanns erzielte in diesem Spiel sieben Tore in Folge zu einer 12:11-Führung in der 59. Minute, der Gegner glich Sekunden vor Ende aus zum 12:12, so dass es zu der Verlängerung kam.

Die II. Mannschaft spielte in der stark besetzten Kreisliga und begann dort sehr schwach. Für die Rückrunde kam es zu einem Trainerwechsel von Fritz Peusner zu Wolfgang Kiontke, danach verlor die II. Mannschaft kein Spiel mehr und rettete sich vor dem Abstieg.

Anlässlich des Sportfestes im Mai verabschiedeten der Vorsitzende Fritz Törper und Abteilungsleiter Willi Nagel Wolfgang Kiontke nach achtjähriger Zugehörigkeit aus der I. Mannschaft. Die Verabschiedung fand vor dem Hauptspiel „des Tages“ statt. Vor über 500 Zuschauern spielte Veltheim gegen GW Minden, gegen die Mannschaft, die 1971 deutscher Meister geworden war. Veltheim verlor zwar mit 9:16, für die Zuschauer war es trotzdem ein gelungenes Spiel und für Wolfgang Kiontke ein würdiger Abschiedsrahmen.

Es spielten (Torerfolge in Klammern): Tor: Kliesch; Feld: Liedtke, Bauer, Hillbrand, K.-H. Böke, Gryga, Busse, Meyer (4), Kölling (1), Peetz (1), Pettenpaul (1), Kiontke, Kohlmeier (2).

Für GWD: Tor: Meisolle; Feld: M. Kresse, A. Kresse, Müller, Roese (1), Molthan, Barlach, Voigt (1), Spannuth (3), Theine (6), Beermeier, Schütte, Lohaus, Gerkensmeier (2).

Das Mindener Tageblatt widmete Wolfgang Kiontke das „Porträt vom Tage“ mit der Überschrift „Tausend Tore“ (Bericht siehe Anhang).

Die Hallensaison 1975/1976 starteten wir mit der I. Mannschaft in der Landesliga, der II. Mannschaft in der 1. Kreisklasse und einer III. Mannschaft in der 2. Kreisklasse.

Für die I. und II. Mannschaft lief es in dieser Spielserie nicht gut. Beide Mannschaften spielten gegen den Abstieg, schafften allerdings letztlich sicher den Klassenerhalt. Die I. Mannschaft spielte überwiegend in der gleichen Besetzung wie in der letzten Hallensaison, zusätzlich mit Harald Krömker.

Die III. Mannschaft sicherte sich einen guten Mittelfeldplatz.

Am 1.2.1976, mitten in der laufenden Spielserie, schlug eine Agenturmeldung wie eine „Bombe“ in die Handballszene ein. Nach einer Abstimmung beim Verbandstag des Handballverbandes Westfalen wurde beschlossen, dass Großfeldhandball nur noch auf Kreisebene gespielt werden sollte. Wir waren uns im Vorstand sofort einig: „Damit ist der Großfeldhandball gestorben!“

Damit bestätigte sich dann auch, dass das Großfeldhandball-Endspiel um die Deutsche Meisterschaft am 10.8.1975 in Lübbecke – TUS Nettelstedt gegen TSG Hassloch, welches Nettelstedt daheim mit 14:15 verlor – das letzte Endspiel auf dem Großfeld war und damit TSG Hassloch der letzte deutsche Großfeldmeister bleibt.

Der 1.2.1976 war also das „Sterbedatum“ des Großfeldhandballs. In Minden-Lübbecke votierten alle Vereine für den Rückzug aus den Verbandsklassen und meldeten für die neu geschaffene Kreis-Oberliga in der Feldsaison 1976.

Würdevoll verabschiedete der Verein Kapitän Gerhard Peetz nach seiner langjährigen verdienstvollen Laufbahn in der I. Mannschaft. Das Mindener Tageblatt widmete ihm am 24.3.1976 ein „Porträt vom Tage“ mit dem Titel: „Der Kapitän trat ab“ und würdigte seine Handballlaufbahn. Die Pressenotiz findet sich im Anhang.

Erhard Kohlmeier und Jürgen Böke gingen zu ihren Stammvereinen zurück und für Itzer Voigt kam Kurt Kienapfel, der zuvor die Bundesligadamen von Eintracht Minden betreut hatte, als Trainer.

Die Großfeldsaison 1976 in der Kreis-Oberliga begannen wir mit einer völlig neu formierten Mannschaft. Im Tor: H. Kliesch; im Feld: K. Donnecker, K.-H. Böke, W. Pettenpaul, K.-W. Meyer, H.-D. Säger, K.-W. Säger, D. Broßeit, Fr. Bauer, H. Krömker, R. Kölling, Fr. W. Hillbrand, H.-W. Liedtke.

Es spielten weiterhin eine II. Mannschaft (Kreisliga) und eine III. Mannschaft (1. Kreisklasse).

In der überaus stark besetzen Kreis-Oberliga u. a. mit den Mannschaften GW Dankersen, TUS Nettelstedt, HSG Uffeln/Vlotho, TV Hille etc. starteten wir mit einem guten 7:7 in Hille, in den nächsten Spielen lief es nicht mehr zusammen und es hagelte Niederlagen. Die Mannschaft stand am Tabellenende. Diese Erfolglosigkeit führt in der Sportwerbewoche 1976 zu einer Krise, weil vor dem Meisterschaftsspiel gegen GW Dankersen einige Spieler erklärten, nicht mehr spielen zu wollen. Die Mannschaft lief ersatzgeschwächt auf und verlor folgerichtig mit 6:17. Es gab vereinsinterne Sperren für vier Spieler. Der Vorstand wollte sich das Benehmen einiger Spieler nicht mehr gefallen lassen, der langjährige Kassierer Horst Huck erklärte sogar seinen Rücktritt.

Die Spieler H. Krömker und H. Kliesch verließen den Verein. H. Kliesch meldete sich allerdings zur Hallenserie wieder zurück.

Durch den Rücktritt von Horst Huck kam es dann sogar zu einer außerordentlichen Jahreshauptversammlung. Dazu mehr im Kapitel „Vereinsstrukturen“.

Mit dem Jahr 1976 ging in Veltheim eine sehr erfolgreiche Großfeldzeit zu Ende. Es gab zwar in 1977 nochmals eine Spielrunde auf Kreisebene, viele Vereine jedoch meldeten schon keine Mannschaften mehr dafür. Wir meldeten zunächst zwei Mannschaften, die II. Mannschaft trat aber häufig nicht an. Die Serie wurde eine Farce und der Großfeldhandball war damit endgültig gestorben.

Es kam noch zu diversen Traditionsspielen in Rahmen von Sportfesten, ansonsten wurden alle Aktivitäten in das Hallenhandballspiel verlagert.

 

 

 

Abbildung 34: 1977 spielte nochmals eine Großfeldmannschaft in Uffeln mit v. l. n. r: hinten: G. Diekmann, K.-W. Buschmann, W. Tews, G. Peetz, B. Brinkmeier, K.-W. Säger, unten: H.-W. Liedtke, G. Tiedermann, W. Müller, R. Kölling, H. Gennrich.



Nachruf Großfeldhandball

 Großfeldhandball wurde nun nur noch sporadisch gespielt. Serienspiele gab es nicht mehr. Eine Sportart, die besonders für uns Veltheimer so viele Erfolge gebracht hatte, die Zuschauermassen auf den Sportplatz zog, die junge Sportler für den Mannschaftssport begeisterte, gab es nicht mehr. Die Tendenz zum Hallenhandballspiel war international schon länger zu erkennen. Aber – müssen wir alles nachmachen? Das war die Frage, die uns damals bewegte. Hatte der Handballverband Westfalen vielleicht Jahre zu früh dieser Sportart den Todesstoß versetzt? Darüber diskutierten wir damals häufig. Uns Veltheimer traf es jedenfalls sehr, obwohl wir uns schon rechtzeitig auf das Hallenspiel eingestellt hatten.

 In diesem Rückblick sportlicher Entwicklungen in Veltheim nahm der Großfeldhandball demgemäß großen Raum ein. Bei der Bedeutung dieser Sportart für Veltheim ist das sicherlich angemessen.

 Im Vordergrund der öffentlichen Berichterstattung standen in erster Linie die Torewerfer. Das ist bei einem Ballspiel in Wettkampfform einfach so und kommt auch in dieser Nachbetrachtung sicherlich zum Ausdruck. Beim Großfeldhandball war eine Mannschaft allerdings nur erfolgreich, wenn es gute Torleute gab und die Abwehr stabil war. Deshalb sei an dieser Stelle nochmals klar zum Ausdruck gebracht: Veltheim hatte gute Torleute und gute Abwehrspieler!

Die Torwarte Karl Pettenpaul, Karl Schäfer, Günter Kohlmeier, Norbert Voth und später Hansi Kliesch, die ich hier stellvertretend für alle Veltheimer Torleute nochmals nenne, haben so manchen Sieg mit zu verantworten. Ebenso die bekannt guten Abwehrspieler in dieser erfolgreichen Handball-Ära: August Hagemeier, Karl Säger, Günter Horst, Gerhard Reese, Heinz Mariß, Ernst-August Kleinickel, Wolfgang Pettenpaul, Karl-Wilhelm Meyer, Heinz-Werner Liedtke und Karl-Heinz Böke, stellvertretend für alle genannt, waren ebenso Garanten für Veltheim-Erfolge. In den Spielberichten kam das nicht immer ausreichend zum Ausdruck, deshalb sollte es in dieser Nachbetrachtung deutlich herausgestellt werden. Nur das Funktionieren aller Mannschaftsteile und die jeweilige richtige Abstimmung brachten beim Handball-Großfeldspiel die notwendigen Siege.

Nicht zu vergessen sind die anderen Sportkameraden, die zum erfolgreichen Funktionieren dieser Sportart ebenfalls dazugehörten: Funktionäre und Schiedsrichter, die ein Verein stellen musste, um am Spielbetrieb teilnehmen zu können. Für die Funktionäre nenne ich an dieser Stelle Willi Nagel. Sein Wirken für den Verein wird in einem anderen Kapitel ausführlich vorgestellt.

In der Jahreshauptversammlung 1977 kam erstmals der offizielle Antrag eines Mitglieds auf Gründung einer Handballspielgemeinschaft mit Lohfeld und Veltheim in die Diskussion.[27] Im Laufe des Jahres 1977 wurden sogar vertragliche Vereinbarungen entworfen, die in der Jahreshauptversammlung 1978 zunächst diskutiert wurden.[28] Es wurde allerdings keine Beschlüsse gefasst und das Thema war damit vom Tisch und wurde nicht weiter verfolgt.

Die Handballkrise in Veltheim

 Die „Handballkrise“ in Veltheim begann nach dem Sterben des Großfeldhandballs und dem daraus resultierenden Umbruch in dieser Sportart. Zwar hatten wir uns rechtzeitig auf das Hallenhandballspiel umgestellt, doch hatte sicher die Jugendarbeit in den letzten Jahren nicht ganz oben auf der Agenda der Abteilung gestanden.

Für die Hallenserie 1976/1977 mit Trainer Kurt Kienapfel stellte sich nochmals Wolfgang Kiontke zur Verfügung und die Mannschaft begann in folgender Formation: Tor: H. Kliesch und W. Müller; Feld: W. Kiontke, K.-H. Böke, W. Pettenpaul, R. Kölling, Fr. W. Hillbrand, H.-W. Liedtke, Fr. Bauer, G. Diekmann, W. Busse. Tillmanns spielte nach seiner Verletzung einige Spiele mit.

Die Reservemannschaften Veltheim II und III spielten in der 1. Kreisklasse.

Mit einem 13:12-Sieg gegen Dolberg begann die Spielserie in der Landesliga erfolgreich. Danach lief nicht mehr viel zusammen. Das galt auch für die Reservemannschaft, die ebenfalls gegen den Abstieg spielte.

Mitte der Serie kam mit G. Molthan noch ein Spieler zur Verstärkung aus Möllbergen zur Mannschaft. Zum Ende der Serie konnten wir mit einigen Siegen noch den direkten Abstieg vermeiden und mussten in eine Abstiegsrunde, die durch zwei knappe Niederlagen und ein unglückliches Unentschieden gegen den TSV Berge mit dem Abstieg in die Bezirksliga endete. Die II. und III. Mannschaft schafften den Klassenerhalt.

Die Hallenserie 1977/1978 begannen wir ohne W. Kiontke und W. Pettenpaul, die nun nur noch in unteren Mannschaften spielen wollten. Dafür kamen K.-W. Säger, J. Saak und G. Broßeit aus der Reservemannschaft und wir gingen in die Bezirksligaserie mit den Spielern: Tor: H. Kliesch, Feld: K.-H. Böke, R. Kölling, W. Busse, G. Molthan, H.-W. Liedtke, G. Broßeit, D. Broßeit, J. Saak, K.-W. Säger. Die II. und III. Mannschaften starteten weiterhin in der 1. Kreisklasse.

Nach einem schlechten Start mit 6:18 Punkten übernahm Gerhard Peetz das Training als Spielertrainer der I. Mannschaft; wir trennten uns von Trainer Kurt Kienapfel. Friedhelm Wehmeier ergänzte die Mannschaft zum Ende der Serie als weiterer Torwart. Die I. Mannschaft beendete die Serie als Vorletzter und musste in einem Entscheidungsspiel gegen den Abstieg gegen den TV Harsewinkel antreten. Dieses Spiel gewann das Team klar mit 23:19 und erhielt die Bezirksligazugehörigkeit. Die II. und III. Mannschaft belegten gute Mittelfeldplätze.

Nach dem Klassenerhalt in der letzten Serie musste für die Serie 1978/1979 die Mannschaft erneut neu formiert werden. Aushilfstrainer Gerhard Peetz stand nicht weiter zur Verfügung. Zunächst wollte Wolfgang Kiontke als Trainer einsteigen, er zog dann aber auch kurzfristig zurück. Ich selbst konnte aus beruflichen Gründen (ich begann mein berufsbegleitendes Studium zum Bankleiter in Münster und Montabaur) und aufgrund der weiteren Aufgaben im Vorstand des Vereins (siehe Kapitel Vereinsstrukturen) nicht mehr in der I. Mannschaft spielen. Karl-Wilhelm Meyer übernahm als Spielertrainer die Trainerposition, Wolfgang Pettenpaul half nochmals aus und G. Müller rückte aus der Reserve auf.

Die II. Mannschaft spielte in der 1. Kreisklasse, eine III. Mannschaft wurde nicht gemeldet.

Nach Beendigung der Spielserie standen wir im Tabellenkeller und es kam zu einem Entscheidungsspiel gegen den Abstieg gegen Minderheide, welches Veltheim unerwartet hoch verlor.

Nun war Veltheim mit der I. Mannschaft wieder in der Kreisliga angekommen. Die II. Mannschaft erreichte einen Mittelplatz in der 1. Kreisklasse.

Zum Ende der Spielserie erklärte der langjährige Abteilungsleiter Willi Nagel, dass er sich nicht wiederwählen lassen wolle (verständlicherweise – nach den vielen Jahren), also war diese Position vakant. Da niemand gefunden wurde, übernahm Karl-Wilhelm Säger diese Position zunächst kommissarisch.

In die Spielserie 1979/1980 ging die I. Mannschaft abermals neu formiert und stark verjüngt. Trainer war weiterhin Karl-Wilhelm Meyer Tor: Michael Korsen und Friedhelm Wehmeier; Feld: Thomas Voth, Heiko Busse, Norbert Peusner, Wilfried Busse, Ralf Korsen, Karl-Heinz Böke, Horst-Dieter Säger, Dieter Broßeit, Günter Broßeit, Gerhard Müller, Joachim Saak, Frank Müller, Fr. W. Hillbrand. Alle Neuzugänge kamen aus der eigenen Jugendmannschaft.

 Eine II. Mannschaft spielte weiterhin in der 1. Kreisklasse.

 Die I. Mannschaft tat sich auch in der Kreisliga schwer und schaffte den Klassenerhalt nur knapp in einer Qualifikationsrunde.

Die II. Mannschaft landete wieder im Mittelfeld der Tabelle.

Die Spielserie 1980/1981 in der Kreisliga sollte erfolgreicher werden. Es ging weiter mit Trainer Karl-Wilhelm Meyer und mit der nahezu gleichen Spielerbesetzung wie im Vorjahr. Hinzu stieß Volker Bieber, ein Veltheimer Eigengewächs. Er hatte aber zuletzt in der A-Jugend von Oberlübbe gespielt. Volker Bieber sollte eine große Verstärkung für unsere Mannschaft werden.

Die Abteilungsführung übernahm Günter Diekmann.

Doch auch mit der Verstärkung Volker Bieber tat sich Veltheim I nach einem vielversprechenden Start in der Spielserie schwer. Nach einigen sieglosen Spielen rutschten wir Anfang 1981 an das Tabellenende ab und am Serienende sogar direkt auf den Abstiegsplatz (Vorletzter). Entscheidend dafür war das verlorene Spiel gegen Meißen (15:14 für Meißen). Gegen diese Spielwertung legten wir wegen eines Regelverstoßes der Schiedsrichter Einspruch ein. Dieser Einspruch schlug hohe Wellen und beschäftigte monatelang die Instanzen und die heimische Presse. Ein zwischenzeitlich vorsorglich neu angesetztes Spiel gegen Meißen gewannen wir haushoch mit 21:13, doch die Rechtsinstanzen waren nicht mit uns und verfolgten den Vorgang weiter. Erst kurz vor Beginn der neuen Spielserie entschied das Verbandsgericht Westfalen gegen uns. Für den SuS Veltheim hatte ich (inzwischen Geschäftsführer des SuS Veltheim) die gesamten Verhandlungen und Gespräche verantwortlich begleitet.

Jetzt, beim Schreiben dieses Buches und nach weiteren 30 Jahren gesammelter Erfahrungen in der Handballszene, u. a. selbst als Beisitzer im Kreis- und Bezirksspruchausschuss und als Vorsitzender des Kreisspruchausschusses Minden-Lübbecke, wo ich einige Jahre tätig war, komme ich nach dem erneuten Studium der mir immer noch vorliegenden Akten zu dem Ergebnis: Auch das Verbandsgerichtsurteil war falsch! Wir wurden zu Unrecht in die 1. Kreisklasse verbannt.  Aufgrund dieses Rechtsstreits nahm der Kreisspielwart Günter Mönckhoff seinen Hut und erklärte seinen Rücktritt.

Auf dem Handballkreistag im November 1981 warf der Kreisrechtswart unserem Vorsitzenden Fritz Törper, der zu diesem Zeitpunkt schon viele Jahre als Beisitzer im Handballspruchausschuss tätig war, in dieser Rechtsangelegenheit Unsachlichkeit vor. Daraufhin erklärte Fritz Törper, dass er nicht mehr gewillt sei, in einem solchen Gremium auf Kreisebene mitzuarbeiten und trat aus dem Kreisspruchausschuss zurück.

Der Kreisvorstand bescheinigte mir persönlich in einem Pressebericht einen „harten, hartnäckigen Kampf“. Leider hatte es nicht genutzt. Wir waren am Tiefpunkt der letzten Jahre angelangt, abgestiegen in die 1. Kreisklasse.

Die II. Mannschaft schaffte den Klassenerhalt.

Einen weiteren Tiefpunkt hatte die Handballabteilung in der Führung zu verkraften. Grund war die Trainersuche für die I. Mannschaft, da Karl-Wilhelm Meyer für die kommende Serie nicht mehr zur Verfügung stand. Im Rahmen einer außerordentlichen Abteilungsversammlung kam es zum Eklat, denn der vom Abteilungsleiter vorgeschlagene neue Trainer fand nicht die Zustimmung bei den Spielern. Es fand keine Einigung zwischen den Parteien statt, auch nicht bei beherztem Eingreifen des Vorstands. Die Abteilung stand vor einem Dilemma! Entweder hatte die Abteilung eine spielfähige Mannschaft oder sie hatten einen Trainer, aber keine Spieler mehr!

In dieser Situation erklärte der Abteilungsleiter Günter Diekmann verständlicherweise seinen Rücktritt. Und nun standen die Handballer ohne Abteilungsleiter und ohne Trainer da.

Um den Handballsport in Veltheim nicht sterben zu lassen, erklärte ich mich nach Rücksprache mit dem Vorsitzenden Fritz Törper bereit, neben meiner Aufgabe als Geschäftsführer des Hauptvereins, kommissarisch zunächst die Aufgaben des Abteilungsleiters Handball mit zu übernehmen und damit einen Neuaufbau in die Wege zu leiten.

Es gelang mir mit Hilfe des Mannschaftsbetreuers Klaus-Peter Rinne in dieser sehr schwierigen Situation (noch laufendes Instanzenverfahren), einen jungen, aber engagierten und bekannten neuen Trainer zu verpflichten: Thomas Berg, Torwart beim Zweitbundesligisten TBV Lemgo (vorher Bundesligist GW Dankersen).

Nach dem ergangenen Urteil Veltheim – Meißen starteten wir mit der gleichen Mannschaft wie in der letzten Serie, aber mit einem neuen Trainer in der 1. Kreisklasse, und peilten den sofortigen Wiederaufstieg an.

Ein neuer Anlauf der Handballer in 1981

Die gute Jugendarbeit der letzten Jahre, die besonders den engagierten Trainern Günter Diekmann, Dieter Stahlhut, Ernst-August Kleinickel sowie Detlef Dressler im Mädelbereich zu verdanken war, führte dazu, dass nun auch wieder verstärkt eigene Nachwuchsspieler in den Seniorenbereich integriert werden konnten.

1982 gelang der C-Jugend mit dem Trainer Dieter Stahlhut die Kreismeisterschaft mit einem 15:14-Erfolg über TVG Nordhemmern. Spieler aus dieser Mannschaft wurden in den nächsten Jahren erfolgreich für Veltheim in Seniorenmannschaften integriert, einige wechselten später zu anderen Vereinen und schafften es sogar bis in die Bundesliga (Lars Fürhölter).

Der Damen- und Mädelhandball hatte in den vergangenen Jahren in Veltheim immer einen hohen Stellenwert. Dass ich darüber in dieser Beschreibung der sportlichen Entwicklung bislang wenig ausgeführt habe, liegt einzig darin begründet, dass aus diesen Jahren hilfreiche Aufzeichnungen dazu fehlen.

Die kommenden Jahre werde ich nun, nachdem die Historie des Handballsports in Veltheim ausführlich aufgearbeitet ist, in gestraffter Form darstellen.

In der ersten Serie in der 1. Kreisklasse reichte es mit Trainer Thomas Berg noch nicht zum Wiederaufstieg. Dieser wurde knapp verpasst, weil die Mannschaft in einem Qualifikationsspiel gegen VFB Holzhausen II mit 13:14 verlor. So war die klare Zielsetzung für die Saison 1982/1983 der Wiederaufstieg in die Kreisliga.

Mit folgendem Spielerkader ging es in die Saison der 1. Kreisklasse: Torwarte: M. Korsen und F. Wehmeier; Spieler: K.-H. Böke, W. Busse, V. Bieber, H. Busse, F. Müller, D. Müller, R. Korsen, J. Saak, G. Broßeit, T. Voth, (D. Brand, C. Nottmeier, A. Möller und M. Sparr gehörten als Nachwuchsspiel mit zum Kader), Trainer: Thomas Berg.

Eine II. und eine III. Mannschaft spielten in der 2. Kreisklasse.

Bei der Suche nach einem endgültigen Abteilungsleiter tat sich weiterhin nichts, so dass sich aus meiner kommissarischen Führungsaufgabe eine dauerhafte anbahnte.

Die I. Mannschaft spielte wieder an der Spitze der 1. Kreisklasse mit. Eine gute Mischung erfahrener Spieler (K.-H. Böke, W. Busse, J. Saak, F. Wehmeier im Tor) mit eigenen Nachwuchsspielern (H. Busse, V. Bieber, F. Müller, M. Korsen im Tor) waren Garanten für die guten Leistungen. Besonders Heiko Busse als gefürchteter Torwerfer und Volker Bieber als Regisseur bauten jetzt ihre erfolgreiche Handballkarriere auf. Folgerichtig stand das Team zum Ende der Serie auf Platz 1, allerdings punktgleich mit unserem Widersacher SV Schnathorst mit Trainer Dieter Löffelmann.

Am letzten Spieltag kam es zum Duell dieser beiden punktgleichen Mannschaften – ein Handballkrimi bahnte sich an. Den Veltheimern reichte wegen der weitaus besseren Tordifferenz (+184 Treffer) bereits ein Unentschieden zum Wiederaufstieg.

Es wurde ein Handballkrimi: In voll besetzter Veltheimer Sporthalle (rd. 500 Zuschauer) gewannen wir 22:20 (Halbzeit 9:10). Die Freude war riesig, der Jubel groß: Wir waren wieder in der Kreisliga!

Folgende Spieler warfen in dieser Saison die Tore: Heike Busse (144); Frank Müller (105), Volker Bieber (83), Karl-Heinz Böke (56), Joachim Saak (41), Wilfried Busse (42), Dirk Müller (33), Günter Broßeit (22), Detlef Brand (12), Ralf Korsen (8), Michael Sparr (2). Gute Leistungen zeigten beide Torwarte Michael Korsen und Friedhelm Wehmeier.

 

 

Abbildung 35: Der Kreisligaaufsteiger v. l. n. r. oben: M. Sparr, Trainer Th. Berg, Betreuer K. P. Rinne, W. Busse, R. Korsen, D. Müller, J. Saak, F. Müller, H. Busse, Abteilungsleiter R. Kölling; unten: K.-H. Böke, D. Brand, V. Bieber, M. Korsen, F. Wehmeier, G. Broßeit, Zeitnehmer A. Klimek

 


Der Wiederaufstieg in die Kreisliga war ein wichtiger Baustein in der weiteren Entwicklung der Handballabteilung und zeigte einen ersten großen Erfolg der neu geschaffenen Strukturen in dieser Abteilung des SuS Veltheim e. V.

Erstmals in dieser Spielserie lief eine Mannschaft mit Trikotwerbung auf (siehe Foto). Mit diesem ersten Sponsoring der Fa. Getränke-Nehrmann, die ich von diesem Engagement überzeugen konnte, war die Grundlage für den später sehr erfolgreichen Förderkreis Handball gelegt.

Dazu noch folgende Anekdote: Da die Trikots für die Spielserie schon geliefert waren und erst später der Sponsor gefunden wurde, war eine richtige Beflockung der Trikots nicht mehr möglich. Darum bekamen die Trikots einen weißen Aufnäher mit dem Werbedruck. Zum Missfallen besonders der jungen Spieler, die darin nicht auflaufen wollten! Erst nachdem ich ihnen deutlich klargemacht hatte, dass wir keine Modenschau veranstalteten, sondern Leistungshandball in Veltheim platzieren wollten und dazu die finanzielle Unterstützung von Sponsoren dringend notwendig war, ging es dann auf einmal mit diesen Trikots.

In die erste Kreisligaserie 1983/1984 ging es dann weiter mit Trainer Thomas Berg, die Mannschaft blieb zusammen und hinzu kamen Torwart Ralf Kurz (Lohfeld) und Frank Wojtyna (Oberlübbe).

Die Mannschaft hielt gut mit der Konkurrenz mit und wir hatten dank einer guten Öffentlichkeitsarbeit viele Zuschauer und eine gute Presse. So schrieb das Mindener Tageblatt z. B. nach unserem klaren Sieg in Lahde fett in der Überschrift: „Veltheim derzeit in Gala-Form“.[29]

Die gute Form hielten wir nicht bis zum Ende der Serie und so belegten wir in der Abschlusstabelle leider nur Platz 8.

Am 25.10.1983 verstarb plötzlich und unerwartet Gunter Tillmanns, der für uns einige Jahre erfolgreich Handball gespielt hatte.

Anlässlich der Jubiläumsveranstaltung zum 90-jährigen Bestehen des SuS Veltheim erhielt die Handballabteilung 1984 als erster Verein im Kreis Minden-Lübbecke die Ehrenplakette des Deutschen Handballbundes, da seit über 50 Jahren in Veltheim erfolgreich Handball gespielt wurde.

Im Rahmen der Sportwerbewoche verabschiedete ich zusammen mit dem 2. Vorsitzenden des Hauptvereins Ingo Pawelek die verdienten Handballer Wilfried Busse, Karl-Heinz Böke und Friedhelm Wehmeier aus der I. Mannschaft. Wilfried Busse und Friedhelm Wehmeier wollten in unteren Mannschaften weiterspielen, Karl-Heinz Böke übernahm mit mir die Betreuung der I. Mannschaft.

Für die Spielserie 1984/1985 blieb Thomas Berg der Trainer. Der bestehende Spielerkader wurde ergänzt durch die eigenen Jugendspieler Ralf Pauser und Carsten Nottmeier sowie Norbert Peusner. Inzwischen war auch Frank Kohlstädt (Uffeln) zum Kader hinzugestoßen.

In einer Abteilungsversammlung zu Beginn der Serie wurde ich zum Abteilungsleiter wiedergewählt (nun nicht mehr kommissarisch). Jugendwart wurde Michael Korsen, für den Damen- und Mädelbereich zeigte Detlef Dressler weiter Verantwortung. Wir meldeten für die kommende Spielserie drei Herren-, eine Damen- und sechs Jugendmannschaften.

Diese Spielserie beendete die I. Mannschaft mit Platz 7.

Im Rahmen der Sportwerbewoche spielte die I. Mannschaft gegen den Bundesligisten TBV Lemgo und wir verabschiedeten damit unseren Trainer Thomas Berg nach erfolgreicher Tätigkeit.

Gute Jugendarbeit zahlte sich aus. Die B-Mädelmannschaft wurde Kreismeister mit Trainer Detlef Dressler. Viele dieser Mädel wurden später Stammspielerinnen in der erfolgreichen Damenmannschaft.

Beginn der Ära Dieter Löffelmann

Das Ziel, Kreismeister zu werden und wieder über den Kreisrahmen hinaus zu spielen, war in unseren Köpfen. Mir war klar, dass dazu nach der erfolgreichen Arbeit von Trainer Thomas Berg die Mannschaft wieder neue Trainerimpulse benötigte. Gute Trainer zu bekommen war nicht einfach. Inzwischen hatte ich mir allerdings ein gutes Netzwerk aufgebaut, durch gute Öffentlichkeitsarbeit hatte sich der Verein wieder einen guten Namen gemacht und es war bekannt, dass viele begeisterungsfähige Zuschauer zu den Spielen kamen. Der SuS Veltheim war wieder interessant. Das alles hatte sicherlich dazu beigetragen, dass es mir gelang, meinen damaligen Wunschtrainer Dieter Löffelmann für die Mannschaft zu gewinnen.

Zunächst hatten das unsere „Hobby-Trainer“ auf der oberen Zuschauertribüne nicht verstanden und ich wurde für diese Entscheidung massiv kritisiert. Hatten wir doch in den Spielen gegen Schnathorst in den letzten Jahren immer wieder mit Dieter Löffelmann als Trainer von Schnathorst zu tun gehabt. Es dauerte aber nicht lange und Dieter Löffelmann hatte unsere Zuschauer in seinen Bann gezogen. Es begann eine sehr erfolgreiche Zeit.

Die Serie 1985/1986: Die I. Mannschaft begann unverändert mit Dieter Löffelmann auf der Bank. Die Abteilungsführung erweiterte sich, Michael Korsen wurde mein Vertreter und Detlef Dressler Jugend- und Damenwart. Wir gingen mit insgesamt elf Mannschaften in die Spielrunde.

Wir begannen diese Serie furios mit 20:0 Punkten und kassierten erst gegen den VFB Holzhausen II mit 21:22 die erste Niederlage. Besonders Heiko Busse sorgte mit seinen vielen Toren für unsere Erfolge. Inzwischen wurden aus der eigenen Jugend kommend die Spieler M. Lukowski und M. Thielscher eingesetzt. Spielmacher V. Bieber war leider langfristig verletzt.

Wir erreichten das Kreispokalfinale mit einem klaren Sieg gegen Eidinghausen und mussten überraschend im Endspiel gegen Barkhausen antreten. In einem Handballkrimi gewannen wir erstmals den Kreispokal mit einem 23:22-Sieg gegen Barkhausen! Obwohl dieses Spiel von Spitzenschiedsrichtern geleitet wurde, litt es eben unter diesen Schiedsrichtern. Zwei Rote Karten für unsere Bank – für mich als Betreuer und für Trainer Dieter Löffelmann – bezeugten die Hektik. Doch wir wurden Kreispokalsieger!

In der Spielserie lieferten wir uns an der Tabellenspitze einen harten Kampf mit dem VFB Holzhausen II und dem HC Eidinghausen. Wir erzielten im Gipfeltreffen in Holzhausen vor 400 begeisterten Zuschauern ein 18:18 ohne den gesperrten Trainer Dieter Löffelmann auf der Bank. Dieser wurde von mir und Karl-Heinz Böke vertreten. Damit waren wir vor dem letzten Spieltag mit Eidinghausen punktgleich, Eidinghausen hatte aber ein um elf Tore besseres Torverhältnis. Am letzten Spieltag kam es zu den Begegnungen Veltheim – Eickhorst und Eidinghausen – Hahlen II.

Die Presse berichtete von einer telefonischen Standleitung der Eidinghauser zur Sporthalle Veltheim (wir hatten allerdings auch eine!), denn die Spiele waren zeitgleich angesetzt. Wir gewannen 48:25 gegen Eickhorst (H. Busse warf 20 Tore), Eidinghausen allerdings auch mit 35:14 gegen Hahlen II. Es reichte für uns leider nicht. Wir blieben wegen des schlechteren Torverhältnisses nur Zweiter.

Trainer Dieter Löffelmann konnte die letzten Spiele nicht von der Bank aus dirigieren, weil er sich eine dubiose Sperre eingefangen hatte. Dieser Vorgang wurde in vielen Leserbriefen kritisch angemerkt und auch in dieser Angelegenheit gab der Handballkreisvorstand kein gutes Bild ab.[30]

Heiko Busse wurde in dieser Serie mit 176 Treffern Torschützenkönig der Handballkreisliga.[31]

Die A-Mädelmannschaft wurde mit Trainer Detlef Dressler Kreismeister.

In dieser Spielserie 1986/1987 galten wir als „Vizemeister“ der letzten Serie in der Kreisliga als Favorit. Wir sahen das nicht so, da Torwart Michael Korsen eine langwierige Verletzung hatte und einige Spieler den Wehrdienst leisten mussten. Frank Müller war nach Lohfeld gewechselt. Trainerfuchs Dieter Löffelmann stapelte tief und sah uns auf einem Mittelfeldplatz.

Wir starteten in die Serie mit vier Senioren- und sieben Jugendmannschaften.

Die I. Mannschaft begann furios mit 10:0 Punkten und hielt auch im weiteren Verlauf der Serie die Tabellenspitze. Ärgste Widersacher waren der TV Hille II und der TVE Röcke. Wir erreichten durch ein 18­:16 gegen Stemmer wie im Jahr zuvor das Endspiel im Kreispokal und mussten dort gegen den TV Espelkamp antreten. Dieses Spiel verloren wir überraschend klar mit 19:25 und uns blieb nur der Titel „Vize-Kreispokalmeister“.

Für ein Freundschaftsspiel konnte ich den CSSR-Staatsligisten Roter Stern Bratislava verpflichten. In einem überaus interessanten Spiel verloren wir standesgemäß 21:34, hielten aber zur Freude von mehr als 300 Zuschauern 45 Minuten lang sehr gut mit.

Zum Ende der Serie meldete sich Frank Müller von Lohfeld wieder zurück und konnte uns für das „Finale“ wieder verstärken. Wir führten nämlich weiterhin die Tabelle der Kreisliga an, nur Hille II war uns mit einem Punkt Rückstand auf den Fersen.

Und es kam, wie es kommen musste, im letzten Saisonspiel empfingen wir den Tabellenzweiten TV Hille II – also war es ein Endspiel um den Kreismeistertitel. Ein Unentschieden würde uns schon reichen. Für unseren Trainer wäre es der dritte Meistertitel dieser Saison (mit Oberlübbes Männern und Frauen Landesligameister).

Wir schafften es: Wir wurden vor über 500 Zuschauern Kreismeister mit einem 15:12-Sieg über den TV Hille II. Somit stiegen wir auch endlich wieder in die Bezirksliga auf. Auf dieses Ereignis hatten wir lange hingearbeitet. Mit toller Zuschauerunterstützung (lt. Presse der „Hexenkessel Veltheim“) lieferte die Mannschaft gegen Hille ein Superspiel ab und dem folgte eine Riesenaufstiegsfeier.

Ein weiterer großer Erfolg war der Staffelsieg unserer Frauenmannschaft, die somit in die 1. Kreisliga aufstieg. Mit Trainer J. Saak und Betreuer D. Müller stiegen auf: K. Hohmeier, A. Repnak, M. Damitz, S. Ruth, B. Westermeier, U. Dressler, A. Passekel, G. Eickhoff, U. Damitz, K. Hohmeier, A. Diekmann, T. Westermeier, S. Pagel, K. Vogel, P. Remmert, K. Pflug.

 

 

Abbildung 36: Kreismeister und Bezirksligaaufsteiger v. l. n. r. oben: R. Kölling (Manager), D. Müller, H. Busse, M. Lukowski, C. Nottmeier, F. Müller, D. Löffelmann (Trainer), F. Törper (Vereinsvorsitzender); unten: K.-H. Böke (Betreuer), R. Pauser, D. Brand, R. Kurz, M. Korsen, V. Bieber, N. Peusner

 

 

Nach diesen tollen Erfolgen waren wir wieder wer in der Handballszene. Dieter Löffelmann wurde als Ostwestfalens erfolgreichster Handballtrainer betitelt und das Westfalenblatt widmete ihm eine Sonderseite mit dem Titel „Drei Meister-Menüs mit einem ‚Löffel‘“.[32] Der Bericht ist im Anhang abgebildet.

Die „Handballkiste“ der „Neuen Westfälischen“ widmete unserer rasanten Entwicklung einen eigenen Beitrag.[33] Dieser Bericht ist ebenfalls im Anhang zu finden.

Die Spielserie 1987/1988 begann Veltheim nun als Bezirksligist. Zum Kader kamen „Kalle“ Ladage von Möllbergen und Andreas Möller aus der II. Herren hinzu.

Der SuS meldete für diese Serie fünf Senioren- und sechs Jugendmannschaften und hatte erstmals eine Minihandball-Spielgruppe.

Die I. Mannschaft startete mit drei Siegen überraschend gut in die Bezirksligaserie, dann folgten aber auch einige Niederlagen.

Am 1.12.1987 spielten wir in Freundschaft in Veltheim gegen die Bundesligamannschaft von GWD Minden, wo wir vor guter Zuschauerkulisse mit 11:36 verloren.

Am 21.2.1988 kam es zu einem Spitzenspiel in Veltheim. Wir trafen als Tabellenzweiter auf den Tabellenersten Eidinghausen. In diesem Spitzenspiel in voller Veltheimer Halle erreichten wir ein 17:17. Eine vermeidbare Niederlage dann gegen Spradow brachte uns um die Meisterschaftschancen. Am Ende der Serie landeten wir auf einem guten dritten Platz.

Zum Ende der Spielserie gründeten wir mit den Vereinen Möllbergen und Lohfeld eine Handballjugend-Spielgemeinschaft. In deren Vorstand wurden wir vertreten durch Detlef Dressler.

„An der Spitze mitspielen“ – mit diesem Ziel starteten wir in der Bezirksligaserie 1988/1989. Mit dem Neuzugang Arne Bliesener von GW Dankersen III und Stephan Böke aus der eigenen Jugend, jedoch ohne Kalle Ladage, der in die II. Mannschaft wechselte, gingen wir in die neue Saison. Trainer blieb weiterhin Dieter „Löffel“ Löffelmann.

Wir begannen sehr gut und wurden sogenannter „Herbstmeister“.

Am 2.1.1989 hatten wir „Lokomotive Trnava“, den mehrfachen CSSR-Meister, der gleich sechs Nationalspieler mitbrachte, zu Gast. Wieder einmal ein Leckerbissen für unsere Zuschauer. Dieses Spiel verloren wir mit 18:30.

Und endlich gewannen wir einmal unser Neujahresturnier (inzwischen das fünfte) im Endspiel gegen Möllbergen mit 15:10. Vorher schalteten wir „Löffels“ Oberlübber in der Zwischenrunde aus.

In der laufenden Spielserie legten wir eine Superserie hin. Mit 22:0 Punkten spielten wir in Richtung Aufstieg. Es gingen danach einige Spiele verloren, doch die Tabellenspitze blieb uns erhalten. Einzig die Mannschaft aus Spradow konnte uns noch gefährden.

Es kam zum Spitzenspiel in Veltheim, wobei Trainer Löffelmann fehlte, da er einen Lehrgang zum Erwerb der Trainer-A-Lizenz besuchen musste. Ich vertrat zusammen mit Karl-Heinz Böke unseren Trainer auf der Bank und wir gewannen das Spitzenspiel in ausverkaufter Halle mit 21:20. In den Spielen danach „patzte“ die Mannschaft noch einige Male knapp, so dass es doch noch eng wurde. Aber mit einem Kraftakt – Sieg bei Union Salzuflen – klappte es. Wir wurden Bezirksmeister! Und wir stiegen auf in die Landesliga! Damit endete die erfolgreiche Zeit des Trainers Dieter Löffelmann in Veltheim. Dieter Löffelmann wurde mit großem Dank und Tränen in den Augen der Zuschauer verabschiedet.

Endlich fand ich auch Entlastung in der Abteilungsführung. Andreas Behning übernahm die Abteilungsleitung, so dass ich die Doppelbelastung (Geschäftsführer Gesamtverein) reduzieren konnte. Die Betreuerfunktion für die I. Mannschaft nahm ich weiter zusammen mit Karl-Heinz Böke wahr.

Dieter Löffelmann

Das Handball-Magazin schrieb 1987: „Das macht ihm so leicht keiner nach: Gleich mit drei von ihm trainierten Mannschaften konnte der im Kreis Minden-Lübbecke ansässige Dieter Löffelmann den Aufstieg feiern. Die Männer und Frauen von Eintracht Oberlübbe wurden unter seiner Regie Landesligameister und der SuS Veltheim gewann die Kreismeisterschaft, verbunden mit dem Aufstieg in die Bezirksliga. Löffelmann (37), verheiratet und Vater, ist so ganz nebenbei noch Abteilungsleiter und Schiedsrichter und im ‚Nebenjob‘ Maurerpolier.“

Diese Notiz, erschienen unter „Personalia“[34], kennzeichnete seine Leidenschaft, den Handballsport.

In dem Buch „Und auch der Handball ist rund“ wurden ihm gleich acht Seiten gewidmet, in denen sein Weg vom Torwart zum Spitzentrainer ausreichend beschrieben ist.[35]

Ich war froh, meinen Freund Dieter Löffelmann trotz vieler Kritiken im Vorfeld nach Veltheim locken zu können. Sehr gut erinnere ich mich an die Besuche und Gespräche bei ihm. Es war anfangs nicht einfach, ihn von diesem Schritt zu überzeugen. Mein Konzept vom Aufbau des Leistungshandballs in Veltheim hatte ihn letztlich doch überzeugt, und als er im letzten Gespräch dann zu seiner Frau Doris sagte: „Doris, was soll ich machen?“, und diese antwortete: „Dieter, mach es!“, war die Entscheidung für Veltheim gefallen und wir tranken bei ihm nach guter westfälischer Art einen Wacholder darauf.

Wir hatten in Veltheim viele Spitzentrainer – jeder hatte seine eigene Art. Dieter hatte eine besondere Art – er konnte wahnsinnig motivieren und Spieler und Zuschauer mitreißen.

Dem oben genannten Buch ist eine Aussage von Dieter Löffelmann zu entnehmen: „Wenn ich als Trainer von Schnathorst nach Veltheim kam, dann war dort die Hölle los. Die Veltheimer Fans haben mich regelrecht fertiggemacht. Als ich nachher selbst ihr Trainer war, war ich der Größte für sie!“[36]

Die Zusammenarbeit mit Dieter war hervorragend. Wir sprachen eine Sprache und wir wollten den Erfolg!

Viele Spieler profitierten von seinem Handballverstand. Unsere Leistungsträger wie Heiko Busse, Volker Bieber, Michael Korsen, Carsten Nottmeier, Stephan Böke u. v. m. wuchsen bei ihm zu Spitzenhandballern.

Aus diesem Grund gehört zu einer Chronik der sportlichen Entwicklung in Veltheim unbedingt eine Würdigung seiner Arbeit – auch wenn Dieter Löffelmann kein Veltheimer, sondern Oberlübber ist. Zur Entwicklung zum erfolgreichen Leistungshandball in Veltheim trug er eine Menge bei.

Das Publikum konnte er mit seinen Sprüchen begeistern. Die Presse betitelte ihn unter anderem als „Peitschen-Dieter“, „Trainer-Unikum“ und „Tri-Trainer mit Power“.

Die „Berliner Zeitung“ fragte Dieter Löffelmann einmal in einem Interview, ob er Psychologie studiert habe. Seine kennzeichnende Antwort: „Nein, studiert habe ich nicht! Aber ich habe 35 Jahre als Maurerpolier auf dem Bau gearbeitet. Da weiß ich, worauf es ankommt: Malochen, malochen, malochen – und viel miteinander reden!“[37]

Im Juni 1989 wurde Dieter im Rahmen der Sportwerbewoche beim Handballspiel Veltheim – Oberlübbe (24:24) von einer großen Zuschauermenge, dem Vorstand und den Spielern verabschiedet. Die Mannschaft schenkte ihm, dem 1.-FC-Köln-Anhänger, zum Abschied einen kleinen „Geißbock“ für sein kleines Heim für Tiere.

 

 

 







Abbildung 37: Dieter Löffelmann mit seinem Spielmacher Volker Bieber in Siegerpose

Erfolgreiche Landesligajahre

 Veltheim spielte in den nächsten Jahren nun erfolgreich in der Landesliga. Als Trainer kam für die Saison 1989/1990 Peter Erdbrügger aus Spenge zu uns. Die Mannschaft blieb zusammen und ergänzte sich noch mit Arne Bliesener (GWD III). Im Laufe der Serie kam mit dem Bundesligaspieler Eddy Franke vom TBV Lemgo noch eine große Verstärkung, besonders für die Abwehr, hinzu. Wir spielten in der ersten Landesligasaison gut mit und wurden zum Saisonende immer stärker, holten in einer Siegesserie 22:0 Punkte in Folge. Am Ende sprang Platz 3 heraus. Eddy Franke, der sich verletzte, nachdem er einige Spiele für uns absolviert hatte, wurde zum Ende der Spielserie vom Bundesligisten GWD Minden abgeworben. Dieser benötige ihn und den erfahrenen Bernd Seehase, um dem Abstieg zu entgehen.

 Die zweite Spielserie in der Landesliga (1990/1991) begannen wir abermals mit Trainer Peter Erdbrügger, der Spielerkader änderte sich, denn Torwart Ralf Kurz zog es zu Hille und Michael Lukowski zu Oberlübbe. Zu uns kam Andre Geile (Union Bad Salzuflen) und aus der Reserve der Nachwuchstorwart Heiko Fischer.

 Inzwischen hatten wir mit dem TUS Lohfeld/Hainholz eine Handballspielgemeinschaft gegründet. Wie spielten jetzt unter der Bezeichnung „SG Veltheim-Lohfeld“. Von Lohfeld gehörten Torwart Karsten Herr und Andreas Hohnroth mit zum Spielerkader. Die Spielserie lief gut an, doch zum Jahresende hin gab es einige Niederlagen in Folge. In der Mannschaft kam es zu Unzufriedenheit mit dem Trainer. Das hatte zur Folge, dass wir uns Ende des Jahres von Peter Erdbrügger trennten. Karl-Heinz Böke und ich übernahmen zunächst die Trainingsleitung und ich versuchte, schnellstens einen Ersatztrainer bis zum Ende der Serie zu finden. Und so kam es dazu, dass mein Freund Dieter Löffelmann aus alter Verbundenheit nochmals auf die Trainerbank zurückkehrte. Wir belegten zum Ende der Serie mit Platz 7 einen guten Mittelplatz.

Am 7.1.1991 gründeten wir auf meine Initiative einen Handball-Förderkreis. Damit wollten wir erreichen, dass aus dem „zaghaften“ Sponsoring Veltheimer Unternehmer ein zielorientiertes Sponsoring für den Leistungssport Handball ermöglicht wurde. Dies gelang uns. Diese Gründung im Januar 1991 zeigte sich als ein wichtiger Meilenstein in der weiteren Entwicklung.

 Immer stärker in der sportlichen Entwicklung machte sich unser Nachwuchstalent Stephan Böke, der neben den Routiniers Heiko Busse und Volker Bieber zu einem hoffnungsvollen Leistungsträger heranwuchs. Das sahen auch unsere Konkurrenzvereine und Stephan Böke wurde umworben. Selbst die Bundesligisten buhlten um ihn.[38] Letztlich gelang es, unser „Juwel“ bei uns zu halten – trotz diverser anderer Spekulationen der heimischen Presse.

In die Serie 1991/1992 gingen wir mit Trainer Willi Zithier und nahezu gleichem Spielerkader. Ich hatte wieder die Abteilungsleitertätigkeit Handball übernommen, da Andreas Behning nicht mehr zur Verfügung stand. Nach seinem Kurzgastspiel in Hille und seiner Rückkehr nach Veltheim ging Ralf Kurz nun nach Spenge.

Unsere Frauenmannschaft wurde mit Trainer Ralf Pauser Kreismeister und stieg in die Bezirksliga auf. Folgende Spielerinnen gehörten zur Meistermannschaft: Karin Broßeit, Anja Diekmann, Ute Dreßler, Anja Gersten, Kerstin Hohmeier, Andrea Paßekel, Susanne Ruth, Marga Saule, Tanja Westermeier, Katrin Vogel und Betreuer Jan Werkmeister.

 Für die Serie 1992/1993 starteten wir weiter mit Willi Zithier als Trainer in das Spielgeschehen. Der Spielerkader ergänzte sich mit eigenen Nachwuchsspielern, u. a. mit Martin Bohnsack, Bernd Müller und Dirk Nottmeier. Wir erreichten in der Landesliga einen guten fünften Rang.

Unsere III. Herrenmannschaft stieg auf in die 1. Kreisklasse.

Die Serie 1993/1994 begannen wir mit Verletzungspech in der Vorbereitung und darum ergänzte sich der Spielerkader mit Detlef Brand (reaktiviert). Trainer blieb weiterhin Willi Zithier. Nebenher übernahm Willi Zithier die Frauenbundesligamannschaft von Eintracht Minden als Trainer. Wir spielten in dieser Serie sehr gut an der Tabellenspitze mit. Immer stärker wurde neben Heiko Busse der Spieler Stephan Böke. Wir erreichten wieder das Endspiel um den Kreispokal, verloren aber sehr unglücklich gegen Nordhemmern mit 23:24. Am Ende der Serie standen wir auf Platz 2 und wurden Vizemeister der Landesliga. Stephan Böke wurde mit 177 Treffern bester Torwerfer der Saison.

Für die Serie 1994/1995 gewannen wir den früheren Bundesligaspieler Hennes Sulk als Trainer. Mit dem bekannten Spielerkader der Vorsaison begannen wir die Spielserie. Die Presse mutmaßte zu diesem Zeitpunkt schon eine Fusion der SG Veltheim-Lohfeld mit dem Erzrivalen TUS Möllbergen.[39] Dieses Thema wurde immer wieder von außen (auch von vielen Mitgliedern) an uns herangetragen. In einer dazu anberaumten Abteilungsversammlung im November 1994 wurde deutlich, dass die Zeit dafür noch nicht reif war, und das Thema Fusion wurde zunächst nicht weiter verfolgt. Aufgrund einiger Differenzen traten wir dann auch aus der Jugendspielgemeinschaft aus und stellten die Jugendarbeit wieder auf eigene Füße.

Wir spielten zunächst wieder im oberen Tabellenbereich, obwohl sich immer wieder Leistungsträger verletzten (Stephan Böke, Martin Bohnsack, Andre Geile). Dann folgte im Februar/März ein Einbruch und wir verloren fünf Spiele in Folge und rutschen auf Platz 12 ab. Das hatte zur Folge, dass wir uns von Trainer Hennes Sulk trennten, weil dieser nicht mehr ausreichend Einfluss auf die Mannschaft nehmen konnte. Das Training und die Mannschaftsverantwortung übernahm ich wieder zusammen mit Karl-Heinz Böke. Leider mussten wir in dieser Phase auf sieben verletzte Stammspieler verzichten. Mit einem Sieg gegen Steinhagen mit 24:18 und einem Sieg in Versmold mit 26:16 arbeiteten wir uns vom Tabellenende nach oben. Wir mussten allerdings weiter zittern – alle abstiegsbedrohten Mannschaften standen eng beieinander. Mit einem Sieg in Werther schafften wir es dann – wir blieben in der Landesliga!

In der Serie 1995/1996 setzten wir voll auf eigene Kräfte. Ich konnte unseren Torwart Michael Korsen überzeugen, den Trainerposten anzunehmen. Stephan Böke war wieder voll einsatzbereit. Matthias Gritzan wurde neben Heiko Fischer weiterer Torwart. Aus der Reserve ergänzten Lars Grieger und Andre Rinne den Kader. Wir warteten gleich mit einer Sensation auf, denn wir gewannen gegen den hohen Favoriten Spradow mit 28:19. Oldie Heiko Busse und Stephan Böke waren mit ihren insgesamt 17 Toren nicht zu bremsen. Trotz alledem wurde es eine schwere Saison. Zur Mitte der Serie standen wir im Tabellenkeller und verloren im Ortsderby in Möllbergen auch noch mit 14:21. Zum Saisonende, in großer Abstiegsgefahr, gewannen wir dann aber das Rückspiel gegen Möllbergen mit 28:19. Wir retteten uns in der Landesliga schließlich doch recht glücklich trotz einer Niederlage gegen Schildesche im letzten Spiel, weil Wehe gegen Unterlübbe nur einen Punkt holte und damit absteigen musste. Ein sehr glückliches Ende für uns.

Immer wieder versuchten wir in diesen Jahren einen Handballabteilungsleiter aufzubauen, der mich hätte entlasten können. Denn das Management für den Gesamtverein, für die I. Handballmannschaft und die hohen beruflichen Anforderungen ließen kaum Freiraum. Alle Versuche liefen ins Leere!

Anfang 1996 konnte ich nach kontroversen Diskussionen in der Jahreshauptversammlung durchsetzen, dass wir den Namen der Spielgemeinschaft in „HSG Porta Westfalica“ änderten. Das war mir für zukünftige Sponsoringmaßnahmen und für die zukünftige sportliche Struktur sehr wichtig.

Im Rahmen der Sportwerbewoche verabschiedeten wir die verdienten Handballer Volker Bieber und Michael Korsen aus der I. Mannschaft.

Die Spielserie 1996/1997, weiter mit Trainer Michael Korsen, begann mit einer intensiven Vorbereitung. Der Spielerkader verjüngte sich. Andre Fröhlich aus Vlotho/Uffeln, Markus Behning aus der eigenen Jugend sowie Christian Müller und Dirk Nottmeier aus der Reservemannschaft kamen hinzu. Christian Winter vom TV Exten schloss sich uns ebenfalls an. Andre Geile verließ uns. Volker Bieber beendete seine erfolgreiche Laufbahn.

Die Spielserie begann furios und wir konnten ganz oben mitspielen. Stephan Böke spielte immer erfolgreicher, das Team harmonierte. Wir wechselten den Spitzenplatz mit dem TV Lemgo. Im Spitzenspiel zum Ende der Serie verloren wir dann aber klar mit 18:26 gegen TV Lemgo, danach war die Luft raus. Am Ende blieb uns allerdings ein guter Platz 3 in der Tabelle.

Die Spielgemeinschaftsmannschaft Veltheim/Möllbergen (FSG Porta) der Damen, die inzwischen gegründet worden war, behauptete sich mit ihrer Trainerin Doris Essing gut in der Bezirksliga.

Zum Ende der Spielserie wurden wieder zwei verdiente Sportler verabschiedet, weil sie ihre Laufbahn in den ersten Mannschaften beendeten. Das war zum einen Ute Dreßler bei den Frauen. Sie spielte seit rund 23 Jahren in Veltheim erfolgreich Handball und war 1987 mit in die Kreisliga und 1992 mit in die Bezirksliga aufgestiegen. Zum anderen beendete das Veltheimer Urgestein, Torewerfer vom Dienst Heiko Busse, ebenfalls seine überaus erfolgreiche Karriere. Von vielen Vereinen umworben war er seit 1979 unserem Verein treu geblieben und hatte seit dieser Zeit sehr erfolgreich in der I. Herrenmannschaft gespielt. Mit dieser Mannschaft war Heiko Busse Kreismeister, Kreispokalsieger und Bezirksmeister geworden.

Am 29.9.1997 kehrte Heiko Busse, der sich in der Reservemannschaft fit hielt, wieder zurück in die I. Mannschaft, eigentlich, um dort kurzfristig auszuhelfen. Wir erkannten aber schnell, dass Heiko noch nicht zu ersetzen war und er spielte erfreulicherweise noch einige Zeit weiter.

 

 








Abbildung 38: Heiko Busse bei seinem gefürchtetem Torwurf aus dem Rückraum

 Für die Serie 1997/1998 stießen zu dem von Michael Korsen weiterhin trainierten Team mit Hans-Jürgen Arnold und dem Rückkehrer Andre Geile zwei Spieler vom Nachbarn Möllbergen zu uns. Mit dieser Verstärkung – dazu kam noch Gunnar Schrader als weiterer Torwart für Heiko Fischer – sah sich die Mannschaft für die Serie gut gerüstet. Doch in der Spielserie lief es sehr verhalten an. Mitten in der Serie gelang uns noch eine personelle Überraschung. Matthias Kiesau, Spieler mit Bundesligaerfahrung (GWD Minden), schloss sich uns an. So erreichten wir noch Platz 8 in der Endwertung.

Inzwischen hatte ich im Hauptverein neben meiner Schatzmeistertätigkeit auch die Position des 1. Vorsitzenden übernommen und war sehr froh, dass in der Abteilungsversammlung Handball im März mit Rüdiger Ostermeier endlich mein Nachfolger für die Abteilungsleitung gefunden wurde.

So ging es neu aufgestellt in die Serie 1998/1999. Für diese Serie kam noch Matthias Rosemeier vom Nachbarn Möllbergen zu uns. Markus Behning wechselt zu Möllbergen. Wir begannen die Saison sehr erfolgreich mit 10:0 Punkten.

Am 20.10.1998 hatten wir den Handballweltmeister Russland in Veltheim zu Gast. Unsere Landesligamannschaft spielte, verstärkt durch einige Stadtauswahlspieler, gegen das russische Team. In voll besetzter Halle verloren wir zwar mit 16:37, es war allerdings für die Zuschauer wieder einmal eine gelungene Handballdemonstration und für unseren Verein ein besonderes Erlebnis. In der Jahreshauptversammlung Anfang 1999 bestätigte der Hauptverein den Antrag der Handballabteilung, die Spielgemeinschaft um den TUS 09 Möllbergen zu erweitern. Die bestehende Frauenspielgemeinschaft FSG Möllbergen wurde mit eingebunden. Zu diesem Ereignis berichte ich im Verlauf dieser Abhandlung noch ausführlicher.

In der laufenden Spielserie lieferten wir uns ein Duell mit dem TV Hille an der Tabellenspitze. Zum Saisonende kam es dann zu einem vorgezogenen Endspiel in Hille. Wir gewannen dort in voll besetzter Sporthalle vor über 500 begeisterten Zuschauern verdient mit 22:23.

In den letzten beiden Spielen mussten wir nur noch einen Punkt holen, um die Meisterschaft und den Verbandsligaaufstieg perfekt zu machen.

Das gelang uns gleich im nächsten Spiel! Wir gewannen das Heimspiel gegen Versmold mit 32:28 und wurden Landesligameister und Aufsteiger zur Verbandsliga.

Der Aufstieg in die Verbandsliga

Die höchste Spielklasse, die wir im Hallenhandball je erreichten, war die Verbandsliga.

Das Mindener Tageblatt schrieb am 19.4.1999 fett in der Überschrift:

„Böke wuchtet Porta in die Verbandsliga! HSG verwandelt den ersten Matchball!“[40]

 

 

 

 

 




Abbildung 39: Direkt nach dem Spiel. Es ist geschafft, der Aufstieg ist gesichert.

 

 





Abbildung 40: Der Verbandsliga-Aufsteiger v. l. n. r. oben: Betreuer K.-H. Böke, Trainer M. Korsen, St. Böke, H. Busse, M. Rosemeier, A. Geile, B. Diestelhorst, C. Nottmeier, Zeitnehmer J. Schleich, Manager R. Kölling, Vertreter des Handballverbandes Keienburg;

unten: R. Pauser, H.-J. Arnold, T. Niedernolte, M. Kiesau, M. Gritzan, G. Schrader

 

 

 












Abbildung 41: Der Erfolg wurde gebührend gefeiert! Stephan Böke bei der Aufstiegsfeier

Das letzte Spiel war nur noch Formsache und wir holten ein 23:23 in Schröttinghausen. Stephan Böke erhöhte dort sein Torkonto für diese Saison auf 160 und führte damit die Torschützentabelle der Liga unangefochten an.

Für den SuS Veltheim war diese Spielsaison die erfolgreichste überhaupt. Der Verein verzeichnete insgesamt acht Aufstiege:

-         Herren I Handball in die Verbandsliga

-         Damenmannschaft II Handball in die 1. Kreisliga

-         D-Jugend Handball Kreispokalsieger und Bezirkspokalgewinner

-         Herren I Tischtennis Aufstieg in die Landesliga

-         Damen I Tischtennis Aufstieg in die Bezirksliga

-         Jugend I Tischtennis Aufstieg in die Bezirksliga

-         Jugend II Tischtennis Aufstieg in die Bezirksklasse

-         Schüler I Tischtennis Aufstieg in die Bezirksklasse

Zusammen mit den Abteilungsleitern Handball Rüdiger Ostermeier und Tischtennis Werner Schmidt konnte ich in meiner Eigenschaft als Vorsitzender des Gesamtvereins allen Mannschaften nach dem Aufstiegsspiel vor 500 begeisterten Zuschauern gratulieren.[41]

Die „große“ Handballspielgemeinschaft Porta Westfalica

Durch Beschlüsse der Hauptvereine wurde die bestehende HSG Porta Westfalica (Veltheim und Lohfeld) um den TUS 09 Möllbergen erweitert. Nach einigen vorangegangen Versuchen war es auch der Druck von außen (von Mitgliedern und Aktiven), der zu dieser Annäherung der sportlichen „Erzrivalen“ Veltheim und Möllbergen geführt hatte. Unter diesem Gesichtspunkt „Spitzenhandball in Porta Westfalica“ zu etablieren, war ganz sicher eine kluge Entscheidung. Zu diesem Zeitpunkt sicherlich auch dadurch forciert, dass die bestehende HSG Porta Westfalica in die Verbandsliga aufstieg und der Kooperationspartner Möllbergen den Abstieg in die Bezirksliga hinnehmen musste.

Nach den positiven Entscheidungen in den Jahreshauptversammlungen wurden schnell die organisatorischen Grundlagen gelegt. In einer ersten offiziellen Abteilungsversammlung der neuen HSG Porta Westfalica wählte man mich zum Spielgemeinschaftsleiter, wo ich allerdings schon deutlich anmeldete, dass mein neuerliches Engagement nur für die Gründungsphase, maximal für ein Jahr sein konnte.[42]

Zu Stellvertretern wurden Karl-Wilhelm Stolze (Möllbergen) und Rüdiger Ostermeier (Veltheim), zum Spielwart Carsten Hohmeier (Lohfeld) gewählt. Abgeordnete für den Besuch der Handballbörse wurden Willi Hupe (Möllbergen) und Andreas Hohnroth (Lohfeld).

Federführend sollte der SuS Veltheim mit seiner bestehenden Geschäftsstelle die Geschäftsführung übernehmen.[43] Zu diesem Thema gab es bei den Vertragsgestaltungen schon hitzige Diskussionen zwischen Veltheim und Möllbergen, doch nach Beratung durch einen Steuerberater stimmte Möllbergen dem wie auch unseren kompetent erarbeiteten Vertragsformulierungen zu. Schon in der Anfangsphase der Zusammenarbeit mit Möllbergen wurde deutlich, dass es nicht einfach werden würde. So gab es mit Möllbergen Abstimmungsprobleme beim Sportfesttermin (trotz anderer Abmachungen musste Veltheim den Termin in den August verschieben) und zugesagte Mitarbeit (Hallenkassierer, Jugendarbeit) blieb aus.[44] Die „neue“ HSG begann den Spielbetrieb für die Serie 1999/2000 mit sechs Seniorenmannschaften (I. Verbandsliga, II. Bezirksliga, III. Kreisliga, Rest Kreisklassen), zwei Damenmannschaften (I. Bezirksliga, II. Kreisliga) und zehn Jugendmannschaften.

Die I. Mannschaft startete mit Trainer Michael Korsen in die Verbandsliga mit folgendem Kader: M. Gritzan, M. Riedel, G. Schrader, H.-J. Arnold, A. Bekemeyer, St. Böke, B. Diestelhorst, A. Geile, M. Kiesau, T. Niedernolte, C. Nottmeier, R. Pauser, M. Rosemeier, D. Groditzki, Ch. Hupe, Heiko Busse. Letzterer beendete endgültig seine so erfolgreiche Laufbahn in der I. Mannschaft.

Heiko Busse verstarb plötzlich und unerwartet im Jahr 2011.

Die I. Mannschaft spielte anfangs recht gut in dieser neuen höheren Spielklasse mit und belegte gute Mittelfeldplätze in der Tabelle. Zum Ende der Spielserie landete das Team auf Platz 6. Die II. Mannschaft belegte in der Bezirksliga leider nur den letzten Platz und sie musste absteigen. Die I. Frauenmannschaft belegte den 2. Platz in der Bezirksliga.

Im letzten Saisonspiel verabschiedeten wir wieder ein Handballurgestein: Carsten Nottmeier, langjähriger Abwehrchef unserer I. Mannschaft, hörte nach 16 erfolgreichen Jahren auf.

Auch ich machte deutlich, dass das kommende Spieljahr mein letztes als Abteilungsleiter sein müsse (wie beim Antritt angekündigt), denn neben den beruflichen Anforderungen und dem geschäftsführenden Vorsitz des Hauptvereins hatte ich für diese Aufgabe (auch für die Betreuungsaufgaben der I. Mannschaft) einfach nicht genug Zeit. Dabei machte ich auch deutlich, dass sich die Zusammenarbeit im HSG-Vorstand sehr schwierig gestaltete, da die Spielgemeinschaftspartner scheinbar die professionelle Arbeitsweise des SuS Veltheim nicht gewohnt waren.[45]

Es gab auch wieder – trotz anderer Absprachen mit dem Fusionspartner Möllbergen – Abstimmungsprobleme wegen des Sportfesttermins 2000. Wir lenkten allerdings nochmals ein, um die weitere Zusammenarbeit nicht noch weiter zu gefährden.[46]

In die Serie 2000/2001 startete die I. Mannschaft weiter mit Trainer Michael Korsen und leicht verändertem Kader in die zweite Verbandsligasaison. Carsten Nottmeier war nicht mehr dabei und Andre Geile verließ uns. Hinzu kamen David Steffen aus Lahde und Dennis Wehmeier aus der eigenen Jugend.

Die Reservemannschaft spielte in der Kreisliga und wurde trainiert von Jürgen „Zappel“ Grund.

Für die Etatplanung dieser laufenden Serie und auch zur Abrechnung der vergangenen Zeit gab es entgegen den ursprünglichen Absprachen in der HSG andere Vorstellungen von Möllbergen, die ihren Anteil erheblich reduzieren wollten.[47]

Diese Situation führte zu einer außerordentlichen Abteilungsversammlung des SuS Veltheim, wo den Aktiven die missliche Situation (besonders wegen der Etatkürzung) in der Zusammenarbeit in der HSG erläutert und der inzwischen erfolgte Schriftverkehr mit dem Vorstand von Möllbergen erläutert wurde. Die Aktiven machten deutlich, dass sie hinter der HSG stehen und hofften, der Vorstand der Möllberger möge sich besinnen.[48]

Die Spielserie selbst lief ebenfalls für die I. Mannschaft nicht erfolgreich. Zur Halbserie stand sie auf Platz 12 und kämpfte gegen den Abstieg. Das führte dazu, dass Trainer Michael Korsen im Januar 2001 das Handtuch warf und seinen Rücktritt erklärte. Michael Korsen: „Ich will damit ein Zeichen setzen!“[49]

Wir konnten den Trainer der II. Mannschaft, Jürgen Grund, dazu bewegen, auch als Trainer der I. Mannschaft zu fungieren. Der Klassenerhalt wurde geschafft und das Team landete am Ende der Serie auf Platz 9. Die Reservemannschaft blieb in der Kreisliga, die I. Frauenmannschaft wurde Dritter in der Bezirksliga.

Am 7.2.2001 wurde in einer Handball-Arbeitssitzung den Beteiligten erläutert, dass Möllbergen nun schriftlich beim Handballverband Westfalen beantragt habe, die Seniorenmannschaften aus der HSG Porta Westfalica zu lösen.[50]

Im weiteren Verlauf dieses Vorgangs gab es diversen Schriftverkehr mit Möllbergen, besonders wegen der finanziellen Abwicklung der HSG und der Einhaltung der vertraglichen Vereinbarungen.[51]

In der im März 2001 stattfindenden Handballabteilungsversammlung zog ich mich dann, wie angekündigt, aus der HSG-Führung zurück. Rüdiger Ostermeier übernahm die HSG-Leitung, Detlef Dressler und Günter Broßeit sollten im HSG-Vorstand die Belange des SuS Veltheim vertreten. Günter Diekmann und Friedhelm Wehmeier wurden für den Jugendbereich gewählt.[52]

In die Spielserie 2001/2002 ging die I. Mannschaft nicht ohne Sorgen. Die Spieler Matthias Kiesau, Matthias Rosemeier und Ralf Pauser waren nicht mehr dabei und Stephan Böke war an der Hand verletzt. Trainer Hans-Jürgen Grund gab als Ziel „Klassenerhalt“ aus. Rückkehrer Markus Behning, Christian Diekmann aus der Reservemannschaft und Martin Neumann vom TSV Exten ergänzten den Kader.

Zur Saisonhalbzeit stand die I. Herrenmannschaft auf dem vorletzten Tabellenplatz und war stark abstiegsgefährdet.

In dieser schwierigen Phase der HSG war unsere D-Jugend erfolgreich. Sie wurde Kreismeister mit 36:0 Punkten und gewann auch den Kreispokal.[53]

Am 13.4.2001 – die I. Mannschaft stand noch immer auf dem vorletzten Tabellenplatz – war es so weit. HSG-Leiter Rüdiger Ostermeier gab die Trennung von Trainer Jürgen Grund bekannt und erklärte, dass auf Wunsch der Mannschaft und der Abteilungsführung „Reinhold Kölling die letzten drei Spiele die Mannschaft betreuen sollte, um nichts unversucht zu lassen, die Verbandsliga zu halten.“[54]

Ich übernahm also nochmals, zusammen mit meinem langjährigen Weggefährten Karl-Heinz Böke, die schwierige Aufgabe, die Mannschaft zum Klassenerhalt zu motivieren. In dieser Situation, drei Spieltage vor Saisonende, eine rechnerisch lösbare, aber spieltechnisch sehr schwierige Aufgabe. Das Spiel in Hamm verloren wir klar mit 20:28, das Heimspiel gegen TV Vreden mit 29:32. Die Tabellensituation vor dem letzten Spiel war dann so, dass wir nur mit einem Sieg im Auswärtsspiel gegen den TV Ennigerloh die Verbandsliga erhalten konnten, dann allerdings unser Gegner absteigen würde. Also ein richtiges „Abstiegsendspiel“!

In einem neuerlichen „Handballkrimi“ spielten wir in fremder Halle anfangs sehr gut und steckten auch eine unverständliche Rote Karte gegen Martin Neumann weg. In der 57. Minute führten wir mit 28:26. Noch zwei Sekunden vor Schluss mit 29:28, dann – eine kurze Unaufmerksamkeit der Abwehr – und der letzte Wurf des Gegners landete bei uns im Tor. Endstand „nur“ 29:29.[55] Das reichte nicht – wir stiegen nach drei Jahren Verbandsliga ab in die Landesliga. Die Enttäuschung war natürlich groß.

Die II. Mannschaft schaffte noch so eben den Klassenerhalt in der 1. Kreisliga, die III. Mannschaft verblieb in der 2. Kreisliga. Die I. Frauen belegten einen guten 3. Platz in der Bezirksliga.

Faszination Handball am Ende?

Die Darstellung der „Handballgeschichte von Veltheim“ aus meiner ganz persönlichen Sicht findet hier zunächst einen Abschluss. Bis hier habe ich die Geschehnisse hautnah miterlebt, überwiegend mitgestaltet und von daher auch sehr ausführlich und intensiv aus meiner persönlichen Sicht beschreiben können. Dabei habe ich die erlebten „Höhen und Tiefen“ im Vereinsleben erfahren und hier beschrieben. Diese vielen Jahre Handball in Veltheim waren prägend (mehr dazu in meiner persönlichen Sportvita weiter hinten in dieser Chronik).

Spaß hat mir der Handballsport immer gemacht, besonders die Zusammenarbeit mit meinen vielen Weggefährten, die ich an dieser Stelle gar nicht alle aufzählen kann. Einige wenige Namen will ich, stellvertretend für alle Mitstreiter, besonders erwähnen. Trainer Fritz Peusner, der in jungen Jahren die Handballbegeisterung bei uns Jugendlichen weckte, Willi Nagel und Fritz Törper, die mich für die Abteilungs- bzw. Vorstandsarbeit begeistern konnten, Ingo Pawelek, Detlef Dressler und Günter Diekmann, mit denen ich so viele Sportwerbewochen und Sportveranstaltungen erfolgreich organisieren durfte. Karl-Heinz Böke und Joachim Schleich danke ich für viele Jahre erfolgreiche Mannschaftsbetreuung unserer I. Herrenmannschaft, Michael Korsen und Dieter Löffelmann danke ich, stellvertretend für die vielen Trainer, für die erfolgreiche Zusammenarbeit. Mit meinen langjährigen aktiven handballerischen Wegbegleitern, insbesondere Karl-Heinz Böke, Wilfried Busse, Friedhelm Wehmeier und Joachim Saak, hatte ich schöne Zeiten. Wir bildeten häufig gut funktionierende und erfolgreiche Thekenteams, die ganz sicher einen Teil des wirtschaftlichen Erfolges des Vereins ausmachten. Rüdiger Ostermeier und Manfred Sellig danke ich für die Zusammenarbeit im Handball-Förderkreis und für die Unterstützung im HSG-Vorstand. 









Abbildung 42: Beratung vor einem Verbandsligaspiel; v. l. n. r.: Zeitnehmer Joachim Schleich, Manager Reinhold Kölling, Trainer Michael Korsen, Betreuer Karl-Heinz Böke

Die Gestaltung dieser erfolgreichen Handballabteilung funktionierte nur in einem Team. Es bedurfte vieler Personen, um den Spielbetrieb in dieser Größenordnung zu gestalten: Der Abteilungsvorstand, die Trainer- und Übungsleiter, die Mannschaftsbetreuer, die Schiedsrichter, die Hallenkassierer, die stillen Helfer im Hintergrund (bei der Vereinsbewirtschaftung, der Jugendbetreuung, eigenen Baumaßnahmen u. v. m.) und natürlich die Aktiven. In Veltheim gab es dieses Team. Es waren so viele Menschen, die dem Handballsport in Veltheim zu dem Stellenwert verholfen haben, den diese Schrift hoffentlich verdeutlicht.

Die nächsten Jahre im Handballsport in Veltheim, der trotz der sportlichen Misere, der Probleme mit Möllbergen in der HSG Porta Westfalica und der Besetzungsprobleme in der Abteilungsführung kontinuierlich weitergeführt wurde, beschreibe ich jetzt basierend auf meinen Beobachtungen von außen in Kurzform. In diesen Jahren war ich für die Handballabteilung im Hintergrund und nur noch beratend tätig, nicht mehr gestaltend. Zudem ist dieser Zeitabschnitt noch sehr aktuell und bedarf ggf. erst viele Jahre später einer historischen Aufarbeitung.

Heute, mit dem nötigen Abstand betrachtet, war das Scheitern der „großen“ HSG Porta Westfalica mit Möllbergen eigentlich seit Beginn vorprogrammiert. Die Vereine waren strukturell doch wohl zu unterschiedlich aufgestellt – Veltheim z. B. schon mit einer Geschäftsstelle sehr professionell und zum Zeitpunkt des Zusammengehens sehr erfolgreich, so dass der Zusammenschluss zu diesem Zeitpunkt eher einer Übernahme gleichkam. Im Nachhinein betrachtet, trotz aller guten Bemühungen unsererseits, keine guten Voraussetzungen.

Die Art und Weise, wie die Trennung der Möllberger aus der HSG praktisch abgewickelt und forciert wurde, hat mich damals oft an ein Bibelwort erinnern lassen: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“[56] Dieser Trennungsprozess war nämlich nicht von sportlicher Fairness geprägt.[57] Das mussten besonders meine Nachfolger in der Abteilungsführung und im Gesamtvorstand leidvoll erfahren. Die finanzielle Auseinandersetzung nahm noch viel Zeit in Anspruch.

Die Spielserie 2002/2003 und folgende

 Mit dem Trainer Matthias Möller ging die HSG Porta nach dem Abstieg aus der Verbandsliga in die erste Landesligaserie, und auch das Landesligagastspiel dauerte nur bis Mai 2003.

Seit Anfang 2003 war Manfred Sellig nach mir der 1. Vorsitzende des Hauptvereins. Er übernahm nach dem Rückzug von Rüdiger Ostermeier als Abteilungsleiter und dem nur wenige Wochen dauernden Gastspiel eines Jan Kraffzicks in dieser Position mit Detlef Dressler[58] kommissarisch die Abteilungsführung, damit das „Handballschiff“ nicht ganz untergehen würde.

Mit Trainer Frank Schrader sollte ein Neuaufbau in der Bezirksliga beginnen, in der nun auch wieder der aufgestiegene und eigenständige TUS 09 Möllbergen spielte. Es gab sie also wieder, die „Ortsderbys“.

Im Januar 2004 wurde mit Michael Korsen endlich wieder ein Abteilungsleiter gefunden, der zusammen mit Carsten Nottmeier die Handballer in die Erfolgsspur zurückführen sollte. Im ersten Bezirksligajahr wurde die Mannschaft Dritter und belegte einen Platz vor dem Rivalen Möllbergen. Im Februar 2005 übernahm mit Willi Zither ein schon in Veltheim bekannter Trainer das Training der I. Mannschaft.

In dieser Zeit verstarben leider viel zu früh zwei Handballurgesteine: Gerhard Peetz am 18.10.2006 und Wolfgang Kiontke am 30.8.2007.

Am 23.4.2007 war es dann so weit: Die HSG Porta war wieder in der Landesliga angekommen, in der auch inzwischen die Möllberger spielten. Zur Aufstiegsmannschaft g ehörten: H.-J. Arnold, M. Behning, A. Bekemeyer, F. Brinkmeyer, P. Brinkmeyer, J. Dertmeier, J. Dreischmeier, D. Franke, S. Gennrich, M. Gritzan, B. Groditzki, D. Groditzki, D. Korfsmeier, C. Saak, D. Wehmeier; Trainer: Willi Zithier; Betreuer: Jens Bolte und Lars Dressler.

Nun gab es in der Landesliga auch wieder die Ortsderbys. 700 Zuschauer erlebten im Dezember 2007 einen Möllberger Sieg gegen den Aufsteiger HSG Porta Westfalica.

Im November 2007 kam für Trainer Willi Zithier, der den Verein verließ, Detlef Schmitz als Trainer.

In 2008 stieg die II. Herrenmannschaft in die 1. Kreisliga auf.

Im Jahr 2009 feierte die Handballabteilung das 75-jährige Abteilungsjubiläum. Ein festlich geschmücktes Zelt auf dem Sportplatz bildete den Rahmen für eine schöne Jubiläumsfeier, in der neben dem Vorsitzenden Manfred Sellig Altbürgermeister Heinrich Schäfer und Ex-Handballmanager Reinhold Kölling die Festreden hielten. Der Vorsitzende des Handballkreises, Phillip Koch, zeichnete verdiente Handballerinnen und Handballer mit Ehrenpreisen aus.

Mit diesem Anlass „75 Jahre Handball in Veltheim“ schließe ich die historische Rückbetrachtung auf die Entwicklung des Handballsports in Veltheim, allerdings nicht ohne den Hinweis, dass bei Drucklegung dieses Buches in Veltheim immer noch sehr erfolgreich Handball gespielt wird.

Die Abteilungsleiter Handball seit 1945

 

Jahr

Abteilungsleiter

1945–1948

Heinrich   Röhrbein

1949–1953

Heinrich   Todeskino

1954–1957

Werner   Bödecker

1958–1962

Wolfgang   Schaak

1963

Günther   Ewert

1964-1978

Willi   Nagel

1978–1980

Karl-Wilhelm   Säger

1980-1980

Günter   Diekmann

1981-1989

Reinhold   Kölling

1989-1990

Andreas   Behning

1991–1998

Reinhold   Kölling

1999

Rüdiger   Ostermeier

1999–2001

Reinhold   Kölling (Vorsitzender HSG Porta)

2002–2003

Rüdiger   Ostermeier (Vorsitzender HSG Porta)

5/2003–8/2003

Jan   Kraftzyk

8/2003–12/2003

M.   Sellig/D. Dressler/R. Kölling (komm.)

2004 bis heute

Michael   Korsen

 

Mitglieder der Abteilung, die in überörtlichen Verbänden tätig waren/sind

 

Friedrich Törper

Mitglied Kreisspruchausschuss

 

1970–1978

Reinhold Kölling

Mitglied Kreisspruchausschuss


1984-1997 

Beisitzer Bezirksspruchausschuss

1989–1997

Vorsitzender Kreisspruchauschuss

1989-1997

Zeitnehmer DHB Handballbundesliga

1994-1997

Rechnungsprüfer HV Westfalen

1994-heute

Rechnungsprüfer Westdt. Handballverband

2007-heute

Michael Korsen

Mitglied Kreisspruchausschuss

Vorsitzender Kreisspruchauschuss

 

2006–2011

2012 bis heute

 


Schiedsrichter, die aktuell für den SuS Veltheim/HSG Porta im Einsatz sind

 

Rudolf Tellermann, seit fast 60 Jahren an der „Pfeife“, beendete in 2012 seine aktive Schiedsrichterzeit.

 

Karl-Heinz Böke

Stefan Knittel

Mike Thielscher

Andreas Hohnroth

Bernd Oswald

Detlef Dreßler

Günter Broßeit

Eddi Schäfer


[1] Großfeldhandball war besonders im deutschsprachigen Raum eine populäre Sportart, der bis zu 50.000 Zuschauer beiwohnten. Gespielt wurde auf einem Sportplatz, der einem Fußballplatz entsprach (Länge: 90–100m, Breite: 55–65m). Eine Mannschaft hatte jeweils zehn Feldspieler, einen Torwart und zwei Auswechselspieler.


[2] Bernett, Hajo: Geschichte des Handballspiels in „Und auch der Handball ist rund“, Westfalen-Verlag, 1995


[3] Bernett, Hajo: Geschichte des Handballspiels in „Und auch der Handball ist rund“, Westfalen-Verlag, 1995


[4] Bernett, Hajo: Geschichte des Handballspiels in „Und auch der Handball ist rund“, Westfalen-Verlag, 1995


[5] Koch, Philipp: „Und auch der Handball ist rund“, Westfalen-Verlag, 1995


[6] Zeitungsnotiz von „Weserwarte“ vom 7.5.1924


[7] Koch, Philipp: „Und auch der Handball ist rund“, Westfalen-Verlag, 1995


[8] Vermerk an Kreis-Spielwart Beißner, Meißen bei Minden; Archiv Reinhold Kölling


[9] Schulchronik Veltheim II, März 1941, Nachtragsvermerk von Lehrer Detert


[10] Schulchronik Veltheim II, März 1941, Nachtragsvermerk von Lehrer Detert


[11] Koch, Philipp: Handball im Nationalsozialismus in „Und auch der Handball ist rund“, Westfalen-Verlag, 1995


[12] Koch, Philipp: Handball im Nationalsozialismus in „Und auch der Handball ist rund“, Westfalen-Verlag, 1995


[13] Koch, Philipp: Handball im Nationalsozialismus in „Und auch der Handball ist rund“, Westfalen-Verlag, 1995

 


[14] Sahrhage/Spannuth: „Und auch der Handball ist rund“, Westfalen-Verlag, 1995


[15] Schreiben vom 18.6.1948 an den Westdt. Handballverband


[16] Schriftverkehr SuS Veltheim mit dem Handballkreis um 1949


[17] Interviews mit Zeitzeugen


[18] Protokolle der Jahreshauptversammlungen SuS Veltheim

 

[19] Aufzeichnungen Hartmut Gurtner


[20] MT vom 17.4.1967


[21] MT vom 26.08.1968


[22] MT vom 02.09.1968


[23] Gurtner, Hartmut; Vermerk vom 17.5.1970


[24] Gurtner, Hartmut; Vermerk vom 17.5.1970


[25] Gurtner, Hartmut; Vermerk vom 9.5.1970


[26] Schock, Kurt K.: „Und auch der Handball ist rund“, Westfalen-Verlag, 1995


[27] Protokoll der Jahreshauptversammlung vom 8.1.1977


[28] Protokoll der Jahreshauptversammlung vom 7.1.1978


[29] MT vom 16.1.1984


[30] Leserbriefe im MT von 1986


[31] MT von Mai 1986


[32] Westfalenblatt 21.4.1987


[33] Neue Westfälische 24.4.1987


[34] Handball-Magazin April 1987, Seite 16


[35] Meynert, Joachim: „Und auch der Handball ist rund“, Seite 341 ff


[36] Meynert, Joachim: „Und auch der Handball ist rund“, Seite 347


[37] Berliner Zeitung 29.4.1999


[38] Westfalen-Blatt April 1991


[39] Westfalen-Blatt 18.8.1994, Handballkiste


[40] Mindener Tageblatt vom 19.4.1999


[41] Mindener Tageblatt vom 20.4.1999


[42] Protokoll HSG – Vorstands/Abteilungsversammlung 1/1999


[43] Mindener Tageblatt und Westfalen-Blatt vom 1.2.1999


[44] Protokoll Vorstandssitzung SuS vom 5.7.99


[45] Vorstandsprotokoll SuS vom 3.11.99


[46] Gesprächsprotokoll vom 2.12.1999 mit dem Vorsitzenden vom TUS 09 Möllbergen


[47] Protokoll Vorstandssitzung SuS vom 26.7.2000


[48] Protokoll Abteilungsversammlung SuS vom 3.11.2000


[49] Westfalen Blatt vom 25.01.2001


[50] Protokoll Handballarbeitssitzung vom 7.2.2001


[51] Vorstandsprotokoll SuS vom 8.10.2001; 12.11.2001


[52] Mindener Tageblatt 15.3.2001


[53] Mindener Tageblatt 13.3.2002


[54] Westfalenblatt und Reporter vom 17.4.2002


[55] Mindener Tageblatt vom 29.4.2002


[56] Lk 23,34


[57] Schriftverkehr vom TUS 09 Möllbergen vom 3.8.2000, 19.1.2001, 28.1.2001


[58] Reinhold Kölling wirkte beratend im Hintergrund





Die »Freiwillige Feuerwehr Veltheim«

von Reinhold Kölling, Ortsheimatpfleger

Schon 1925, genau am 19. April, gründete sich in Veltheim eine »Freiwillige Feuerwehr«. Die Gründungsversammlung fand im Gasthaus Schmidt (heute das Gasthaus Stiller) an der Kirche statt. Dem Gemeinderat war es wichtig, im Ort eine Feuerwehr zu bekommen und deshalb leitet der damalige Bürgermeister (Gemeindevorsteher) Böke diese Zusammenkunft, an der sich viele Veltheim Einwohner beteiligten. Das Interesse war sehr groß.

Anwesend war auch der damalige Kreisbrandmeister Meier aus Minden, der die Veltheimer über die Bedeutung, Sinn und Zweck des Feuerlöschwesens informierte. In dieser ersten Versammlung bekannten sich 64 Veltheimer Bürger durch Unterschrift zum freiwilligen Feuerwehrdienst. Der erste Vorstand setzte sich am Gründungstag aus folgenden Kameraden zusammen:

Wilhelm Tellermann, Brandmeister; Wilhelm Ostermeier, stellvertretender Brandmeister; Heinrich Oelmann, Schriftführer; Friedrich Kohring, Kassierer.

Die erste Satzung gab sich die neu gegründete Wehr schon am 10.5.1925. Die Feuerwehrkameraden teilten sich in verschiedenen Arbeitsabteilungen auf:

Steigerabteilung (Führer Heinrich Freding); Spritzenabteilung (Führer Heinrich Tellermann); Wasserabteilung (Führer Wilhelm Tellermann); Ordnungsabteilung (Führer Wilhelm Held).

Nachdem die organisatorischen Voraussetzungen geschaffen waren, ging es um Anschaffung der entsprechenden Gerätschaften, die wg. der Verantwortung für den Feuerschutz von der Gemeinde Veltheim beschafft werden mussten.

Durch Geldspenden einiger Veltheimer Bürger und bei Eigenbeteiligung konnten dann auch Uniformen  für die Wehrmitglieder beschafft werden. Beim Aufbau der Wehr und der Beschaffung der Gerätschaften leistete die Freiwillige Feuerwehr der Stadt Vlotho unter der Führung des damaligen Stadtbrandmeisters Wenzel große Hilfe und kameradschaftliche Unterstützung. 1926 erhielt die Veltheimer Wehr die erste Handdruckspritze.

Am 5.3.1927 trat die Veltheimer Wehr dem Westfälisch-Lippischen Feuerwehrverband bei.

Schon 1927 befasste sich die Wehrführung mit dem Aufbau einer Feuerwehrkapelle. Der Kamerad Heinrich Niemann wurde mit dem Aufbau und der Leitung der Kapelle beauftragt.

1928 trat die Wehr Veltheim dem Amtsfeuerwehrverband Hausberge bei. Am 31.5.1928 brannte das Wohnhaus der Witwe Müller, Veltheim Nr. 131, und die Veltheimer Wehr kam zu ihrem ersten großen Einsatz.

Ein schönes Geschenk erhielt wie Feuerwehr von der Gemeinde Veltheim 1929. Die Gemeindevertretung übergab für damalige Verhältnisse das modernste Gerätehaus mit einem Trocknungsturm für Schläuche. Über dem Geräteteil im Erdgeschoss waren zwei Wohnungen, eine davon stand der Feuerwehr für den Gerätewart zur Verfügung. Das Haus wurde gleichzeitig als Gemeindehaus genutzt und gab es im hinteren Bereich eine Arrestzelle.

Bereits 1931 stand den Feuerwehrleuten ein Lastkraftwagen als Löschfahrzeug zur Verfügung und ergänzte den Fuhrpark, der bis dahin nur durch die von Pferden gezogene Handdruckspitze umfasste. Um 1940 kam dazu noch eine Motorpumpe. In den Jahren des 2. Weltkriegs wurde die Einsatzbereitschaft durch die Einberufung vieler Feuerwehrleute geschwächt. Etliche Kameraden kehrten nicht mehr nach Veltheim zurück. Daher wurde es im Jahr 1943 erforderlich über eine Pflichtfeuerwehr die Einsatzbereitschaft aufrecht zu erhalten. Viele der so Verpflichteten traten später in den Dienst der Freiwilligen Feuerwehr über.

Nach dem Krieg normalisierte sich die weitere Feuerwehrarbeit, allerdings unter großen Schwierigkeiten bei der Gerätebeschaffung.

Um 1963 wurden im Amtsbezirk Hausberge Orte für den Feuerschutz zusammengefasst. Die Löschgruppe Veltheim bildete mit Eisbergen, Lohfeld und Möllbergen den Zug III unter Leitung des Zugführers Werner Kölling. Ebenfalls wurde in diesen Jahren eine überörtliche Bereitschaft auf Kreisebene (Katastrophenschutz) aufgestellt. Die Bereitschaftführer kamen aus der Löschgruppe Veltheim, die Kameraden Friedrich Mevert und Willi Hawes, Zugführer Willi Todeskino. Dazu wurden in Veltheim ein Jeep und ein Tanklöschfahrzeug mit einem Fassungsvermögen von 800 Liter Wasser stationiert. Diese Bereitschaft wurde um 1975 aufgelöst und in die Stadt Porta Westfalica eingegliedert, das Tanklöschfahrzeug blieb in Veltheim stationiert.

Die Feuerwehr Veltheim feierte ihre Geburtstage im Rahmen großer Jubiläumsveranstaltungen, so z. B. am 31.7. und 1.8.1965 das 40-jährige Jubiläum. In einem Grußwort in der damaligen Festschrift führte der damalige Bürgermeister Karl Krüger aus: »Es ist mir eine besondere Freude, der Freiwilligen Feuerwehr Veltheim, deren Mitglied ich seit 35 Jahren bin, anlässlich ihres 40-jährigen Jubiläums im Namen des Rates der Gemeinde Veltheim die herzlichsten Grüße zu entbieten.« Löschgruppenführer war zu dem Zeitpunkt Brandmeister Werner Kölling.

Im April 1970 rief die Veltheimer Feuerwehr auf Initiative des Brandmeisters Werner Kölling als eine der ersten Löschgruppen im Amtsbezirk eine Jugendfeuerwehr ins Leben. Über viele Jahre hinweg organisierte diese Jugendgruppe die Altpapiersammlungen im Ort, seit 1990 machen auch Mädchen in der Jugendfeuerwehr mit.

Am 26. und 27. April 1975 feierte die Feuerwehr in Veltheim ein großen Jubiläumsfest zum 50-jährigen Bestehen. Zu diesem Zeitpunkt lebten noch etliche Gründungsmitglieder, die in den festlichen Rahmen eingebunden wurden: Friedrich Behning, Heinrich Bödeker, Karl Fiedler, Friedrich Hanke, Karl Korsen sen. Karl Lindemeier, Wilhelm Osthof, Wilhelm Pahl, August Tebbe, Ernst Todeskino, Wilhelm Vauth. Am 26. April zeigten die Aktiven des Löschzuges III im Rahmen einer Alarmübung ihr Können. An beiden Tagen spielte die damals überaus beliebte Kapelle »Regina« unter Leitung von Willy Hußmann zum Tanz auf.

 Das 1929 erbaute Gerätehaus war in die Jahre gekommen und unter Leitung des damaligen Löschgruppenführers Karl-Willi Dornemann wurde das Gerätehaus Anfang der 80-ziger Jahre in Eigenleistung umgebaut und renoviert. Ein neuer Schulungs- und Versammlungsraum wurde unter dem Dach ausgebaut. 1989 wurde das Gebäude dann von Außen in Schwung gebracht.

 

Als 1987 der ABC-Zug nach Porta Westfalica verlegt wurde, übernahmen die Löschgruppen Eisbergen, Veltheim und Möllbergen diese Aufgaben. Zugführer wurde Horst Steinmann aus Eisbergen, Truppführer Heino Roggenkamp aus Veltheim.

1989, nach Erreichen der Altersgrenze, wurde Hauptbrandmeister Werner Kölling von den Aufgaben des Löschzugführers und stellvertretenden Stadtbrandmeisters entbunden. Die Aufgaben des stellvertretenden Stadtbrandmeisters übernahm Horst Steinmann aus Eisbergen. ABC – und Löschzugführer wurde Heino Roggenkamp aus Veltheim.

Neben den vielen Einsätzen und Hilfeleistungen und den Diensten und Wettkämpfen der Aktiven kam das Vereinsleben in der Feuerwehr Veltheim nie zu kurz. Viele Kameradschaftsabende und Festveranstaltungen wurden organisiert. Nicht nur für die Feuerwehrleute- denn bekanntlich richtete die Löschgruppe über viele Jahre hinweg auch öffentliche Veranstaltungen aus, wie z.B. die über die Ortsgrenzen bekannten Maifeiern. Tag der offenen Tür, Scheunenfeste, Tages- und Mehrtagesausflüge bereicherten das Vereinsleben und in der Dorfgemeinschaft Veltheim war und ist die Feuerwehr ein aktiver Mitgliedsverein.

Die älteren Vereinsmitglieder fühlen sich wohl in der Alters- und Ehrenabteilung.

Das 75- jährige Jubiläum der Veltheimer Wehr wurde am 29.4. und 30.4.2000 auf dem Festplatz am Sportplatz groß gefeiert. Integriert wurde der Stadtfeuerwehrtag in diese Jubiläumsveranstaltung, die mit der traditionellen Maifeier ausklang.

Zu diesem Zeitpunkt wurde eine Auflistung der bisherigen Wehrführer erstellt. Das waren in Folge:

Brandmeister Wilhelm Tellermann

Brandmeister August Franke

Brandmeister Heinrich Freding

Brandmeister Wilhelm Ostermeier

Brandmeister Wilhelm Freding

Unterbrandmeister Karl Fiedler

Brandmeister Hermann Brockmann

Hauptbrandmeister Wilhelm Hawes

Hauptbrandmeister Werner Kölling

Unterbrandmeister Willi Horst

Hauptbrandmeister Karl-Willi Dornemann

Oberbrandmeister Peter Tiedermann

Oberbrandmeister Wolfgang Pauser

Am 14.12.2005 fand eine außerordentliche Versammlung statt, da durch entstandene Spannungen in der Führung der Löschgruppenführer und sein Stellvertreter zurückgetreten waren.

Nach einer Neuordnung des Feuerwehrwesens in der Stadt Porta Westfalica bilden nun die Feuerwehren Veltheim und Möllbergen eine Einheit.

Sehr schnell wurde dann ein neues Feuerwehrgerätehaus gebaut. Die Presse schrieb: „Das ging fix: Nicht einmal zwei Monate sind zwischen dem ersten Spatenstich und dem Richtfest vergangen.“

Ab November 2014 konnte die Wehr das auf dem Sportgelände gebaute Haus nutzen.

Heute wird die Feuerwehr geleitet von Hauptbrandmeister Ralf Todeskino, sein Vertreter ist Hauptbrandmeister Ralf Pauser. Zusammen mit Eisbergen bilden die Einheiten den Zug 4.

Quellen: Festschriften und Chroniken der Feuerwehr Veltheim; Zeitzeugen-Berichte.

        

 

    

  

 

  

   

 

 

 





Der SuS Veltheim e.V. in Wort und Bild 




Der Spiel- und Sportverein Veltheim e.V. von 1894 ist einer der erfolgreichsten Sportvereine der Region und hat eine sehr interessante Historie. Diese wurde in dem Buch "Das sportliche Dorf" ausführlich beschrieben. Das Buch ist in gebundener Form nach wie vor erhältlich bei Reinhold Kölling (rkoelling@online.de und als ebook u.a. bei Amazon.de.


125 Jahre Schützenverein Veltheim von 1892.

(von Reinhold Kölling, Ortsheimatpfleger)

Alteingesessene Veltheimer Bürger waren es, die einen der heute ältesten Vereine in Veltheim, den Schützenverein, auf den Weg brachten. Die Gründung erfolgte in einer Zeit Anfang des 19. Jahrhunderts, als sich die damalige Bevölkerung häufig in Vereinen, Gesellschaften und Bünde zusammenschlossen. In Veltheim war es am 27. Februar 1892 der Fall. Im Haus von Hans Bormüller, der im Bokshorn einen »Krug« betrieb, fand die Gründungsversammlung statt. Dort wurde auch sogleich eine Vereinsstube eingerichtet, die dem neuen Verein eine Jahresmiete von zwölf Mark kostete.

Die Chronik belegt, dass der Verein schon im ersten Jahr des bestehend auf 87 Mitglieder anwuchs, davon zahlten 57 den vollen Jahresbeitrag; dieser betrug drei Mark.

 Der erste Vorstand setzte sich wie folgt zusammen:

1. Vorsitzender:                 Wilhelm Schlame

2. Vorsitzender:                 Friedrich von Schwichow

1. Schriftführer:                 Heinrich Vauth

2. Schriftführer:                 Heinrich Ossenkopp

1. Kassierer:                        Wilhelm Brannahl

2. Kassierer:                        Wilhelm Freding

 Diese Angaben kann man dem Kassenbuch entnehmen, Protokolle aus dieser Zeit liegen leider nicht mehr vor. Damals stand die kameradschaftliche Geselligkeit noch im Vordergrund. Das erste Schützenfest wurde organisiert und gefeiert. Die Schützenscheibe wurde von Wilhelm Freding für zwei Mark aus Holz gefertigt. Diese dient nun schon über 100 Jahre als Vorlage für die Königsscheibe für den jeweiligen Schützenkönig. Der Schützenkönig erhielt ein Prämiengeld, ebenso der Zweit- und Drittplatzierte, insgesamt sechs Mark. Dazu kam eine Flasche Schnaps, die 80 Pfennige kostete.

Der Verein entwickelte schnell weitere Aktivitäten, so z. B. die Sedansfeier (eine Gedenkfeier im Deutschen Kaiserreich, die jährlich um den 2. September herum stattfand).

Im Mai 1893 wurde die erste Fahne angeschafft (Kosten 54,50 Mark). Der Verein war von Beginn an sehr sozial eingestellt. Im Ausgabenbuch ist in 1893 festgehalten: »Der Husar Schock erhält zur Unterstützung 5 Mark.« An Hinterbliebene verstorbener Mitglieder zahlte der Verein 30 Mark aus.

 Mit einem Fass Bier für 5,40 Mark feiert der Verein zu Sylvester ins Jahr 1895. In diesem Jahr wechselte der Vorstand:

1. Vorsitzender: August Hopmann

2. Schriftführer: Friedrich von Schwichow

1. Kassierer: Friedrich Vauth

Nun widmete sich der Verein auch dem Turnsport, sicher in Konkurrenz zu dem im Jahre 1894 gegründeten Turnverein »Einigkeit Veltheim«. Im Kassenbuch festgehalten ist, dass ein Turngerät mit Stange und zwei Seile mit Ringen erworben wurden. Über sportliche Leistungen in diesem Bereich gibt es allerdings keine Aufzeichnungen. Der wirtschaftliche und gesellige Teil lässt sich aus den Aufzeichnungen allerdings entnehmen: »Reingewinn an Wein und Spirituosen 209,30 Mark, Reingewinn an 8000 Zigarren 112 Mark, 616 Liter Bier = 110,88 Mark. Der Bierbezug erfolgte von der Brauerei Volbracht in Vlotho.

Am 31.12.1895 wurde festgehalten: «Der Kastellan Hans Bormüller erhält für den Vereinssaal mit Zimmer 112 Mark, für drei Flaschen Kohlensäure 19,50 Mark, für Gläser 31,10 Mark ausgezahlt. «

 Am 9.2.1896 wurde neben dem Königsschießen erstmals ein Preisschießen durchgeführt. Der 1. Preis: Weckuhr 4,50 Mark, 2. Preis: Tabakpfeife 2,50 Mark; 3 Preis: Zigarrenspitze 50 Pfennig. Als Trostpreise wurde Zigarren verteilt.

 Im Jahre 1898 brannte die Gastwirtschaft Bormüller ab. Damit war die Vereinsunterkunft zerstört und dem noch jungen Verein schienen die Perspektiven genommen. Der Verein erholte sich erst 1902 davon. Ab dann stieg die Mitgliederzahl wieder. Inzwischen war der Gastwirt Heinrich Reese neuer Vereinswirt geworden. Der Jahresbeitrag für die Nutzung des Vereinslokals Veltheim Nr.  104   (heute Veltheimer Straße - Gebäude gibt es nicht mehr) betrug 20 Mark. Der Beitrag wurde dann aber vom Vereinswirt wegen der angespannten Finanzlage dem Verein erlassen.

 

Am 2. Februar 1905 bekam der Verein eine neue Vereinsfahne, die noch im selben Jahr beim Schützenfest geweiht wurde. Sie kostete 77,50 Mark mit Bezug. Diese Fahne ist auch heute noch im Besitz des Vereins. In den kommenden Jahren wechselte die Vereinsführung, die Namen sind aber nicht aufgezeichnet.





 

Veltheimer Schützen um 1910

 

 

Mit Beginn des 1. Weltkriegs 1914 war ein geordnetes Vereinsleben nicht mehr möglich. Es gibt aus dieser Zeit auch keine Aufzeichnungen über Aktivitäten im Verein. Nach Beendigung des 1. Weltkriegs hatte sich die Mitgliederzahl stark gelichtet. Doch schon im Jahr 1919 war der alte Vereinsrhythmus eingekehrt. Beim Königsschießen erhielt der Sieger 50 Mark, die Königsscheibe kostete 12 Mark.

Am 29. Mai 1921 feierte der Verein ein großes Stiftungsfest. Zu den Gästen zählte auch viele benachbarte Vereine, wie z.B. Turnverein »Einigkeit Veltheim«, Pfeifen-Rauchclub »Havanna Veltheim«; Rauchclub »Blaue Wolke Eisbergen«; Schützenvereine aus Lohfeld, Möllbergen und dem Vennebeckerbruch.

1922 litt die Bevölkerung unter der herrschenden Inflation und der wirtschaftlichen Probleme. Doch die Schützen in Veltheim versuchten, diesen Bedingungen zu trotzen. Am 19. August 1922 wurde im Lokal des Gastwirts Buschmann eine Tanzlustbarkeit veranstaltet. Die Lustbarkeitssteuer musste vor Beginn an die Gemeindekasse gezahlt werden. Die Veranstaltung selbst vom Amtmann genehmigt werden.



 

Antreten beim Schützenfest 1925 vor dem Wirtshaus Reese

 

In diesen wirtschaftlich nicht einfachen Jahren wurde in einer Mulde in »Reesen Holze« ein provisorisches Scheibenschießen aufgenommen. Die geselligen Veranstaltungen wurden stark eingeschränkt. In den dreißiger Jahren sollte das sportliche Schießen mehr in den Vordergrund rücken und so versuchte der Verein, einen Schießstand mehr in der Ortsmitte zu finden. Das gelang zunächst am kahlen Brink, allerdings nur bis 1934. Die Fa. Kiesgrube Bockshorn (Franke) als Gönner des Vereins stellte dann im Bokshorn ein Grundstück zur Verfügung. Der Zufall wollte es, dass das alte »Hagemeiersche Haus« zu dieser Zeit abgebrochen wurde. Aus dem noch nutzbaren Fachwerk sollte das neue Schützenhaus im Bockshorn errichtet werden. Mit viel Eigenleistung gelang es den Mitgliedern des Vereins, das Schützenhaus im Bockshorn, zu errichten und 1936 fertig zu stellen. Trotz der hohen Eigenleistung war es für den Verein auch ein finanzieller Kraftakt. 1936 wurde das Areal um das neue Vereinsheim mit Schießstand noch eingezäunt.

 

In 1939 wurde abermals Schützenfest gefeiert und der König ausgeschossen. Am 29. Mai wurde Willi Plaßmeier zum Schützenkönig gekrönt. Doch schon am 1. September mit Ausbruch des 2. Weltkrieges wurde das Vereinsleben wieder jäh unterbrochen. Feierliche Veranstaltungen fanden nicht mehr statt, ebenso fielen die Schützenfeste aus. Der normale Vereinsbetrieb lief auf Sparflamme allerdings weiter. Auf der Ausgabenseite im Kassenbuch finden sich nun vermehrt die Vermerke: »Ausgabe Sterbegeld 35 Mark«. Am 22. März 1942 traf es den letzten Schützenkönig von 1939 Willi Plaßmeier. Zum 31.12.1944 wies das Kassenbuch noch ein Guthaben von 141,90 Reichsmark aus.

 

Nach Beendigung des 2. Weltkrieges am 8. Mai 1945 wurde auf Befehl der Alliierten die Existenz von Schützenvereinen verboten. Dieses Verbot wurde 1949 wieder aufgehoben und der Vereinsbetrieb konnte wieder anlaufen. Die alte Schützentradition erwachte wieder zu neuem Leben. In der ersten Versammlung im Januar 1950 hieß das Motto: »Wiederaufnahme und Fortführung der Veltheimer Schützentradition. «

 Das Jahr 1950 war das Jahr der Aufarbeitung der Kriegs- und Nachkriegsjahre. Die Vereinsführung übernahm Wilhelm Pettenpaul als Vorsitzender. Schriftführer und Kassierer wurde Fritz Ostermeier. Das noch vor dem Krieg erbaute Schützenhaus im Bokshorn konnte zunächst nicht genutzt werden, da wegen der allgemeinen Wohnungsnot eine Frau Hauerstein als Mieterin eingewiesen wurde. Doch das Schützenfest sollte wieder gefeiert werden. Deshalb errichtete man einen Luftgewehr-Schießstand unter freiem Himmel. Am 29.5.1951 fand das erste Nachkriegsschützenfest statt. Willi Vauth vom Heckerfeld wurde erster Nachkriegskönig.

 Die entbehrungsreichen Jahre waren nun vorbei und die Feste bei Musik und Tanz fanden wieder großen Anklang. Ein besonderes Schützenfest feierte der Verein am 5.7.1954 im Zelt auf dem Bokshornsportplatz, denn an diesem Tag gewann Deutschland auch die Fußballweltmeisterschaft in Bern. Die gesamte Festgesellschaft verfolgte im Festzelt den Spielverlauf am Radio.

 Trotz der Zwangsvermietung des Schützenhauses im Bockshorn richteten sich die Mitglieder behelfsmäßig eine Kleinkaliberschießbahn ein und so konnte wieder jeden Sonntagmorgen das Schießtraining laufen. Zur Warnung wurde an einer hohen Stange ein Korb gezogen, der den Schießbetrieb signalisierte.

Am 20.7.1952 wurde das 60-jährige Jubiläum gefeiert. Das Sportschießen gewann immer mehr an Bedeutung, so dass sich die Vereine des damaligen Amtes Hausberge zu einem Amtsschützenverband zusammen schlossen. Der Schützenverein Veltheim war darin sehr erfolgreich, besonders durch die gute und fachmännische Betreuung des Uhrmachers Ernst Pape, der ein sehr guter Sportschütze war.

 Am 15.1.1955 wurde im Vereinslokal Reese ein neuer Vorstand gewählt:

1. Vorsitzender: Ernst Pape

2. Vorsitzender: Heinz Kroll

1. Schriftwart: Gerhard Kahre

2. Schriftwart: Karl Behning

1. Kassenwart: Willi Nottmeier

2. Kassenwart: Willi Kölling

 

Dieser neue Vorstand brachte frischen Wind in die Vereinsarbeit. Es wurden bei der Firma Lehnert erstmal Uniformjacken bestellt. Diese kosteten damals 30 DM.

Das zweite Amtsverbandsschützenfest wurde in Veltheim am 2. und 3.7.1955 ausgerichtet und die Veltheimer Schützen errangen sogleich die Amtsmeisterschaft, die gebührend gefeiert wurde.

 Am 21.8.1955 veranstaltete der Verein einen Ausflug an den Möhnesee bei Übernahme der Kosten durch den Verein. Im gleichen Jahr gab es erstmals ein Herbstfest mit einem Feuerwerk.

Auch das Schützenhaus wurde frei und es begann die Wiederherrichtung des Vereinshauses.

Abermals gab es einige Veränderungen im Vorstand. Karl Behning übernahm den Vorsitz, Vertreter blieb Heinz Kroll. Kassenwart wurde Willi Vauth und Schießwart Willi Kölling.

Die nun folgenden Jahre waren für Vorstand und Mitglieder mit sehr viel Arbeit und Mühen verbunden. 1956 erfolgte die Renovierung des Schützenhauses, 1957 sicherheitstechnische Renovierung der Schießanlagen.

1957 feierte der Verein das 65-jährige Vereinsjubiläum. Zu diesem Anlass gab es für den König eine Königskette und für die Königin ein Diadem. Erstmaliger Träger der Königskette wurde Schützenkönig Werner Kölling. Königin wurde Lotti Kahre.


 

 1959 erhielt Karl Korsen den Zuschlag als Vereinswirt. Diese Zusammenarbeit sollte mehr als 25 Jahr andauern. Das Clubzimmer diente später auch als Luftgewehr-Schießstand.

 

Lustig ging es zu beim Schützenfest 1958.

 


 

 

 

  Das Königspaar 1959: Willi Säger und Lotti Kahre

1960 wird erstmals mit Genehmigung der Amtsverwaltung ein Kinderschützenkönig beim Schützenfest ausgeschossen. Erster Kinderkönig wurde Günter Bultmann. 1963 schaffte es Reinhold Kölling zum Kinderkönig.



Kinderschützenkönig 1963 beim Anbringen der Scheibe

 Der Sonntagmorgen gehörte immer noch dem Kleinkaliberschießen am Schützenstand im Bockshorn. Doch auch das Schießen mit dem Luftgewehr wurde immer beliebter, besonders im sportlichen Wettkampf. Die im Clubraum beim Vereinswirt Karl Korsen installierten Schießbahnen ermunterten auch die Damen zum Wettkampf. Schnell kam es zu der Gründung einer Damenabteilung. Zu den Gründerinnen gehörten: Lotti Kölling, Lotti Kahre, Gerda Säger, Hilde Bödeker und Marlene Korsen.

1963 wird der Verein Mitglied im »Westfälischen Schützenbund«. Im gleichen Jahr richtet der Verein das 10. Amtsverbands-Schützenfest aus.

Heinrich Reese wird 1965 neuer Vorsitzender des Vereins und sorgt dafür, dass der Verein ins Vereinsregister eingetragen wird. Der Verein trägt nun den Namen: »Schützenverein 1892 Veltheim e.V. « Probleme gab es in dieser Zeit mit dem Schießstand im Bokshorn. Die Fa. Franke kündigte das Pachtverhältnis, weil das Gelände weiter ausgebeutet werden sollte. Auch die sicherheitstechnischen Auflagen des Amtes Hausberge stiegen ständig an. Das stellte den Verein vor große Herausforderungen. Viele Pläne wurden geschmiedet, um zu Lösungen zu kommen. In diese Zeit fiel das 75-jährige Jubiläum des Vereins. Trotz aller vorhandenen Probleme wurde ein fröhliches Jubelfest gefeiert. Am 1. und 2. Juli wurde das große Schützenfest gefeiert. Zum Tanz spielte damals die Kapelle »Widuwild« auf.

 Anlässlich der Jahreshauptversammlung am 21.1.1969 gab es erneut Veränderungen im Vorstand. Werner Bödecker übernahm den Vorsitz; 2. Vorsitzender wurde Willy Brinkmeier. 1. Kassenwart: Günter Kölling und Schriftwart: Herbert Völksen. In dieser Zeit wurde auch die Satzung überarbeitet und die Neufassung am 16.1.1971 in Kraft gesetzt. Am 30.10.1968  war die Geburtsstunde der Dorfgemeinschaft Veltheim, ein Zusammenschluss Veltheimer Vereine; der Schützenverein Veltheim gehörte mit zu den Gründervereinen. Und so feierte der Verein mit den anderen Vereinen im August 1969 das 1. Veltheimer Dorfgemeinschaftsfest, verbunden mit dem ersten Schießen um die Würde des Volksschützenkönigs. Diesen Titel errang Günter Nehrmann, der den Adler zu Boden holte.

 Im Juni 1972 feierte der Verein das 80-jährige Bestehen. „80 Jahr Feier mit Fahnenweihe“, so stand es auf den Programmen und einer aufgelegten Festschrift. Die aus dem Jahr 1905 stammende Fahne war arg zerschlissen und wurde durch eine neue Fahne ersetzt und feierlich geweiht. Auch das Thema: „Neubau Schießanlage“ stand wieder auf der Tagesordnung. Der damalige Gemeinderat unter Leitung des Bürgermeister Karl Krüger beabsichtigte eine Mehrzweckhalle zu bauen. Der Schützenverein bekam das Angebot, im Keller auf eigene Kosten eine Schießanlage errichten zu können. Dieser geniale Vorschlag fand im Verein offene Ohren und der Verein nahm das Angebot an und die Arbeit auf sich. Das vorherrschende Vereinsthema war nun „Schießstandbau“. Als im Januar 1973 der Rohbau der Halle stand, konnte die Eigenleistung des Vereins beginnen. Viele fleißige Hände schafften es, aus dem Rohbau zwei funktionsfähige Schießanlagen zu bauen. Vier 50-Meter Kleinkaliberschießbahnen, Zehn 10-Meter Luftgewehrbahnen und ein gemütlicher Aufenthaltsraum waren das Ergebnis des Fleißes vieler Mitglieder.

Im Jahre 1974 (inzwischen war Veltheim in der Stadt Porta Westfalica aufgegangen) konnte der Schießbetrieb aufgenommen werden.  

 Am 29.11.1974 wurde auf Initiative des Veltheimer Vorsitzenden Werner Bödeker ein neuer Stadtschützenverband gegründet. Werner Bödeker hatte inzwischen den Vorsitz des Schützenkreises Minden übernommen. Der Schützenverein Veltheim wurde sogleich mit der Durchführung des ersten Stadtschützenfestes beauftragt und fand am 28. und 29.8.1976 in Veltheim statt.

 Im Januar 1977 stellt Werner Bödeker wegen seiner Belastung als Kreisvorsitzender sein Vorstandsamt in Veltheim zur Verfügung. Neuer Vorsitzender wird mit großer Stimmenmehrheit Willi Kölling.

Die neue Schießsportanlage in Veltheim bewährte sich schnell und schaffte die Grundlage vieler sportlicher Erfolge der Veltheimer Schützen. So schaffte Thomas Becker 1979 die Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften. In der Disziplin »KK - international« erringt die Mannschaft 1983 die Ostwestfalenmeisterschaft. Vier neue Kreisrekorde werden aufgestellt. Das Mitglied Robert Dimter wird bei den Deutschen Meisterschaften 1983 in München Dritter, somit Bronzemedaillengewinner in der Disziplin »Luftpistole« .

Die Damenmannschaft steigt 1984 in die Bezirksklasse auf und erringt den Titel: »Bezirksmeister« mit einem neuen Kreisrekord.

1981 richtet der Schützenverein Veltheim auf Bitten der Stadt Porta Westfalica die Einweihungsfeier auf dem neu gestalteten Mühlenplatz auf dem Mühlenbrink aus. Dort stand bis zum 18. Mai 1960 die 1723 erbaute Bockwindmühle, die bei einem Sturm zerstört wurde. Nach der erfolgreich durchgeführten Einweihungsfeier fanden in den kommenden Jahren an dieser historischen Stelle im »Dreiländereck von Veltheim, Lohfeld und Eisbergen« noch viele Mühlenfeste statt. Der Schützenverein hatte zusätzlich die Pflege und Unterhaltung des Platzes übernommen und richtete die Vereinsarbeit auch im Heimat- und Brauchtumspflege aus. Das Mitglied Willi Brinkmeier baute ein Modell der zerstörten Bockwindmühle und dieses sollte zum Symbol des Vereins werden.




 

Das Modell der Bockwindmühle von Willi Brinkmeier

 

 

Die Bockwindmühle 1958 im Original

 

Die Teilnahmen am Stadtfest Porta Westfalica, wo am Stand des Vereins neben dem Mühlenmodell Veltheimer Spezialitäten angeboten wurden, waren immer ein voller Erfolg.

 

Im Jahre 1986 nahm der Verein mit einer Abordnung (und dem Mühlenmodell) auf Einladung des Kreises Minden-Lübbecke an der 40-Jahr Feier des Landes NRW in Düsseldorf teil. Selbst der damalige Ministerpräsident Walter Stich stattete dem Stand des Vereins einen Besuch ab.

 

Neben diesen Aktivitäten kam der normale Vereinsbetrieb nicht zu kurz. Viele sportliche Erfolge der Aktiven und stetig steigende Mitgliederzahlen in diesen Jahren zeugen davon. Die ständige Modernisierung der Schießanlagen, die Einrichtung einer Pistolen-Schießanlage, und die Pflege der Gemeinschaftsräume erforderten hohen ehrenamtlichen und finanziellen Einsatz.

 

In den letzten Jahren machte der Verein Furore mit der Ausrichtung eines Ostereierschießens. Eine nicht nur bei Schützen sehr beliebte und gut besuchte Veranstaltung in der Vorosterzeit.

Viele Mitglieder, Aktive und Passive, und besonders ehrenamtlich tätige Vorstandsmitglieder haben über Jahrzehnte den Schützenverein am Leben erhalten und geprägt, so dass er nun das 125-jährige Bestehen feiern kann. Seit 1977 war es besonders die Familie Kölling von der Lüchte, die die Vereinsarbeit prägten. 1977 wurde Willi Kölling 1. Vorsitzender, und dieser übergab später das Amt seinem Sohn Wilfried, der den Verein dann über Jahrzehnte bis zum Jahr 2016 erfolgreich führte.

 

Quellen:

Fotos: Archiv des Ortsheimatpfleger Reinhold Kölling

Texte: Festschriften des Vereins; Chronik 100 Jahre Schützenverein von Gerhard Kahre; Archivunterlagen Reinhold Kölling, Ortsheimatpfleger.  

 

 

 

Die Veltheimer Dorfgemeinschaft

 

In der Jahresversammlung 2017 der Dorfgemeinschaft Veltheim fand sich nach dem Rückzug von Randulph Noack leider noch kein Nachfolger als Vorsitzender. So werden die Geschäfte zunächst erst vom verbleibenden Vorstand zu erledigen sein. Ende Mai 2017 soll eine außerordentliche Versammlung stattfinden. Bis dahin sollen sich die Mitgliedsvereine über die Besetzung des Vorsitzenden Gedanken machen.

 

Dieses Ereignis bietet Gelegenheit einmal rückblickend die Geschichte dieser traditionsreichen Vereinsvereinigung zu verfolgen:

Am 30.10.1968 trafen sich die Vorsitzenden folgender Veltheimer Vereine: Schützenverein, Kyffhäuserkameradschaft, Reiterverein, Gesangverein „Arion“, Freiwillige Feuerwehr, Landjugend und SuS Veltheim in der Schule in Veltheim, um das erste Veltheimer Dorfgemeinschaftsfest zu organisieren. Die Vorgespräche zur Gründung dieser Dorfgemeinschaft begannen schon in 1967 und wurden von dem damaligen Bürgermeister Karl Krüger vorausschauend eingeleitet.

In der Sitzung vom 30.10.1968 übertrug die Gemeinschaft Wilhelm Edler den Vorsitz dieser Vereinsgemeinschaft, die es als solches im ganzen Amt Hausberge noch nicht gab.

 In dieser denkwürdigen Sitzung wurde dann festgelegt, dass das 1. Dorfgemeinschaftsfest vom 29.8.1969 bis zum 31.8.1969 veranstaltet werden sollte. Und so geschah es: In 1969 wurde das 1. Dorfgemeinschaftsfest gefeiert und es wurde ein voller Erfolg! Dazu noch folgende Anekdote: „Der Vorsitzende Wilhelm Edler stand zusammen mit dem Bürgermeister Karl Krüger vor dem großen Festzelt und meinte –„ob das Zelt wohl voll wird?“, Darauf Karl Krüger: „Keine Sorge, der ganze Sprengelweg ist schwarz voller Menschen.“

Diesem ersten Gemeinschaftsfest folgten noch viele tolle Veranstaltungen auf dem Veltheimer Festplatz.

1987 gab der unvergessene Motor der erfolgreichen Dorfgemeinschaftsfeste, Wilhelm Edler, den Vorsitz ab. Reinhold Kölling übernahm neben seinen Vorstandsaufgaben im Sportverein das Amt und führte die Arbeit der Dorfgemeinschaft erfolgreich weiter. In dieser Zeit wurden „Veltheimer Olympiaden“ , das legendäre „Kuhfladenroulette“ und andere tolle Veranstaltungen durchgeführt und begeisterten die Veltheimer. 1993 gab sich die Dorfgemeinschaft erstmals eine Satzung.

1995 übernahm Reinhold Kölling das Amt des Ortsheimatpflegers und gab den Vorsitz der Dorfgemeinschaft an Karl-Willi Dornemann ab und fungierte als Stellvertreter. 1996 feierte der Ort dann unter Leitung beider Vorsitzenden eine gelungene Festwoche zum 1100-jährigen Jubiläum von Veltheim, dessen Höhepunkt ein toller Festumzug durch Veltheim war.

Aufgrund einer schweren Erkrankung musste der Vorsitzende Karl-W. Dornemann Ende der 90-ziger Jahre seinen Rückzug antreten. Übergangsweise übernahm Bernd Schwichow die Position. In dieser Phase hatten die Vereine sehr mit ihren eigenen Aufgaben zu tun und der Gemeinschaftssinn kam vorübergehend ein wenig zu kurz.

Auf Initiative des Ortsheimatpflegers Reinhold Kölling und mit Unterstützung von Gerhard Oberschelp und Karl-Erich Schmeding gab es in 2005 eine Wiederbelebung der traditionsreichen Dorfgemeinschaft in Veltheim. Am 6.6.2005 wurde ein neuer Vorstand gewählt und neben den Gründungsvereinen von 1967 (einige gab es schon nicht mehr) die Aufnahme weiterer Gemeinschaften aus Veltheim gestattet. Die „neue“ Dorfgemeinschaft Veltheim war geboren, Karl-Erich Schmeding setzte sich in geheimer Abstimmung gegen Gerhard Fiedler als Vorsitzender durch. G. Fiedler wurde Stellvertreter.

Mit dem neuen Vorstand und dem Ortsheimatpfleger bereitete man für 2007 die 1111-Jahr Feier Veltheims vor. Grandios lief dann die „Show“ Zeitreise in der vollbesetzten Karl-Krüger Halle ab, die vom Ortsheimatpfleger zusammengestellt und moderiert wurde. Daran denken die Veltheimer immer noch gern zurück. In dieser Veranstaltung gründete sich auch der „Veltheim-Bund“, die Partnerschaft mit den anderen Veltheims. 2013 übernahm dann Randulph Noack den Vorsitz der Dorfgemeinschaft.

Es ist Karl Krüger und Wilhelm Edler zu verdanken, dass diese Dorfgemeinschaft 1967 gegründet wurde und inzwischen mehr als 50 Jahre besteht.

Einen solchen Gemeinschaftsgedanken gab es in den anderen Orten nicht. Viele Orte zogen später nach. Veltheim hatte ein gutes Beispiel gegeben.

Nach einer neuerlichen Vakanz im Vorstand im Jahre 2017 (der Vorsitzende R. Noack und sein Stellvertreter P. Ruhe waren zurück getreten), kümmerte sich abermals der Ortsheimatpfleger um eine Neuordnung und Weiterführung der Dorfgemeinschaft. In 2018 wurde eine junges Team in den Vorstand gewählt. Oliver Edler, Enkel des Mitbegründers Wilhelm Edler übernahm den Vorsitz und Ilka Tiemann wurde stellvertretende Vorsitzende. Unter Leitung des neuen Vorstandsteam konnte dann in 2018 ein sehr  gut besuchter Weihnachtsmarkt rund im die Veltheimer Kirche stattfinden und die traditionsreiche Veranstaltung wurde erfolgreich fortgeführt.  


 

Die Veltheimer Werbegemeinschaft

Im Oktober 1983 gründete sich in Veltheim erstmals eine Werbegemeinschaft. Elf Veltheimer Geschäftsleute schlossen sich zu dieser Gemeinschaft zusammen, um gemeinsam mit Aktionen auf sich aufmerksam zu machen. Den Vorsitz dieser Werbegemeinschaft hatte von 1983 bis 1988 Reinhold Kölling (Vorstand Volksbank) , inne, der auch die Idee zur Gründung dieser Gemeinschaft hatte und diese mit Wilhelm Camen vom Edeka-Markt Camen umsetzte. Ihm folgte dann 1988 Werner Lehnert vom Textilhaus Lehnert als Vorsitzender, später hatte Günter Nehrmann das Amt inne.

Eine erste große Werbeaktion fand am 26.11.1983 im Veltheimer Zentrum statt. In einer Verlosungsaktion wurden Hubschrauberrundflüge über Veltheim und Umgebung verlost. Insgesamt 45 Rundflüge kamen zur Verlosung und begeisterten das zahlreich erschienene Publikum, da der Hubschrauber jeweils in der Wiese am Edeka-Markt startete und landete.. Imbiss- und Getränkestände auf dem Volksbankparkplatz rundeten den Event ab.

Ab 1984 veranstaltete die Werbegemeinschaft jährlich in der Vorweihnachtszeit dann viele Jahre das „Mühle-Spiel“, eine Rabattsammelaktion mit Preisen in Gesamthöhe von rd. 3000.- Euro. Die öffentliche Verlosung fand erstmals am 29.12.1984 im Saal Buschmann im Rahmen eines bunten Nachmittags bei Kaffee und Kuchen, und mit Moderation des Vorsitzenden R. Kölling statt. Diese Aktion lief dann etliche Jahre.

In 1986 veranstaltete die Werbegemeinschaft den 1. Veltheimer Weihnachtsmarkt. Dieser wurde auf dem Parkplatz vom Edeka-Markt Camen aufgebaut und sehr gut von den Bürgerinnen und Bürgern angenommen.

In späteren Jahren schliefen die Aktivitäten der Werbegemeinschaft ein wenig ein, so dass man sich 2005 entschloss, einen Neubeginn zu starten. Es folgten noch einige Aktivitäten, doch einige Jahre später löste sich die Gemeinschaft dann auf.